- TÜRKEY -

KÜRZBERICHT

KOMPLETTBERICHT

- Düsseldorf - Antalya - Alanya -

Flug von Düsseldorf nach Antalya, Landung um 10.10 Uhr

Fahrt mit dem Reisebus nach Alanya, Einchecken ins Hotel

Individuelle Fahrt mit Dolmus ins Zentrum von Alanya

Spaziergang durch die Altstadt und zum seldschukischen Roten Turm (Kizil Kule)

Übernachtung im Hotel Sevkibey, Alanya

- Alanya - Anamur - Mersin -

Fahrt mit dem Bus Richtung Osten entlang der Küste und durch die Ausläufer des Taurus-Gebirges (u.a. über Gazipasa)

Pause bei der Stadt Anamur, Besichtigung der Kreuzritterburg am Cap Anamur direkt an der Küste

Weiterfahrt entlang der Küste und durch das Taurus-Gebirge, dann Mittagspause im Restaurant direkt an einem herrlichen einsamen Naturstrand

Weiterfahrt nach Osten über Silifke in der Kilikischen Ebene

Besichtigung zwei großer Einsturzdolinen, sog. Himmel und Hölle (Cennet et Cehennem), gelegen ca. 20 km östlich von Silifke (bekannte geologische Attraktion)

Photopause im Dorf Kizkalesi (einige km südlich von den Einsturzdolinen) mit Blick auf die Ruine der sog. Jungfrauenburg auf einer Insel im Meer

Unvorhesehener längerer Aufenthalt an der Jungfrauenburg wegen eines Zwischenfalls mit unserem Bus

Weiterfahrt nach Mersin, dort Einchecken ins Hotel, Abendessen, danach individueller Spaziergang durch die Stadt

Übernachtung im Hotel Merit, Mersin

- Mersin - Antakya - Gaziantep -

Fahrt über Autobahnen nach Osten und dann nach Süden (Richtung syrische Grenze) über u.a. Tarsus, Adana, Iskenderun

Ankunft in Antakya (antikes Antiochien) und hier verschiedene Besichtigungen:

Besichtigung des Mosaikmuseums im Stadtzentrum

Spaziergang durch die Altstadt, Besuch des Schulhofes einer Grundschule

Besuch im katholischen Gemeindezentrum in der Altstadt

Besichtigung der benachbarten orthodoxen Kirche

Mittagsessen im Freien in der Altstadt

Besichtigung der Petrusgrotte am Stadtrand, die als die erste christliche Kirche gilt

Weiterfahrt Richtung Norden nach Gaziantep, zur Hauptstadt des Pistazienanbaus

Individueller Spaziergang durch die Einkaufstraßen in Gaziantep

Übernachtung im Hotel Tugcan, Gaziantep

- Gaziantep - Nemrut Dag - Malatya -

Busfahrt Richtung Nordosten durch eine typisch anatolische wildromantische Landschaft; über Besni und die Provinzhauptstadt Adiyaman zum Dorf Kahta

In Kahta eine Pause, dann Weiterfahrt mit zwei Kleinbussen zum Berg Nemrut Dag; unterwegs eine Pause in einem kleinen Berghotel und die Kostprobe von Baklava

Weiterfahrt zum Parkplatz am Fusse des Nemrut Dag, Besteigen des Tumulus zu Fuß

Besichtigung der Antiochos-Grabstätte mit den Statuen auf der Ost- und Westterrasse, Ausblick auf die karge Berglandschaft und den Atatürk-Stausee

Rückfahrt mit den Kleinbussen nach Kahta, kurze Zwischenpause und dann Weiterfahrt mit dem Reisebus Richtung Adiyaman

Kurz vor Adiyaman eine längere Zwangspause wg. einem Busschaden

Fahrt in einem Ersatzbus Richtung Norden, nach Malatya (Provinzhauptstadt und Hauptstadt der Aprikosen) - rasante Fahrt Nachts über eine kurvenreiche Gebirgsstraße

Kurz vor 21.00 Uhr Ankunft im Hotel in Malatya nach einer sehr strapaziösen Fahrt, Abendessen im Hotelgarten

Übernachtung im Hotel Altin Kayisi, Malatya

- Malatya - Kayseri - Kappadokien -

Busfahrt durch eine hügelige und zerkluftete Landschaft Richtung Westen

Kurze Kaffeepause im anatolischen Dorf Gürün mit typischen für die Gegend Lehmhäusern

Fahrt durch die flache zentralanatolische Hochebene

Gegen Mittag ein Zwischenstopp in der Stadt Kayseri am Fusse des Vulkans Erciyas Dag (höchster Berg Zentralanatoliens)

In Kayseri eine Stunde Mittagspause und ein individueller Spaziergang durch das Zentrum (byzantinische Festung von 5./6. Jh, Kursunlu Camii - die "Bleidachmoschee", andere seldschukische Bauwerke, Basar)

Gemeinsame Besichtigung einer Moschee im seldschukischen Baustill im Stadtzentrum von Kayseri

Weiterfahrt Richtung Westen nach Kappadokien

Nachmittags Busrundfahrt durch die aufregende Landschaft Kappadokiens mit drei Photopausen:

Am Aussichtspunkt oberhalb des Tals von Göreme

Bei der Burg Uchisar erbaut in einem hohen Tuffsteinfelsen

In einem Tal bei sehr bizarren Tuffsteinformationen

Übernachtung im Hotel Yiltok bei Avanos

- Kappadokien (Zelve, Göreme, Kaymakli, usw.) -

Ganztägige Besichtigungen und Fahrten in verschiedenen Teilen Kappadokiens:

Photopause bei pilzförmigen Tuffsteinfelsen inmitten einer Weinplantage, kurzer Spaziergang durch die Landschaft und zu den in den Felsen erbauten Wohnungen

Ausgiebige Besichtigung des Naturparks im Tal von Zelve (drei Seitentäler, zahlreiche Höhlenwohnungen, Kirchen mit Resten der Wandmalereien, kleine Moschee)

Rundfahrt durch die verschiedenen Landschaften Kappadokiens mit kurzen Photopausen (u.a. am Wahrzeichen der Region - drei pilzförmige Felsen)

Besichtigung der mehrstöckigen unterirdischen Stadt Kaymakli im Süden Kappadokiens

Kurze Pause bei einer "toten" Stadt in der Nähe von Nevsehir, weitere Photostopps

Mittagsessen in einem Restaurant bei Göreme

Besuch des Freilichtmuseums von Göreme mit etwa 350 Felskirchen und -Kapellen aus dem 9.-13. Jh. mit schönen Wand- und Deckenmalereien; Innenbesichtigung von 5 Kirchen: St. Basilius, St. Barbara, St. Onophrius oder Yilanli-(Schlangen-) Kirche, Carikli- (Sandalen-) Kirche, Tokali-Kilise-Kirche (Kirche zur Goldenen Schnalle)

Besichtigung einer Teppichknüpferei und anschließend einer Töpferei bei Avanos (unterirdisch im weichen Tuffstein erbaut)

Übernachtung im Hotel Yiltok bei Avanos

- Kappadokien - Sultanhani - Konya - Antalya -

Abfahrt von Kappadokien über die Provinzhauptstadt Nevsehir Richtung Westen

Fahrt durch das Anatolische Plateau an einigen zerfallenen seldschukischen Karawansereien vorbei; eine Pause in Aksaray

In Sultanhani Besichtigung der schönsten noch erhaltenen seldschukischen Karawanserei und eine Kaffeepause

Fahrt nach Konya über die südwestanatolische Steppenlandschaft; dort verschiedene Besichtigungen:

Besuch der Moschee Selimiye Camii aus dem 16. Jh. im Stadtzentrum

Besichtigung des Mevlana-Müzesi, des einstigen Klosters und jetzigen Museums des heute verbotenen Derwisch-Ordens (incl. Mevlana-Mausoleum)

Indiv. Spaziergang durch das benachbarte Altstadtviertel und Basar

Fahrt über das Taurus-Gebirge zurück nach Antalya an der Türkischen Rivera, Ende der Rundreise

Übernachtung im Hotel Baymurat, Antalya (an der Küste, ca. 6 km östlich des Stadtzentrums)

- Antalya - Side -

Vor dem Frühstück indiv. Spaziergang zu den unweit des Hotels gelegenen Unteren Düden Wasserfällen

Bustransfer zum Hotel Terrace in Side-Kumköy

Eichecken ins Hotel, danach Erkundungen der Hotelgegend und des Stadteils Side-Kumköy

Fahrt mit einem Dolmus ins alte Zentrum von Side

Spaziergang durch die Altstadt und Besichtigungen (antike Stadtmauer mit dem Haupttor, Säulenstraße, Amphitheater, Ruinen des Apollo-Tempels und der antiken Bibliothek)

Abends Rückfahrt ins Hotel, Abendessen

Übernachtung im Hotel Terrace, Side-Kumköy

- Side - Insel Kekova - Demre - Side -

Abfahrt vom Hotel zu einem Tagesausflug an die Lykische Küste

Fahrt über Antalya, dann über Serpentinenstraßen an der Küste an Kemer und Demre vorbei bis zu einem Boots- und Yachthafen

Bootsfahrt zur Insel Kekova und dann eine Fahrt vorbei an den Ruinen der im Meer versunkenen antiken Stadt Apollonia vor der Inselküste und später an den Resten des antiken Ortes Simena auf dem Festland

Fahrt mit dem Holzboot zu einer malerischen Bucht und eine Badepause

Rückfahrt mit dem Bus nach Demre und dort das Mittagsessen

In Demre (antikes Myra) Besichtigung der Ruine der Hl.-Nikolaus-Kirche aus dem 11. Jh.

Fahrt zu den in Felsen gehauenen Lykischen Gräbern am Stadtrand von Demre; Besichtigung der Gräber und des benachbarten Amphitheaters

Rückfahrt nach Side-Kumköy, Ende des Tagesausfluges

Übernachtung im Hotel Terrace, Side-Kumköy

- Side - Perge - Aspendos - Side -

Abfahrt vom Hotel zu einem Tagesausflug nach Perge und Aspendos

Ankunft in der antiken Stadt Perge gelegen kurz vor Antalya in der fruchtbaren pamphylischen Ebene

in Perge u.a. Besichtigungen von Ruinen der Stadtmauer mit Stadttoren, Kolonnadenstraße, Agora (Marktplatz), Thermen und Stadion

Fahrt zum Naturpark Kursunlu Selalesi in der Nähe von Antalya, hier eine Stunde Freizeit: indiv. Spaziergang durch den umliegenden Wald zu den Kursunlu Wasserfällen

Rückfahrt Richtung Side, dann hinter Serik Abbiegen ins Hinterland und Fahrt am Aspendos vorbei zum Köprü-Fluß

Mittagsessen im Freien in einem Restaurant am östlichen Ufer des Köprü-Flußes

Besichtigung des berühmten riesigen römischen Amphitheaters von Aspendos

Rückfahrt zum Hotel im Side-Kumköy, Ende des Ausfluges

Indiv. Fahrt mit Dolmus nach Side, Spaziergang durch die Altstadt und zum Apollo-Tempel

Übernachtung im Hotel Terrace, Side-Kumköy

- Side - Antalya - Düsseldorf -

Strandspaziergang vom Hotel bis ins Zentrum von Side und zurück (2 Std.)

Erholung im Garten der Hotelanlage, Auschecken aus dem Hotel

Mittagsessen in der Einkaufszone von Kumköy

Transfer zum Flughafen in Antalya

Rückflug nach Düsseldorf, Landung um ca. 23.30 Uhr

1. Tag:

- Düsseldorf - Antalya - Alanya -

Drei Monate her, habe ich gerade meine Tour «South America-Fakir-Tour» beendet, der anfing am 01.02. in Rio de Janeiro in Brasilien und endigte am 02.11.1987 in Isla Providencia in Kolumbien. Ich brauchte wieder ein bisschen Urlaub. Wir sind im Anfang der dritten Woche vom Monat Januar.

Der heutige Tag beginnt schon sehr früh, denn der Abflug der LTU-Maschine ist bereits um 6.00 Uhr vorgesehen. Das Flugzeug startet in Düsseldorf auch sehr pünktlich und wir landen in Antalya bereits um 10.10 Uhr Ortszeit (+1 St), also 10 Minuten früher als geplant. Auch die Paßkontrolle und die Gepäckausgabe gehen zügig voran. Vor dem Flughafen stehen schon unzählige Busse, die alle Touristen, die heute aus Deutschland in Scharen einfliegen (alleine in Düsseldorf starteten heute morgen 7 Maschinen nach Antalya), in die entsprechenden Hotels bringen sollen. Bald sitze auch ich im richtigen Bus. Jetzt beginnt aber die Warterei. Es fehlen scheinbar einige Personen, die beim Busbegleiter auf der Liste stehen. Um 11.45 Uhr entscheidet er endlich loszufahren, ohne weiter zu warten. Das Wetter ist nicht besonders schön, es gibt viele Kumuluswolken und nur selten sieht man den blauen Himmel. Zudem herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die erste Übernachtung ist in Alanya vorgesehen. Der Bus fährt über die Schnellstraße entlang der türkischen Riviera. Zunächst führt die Straße aber ins Hinterland, durch landwirtschaftlich geprägte Landschaft. Erst nachdem wir Side passiert und den Fluß Manavgat überquert haben, nähert sich die Straße an die Mittelmeerküste. Die Küste ist überwiegend felsig und steil, aber immer wieder gibt es auch Stein- und Sandstrände. Unterwegs fallen mir ins Auge die vielen typischen Kuppeln und Minarette der Moscheen. Den ganzen Weg begleiten uns Wolken, aber sie werden immer weniger, je weiter wir nach Osten kommen. In Alanya angekommen, werden alle Gäste in ihre Hotels gebracht (wir fahren 12 Hotels an). Die Rundreiseteilnehmer erreichen um ca. 15.00 Uhr als letzte das Hotel, das wie sich zeigt, ein gutes Stück hinter der Stadt Alanya an der Küstenstraße liegt. Das Hotel "Sevkibey" ist klein und gemütlich. Hier wartet auf uns schon ein Fax mit der Teilnehmerliste unserer Rundreise - es sind insgesamt 12 Personen. Da bis zum Abendessen noch Zeit genug ist, entschließe ich mich nach kurzer Erfrischung im Hotel um ca. 15.45 Uhr ins Zentrum von Alanya zu gehen. Zwischenzeitlich ist auch das Wetter besser geworden. Über dem Meer gibt es blauen Himmel aber dafür sind die Berge hinter Wolken und Dunst versteckt. Nach einigen Metern zu Fuß sehe ich einen stehenden Dolmus, der gerade abfahrtbereit zu sein scheint. Der Fahrer bestätigt meine Vermutung und für 2,- DM, die die 15-minutige Fahrt kostet, gelange ich ins Zentrum von Alanya. Dort spaziere ich durch die Altstadt und finde auch schnell den seldschukischen Roten Turm (Kizil Kule)  - das Wahrzeichen der Stadt. Die auf dem ins Meer hineinragenden Felsen über die Stadt herrschende Burgruine lädt auch zur Besichtigung ein, leider fehlt mir die Zeit, den Felsen zu erklimmen. An einer Straße in der Nähe des Roten Turmes entdecke ich mehrere Internet-Cafés und suche eins davon auf, um einige Emails zu verschicken. Dann wandere ich noch etwas durch die Stadt, bis ich den Felsen auch von der anderen Seite sehen kann. Es wird aber langsam Zeit, zurück ins Hotel zu gehen, wenn ich das Abendessen nicht kalt essen will. Ich entscheide mich, zurück zu Fuß zu gehen, zum einen, um mich noch etwas zu bewegen und auch um den Weg entlang der Küste zu genießen,  zum anderen, weil ich den Hotelnamen mir nicht richtig gemerkt habe. Aus dem fahrenden Dolmus wäre dann schwierig zu erkennen, wo ich aussteigen muß. Es wird zunehmend schwül und dunstig (85% Luftfeuchtigkeit, wie ich später erfahre), bald verschwindet der blaue Himmel und auch der Felsen von Alanya hinter einem weißen Schleier. Der Weg ins Hotel ist weiter als ich dachte, und nach über 1 Stunde schnellen Marsches erreiche ich endlich um 19.00 Uhr das Quartier. Nach dem Abendessen erkunde ich noch kurz die nähere Umgebung, es ist aber dunkel und es gibt kaum etwas Interessantes in der Nähe. Es ist also Zeit ins Bett zu gehen, um sich vor dem morgigen Beginn der Rundreise noch gut zu erholen.

Alanya - Blick Richtung Osten auf eine Bucht (in der Nähe des  Roten Turmes )

2. Tag:

- Alanya - Anamur - Mersin -

Die Abfahrt vom Hotel ist heute gegen 8.00 Uhr vorgesehen. Der Reisebus wartet schon vor dem Hotel. Wie alle Touristenbusse in der Türkei, hat auch er eine Nummer - die 13. Nach einer kurzen Begrüßung unserer kleinen Reisegruppe durch den Reiseleiter erfahren wir von ihm, daß unser Busfahrer auf türkisch Freitag (= Cuma) heißt. Ob diese Kombination gut geht? Das werden wir noch erfahren. Wir starten pünktlich und fahren Richtung Osten, zunächst in einem gewissen Abstand von der Küste - bis wir Gazipasa erreichen, wo 117 n. Chr. der römische Kaiser Trajan starb. Ab Gazipasa führt die Straße abwechselnd an bzw. über der Küste oder biegt zur Umgehung von Talmündungen landeinwärts.  Der Weg ist sehr kurvenreich, er führt in vielen starken Windungen ständig auf- und abwärts und zwängt sich in die steilen Klippen des Taurus-Gebirges, die an manchen Stellen einige Hundert Meter steil nach unten ins Meer fallen. Die Straße ist stellenweise sehr schmal und hat kaum Leitplanken an den steilen Abhängen.  Manchmal fühle ich mich wie im Flugzeug, wenn ich aus dem Busfenster rausschaue und rechts kein Land sehe, sondern nur die Wellen, die 100 oder 200 Meter unter uns gegen den blanken Felsen schlagen. Manche im Bus schlafen da lieber. Der Busfahrer muß eiserne Nerven haben, besonders wenn andere Fahrzeuge uns entgegen kommen. Zum Glück hält sich heute der Verkehr in Grenzen, obwohl dies die einzige Straßenverbindung zwischen Alanya und Silifke ist. Wegen des hohen Taurus-Gebirges im Norden gibt es auch keine Straßenverbindungen, die landeinwärts führen. Man mag sich nicht vorstellen, was im Fall eines Unfalls passiert, oder wenn ein Auto wegen eines Defektes auf dieser Strecke stehen bleibt. Der Reiseführer sagt uns, es gebe eine Busverbindung zwischen Mersin und Antalya, und die Busse verkehren nur nachts (11-12 Stunden)!!! Das Wetter ist anfangs nicht besonders gut, es gibt viele Quellwolken, die auf den Gipfeln des Taurus-Gebirges hängen bleiben. Die Luft ist sehr dunstig und den ganzen Tag herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Am späten Vormittag wird das Wetter aber langsam besser, und Sonne zeigt sich desto mehr, je weiter wir Richtung Osten kommen. Unterwegs fahren wir immer wieder durch herrlich saftig grüne Wälder mit Aleppo-Kiefern.  Als erstes Ziel am heutigen Vormittag erreichen wir die Stadt Anamur, gelegen in einer weiten Flußebene am Cap Anamur - dem südlichsten Punkt von Kleinasien. Wir fahren durch die Stadt bis zur Küste, und halten dann bei der imposanten Kreuzritterburg Anamur an, die aus dem frühen Mittelalter stammt. Die Burg ist als berüchtigter Korsarenstützpunkt entstanden, und wurde später von den Kreuzfahrern ausgebaut. Während einer ca. halbstündigen Besichtigung der Burganlage klettern wir auf den kleinen Turm an der Außenmauer.   Von hier aus hat man einen wunderschönen Rundblick über die Anlage und die Umgebung.  Inmitten der Burg befindet sich auch eine später erbaute kleine Moschee.  An den Stränden vor der Burganlage gibt es viele Brutplätze von Meeres-Schildkröten. Einige kleine Schildkröten schwimmen auch im Wassergraben an der Burg.  Hinter Anamur beginnt wieder die kurvenreiche und schmale Küstenstraße am Rande des Taurus-Gebirges, über die wir zeitweise nur mit Tempo 30 fahren können. Teilweise führt sie landeinwärts, teilweise verläuft direkt an der Küste und bietet atemberaubende Ausblicke  auf die steile und zerklüftete Küstenlinie. Unterwegs sehen wir auf einer Anhöhe die Ruine einer weiteren Festung aus byzantinischer Zeit. Nach ca. 2 Stunden Fahrt halten wir bei einem einsamen Restaurant an, gelegen an einem herrlichen Naturstrand, wo unzählige lilienähnliche Pflanzen weiß blühen.   Nach einer kurzen Stärkung (leckere gefüllte Zucchini) mache ich noch einen Spaziergang auf dem Strand. Während andere aus unserer Gruppe das Restaurant von Innen "erleben", genieße ich den wunderbaren menschenleeren Strand  und das einmalig türkisfarbene Meer beim zwischenzeitlich sehr schön gewordenen Wetter. Nach der Mittagspause geht es noch etwa 2 Stunden lang weiter in die östliche Richtung. Die Straße führt immer noch entlang der steilen Küste - manchmal in schwindelerregender Höhe -   an zahlreichen schönen Buchten mit tiefblauem Wasser und umgeben durch Kieferwälder, bevor sie sich kurz vor Silifke in die Kilikische Ebene absenkt. Die Stadt Silifke hat eine lange und reiche Geschichte und ist heute ein Urlaubszentrum für die Einheimischen. Auf unserer Durchfahrt sehen wir von der Stadt jedoch nicht viel, lediglich die modernen Hochhäuser in den Vororten fallen - wie in jeder größeren türkischen Stadt - ins Auge. Im Stadtzentrum krönt auf einem Hügel die Ruine einer Kreuzfahrerfestung. Wir überqueren auch den Fluß Göksu, in dem 1190 der römische Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Weg nach Jerusalem ertrank. Nach weiteren etwa 20 km erreichen wir eine etwas landeinwärts gelegene, seltsame geologische Attraktion - zwei große Einsturzdolinen, die Himmel und Hölle (Cennet et Cehennem) genannt werden. Sie sind durch eine chemische Erosion durch einen unterirdischen Fluß entstanden. Das größere "Loch" - der Himmel - ist begehbar, und wir können auf eigene Faust über die 452 Treppen (überwiegend im Felsen gemeißelt) runter gehen.  Das 100 m lange, 250 m breite und 70 m tiefe Loch diente früher als Versteck für die verfolgten Christen. Unten befindet sich eine byzantinische Kapelle ohne Dach, denn der überhängende Felsen schützt sie vor dem Niederschlag.   Dahinten führt der Weg weiter zu Typhons Grotte - einer schlammigen großen Höhle.  Auf dem Weg hinauf merke ich erst den Höhenunterschied. Unten am Eingang zur Grotte war es angenehm kühl; jetzt wird mit jeder Stufe nach oben ein Stückchen wärmer, und der Aufstieg entwickelt sich langsam zu einer Qual. Schweißgebadet oben angekommen, spüre ich deutlich, wie schwül und heiß der heutige Tag ist. Das zweite Loch - die Hölle - ist kleiner im Durchmesser und etwa 100 m tief, aber umzäunt und nicht begehbar. Grund dafür sind angeblich giftige Gase, die unten aus dem Erdinneren heraustreten. Einige Kilometer weiter südlich - im Dorf Kizkalesi - machen wir auf einem Parkplatz an der Küste die letzte für heute geplante Photopause. Von hier sieht man sehr gut die auf einer kleinen Insel im Meer gelegene sog. Jungfrauenburg (Kizkalesi-Burg, auch Mädchenschloß genannt)  sowie die Ruine einer Landburg am Ufer.  Einer Legende zufolge wurde früher in der Jungfrauenburg eine Königstochter eingeschlossen, nachdem ihr ein Seher vorausgesagt hätte, sie würde an einem Schlangenbiß sterben. Die Inselburg hat sie aber auch nicht schützen können - am Boden eines Früchtekorbes, den sie von einem Verehrer bekam, befand sich eine giftige Schlange. Die Moral der Geschichte - dem Schicksal kann man leider nicht entkommen . . . Nach der kurzen Pause sitzen wir bald wieder im Bus abfahrtbereit zur letzten Etappe nach Mersin. Wir rollen langsam vom Parkplatz zur Straße, da sehe ich plötzlich rechts vom Bus eine Staubwolke und einen hölzernen Telefonmast, der sich langsam neigt und eine Steinmauer zum Einsturz bringt. Was ist los? Der Bus ist in Telefonleitungen "eingewickelt". Als unser Busfahrer die Situation merkt, hält er an. Es stellt sich heraus, daß wir eine tiefhängende Telefonleitung mit unserem Bus runtergerissen haben, die der Besitzer eines an der Landburg gelegenen Restaurants - wahrscheinlich nicht fachgerecht - von dem Nachbarmast über eine ziemlich große Entfernung über dem Parkplatz zu seinem Objekt aufgehängt hat. Es wird die Polizei und Telekom benachrichtigt, für uns beginnt eine lange Warterei auf dem Parkplatz.   Nach einiger Zeit kommen die Polizisten, später Leute von der Telekom, und auch die Mitarbeiter des Restaurantbesitzers. Es wird heftig diskutiert und gestikuliert - leider verstehen wir nichts. Später gehen wir ins Restaurant etwas trinken. Die Polizisten fahren in die Wache zurück, wohl um dort dem Chef ein Protokoll unterschreiben zu lassen, und die Zeit vergeht weiter. Nach etwa 1 Stunde kann es endlich losgehen. Wir hätten Glück gehabt, sagt uns der Reiseleiter, daß die Polizisten unbürokratisch gehandelt haben. Sonst hätte es viel länger gedauert - ein Gericht hätte entscheiden müssen, denn die Leute des Restaurantbesitzers waren sich keiner Schuld bewußt und bestanden auf Schadensersatz. Ihr Chef war wohl ein bedeutender Mann im Dorf und die örtlichen Polizisten sind natürlich auf seiner Seite gewesen. Unseren Reiseleiter hat es schließlich 150,- DM für die eingestürzte Steinmauer gekostet (und wohl auch für die Polizisten) - dafür haben die Anderen auf weitere Formalitäten verzichtet, und wir konnten weiterfahren. Und das alles an einem schon in der Legende so schicksalhaften Ort . . . Aber wie war das? Heute ist der 13. September, unser Fahrer heißt Freitag und der Bus hat die Nummer 13 . . . Nach einigen Kilometern hinter Kizkalesi fahren wir über das Ruinengebiet von Ayas, dann durch eine Ebene, ab und zu an der Küste entlang. Nach etwa 50 km erreichen wir endlich gegen 18.00 Uhr die Vororte von Mersin. Es ist eine aufstrebende Musterstadt. In den Vororten stehen unzählige neue Wohnhäuser - so weit das Auge reicht. Sie begleiten uns bis ins Stadtzentrum, das wir gegen 19.00 Uhr erreichen. Auf den Straßen herrscht eine orientalische Atmosphäre. Es ist schon fast dunkel als wir neben einer großen Moschee fahren und bald aus der Ferne auch unser Hotel sehen. Das 5-Sterne Hotel "Merit" ist mit seinen 46 Etagen das zweithöchste Gebäude in der Türkei (bis zum 30. Stockwerk befinden sich Büros, darüber das Hotel). Ich beziehe ein Zimmer in der 45. Etage, und genieße aus dem Fenster das Lichtenmeer tief unten. Nach dem ausgiebigen Abendessen gehe ich gegen 20.00 Uhr noch in die Stadt. In den kleinen Läden herrscht immer noch Hochbetrieb. Und draußen ist es trotz Abendzeit sehr heiß und schwül. Nicht umsonst gilt Mersin als die heißeste und feuchteste Stadt der Türkei.

Kreuzritterburg Anamur - Blick durch eine Fensteröffnung im Turm

Ein einsamer Strand an der Mittelmeerküste zwischen Anamur und Silifke - Blick nach Osten

Dorf Kizkalesi - die mittelalterliche Jungfrauenburg auf einer Insel im Mittelmeer

3. Tag:

- Mersin - Antakya - Gaziantep -

Heute ist das Wecken bereits um 6.30 Uhr angesagt. Nach dem Frühstück gelingt es mir noch, durch die Fensterscheiben (leider verschmutzt) meines hoch gelegenen Hotelzimmers einige wenige Panoramaaufnahmen von Mersin im Schein der aufgehenden Sonne zu machen.   Aber die Zeit drängt. Gegen 7.30 Uhr verlassen wir das Hotel und ich werfe noch die letzten Blicke auf das riesige Hotel und die Stadt, die wir zum ersten Mal bei Tageslicht sehen.  Die Fahrt führt auf einer dreispurigen Autobahn, die jetzt fast leer ist, über Tarsus in der Klikischen Ebene (Geburtsort des Apostels Paulus; der antike Teil der Stadt liegt heute ca. 6-7 m tief unter dem Schwemmland des Tarsus-Flußes begraben) und über Adana (eine wirtschaftlich sehr wichtige 2-Millionen-Stadt in der fruchtbaren Cukurova-Ebene), unweit vom Südausgang des wichtigsten Tauruspasses - der "Klikischen Tore". Zunächst ist es noch sehr diesig. Bei der Durchfahrt durch Adana fallen ins Auge riesige Neubaugebiete am Stadtrand mit großen Wohnblocks und Hochhäusern. In der fruchtbaren Ebene um Adana gibt es viel Landwirtschaft, insbesondere auch Baumwollanbau. Ca. 40 km hinter der Stadt fahren wir wieder an einer mittelalterlichen Kreuzfahrerfestung vorbei, die auf einem Felsen über der Landschaft thront. Nach einigen weiteren Kilometern biegen wir auf eine andere Autobahn nach Süden ab, Richtung Iskenderun (ehem. Alexandria). Die Strecke führt an dem antiken Schlachtfeld von Issos vorbei, auf dem im Jahre 333 v. Chr. Alexander der Große (Gründer von Iskenderun) den Perserkönig Darius besiegt hatte. Ca. 50 km vor Iskenderun fahren wir durch Lavafelder von früheren Vulkanausbrüchen, die mit schwarzen Steinbrocken und Basaltsäulen bedeckt sind.  Dann begleitet uns im Osten eine Bergkette bewachsen mit wunderschön grünen Kiefern und im Westen - zwischen der Autobahn und dem Mittelmeer - ebenso grüne Felder und Gärten, in denen Zitrusfrüchte angebaut werden. Besonders viele Gärten sieht man in Vororten von Iskenderun.  Bei der Durchfahrt durch die Stadt sieht man aber auch Fabriken der Schwerindustrie, die vom schwarzen Qualm aus den Schornsteinen umgeben sind.  Die Autobahn endet bei Iskenderun. Zu überqueren ist noch eine Bergkette, die zwischen Iskenderun und Antakya (Hatay) liegt. Die Straße führt durch den 664 m hohen Belenpaß und dann erreichen wir die sumpfige Amik-Ebene bei Antakya. Hier sieht man wieder sehr viele Baumwollplantagen,  auf denen gerade geerntet wird. Angekommen in Antakya - dem frühchristlichen Antiochien, wo die Jünger zum ersten Mal Christen genannt wurden - besichtigen wir zunächst das Mosaikmuseum, bevor es gegen Mittag geschlossen wird. Das Museum befindet sich im Stadtzentrum am Fluß Asi und beherbergt neben einigen anderen Exponaten aus der Region vor allem eine bedeutende Sammlung von römischen Mosaiken  aus der Region. Sehr interessant ist auch ein großer und reichlich verzierter Marmorsarkophag einer reichen römischen Familie,   der erst vor kurzem bei Bauarbeiten entdeckt wurde. Auch die drei darin gefundenen Skelette  werden gezeigt.  Danach spazieren wir durch die interessante Altstadt  mit ihren schmalen Gassen und besichtigen u.a. den Schulhof einer Grundschule, die sich in einem ehemaligen katholischen Kloster befindet. Da gerade die Pause beginnt, sind viele Kinder auf dem Schulhof. Für einige ist der Unterricht bereits zu Ende und sie begleiten uns auf dem weiteren Weg. Dabei möchten viele unbedingt, daß man ihnen ein Photo macht und bitten uns ständig darum. Auch ich kann den Bitten von drei kleinen Mädchen nicht widerstehen  und als ich die Kamera in die Hand nehme, posieren sie glücklich und stolz. An einem schönen alten Minarett vorbei  geht ein schmaler Weg zum kleinen katholischen Gemeindezentrum, das sich zusammen mit der Kirche in einem früheren Wohnhaus mit einem schönen Innenhof befindet (in Antakya leben noch ca. 1000 katholische Christen, die Gottesdienste werden aber auch gerne von den jungen orthodoxen Christen besucht, da sie in der Landessprache stattfinden). Nach kurzem Gespräch mit dem katholischen Pfarrer aus Italien gehen wir dann zur benachbarten orthodoxen Kirche, die im Inneren gerade vollständig renoviert wird. Die orthodoxe Gemeinde ist viel größer und besitzt eine richtige Kirche. Das landestypische Mittagsessen (u.a. den leckeren Adana-Spieß) genießen wir in einem Restaurant im Stadtzentrum, sitzend draußen im Schatten der über uns hängenden Weinblätter und -trauben. Unser Busfahrer hat beim Essen auch die willkommene Gelegenheit, seine junge Frau und kleines Töchterchen zu treffen, die hier in Antakya leben. Nach der Mittagspause spazieren wir noch etwas in der Nähe des Restaurants durch die Altstadt und fahren anschließend zur sog. Petrusgrotte am Stadtrand. Diese Grotte am Hang eines Berges diente den ersten Christen als Kirche, und laut der Überlieferung predigte hier auch der heilige Petrus. Sie gilt als die erste christliche Kirche.  Durch die Kreuzritter wurde später vergrößert und mit einer heute sichtbaren Fassade versehen. Von hier gibt es auch einen schönen Ausblick auf die am Fuße des Berges gelegene Stadt.  Nach der Besichtigung der Grotte fahren wir gegen 14.20 Uhr Richtung Gaziantep ab. Der Weg führt zunächst nach Norden entlang der syrischen Grenze im Osten (ca. 10 km von der Straße entfernt) und einer Bergkette (Amanos-Gebirge mit dem Daz Dag - 2262 m) im Westen. Vom Bus sieht man die typischen für diese Gegend Wein- und Baumwollplantagen sowie Felder, wo der rote scharfe Paprika angebaut wird (jährlich wird in der Türkei 6 Kilo Chili-Paprika pro Kopf verbraucht). Um ca. 16.00 Uhr machen wir bei einem Straßencafé eine Teepause. Wir sitzen unter einem herrlichen Platanenbaum inmitten von Baumwollfelder und genießen den guten türkischen Tee. Leider, das Wetter verschlechtert sich, es ziehen immer mehr Wolken auf. Richtung Nordosten wird die Landschaft zunehmend trockener, karger und wilder.  Wir erreichen das Südostanatolien. Immer häufiger sehen wir große rote Flächen auf den Feldern, wo die Chili-Paprikaschotten getrocknet werden. In der Nähe von Gaziantep gibt es auch immer mehr Pistazienbäume (erinnern etwas an die Olivenbäume), die große Trauben von kleinen rot-violetten Früchten tragen. Es ist gerade die Erntezeit der Pistazien und von weitem haben manche dieser Bäume eine rötliche Farbe wegen der vielen Früchte. Gaziantep gilt als die Hauptstadt des Pistazienanbaus. Nach Überquerung eines ca. 1100 m hohen Paßes erreichen wir die Provinzhauptstadt (die ursprünglich Antep hieß und später den Beinamen Gazi = Glaubenskämpfer erhielt) und gegen ca. 17.45 Uhr sind wir in unseren 5-Sterne Hotel "Tugcan", das im Stadtzentrum an einer Geschäftsstraße gelegen ist. Gaziantep, die etwa 70 km nördlich der syrischen Grenze an einem Nebenfluß des Euphrat liegt, gilt als die türkische Musterstadt  - am Stadtrand gibt es großzügig angelegte moderne Wohnsiedlungen, wie wir sie schon häufiger gesehen haben. In der Stadt selbst sieht man natürlich sehr viele Leute (vor allem Schüler und junge Leute) mit Tüten in der Hand, die an frischen Pistazien knabbern. Wie könnte es auch anders sein in der "Pistazien-Hauptstadt". Unser Reiseführer erzählt uns, daß hier auch die beste Baklava - eine süße Spezialität aus Gaziantep (ein Blätterteigkuchen mit mehreren Schichten von Pistazienpasta dazwischen, getränkt im Zuckerwasser) - zu haben ist und verspricht, für morgen 2 Kilo der besten Sorte zu besorgen. Ich gucke etwas skeptisch - wer soll diese 2 Kilo aufessen, ich kenne ja auch schon die unglaublich süßen türkischen Spezialitäten. Aber der nächste Tag belehrt uns eines besseren. Da bis zum Abendessen um 19.30 Uhr noch Zeit genug ist, mache ich einen Spaziergang durch die Einkaufstraßen. Auch das Stadtzentrum macht einen sauberen, geordneten Eindruck. Und tatsächlich an fast jeder Ecke sieht man Straßenhändler, die frische Pistazien anbieten. Auch ich kaufe mir 1 Kilo dieser Früchte für 1,25 Mio. türk. Lira. In vielen Schaufenstern sieht man die Baklava, Hauva und viele andere süße Spezialitäten. Inzwischen wird dunkel und auch die Zeit, zum Abendessen ins Hotel zurückzukehren.

Antakya - die orthodoxe Kirche

Antakya - Eingang zur Grotte des heiligen Petrus

Unterwegs von Antakya nach Gaziantep

4. Tag:

- Gaziantep - Nemrut Dag - Malatya -

Auch heute geht es bereits um 7:40 Uhr los. Vor uns liegt eine der längsten Etappen der Rundreise mit dem Höhenpunkt beim Nemrut Dag - zugleich dem östlichsten Punkt in Ostanatolien auf unserer Tour. Unterwegs durch die Stadt sehen wir wieder viele moderne Gebäude und großzugig angelegte Wohnsiedlungen.  Bevor wir die Steppenlandschaft gleich hinter Gaziantep erreichen, sehen wir am Stadtrand den ersten "Real" Supermarkt in der Türkei. Der Weg Richtung Nordosten führt eine typisch anatolische wildromantische Landschaft.  In dieser leicht hügeligen Hochebene  gibt es zunächst noch viele für die Gegend typische Pistazienbäume mit ihren rötlichen kleinen Früchten. Später fallen ins Auge besonders die Tabakfelder mit gerade blühenden Tabakpflanzen.  Ab und zu passieren wir ein kleines Dorf, fahren über Besni  und nach ca. 130 km erreichen wir die Provinzhauptstadt Adiyaman. Von dort geht es ca. 30 km ostwärts nach Dorf Kahta, dem Ausgangspunkt für die Ausflüge zum Nemrut Dag. Das Dorf liegt an einem Seitenarm des riesigen Atatürk-Staudamms am Euphrat. Wir machen zuerst eine Pause in einem kleinen Hotel, wo wir auch den Bus verlassen. Den Nemrut Berg kann man nämlich nur mit kleineren Geländewagen erreichen. Als wir vor dem Hotel auf unsere Minibusse warten, kommen zwei pinkfarbene Expeditionsbusse aus Schweden an, mit denen mehrere junge Leute auf einer 10-Wochen-Tour nach Katmandu in Nepal sind. Die Busse dienen als fahrendes Hotel, Restaurant etc und sind mit allen nötigen Utensilien wie Tische, Sitzbänke, Leiter, Planen usw. ausgestattet.  Nach kurzem Aufenthalt und Gespräch mit den Schweden besteigen wir zwei für uns bereitgestellte Minibusse und fahren weiter zum berühmten Tumulus. Das Wetter ist inzwischen sehr schön geworden, blauer Himmel, aber je höher und näher wir an den Berg kommen, desto mehr weiße Wolken ziehen wieder auf.  Von Kahta sind es noch ca. 30 km über eine tlw. sehr schmale Straße und weitere 24 km über einen Schotter- bzw. Kopfsteinpflasterweg bis zu dem mit 2150 m höchsten in der Umgebung Berg Nemrut. Wir fahren durch die östlichen Ausläufer des Taurusgebirges. Es ist eine sehr karge, trockene Landschaft  mit kahlen Bergen. Kurz vor der Bergspitze halten wir noch mal bei einem kleinen Berghotel und -Restaurant an. Unser Reiseführer hat tatsächlich die gestern versprochene Baklava dabei. Sie schmecken hervorragend. Ich bin überrascht, denn erwartet habe ich einen extrem süßen faden Kuchen, aber diese Spezialität aus Gaziantep (nach Worten unseres Reiseleiters bei dem besten Konditor geholt) ist wirklich sehr lecker und ich greife ein weiteres Mal zu. In wenigen Minuten ist von dem ersten Kilo nichts mehr übrig. Nach dieser Stärkung fahren wir noch ca. 25 Min über die holprige Piste bis zum Fuß des Tumulus.  Bald sehen wir auch die geheimnisvolle Bergspitze. Der Götterberg Nemrut Dag in der Kommagene wurde erst 1881 von dem deutschen Ingenieur Karl Sester entdeckt und ist bis heute noch nicht endgültig erforscht.  Der Kommagene-König Antiochos I. hat vor ca. 2000 Jahren die Spitze des Berges in kleine Steine zerschlagen und sein eigenes Grab (der noch bis heute unentdeckt blieb) im gewachsenen Fels anlegen lassen. Danach wurde die Steinmasse wieder über sein Grab aufgehäuft und bildet heute den 50 m hohen Gipfel. Die Bergspitze war von drei Terrassen umgeben. Auf der Ost- und Westterrasse befinden sich noch heute gigantische ca. 8-9 m hohe Steinstatuen von Antiochos selbst und verschiedenen Göttern (Zeus, Apollo, Herakles, Kommagene). Die durch Erdbeben gestürzte Köpfe sind unten auf den Terrassen aufgestellt worden. Mit den Kleinbussen kommen wir auf einen Parkplatz etwa 300 m unterhalb des Tumulus an, wo der Weg endet. Von hier steigen wir dann zu Fuß an einem Teehaus vorbei auf den Berg. Der steinige und steile Weg ist nicht ganz leicht, vor allem wegen des Gerölls. Unterwegs und von der Spitze gibt es einen tollen Ausblick auf die umgebenden kargen Berge. Im Südosten erkennt man einen Nebenarm des Atatürk-Stausees  und den Euphrat, leider aber nur sehr schemenhaft, denn die Luft ist sehr dunstig. Bei klaren Tagen ist die Sicht sicherlich kilometerweit möglich. Auch die vorbeiziehenden Wolken hüllen den Tumulus ab und zu in Schatten, aber als wir die Ostterrasse  erreichen, strahlt auf die Bergspitze wieder die Sonne und uns bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Statuen, Köpfe und die Umgebung. Über die Nordterrasse gelangen wir dann auf die Westterrasse, die noch imposanter und spektakulärer ist, vor allem wegen der mehreren gut erhaltenen riesigen (2-3 m hoch) Götterköpfe.    Außerdem befinden sich hier mehrere gut erhaltene Reliefplatten.   Nach etwa 45 Minuten atemberaubenden Aufenthaltes an der Antiochos-Grabstätte beginnen wir den Abstieg. Es folgt eine kurze Trink- und Toilettenpause an dem Teehaus am Parkplatz und dann geht es um ca. 14.00 Uhr mit den Kleinbussen zurück nach Kahta. Dort angekommen verspeisen wir mit Genuß das zweite Kilo der köstlichen Baklava und steigen wieder in unseren frisch geputzten Bus um (der Busfahrer hat die Pause genutzt). Gegen 16.00 Uhr beginnt die Weiterfahrt nach Malatya, wo wir heute übernachten sollen. Dazu müssen wir zunächst den gleichen Weg zurück bis Adiyaman und dann noch ca. 60 km weiter in östlicher Richtung fahren, bis wir eine gut ausgebaute Straße erreichen, die über einen Paß und dann zwischen zwei Gebirgsketten nach Nordosten bis Malatya führt (weitere ca. 120 km). Die Luftentfernung zwischen Katha und Malatya ist natürlich viel geringer, aber dazwischen liegt ein hohes Gebirge und es gibt keine Straßen, die für den Bus befahrbar wären. Unsere Fahrt Richtung Adiyaman dauert jedoch nicht lange. Nach ca. 30 Minuten rattert plötzlich etwas hinten im Bus und der Fahrer hält an. Es stellt sich heraus, daß die Kühlung kaputt ist, beschädigt durch den kaputten Ventilator, von dem drei Blätter abgebrochen sind. Keiner kann sich erklären, wie es dazu kommen konnte. Langsam werde ich abergläubig - denn heute ist ein Freitag, der Bus hat die Nummer 13 und unser Busfahrer heißt Freitag. . . Nach kurzer Beratung beschließt unser Reiseleiter mit dem Busfahrer per Autostop zur glücklicherweise nur einige Kilometer entfernter Stadt Adiyaman zu fahren, um dort irgendeine Hilfe zu organisieren. Wir bleiben ratlos neben unserem Bus auf der Landstraße zwischen weiten Feldern stehen. Es muß ein interessanter Anblick sein, denn fast alle vorbeifahrenden Autos hupen und einige bieten uns auch Hilfe an. Die Zeit zieht sich. Nach einer Stunde kommt endlich unser Busfahrer Cuma mit einigen Mechanikern, die nach lauter Diskussion vor dem Motor bald mit der Reparatur beginnen. Eine Halbe Stunde später kommt auch der Reiseleiter mit einem kleineren Bus. Er hatte in der ihm unbekannten Stadt großes Glück gehabt: auf dem Weg zum Busbahnhof zufällig einen Mann getroffen, den er als Busfahrer aus Antalya kannte. Der Mann kannte wiederum in Adiyaman jemanden mit Bus, der uns weiterhelfen konnte. Auch ein neuer Ventilator für unseren Mercedes-Bus wurde in einem Ersatzteilelager in Gaziantep bestellt und sollte mit dem nächsten Linienbus nach Adiyaman gebracht werden - erzählt uns der Reiseleiter (drei Tage später sehen wir jedoch zufällig, daß im Bus immer noch der alte Ventilator mit gebrochenen Blättern ist).  Wir verstauen unser Gepäck mit einigen Problemen in dem kleinen Bus, und um 18.00 Uhr kann es weitergehen. Cuma bleibt mit den Mechanikern an unserem Bus. In Adiyaman steigt noch der etwa 14jährige Sohn (und wohl auch der Nachfolger, wie wir später angesichts seines offensichtlichen Interesses am Busfahren vermuten) unseres neuen Busfahrers zu. Sofort reicht er an uns eine Flasche Eau de Toilette zum Erfrischen und Abwaschen der Hände und Gesichter. Dann organisiert er eine große Flasche Pepsi-Cola, und verteilt das Getränk auf die unerwarteten Gäste seines Vaters, der heute wegen uns eine Extra-Tour macht. Wir sind von dem exzellenten Service angenehm überrascht. Unterwegs sehen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem anatolischen Gebirge. Als wir auf die Straße nach Norden abbiegen, ist es schon fast dunkel. Es bleibt uns nur den Worten unseres Reiseleiters zu glauben, daß wir gerade über eine landschaftlich sehr malerische Strecke durch die Berge entlang eines Flusses fahren. Sehen kann man nichts mehr. Wir merken aber deutlich, daß die Straße sehr kurvenreich ist. Der Busfahrer scheint sich hier blind auszukennen - so wie er manche Kurven nimmt und im rasanten Tempo andere Autos überholt (später hören wir, daß er die Strecke - 7 Fahrtstunden hin- und zurück - täglich fährt). Manchmal friert uns fast das Blut in den Adern ein, zumal wir unterwegs an einem umgekippten, mit Baumwolle voll beladenem LKW fahren. Mehr als hoffen können wir aber nicht. In einem kleinen Ort machen wir noch eine kurze Pause. Der Bus hält an direkt neben einer Quelle mit sehr gutem und kaltem Wasser. Während wir das Quellwasser probieren, wäscht der Junge schnell mit einem Schlauch den Bus. Ja, aus ihm wird bestimmt ein Busfahrer, wie sein Vater. In der Provinzhauptstadt Malatya, die auch als Aprikosen-Hauptstadt der Türkei gilt, kommen wir um ca. 20.45 Uhr an. Wir steigen vor dem 4-Sterne Hotel "Altin Kayisi" (Goldene Aprikose) aus und werden in der Eingangshalle mit einem kalten Aprikosensaft sowie mit getrockneten Aprikosen begrüßt. Das Abendessen im Garten des Hotels schmeckt ausgezeichnet - wir werden für die Strapazen des heutigen Tages richtig belohnt. Nach mehreren Salaten und landestypischen Vorspeisen bekommen wir als Hauptmenü Kalbsfleisch mit Pilzen und Beilagen. Danach noch viel Obst und obligatorisch die süßen türkischen Kuchen. Satt und müde verziehe ich mich danach ins Hotelzimmer.

Unterwegs von Gaziantep Richtung Adiyaman und Kahta

Nemrut Dag - Reliefplatten und Köpfe auf der Westterrasse; links Apollo (Hermes), rechts die Göttin Kommagene

Nemrut Dag - die Westterrasse; ein Adlerkopf und Apollo

5. Tag:

- Malatya - Kayseri - Kappadokien -

Um 8.00 Uhr sind wir abfahrbereit. Unser Busfahrer ist mit dem reparierten Bus erst in der Nacht angekommen. Hoffentlich konnte er sich noch gut erholen, denn heute liegt vor uns wieder eine lange Strecke Richtung Westen - nach Kappadokien. Zunächst fahren wir den gleichen Weg wie gestern, bis zur Abzweigung nach Kayseri. In der Nähe von Malatya sehen wir - wie könnte es auch in der "Aprikosen-Hauptstadt" anders sein - viele Aprikosenplantagen.  Anfangs geht die Fahrt durch hügelige,  zerklüftete Landschaft mit wunderschönen kleinen Canyons.  Es begleiten uns kahle flache Berge, wo die Farben gelb, beige und ocker dominieren.  In zahlreichen kleinen Tälern zwischen den Hügeln gibt es auffällig grüne und üppige Vegetation  - hauptsächlich sind dies saftig grüne Pappeln, die bald das dominierende Element der Landschaft bilden.  Gegen 10.30 Uhr machen wir eine halbstündige Pause in einem typischen anatolischen Dorf Gürün, gelegen an der Hauptstraße nach Kayseri. Charakteristisch für diese Gegend sind Lehmhäuser mit interessanten kleinen Schornsteinen. Und immer wieder zahlreiche Pappeln. Nach der Pause fahren wir noch über zwei Paßhöhen (1800 m und 1900 m hoch) bis wir die weite landwirtschaftlich geprägte zentralanatolische Hochebene erreichen. Die überdimensional weite und flache bis leicht hügelige Landschaft ist überwältigend. Es gibt hier keine Bäume, nur Steppe bzw. große Getreidefelder. Aber auch hier gibt es ab und zu grüne Oasen mit Pappeln und anderen Laubbäumen.  Ab und zu gibt es auch höhere Bergzüge, und obwohl sie in der Hochebene nicht besonders imposant wirken, erreichen die Bergspitzen Höhen von über 2000 m. Als wir uns Kayseri nähern, fahren wir an einigen alten seldschukischen Karawansereien vorbei, die von den Sultanen entlang der Seidenstraße in Abständen von 20-25 km errichtet wurden).  Gegen 12.40 Uhr erreichen wir die Stadt Kayseri, gelegen im Osten der Anatolischen Hochebene in einer baumlosen flachen Senke am Nordfuß des 3916 m hohen erloschenen Vulkans Erciyas Dag (höchster Berg Zentralanatoliens). Obwohl heute ein sonniges Wetter herrscht, kann man die Vulkanspitze wegen Dunst nur sehr schemenhaft erkennen. Kayseri, die zu römischen Zeiten Caesarea hieß und Hauptstadt der Provinz Kappadokien war, zählte früher zu den wichtigsten christlichen Städten im Osten. Später war sie ein wichtiges Zentrum der Seldschuken, die dort sehr viele Bauten überließen. Heute gilt die Stadt Kayseri als eine Musterstadt in der Türkei. Sie ist sehr sauber, es gibt hier keine Slums, sondern großzügig angelegte große Wohnviertel.  In Kayseri angekommen, steigen wir im Zentrum neben den imposanten Mauern einer byzantinischen Festung von 5./6. Jh. aus und haben ca. 1 Stunde Mittagspause zur freien Verfügung. Neben der Festung stehen hier weitere interessante historische Bauwerke vor allem aus den seldschukischen Zeiten,  umgeben teilweise von modernen Bauten. Besonders schön ist auch die Kursunlu Camii, die "Bleidachmoschee", gebaut von einem berühmten osmanischen Architekten. Sie liegt direkt an dem Basar Kayseris. Vom Zentrum unternehme ich einen Spaziergang Richtung Norden, durch die Geschäftsgassen und später durch einen Park mit einer neueren Moschee. Nach einer Stunde treffen wir uns wieder am Eingang zu einer alten Moschee im seldschukischen Baustill (keine Zentralkuppelmoschee), die östlich der Festung steht. Zusammen mit unserem Reiseleiter besichtigen wir das interessante Innere der Moschee.   Nach der Besichtigung geht es um 15.20 Uhr weiter nach Kappadokien. Diese einmalige Tuffstein-Erosionslandschaft ist der landschaftliche Höhepunkt unserer Reise. Kappadokien ist ca. 7000 Quadratkilometer groß und ca. 1200 m hoch gelegen, aber das touristisch interessanteste Gebiet liegt innerhalb des Dreiecks zwischen den Städten Ürgüp, Nevsehir und Avanos (entfernt voneinander jeweils um ca. 20 km). Wie uns der Reiseleiter informiert, müssen wir wegen der besonderen Lage Kappadokiens zu dieser Jahreszeit mit Temperaturunterschieden von etwa 15-20 Grad Celsius zwischen Tag und Nacht rechnen. Im Oktober kann man hier schon mit Schnee rechnen. Um 16.30 Uhr erreichen wir Kappadokien  und beginnen gleich mit einer kleinen Rundfahrt durch das Dreieck mit 3 obligatorischen Photopausen. Den ganzen Weg begleiten uns unzählige kegelförmige Steinkamine.  Zunächst halten wir an bei einem Aussichtspunkt oberhalb des Tals von Göreme.  Das gesamte Tal mit seinen unzähligen Felsformationen liegt vor uns wie auf einem Präsentierteller. Von den "Aussichtsterrassen" kann man wunderschöne Aufnahmen des Tals machen.  Leider haben wir Pech, denn die einzige Wolke am Himmel, dafür aber sehr große und dicke, schiebt sich gerade jetzt vor die Sonne und nimmt der Landschaft die Farbe und Kontrast.   Obwohl wir hier etwa eine halbe Stunde verbringen, strahlt die Sonne nur wenige Sekunden ins Tal.     Schade. Die zweite Photopause ist bei der Burg Uchisar - einer der drei in hohen Tuffsteinfelsen gebauten Burgen in der Umgebung. Zwischenzeitlich kommt wieder die Sonne heraus und die Landschaft sieht sofort viel farbiger und wärmer aus. An dem Burgfelsen - wie auch an allen anderen photogenen Orten, wo die Touristen anhalten - gibt es zahlreiche Stände der Souvenirhändler. Einige Schritte von der Burg entfernt - auf der anderen Straßenseite - befindet sich eine wunderschöne Tuffsteinformation,   die jetzt durch die sich langsam zum Horizont neigende Sonne optimal beleuchtet ist. Das Gestein färbt sich schön in den Farben ocker sowie rosa   und wirft breiten Schatten auf die benachbarten Flächen. Die Formation erinnert mich sehr an feine Sanddünen. Dann fahren wir wieder durch die Landschaften Kappadokiens und machen die letzte heutige Photopause in einem weiteren Tal, wo der Wind und das Wetter phantastische Formen aus den Felsen geformt haben. Mit ein wenig Phantasie kann man sich in den bizarren Gebilden verschiedene Figuren und Objekte vorstellen.  In der untergehenden Sonne leuchten die Gesteine fast rötlich.  Wir steigen im oberen Talbereich aus und gehen entlang der Straße zum unten auf uns wartenden Bus. In dem tiefen Tal verschwindet die Sonne sehr schnell hinter den Hügeln. Unten sehen wir noch die beiden berühmtesten Formationen in diesem Tal - das "Kamel"  sowie die "betende Madonna". Unterwegs zum unseren Hotel bei Avanos sehen wir wieder die Sonne, die sehr schön über der Landschaft Kappadokiens untergeht.  Am 4-Sterne Hotel "Yiltok" sind wir um 18.30 Uhr und haben noch eine gute Stunde Zeit bis zum Abendessen, um sich frisch zu machen und die Hotelzimmer für zwei Übernachtungen zu beziehen.

Kayseri - ein seldschukisches Bauwerk

Kappadokien - Tuffsteinfelsen bei der Burg Uchisar

Kappadokien - Tuffsteinformationen bei der Burg Uchisar im abendlichen Sonnenlicht

6. Tag:

- Kappadokien (Zelve, Göreme, Kaymakli, usw.) -

Heute verbringen wir den ganzen Tag in faszinierenden Landschaften Kappadokiens. Die hiesige Landschaft war vor Millionen Jahren von der Lava und Asche der Vulkane Eriyas und Hassan Dagi bedeckt. In diesem weichen Tuffstein hat im Laufe der Zeit die Erosion bizarre Formationen entworfen - Feenkamine, hohe Kegel oder pilzförmige Türme. Diese Gesteinsgebilde kommen besonders häufig in dem Dreieck zwischen den Städten Ürgüp, Nevsehir und Avanos vor. Wir beginnen die ganztägige Rundfahrt um 8.30 Uhr und machen unsere erste Photopause bei Tuffsteinfelsen inmitten einer Weinplantage,  die aufgrund ihrer Formen und Farben  (unten helles weiches Gestein, oben dunklere härtere Felsbrocken) sehr stark an eine bestimmte Pilzart erinnern.  Anfangs ist der Himmel noch etwas bewölkt und die Sonne versteckt sich, bald aber stellt sich ein sehr schönes Wetter, das den ganzen Tag anhält. Bei manchen der Felsen könnte man glauben, daß die physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt wurden, oder aber daß die "Kamine" bei jedem kleinen Windstoß einstürzen können.   Einige dieser Felsen waren früher bewohnt (wie auch viele andere in Kappadokien) und wir können noch die Wohnhöhlen besichtigen   - teilweise aber nur mit Hilfe von Leitern. Von hier geht es weiter mit dem Bus durch die tolle Landschaft zum Tal von Zelve. Diesen Naturpark besichtigen wir ausführlich zu Fuß.  Er besteht aus drei Seitentälern, die am Eingang zusammenlaufen. Die zahlreichen Felswohnungen und Felskirchen in den Tälern,   die teilweise schon eingestürzt sind machen einen überwältigenden Eindruck.  Mittlerweile ist ein Seitental nicht mehr passierbar, da vor einigen Jahren große Felsbrocken von den ausgehöhlten und verwitterten Talwänden abgebrochen sind. Durch die Verwitterung und den Zerfall von Felsen sind viele der Felswohnungen und Kirchen mittlerweile zerstört. Man blickt von draußen häufig direkt ins Innere der ehemaligen Wohnräume. Wir klettern über die Felsen nach oben zu einer Kirche (Balikli Kirche),    in der auf den Wänden noch einige primitive Wandmalereien  gut zu erkennen sind. An einer anderen Stelle ist in einer zerbrochenen Felswohnung noch ein Mühlstein zu sehen.  Im hinteren Bereich eines der Seitentäler befindet sich eine kleine Moschee mit einem Minarett.  Anschließend geht die Rundfahrt durch Kappadokien weiter. Wir machen dabei immer wieder kurze Photopausen an interessanten Aussichtspunkten oder bei besonderen Felsformationen. So halten wir heute noch mal an dem kleinen Tal an, wo wir schon gestern Abend beim Sonnenuntergang waren.   Im Licht der Mittagssonne sehen die Felsen natürlich anders aus. Egal wo man sich umdreht, überall gibt es schöne und photogene Formationen von Gestein. Eine obligatorische Photopause gibt es an den drei pilzförmigen Felsen, die zum Wahrzeichen von Kappadokien geworden sind.   Den nächsten Stopp gibt es an einem kleinen Tal, in das gerade um diese Tageszeit die Sonne am günstigsten bestrahlt und den beige-weißen Tuffsteinfelsen optimal zur Geltung bringt.   Von hier fahren wir dann ein längeres Stück weiter nach Süden zu einer der unterirdischen Städte, nach Kaymakli. Schon seit Urzeiten suchten Menschen hier und im restlichen Kappadokien Zuflucht in mehrere Stockwerke tief im weichen Tuffstein ausgegrabenen Städten aber auch in den zahlreichen Wohnhöhlen. Allein schon die bizarre Landschaft erschreckte viele fremde Angreifer. Im Kaymakli wohnten noch im frühen 19. Jahrhundert Menschen. Sie konnten sich vor den Feinden und Angreifern gut verstecken und auch ihre Religion frei ausüben. Man sagt, daß die einzelnen unterirdischen Städte (entdeckt wurden bislang etwa 30 solcher Städte) miteinander durch mehrere Kilometer lange Tunnels verbunden waren. Vor dem Eingang zu der unterirdischen Stadt Kaymakli stehen heute viele Händlerstände,  die Souvenirs anbieten. Wir gehen gleich zum Eingang und besichtigen 7 Geschosse der Stadt (die tieferen Geschosse sind den Touristen nicht zugänglich). Sie besteht aus einem Labyrinth von Gängen, Rampen, Treppen und Räumen,  in dem sich jeder Besucher ohne einen Führer und gute Wegmarkierung mit Sicherheit verlieren würde.  Viele der Gänge und Schächte sind so schmal, daß man sie nur gebückt   und im Gänsemarsch begehen kann.  An manchen Stellen sieht man, daß die Decken bzw. Gänge mittlerweile eingestürzt sind, und dort eröffnet sich ein Blick in die darunter liegenden Etagen. Die Städte, wo zeitweise mehrere Tausend Menschen lebten, verfügten über ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, Gemeinschaftsräume, Kapellen. Es gab Küchen (erkennbar am Ruß an den Wänden), Schlafräume, Schulräume. An einigen Stellen sehen wir große Mühlsteine. Bei unmittelbarer Gefahr wurden sie vor die Eingänge oder Gangabzweigungen gerollt und die Feinde konnten dann in Dunkelheit die versteckten Einwohner nicht mehr finden. Man füllt sich hier wie in einem gut durchlöcherten schweizer Käse. Aber ein etwas mulmiges Gefühl hat man auch - wie fände man wieder hinauf, wenn die Beleuchtung ausfiele? Nach dem Besuch der einzigartigen unterirdischen Stadt und einer kurzen Teepause fahren wir zurück ins Zentrum von Kappadokien, Richtung Nevsehir. Auf den zahlreichen Fahrten durch die Landschaft Kappadokiens fallen ins Auge - neben den bizarren Felsformationen - auch viele Weinplantagen und Kürbisfelder.  Die reifen orangefarbenen Kürbisse bilden einen schönen Kontrast zu den hellen Felsen. Die besonderen kappadokischen Weine sind weit über die Region hinaus bekannt. In der Nähe von Nevsehir halten wir kurz bei einer "toten" Stadt an, die an einem Hang gebaut und später durch ihre Bewohner verlassen wurde. Dann geht es weiter über Nevsehir  mit einem kurzen Zwischenstopp an einem weiteren, gerade von der Sonne schön bestrahlten Tal  zu einem Restaurant in der Nähe von Göreme, wo wir ein gutes Mittagsessen genießen. Nach der Mittagspause steht der Besuch des bekannten und sehr interessanten Freilichtmuseums von Göreme auf dem Programm.  Das Museum befindet sich etwas außerhalb des Dorfes Göreme, in dem die Feenkamine mitten im Ort zwischen den Häusern stehen. Im Tal von Göreme befinden sich etwa 350 Felskirchen und -Kapellen, wovon ein Teil auf dem Gebiet des Freilichtmuseums liegt. Die meisten wurden zwischen dem 9. Jh. und dem 13. Jh. erbaut, als das klösterliche Leben in Kappadokien ihren Höhepunkt erlebte und viele Christen hier lebten.  Die Kirchen und Klöster besitzen meistens sehr schöne Wand- und Deckenmalereien, die zum Teil aber zerstört sind. In einer bestimmten Epoche des Christentums waren die menschlichen Gesichtsdarstellungen verboten (Zeiten der ikonoklastischen Bewegung oder des sog. Bildersturms), und in vielen Kirchen sind bis zur erreichbaren Wandhöhe die Gesichter und vor allem die Augen in den Wandmalereien ausgekratzt. Die anderen Zerstörungen stammen aus der Zeit, als die Kirchen in den vergangenen Jahrhunderten von den immer kleiner werdenden christlichen Gemeinden verlassen wurden und den Nomaden, Hirten und Reisenden als vorübergehende Bleibe, Stall oder Vorratskammer dienten. Auch zahlreiche Graffitis und Namenseinträge der Besucher verunstalten die wertvollen Ikonen. Neben solcher aus unserer Zeit sehen wir auch über zweihundert Jahre alte Einträge (z.B. von 1790), die von den reisenden Mönchen hinterlassen wurden. Trotzdem gehören die Fresken zum weltweit größten Museum byzantinischer Malerei. Bereits vom Parkplatz vor dem Freilichtmuseum hat man phantastischen Ausblick  auf die umgebenden Kulissen - zahlreiche Obelisken, Türme, Kamine und Kegel mit ausgehöhlten Kirchen. Das Innere der Kirchen darf man leider weder fotografieren noch filmen. Das Bewachungspersonal in den Kirchen passen wachsam auf, daß man keine Kameras in den Händen hält. Die Kirchen unterscheiden sich in der Größe und Ausstattung - manche bestehen auch nur aus den Grundelementen einer Kirche: einem Schiff mit einer faßförmigen Kuppel, einer Altarnische und einem maurischen Bogen.  Andere sind dagegen detaillierter aus dem Fels geschnitten - mit Säulenkapitellen, Seitenschiffen, Kuppeln, Bögen - wie Miniaturen von richtigen gemauerten Kirchen und Kathedralen. Die Fresken wurden von Künstlern erschaffen, die entweder als Mönche in den hiesigen Klöstern lebten, oder die in Auftrag der wohlhabenderen Klöster aus Byzanz kamen. Durch die Verwitterung sind manche Kirchen mittlerweile zerfallen,  aber es wird in dem Freilichtmuseum auch viel renoviert. Wir besichtigen hier insgesamt 5 Kirchen - zunächst die St. Basilius Kirche aus dem 11. Jh., dann die St. Barbara Kirche aus dem 11. Jh. mit sehr primitiven urigen Wandmalereien in rötlicher Farbe.  Die nächste Kirche - St. Onophrius oder Yilanli-(Schlangen-) Kirche (auch aus dem 11. Jh.) zeigt ein seltenes Motiv - die Heilige Onophrius, eine Frau, die ihre Sünden büßte und dabei ein Mann mit weißem Bart wurde. Den zweiten Namen verdankt die Kirche den Darstellungen einer weißen Schlange an den Wänden. Zu der Carikli- (Sandalen-) Kirche aus dem 12.-13. Jh. müssen wir über eine Leiter hochklettern.  Sie verdankt ihren Namen der Tatsache, daß alle abgebildeten Personen Sandale tragen. Die Kirchen und Kapellen sind wirklich phantastisch - ich bin von den kleinen Kunstwerken wahrlich begeistert, ebenso wie auch von den phantastischen Formen der uns umgebenden Felsen. Die schönste und größte Kirche befindet sich jedoch vor dem Eingang zum Freilichtmuseum. Es ist die Tokali-Kilise-Kirche (Kirche zur Goldenen Schnalle). Sie sieht mit ihren Schiffen, Säulen, Kuppeln, dem Altarraum und der Krypta fast wie eine Kathedrale aus. Auf dem Deckengewölbe ist die ganze Lebensgeschichte von Jesus nach dem Neuen Testament abgebildet. Die einzelnen Bilder sind in mehreren Reihen nebeneinander angeordnet, wie auf einem Film. Dank nur geringem Lichteinfall vom Eingang sind die Farben der Fresken sehr kräftig. Auch alle anderen Wände und Decken sind hier mit wunderschönen byzantinischen Malereien bedeckt. Nach so vielen Eindrücken zur Landschaft und Kulturgeschichte Kappadokiens steht jetzt auf dem Programm der Besuch von zwei für die Region typischen Handwerkstätten. Zunächst fahren wir zu einer Teppichknüpferei ("Bazar 54"), wo mehrere etwa 15-16jährige Mädchen (Künstlerinnen, wie sie der uns führende Firmenmitarbeiter nennt) an den Stühlen sitzen und wirklich sehr feine Teppiche knüpfen (für manche braucht man mehrere Monate Arbeit). Nach der Demonstration der Seidegewinnung beginnt die obligatorische Verkaufsveranstaltung. Bei Raki oder Tee werden uns unzählige Teppiche präsentiert. Anschließend fahren wir zu einer Töpferei bei Avanos, die sich vollständig unter der Erde in im weichen Tuffstein gegrabenen Räumen befindet. In den fensterlosen aber angenehm kühlen Hallen arbeiten hier auch viele Frauen und Männer. Es werden uns Methoden der Herstellung von verschiedenen Tellern, Gefäßen etc aus weißem und rotem Ton demonstriert. Auch die präzise Handbemalung der fertigen Produkte ist sehr sehenswert. Es sind richtige Künstler, die diese feinen Ornamente auf die Teller und Töpfe auftragen (teilweise nur mit einem einzelnen Eselshaar) - und das bei den schlechten Lichtverhältnissen hier unten. Wer Lust hat, darf auch selber seine Fingerfertigkeit bei der Töpferkunst zur Probe stellen - was einige zur großen Belustigung der übrigen Reiseteilnehmer erfolglos versuchen. Zum Schluß gibt es auch hier Zeit zum Einkaufen in einer großen Halle mit unzähligen Tonerzeugnissen aller Art. Im Hotel sind wir um 18.30 Uhr und haben dann eine Stunde Zeit, sich fürs Abendessen fertig zu machen. Den an Eindrucken sehr reichen Tag schließen wir mit einigen Gläsern Bier in gemütlicher Runde.

Kappadokien - pilzförmige Felsformationen, Blick zwischen den Felsen

Kappadokien - pilzförmige Felsformationen

Kappadokien - Blick in ein Tal bei Göreme

7. Tag:

- Kappadokien - Sultanhani - Konya - Antalya -

Um 8.00 Uhr nehmen wir Abschied vom zauberhaften Kappadokien, steigen in den Bus ein und fahren über die Provinzhauptstadt Nevsehir Richtung Westen. Über den letzten Tuffsteilfelsen, an denen wir vorbeifahren, fahren gerade einige Heißluftballone, die in dieser Gegend auch fast schon ein gewohntes Bild sind. Unterwegs sehen wir wieder drei alte - teilweise schon zerfallene - seldschukische Karawansereien. Die Fahrt geht durch eine Hochebene, in der zunächst der Kürbis- und Kartoffelanbau dominiert; später sehen wir auch Getreidefelder. In Aksaray - dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Ost-West und Nord-Süd-Verbindungen - machen wir eine kurze Pause. Bei Aksaray befindet sich der zweithöchste Berg Zentralanatoliens  - der Hasan Dag (3268 m). Hier endet auch geographisch Kappadokien. Um 9.45 Uhr geht es weiter. Wir erreichen jetzt das Anatolische Plateau - eine flache Hochebene (ca. 1000 hoch) - die als die türkische Getreidekammer gilt. Das Plateau ist flächenmäßig größer als die Benelux-Länder. Die Landschaft wird tatsächlich durch weite Getreidefelder dominiert. Etwa 40 km hinter Aksaray - in Sultanhani - besichtigen wir die schönste noch erhaltene seldschukische Karawanserei in dieser Gegend.  Sie wurde in den letzten Jahren renoviert, aber man sieht noch viele Originalelemente. Besonders die kunstvollen filigranen Ornamente   an den Eingangstoren sind beeindruckend.  An den Seiten des Innenhofes befinden sich Wohnzellen. Der große Raum im hinteren Bereich erinnert fast an eine dunkle mittelalterliche Burg oder Kathedrale.  Nach anschließender Kaffeepause im gegenüberliegenden Cafe geht unsere Reise um 10.50 Uhr weiter nach Konya. Die schnurgerade Straße führt über eine endlos weite baumlose Landschaft mit Getreide- und Zuckerrübefeldern. Es dominieren hier die gelb-grünen Farben  und dazu das herrliche wolkenlose Wetter. Gegen 12.00 Uhr erreichen wir die Stadtgrenzen von Konya,  die wie eine Oase inmitten der südwestanatolischen Steppenlandschaft liegt. Konya gehört zu den ältesten und konservativsten Städten der Türkei. Die Anfänge reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. In römischen Zeiten hieß sie Ikonium - hier predigte der Apostel Paulus. Ende des 11. Jh. war Konya die Hauptstadt des anatolischen Seldschukenreiches. Vor allem hat aber die Stadt heute den Ruf eines religiösen Zentrums und Pilgerortes, den sie dem berühmten Philosophen, Prediger und Mystiker Mevlana Celaleddin Rumi (1207-1273) verdankt. Der Gründer des Ordens der Tanzenden Derwische lebte und lehrte in dieser Stadt. Wir besuchen zuerst die im Zentrum gelegene Moschee Selimiye Camii aus dem 16. Jh.   Vor dem Eingang ziehen wir die Schuhe aus, die Frauen bedecken ihre Haare. Im Inneren der Moschee ist angenehm kühl. Einige Muslime beten hier gerade  oder genießen einfach nur die Atmosphäre.  Die Innenausstattung der Moschee ist nicht besonders reich.   Unser Reiseleiter gibt uns einige Erklärungen und dann verlassen wir die Moschee, denn gleich beginnt hier die Gebetszeit nur für die Gläubigen. Danach besichtigen wir die Hauptattraktion Konyas - das neben der Selimiye Moschee  gelegene Mevlana-Müzesi, das einstige Kloster und heutige Museum des heute verbotenen Derwisch-Ordens. Hier kommen unzählige Pilger aus ganz Türkei und dem Ausland, die Mevlana heute noch verehren. Das Museum befindet sich in einem großen Innenhof,  um den an der Außenmauer die ehemaligen Wohnräume der Ordensbrüder liegen. Vor dem betreten des Museums müssen wir die Schuhe ausziehen. Hauptattraktion in dem Museum ist natürlich der reichlich geschmückte Schrein Mevlanas,  das sich unter dem charakteristischen türkisfarbenem Turm befindet.   Außerdem sind hier zu sehen Grabmale wichtigerer Anhänger Mevlanas, viele Gegenstände, die den Tanzenden Derwischen dienten (Musikinstrumente, Schriften), sowie eine reiche Sammlung von alten Koranschriften und Gebetsteppichen.  Die Räume des Museums - z.B. der ehemalige Tanzsaal des Ordens - sind reichlich geschmückt.  Die eintönige und meditative Musik der Derwische, die im Museum leise abgespielt wird, versetzt uns gedanklich in die Zeiten Mevlanas und seiner Derwische, die zu diesen Tönen damals ihren ekstatischen, wirbelnden Tanz ausgeführt haben.  Vor dem Mevlana Mausoleum und der Selimiye Moschee befindet sich ein großer Park,  in dem die zahlreichen Pilger beim heutigen schönen Wetter Erholung suchen. Wir haben jetzt noch Zeit zur freien Verfügung, und ich gehe durch die schmalen Gassen des benachbarten Bazarviertels.  Nicht weit von dem Mevlana-Museum entdecke ich eine sehr schöne große Zentralkuppelmoschee  und in einer Nebenstraße eine viel kleinere Mehmet Pascha Moschee aus dem 16.Jh (im seldschukischen Baustil).  Um 14.15 Uhr beginnt die letzte Etappe unserer Türkei-Rundreise. Sie führt von Konya zunächst Richtung Osten dann nach Süden zur Mittelmeerküste. Wir fahren nicht lange, da gibt es eine Verkehrskontrolle der Polizei. Sie verlangen nach dem Fahrtenschreiber. Die Diskussion ist zwecklos. Erklärungen, daß die Straße ganz leer war und er nur kurz die Geschwindigkeit überschritten hat, interessieren die Polizisten nicht. Sein halbes Trinkgeld aus der Rundreise, auf das er sich schon so gefreut hat, ist weg, bevor er es überhaupt bekommen hat. Wieder Pech für unseren Busfahrer. Aber wenn man Freitag heißt und Bus Nr. 13 fährt . . . Hinter Konya wird die Landschaft wieder etwas hügeliger. Wir fahren an der Stadt Seydisehir vorbei, die am Fuße des Taurus-Gebirges liegt, auf einer neu ausgebauten Hauptstrecke Richtung Manavgat. Auf der Nordseite des Taurus sind viele Fichtenwälder zu sehen.   Dazwischen tauchen auch immer wieder einzelne Zedern auf. Auf der südlichen Seite des Gebirges dominieren dagegen Aleppo-Kiefer. Die Bäume wachsen häufig fast auf den nackten Felsen.  Jedoch die meisten Hänge und Gipfel sind nur kaum bewachsen.   In zahlreichen Serpentinen geht es bergauf und bergab. Je weiter wir nach Süden kommen, desto feuchter und wärmer wird die Luft. Als wir die Mittelmeerküste östlich von Manavgat erreichen, ist es schon ziemlich dunstig. Von hier geht es über die Hauptstraße entlang der Türkischen Riviera nach Antalya.  Die Außenbezirke von Antalya sind beherrscht von riesigen neuen oder noch im Bau befindlichen Wohngebieten, die wie Pilze nach dem Regen wachsen. Es entstehen hier ca. 40 Tsd. neue Wohnungen, weitere 20 Tsd. sind im Bau, erzählt uns der Reiseleiter. Die Nachfrage ist angeblich enorm, aber ob das Wohnen in solchen Hochhaussiedlungen wirklich attraktiv ist? Gegen 19.20 Uhr erreichen wir das Hotel "Baymurat", an der steilen Küste, etwa 6 km östlich vom Stadtzentrum gelegen ist. Wir verabschieden uns von unserem Reiseleiter und lassen dann beim letzten gemeinsamen Abendessen unsere Reise Revue passieren. Später im Hotelzimmer, muss ich noch einige Gelenkübungen machen, dar ich am nächsten Tag eine Abendliche Vorstellung in Side habe, mit eine Entfesslung mit Zwangsjacke, ketten und Schlossern, auf Anfrage der Reiseagentur.

seldschukische Karawanserei in Sultanhani - im Innenhof

      Konya - Mevlana-Kloster, türkisfarbener Turm über dem Mevlana-Schrein im Mausoleum             Konya - eine alte Moschee in der Altstadt

8. Tag:

- Antalya - Side -

Heute dürfen wir auch endlich mal länger ausschlafen und müssen nicht zu den ersten am Frühstückstisch gehören. Nach dem ausgiebigen Frühstück bleibt noch Zeit genug, um einen Spaziergang zu unternehmen, bevor wir zu den für den Anschlußaufenthalt gebuchten Hotels gebracht werden. Ich gehe entlang der Küstenstraße zu den ca. 20 Minuten Gehweg entfernten Unteren Düden Wasserfällen.  An dieser Stelle endet der Düden-Fluß mit einem kleinen Wasserfall im Meer. Um den Wasserfall befindet sich direkt an der steilen Küste ein kleiner Park mit einem Restaurant. Es kommen auch schon die ersten Touristenbusse an, um am Wasserfall eine kleine Pause anzulegen. Am Himmel rauschen ununterbrochen Charterflugzeuge im Landeanflug auf das in der Nähe gelegene Antalya-Flughafen.    Um 10.30 Uhr kommt der Bus, der die Rundreisegäste zu den gebuchten Hotels in Side bringt. An meinem Hotel "Terrace" in Side-Kumköy bin ich um ca. 12.15 Uhr. Nach der Erledigung aller Formalitäten an der Rezeption, Einzug ins Zimmer und kurzer Erfrischung, unternehme ich um ca. 13.30 Uhr die erste Erkundung der Gegend. Ich will vor allem zu einem während der Anreise vom Busfenster aus gesehenen Baumwollfeld gehen,  um mir genau die Pflanzen anzuschauen. Der Weg ist jedoch weiter und erschwerlicher, als ich dachte, besonders wegen der heißen und schwülen Mittagszeit. Aber trotzdem erreiche ich mein Ziel.   Unterwegs gehe ich durch die große Einkaufszone entlang der Hauptstraße in Kumköy. Um diese Zeit sind die Basars aber menschenleer, die Besitzen genießen ihre Siesta. Ich will mich auch bei den zahlreichen kleinen Reisebüros nach entsprechenden Tagesausflügen für die nächsten beiden Tage umsehen. Vorgenommen habe ich mir schon zu Hause, daß ich unbedingt nach Aspendos, Perge und Myra will. Leider alle Reisebüros haben dieselben Ausflüge im Angebot, und die von mir ausgesuchten Ziele werden an anderen Wochentagen angefahren.  Enttäuscht bin ich um ca. 15.00 Uhr zurück in meinem Hotel. Dort gibt es noch die Mappen der deutschen Reisebüros mit den von ihnen vermittelten Ausflügen. Ich schaue auch da rein, und - oh Wunder - bei Neckermann gibt es genau das, was ich haben wollte: mittwochs einen Ausflug nach Demre/Myra und Kekova und donnerstags - nach Perge und Aspendos. Auch die Ansprechpartnerin von Neckermann hat heute Abend ihre Sprechstunde im Hotel - die Frage ist nur, ob für Morgen noch Plätze frei sind? In guter Laune unternehme ich jetzt noch einen Ausflug ins Zentrum von Side. Ausgestattet mit einer 1,5 Liter-Flasche Wasser (ohne die man das klimatisierte Hotel eigentlich nicht verlassen kann), gehe ich zunächst zu Fuß in der Hoffnung, daß ich überhaupt die richtige Richtung gewählt habe. Nach etwa 15 Minuten recht anstrengenden Marsches sehe ich am Hotel "Bella" einen abfahrtbereiten Dolmus und steige ein. Er fährt tatsächlich über Side nach Mangavat. Am Rande der Altstadt von Side angekommen, geht es weiter wieder zu Fuß (das Zentrum von Side ist für Autoverkehr gesperrt) durch einen kleinen Markt am Dolmus-Bahnhof, dann an der antiken Stadtmauer vorbei durch die Ruine des Haupttores  und weiter an Resten einer Säulenstraße (überall auf dem Weg liegen Reste von antiken Säulen, Steinen, tlw. noch mit Reliefs etc ) zum zweiten kleineren aber besser erhaltenem Stadttor direkt am Amphitheater von Side (bis hier können die Autos noch fahren).  Das Theater kann wegen Renovierungsarbeiten von Innen leider nicht besichtigt werden, aber man kann aus der ferne einen Blick ins Innere werfen.   Die Altstadt von Side ist zwar klein aber sehr schön. Zwischen den vielen kleinen Geschäften in der Fußgängerzone  gibt es fast überall Zeugnisse der alten Kulturen. Sehr schön sind die Ruinen der antiken Bibliothek am östlichen Rande der Stadt, inmitten von Sanddünen in Strandnähe.  An einem kleinen Yachthafen stehen noch Reste eines Apollo-Tempels, die ein sehr malerisches Photomotiv darstellen. Besonders der Sonnenuntergang in dieser Szenerie ist ein lohnendes Motiv, darum entscheide ich mich auch, um an dieser Stelle und Augenblick, meinen Entfesslung vorzuführen, die an diesen Abend geplant und von der Reiseleitung organisiert ist. Meine Darbietung hat denn erwünschten Erfolg und Applaus. Leider haben wir keine Zeit um meinen Erfolg zu feiern und müssen wir wieder zurück. Es geht also schnell zurück ins Hotel, zunächst wieder mit dem Dolmus, das letzte Stück zu Fuß. Im Hotel angekommen, treffe ich die Betreuerin von Neckermann und sie teilt mir nach einem Rückruf in der Zentrale, daß für die nächsten Tage noch ein Platz im Bus frei ist. Zufrieden genieße ich das nächtliche Abendessen in unserem Strandhotel und die Direktion und die Gäste machen mir die Ehre den Erfolg mit meiner Show von heute abend mit Champagner zu feiern. Dann bleibt noch ein wenig Zeit, um den Koffer auszupacken und mich für den nächsten Tag vorzubereiten.

Side - der Apollo-Tempel und Fragmente von zerbrochenen Säulen und Reliefs, hinten Reste einer byzantinischen Basilika

Side - Ruinen und Reliefreste einer antiken Bibliothek (nordöstlich vom Theater)

9. Tag:

- Side - Insel Kekova - Demre - Side -

Der heutige Busausflug zur Insel Kekova und nach Demre beginnt für mich schon sehr früh. Um 6.30 Uhr muß ich am vereinbarten Ort auf der Hauptstraße von Side-Kumköy auf den Bus warten. Er kommt sehr pünktlich. Zunächst sind nur einige Plätze besetzt, aber an mehreren noch folgenden Zustiegsorten steigen weitere Mitreisende ein. So sind wir am Ende dieser "Rundfahrt" durch die Hotels vollzählig.
 Wir fahren zunächst über die mir mittlerweile gut bekannte Straße am Flughafen vorbei nach Antalya. Dann führt die Schnellstraße durch die Außenbezirke der Stadt mit vielen neuen Wohnhäusern. Wir verlassen Antalya und die Straße biegt dann nach Süden ab, Richtung Kemer. Gleich hinter Antalya verlassen wir die pamphylische Ebene, in der die Stadt liegt, und die Landschaft ändert sich schlagartig. Pinienbewachsene Berge führen in die zerklüftete Region des antiken Lykien. Unterwegs machen wir eine kurze Pause an einer hoch gelegenen Raststätte mit einem tollen Ausblick auf die umgebende Landschaft.  Hier treffen sich auch scheinbar alle Ausflugsbusse, die aus dem Raum Antalya nach Demre fahren.
Dann geht die Fahrt über den Urlaubsort Kemer  und weiter über eine landschaftlich sehr malerische Serpentinen-Küstenstraße  zwischen den hohen Bergen und dem tiefblauen Meer,  vorbei an den antiken Orten Phaselis und Olympos. Gelegentlich führt die Straße auch weg von der Küste, durch Pinienwälder ins Innere Lykiens. In der Höhe des antiken Olympos biegt sie dann, der Küste folgend, nach Westen ab. Auf der Küstenstraße erreichen wir Demre, auch Kale genannt (antikes Myra), und fahren am Ort vorbei noch ein Stückchen weiter nach Westen. Über eine versandete und sumpfige Bucht, die in antiken Zeiten Schiffen den Zugang zum Hafen bei Myre ermöglichte, und die heute ein Lebensraum für Wasservögel  und Schildkröten ist, erreichen wir einen schönen Boots- und Yachthafen.
Hier wartet schon auf uns das Ausflugsboot.  Um 10.45 Uhr legen wir los zur Insel Kekova.  Es herrscht ein schönes sonniges Wetter, obwohl in der Luft ziemlich viel Dunst ist. Wir fahren entlang der zerklüfteten Küste,  die uns immer wieder neue Einblicke in versteckte kleine Buchten gewährt. Nach ca. 45 Minuten erreichen wir die Insel. Wir steigen hier nicht aus, sondern fahren entlang der Nordufer, wo sich im kristallklarem Wasser zahlreiche Ruinen einer versunkenen antiken Stadt Apollonia befinden.  Diese versunkene Stadt, die durch ein Erdbeben zerstört wurde, ist die Hauptattraktion von Kekova und ein beliebtes Photomotiv.        Von hier geht es dann mit dem Holzboot einige hundert Meter nach Norden, wo der Insel gegenüber auf dem Festland nahe dem Dorf Kaleücagiz der antike Ort Simena liegt. Hier ist ein weiteres interessantes, durch das Erdbeben hinterlassenes, Photomotiv zu sehen - ein aus dem Wasser herausragender steinerner Sarkophag.  Weitere Sarkophage stehen auf den Hügeln des Festlandes.  Das kleine bunte Fischerdorf am Ufer,  die über ihm herrschende einstige Burg  und die einsamen Sarkophage  bilden eine phantastische Szenerie. Der einzige Weg, auf dem das Dorf erreichbar ist, führt über das Wasser.
 Auf dem Rückweg legen wir eine Badepause in einer kleinen einsamen Bucht mit herrlichem Wetter an.  Aber auch hier hat schon die Kommerz Einzug gehalten. Bald kommt ein Einheimischer mit einem Boot an und bietet und Eis und Cola zu horrenden Preisen an. Nach etwa 30 Minuten Badespaß und Erholung geht es weiter. Den Hafen erreichen wir gegen 12.45 Uhr, steigen in den wartenden Bus um und fahren zurück nach Demre zum Mittagsessen.
Von dem Restaurant sind es nur wenige Schritte zu Fuß zur Ruine der Nikolaus-Kirche aus dem 11. Jh.  Myra ist nämlich berühmt als Wirkungsort des heiligen Nikolaus, der hier als Bischof im 4. Jh. lebte. Die unter einer neuzeitlichen Überdachung  stehende Kirche ist noch relativ gut erhalten und besitzt Mosaike, Reste von Malereien,   Marmorfußböden, Säulen und Kuppeln. Im südlichen Seitenschiff befindet sich das sog. Nikolaus-Grab, ein Sarkophag. Die Gebeine des Heiligen wurden aber von italienischen Grabräubern nach Bari gebracht. In einem kleinen Park vor der Kirche steht ein Denkmal des heiligen Nikolaus mit einem Sack voller Geschenke auf dem Arm und umgeben von Kindern.  
Nachdem wir die Kirche besichtigt und den auf einem Parkplatz wartenden Bus gefunden haben, verlassen wir das Zentrum von Demre und fahren zu den berühmten lykischen Gräbern, die sich am Stadtrand befinden. Die Lykier waren vermutlich ein Volksstamm, der in spätminoischer Zeit aus Kreta zugewandert war. Die Stadt Myra besaß in der lykischen Zeit große Bedeutung, wovon die prachtvollen Felsgräber deutlich zeugen. Die Felsgräber sind typisch für die Lykier, die selbst in Holzbauten wohnten, aber die Verstorbenen sollten im Jenseits in unvergänglicheren Bauten ruhen.
Der den heutigen Ausflug begleitende Reiseführer bemüht sich, uns am Eingang zu dem Gelände die ganze Geschichte Lykiens und noch einiges mehr zu erzählen, aber kaum jemand hört ihn noch zu. Es ist heiß, wir sind schon müde und wollen etwas sehen statt alle historischen Details zu hören. Die kann man ja nachlesen. Nachdem einige unserer Teilnehmer sich bereits entfernt haben und jemand eine eindeutige Bemerkung macht, merkt auch der Reiseleiter, daß es zuviel ist. Wir können endlich in die Richtung der Felswand mit den Gräbern gehen.  Es ist erstaunlich, wie kunstvoll die Fassaden dieser Grabstätten gestaltet wurden,  was in den steilen Felswänden sicherlich nicht einfach war und von der hohen Baukunst der Lydier zeugt.  Neben der Grabwand befindet sich ein in den Felsen eingebautes  riesiges römisches Theater, das vermutlich aus dem 2. Jh. v. Ch. stammt. 
Nach der individuellen Besichtigung der ganzen Anlage treffen wir uns um 15.45 Uhr an unserem Bus und fahren auf dem gleichen Weg zurück zu unseren Hotels. Unterwegs gibt es nur einen kurzen Zwischenstopp. In meinem Hotel in Side bin ich gegen 19.50 Uhr. Der heutige Tag war recht anstrengend - wegen der relativ langen Strecke, vieler Besichtigungen aber auch wegen der an der Küste höheren Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Nach dem Abendessen gehe ich also relativ schnell ins Bett, zumal morgen noch ein Tagesausflug auf dem Programm steht.

Lykische Küste zwischen dem Dorf Kaleücagiz und antikem Myra

Bei Demre - Felshang mit lykischen Grabhäusern im antiken Myra

10. Tag:

- Side - Perge - Aspendos - Side -

Heute kann ich etwas länger als sonst schlaffen, denn der Bus holt mich erst um 8.50 Uhr von der Hauptstraße ab. In Gegensatz zu gestern (es gab nur ein Lunchpaket) kann ich heute noch gemütlich frühstücken im Hotel. Wir holen in den einzelnen Hotels in Side wieder die anderen angemeldeten Touristen ab, so daß der Bus am Ende ganz voll ist. Dann fahren wir auf der Hauptstraße Richtung Antalya. Etwa 10 Kilometer davor biegen wir rechts ab und erreichen bald die antike Stadt Perge, gelegen wie Antalya in der fruchtbaren pamphylischen Ebene. Die Anfänge der Stadt reichen angeblich bis in die Trojanischen Kriege zurück, aber nachweislich erwähnt wurde sie erstmals zu Zeiten Alexander des Großen. Ihre Bedeutung und Große erlangte Perge aber erst unter den Römern. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten erhaltenen Bauwerke. Im Jahre 46 n. Ch. besuchte der Apostel Paulus die Stadt und hielt hier seine erste Predigt. Früher lag Perge an einem schiffbaren Fluß etwa 2 km vom Meer, heute sind es aufgrund der Verlandung ca. 10 km zum Meer. Wir beginnen unsere Besichtigung von Perge an der Stadtmauer mit einem Eingangstor. Hier läuft uns über den Weg ein kleiner Chamäleon. In der großartigen Stadtanlage sind schon mehrere Reisegruppen, sie verteilen sich aber über das große Gelände. Im Zentrum steht ein weiteres imposantes doppeltürmiges Stadttor.   An ihm beginnt die 20 m breite und 300 m lange Hauptstraße, die an beiden Seiten von hohen Säulen flankiert ist.  Südlich dieser Kolonnadenstraße   befindet sich die Agora (Marktplatz), die auch von Säulen umgeben ist. Hier sind noch Reste von antiken Geschäften zu erkennen. Wir besichtigen auch die eindrucksvollen römischen Thermen, die links vom Eingang innerhalb der Stadtmauer liegen. Hier sind noch viele Bauelemente relativ gut erhalten.   Zwischen den noch erhaltenen Bauwerken liegen wie in einem Steinbruch ganze "Berge" von kunstvoll gravierten Marmorsteinen (Teile von Säulen, Kapiteln etc). Jedes europäische Museum wäre wohl stolz, einen Bruchteil von solchen Bausteinen in ihrer Sammlung zu besitzen, und hier liegen sie nur zugewachsen im Boden, so daß die Besucher über sie laufen und stolpern.  Es herrscht heute enorme Hitze, aber hier ist es deutlich trockener als direkt an der Küste, so daß man die Temperaturen trotzdem gut ertragen kann. Anschließend haben wir noch Zeit, das vor den Stadtmauern liegende große Stadion zu besichtigen. Es gehört zu den besterhaltenen seiner Art in der Türkei. Es faßte bis zu 12000 Besucher, die hier die Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe beobachtet haben. Die Gewölbe in den Außenwänden des Stadions dienten den damaligen Händlern als Ladenräume. Vom Stadion sieht man gut das Theater auf der anderen Straßenseite.  Das aus dem 3. Jh. stammende Bauwerk ist zur Zeit wegen der Restaurierungsarbeiten leider nicht zugänglich. Gegen 11.30 Uhr fahren wir weiter zu einem Naturpark (Kursunlu Selalesi) in der Nähe von Antalya, den wir nach 20 Minuten erreichen. Hier haben wir etwa eine halbe Stunde Freizeit. Hauptattraktion in diesem Naturpark sind die Kursunlu Wasserfälle, die aus einigen Metern Höhe über eine grün zugewachsene Felswand in einen kleinen See fallen. Es wird hier gerade ein Werbefilm gedreht, deswegen ist ein Teil des Wanderweges abgesperrt und auf dem See schwimmen viele exotische bunte Blumen.  In dem Waldstück um die Wasserfälle sind viele kleine Wanderwege angelegt, und man sieht, daß hier auch zahlreiche Einheimische die Erholung suchen. Um 12.30 Uhr geht es zum letzten Zielort unseres heutigen Ausfluges - nach Aspendos. Wir fahren zunächst wieder über die Hauptstraße Richtung Side. Hinter Serik, an der schon bekannten römischen Brücke biegen wir dann nach links ab und fahren zu einem Restaurant im Hinterland, wo wir das Mittagsessen serviert bekommen. Unterwegs sieht man schon das berühmte Theater, das von Außen an ein Gefängnis erinnert, sowie ansehnliche Reste von römischen Aquädukten,  die die Felder in einem kleinen Tal überspannen.   Das Restaurant ist schön auf dem östlichen Ufer des Köprü-Flußes gelegen,  das wir über eine große Brücke erreichen.  Er ist sichtbar auf große Reisegruppen spezialisiert, die zum Besuch der Ruinen von Aspendos kommen. Wir sitzen unter einer Überdachung  im Freien an langen Tischen, die direkt am Fluß stehen. Auf Pfählen sind im Fluß weitere Tische und Stühle für Gäste vorbereitet, die über Stege vom Ufer zu erreichen sind.  Überdacht sind diese Sitzplätze mit großen getrockneten Palmenblättern. Insgesamt eine angenehme und idyllische Atmosphäre. Plötzlich hören wir Hubschraubergeräusche, die immer lauter werden und näher kommen. Bald sehen wir auch die Maschine über uns.  Es ist ein Feuerwehrhubschrauber mit einem drunter aufgehängten Wassersack. Wahrscheinlich brennt es irgendwo, was bei der heutigen Temperatur aber nicht verwunderlich ist. Der Pilot will eindeutig Wasser aus dem Fluß holen und sucht nach einer geeigneten Stelle. Er fliegt an uns vorbei, dreht bald aber um und senkt sich direkt am Restaurant ins Wasser. Der Wind von den Rotoren ist dabei so stark, daß die Überdachungen über den Stegen wie Watte weggeblasen werden und im Fluß landen.   Wir springen besorgt auf, ob auch die schwere Überdachung über uns nicht zusammenbricht. Aber sie hält. Wir bekommen nur eine kleine Dusche von aufgewirbelten Wassertropfen ab. Der Pilot hat bei seinem Manöver nicht mit diesen Folgen gerechnet. Dem Restaurantbesitzer und seinen Angestellten bleibt nichts anderes übrig, als über dieses Mißglück nur zu lachen. Bald tauchen auch zwei weitere Hubschrauber auf,  wir hören auch Sirenen von Feuerwehrautos. "Unser" Hubschrauberpilot kommt erneut, ist jetzt aber schlauer (er merkte wohl, was er eingerichtet hat) und geht zwar runter an uns vorbei, holt das Wasser aber weiter stromaufwärts.   Die beiden anderen Piloten suchen andere Stellen zum Wassertanken auf, es ist aber trotzdem sehr laut. Es riecht auch nach Verbranntem und es ist bestimmt nicht der Grill. Wir sehen Rauchwolken  hinter dem nächsten Hügel auf der anderen Flußseite aufsteigen.  Durch diese nicht gebuchte "Zusatzattraktion" verlängert sich auch unsere Mittagspause und wir gehen erst um ca. 14.30 Uhr zurück ins Bus. Die Löschaktion ist im vollen Lauf.  Auf der Rückfahrt über eine sehr schmale Straße mit steilen Böschungen kommen uns plötzlich entgegen einige Polizei- und Feuerwehrautos sowie ein breiter Tieflader mit schwerem Gerät. Da keiner zurücksetzen will (und kann, da wir ziemlich in der Mitte des schmalen Stückes stehen), versucht unser Busfahrer an der Kolonne vorbeizufahren. Der Reiseleiter tröstet, daß der Bus breite Reifen habe und es reiche, wenn er nur mit wenigen Zentimetern auf der Straße bleiben. Es ist eine Meisterleistung des Busfahrers, daß sein Manöver gelingt und wir nicht im Straßengraben landen. Nach diesen spektakulären Erlebnissen am Fluß ist die  Theaterbesichtigung in Aspendos  bei sengender Hitze eher unspektakulär aber trotzdem interessant. Unter der römischen Herrschaft erlebte die schon einige hundert Jahre bestehende Stadt Aspendos ihre Blütezeit. Aus diesen Zeiten stammt auch das unter Marc Aurel erbaute imposante Theater, das die folgenden rund 1900 Jahre fast unbeschadet überstand. Das in den Berghang eingebaute Theater zählt mit der 30 m hohen Wand seines Bühnengebäudes und dem Arkadenhalbrund  über den 40 Sitzreihen zu den besterhaltenen der antiken Welt. Auch in heutigen Zeiten wird das Theater für Konzerte, Festivals und verschiedene Sportveranstaltungen häufig benutzt. Auch während unseres Besuches wird wieder eine Bühne für eine Operaufführung aufgebaut.  Wir können uns selbst davon überzeugen, wie gut die Akustik im Theater ist. Um 16.15 Uhr bin ich zurück im Hotel in Kumköy und mache mich gleich auf den Weg nach Side (per Dolmus), um die Chance zu nutzen, den Apollo-Tempel beim Sonnenuntergang zu erleben. Um 18.30 Uhr ist es soweit, die Sonne neigt sich langsam dem Horizont.  Es haben sich mittlerweile viele Photofreunde und zufällige Touristen versammelt, und jeder versucht auch einen guten Standpunkt für seine Aufnahmen zu finden. Leider ist heute zu diesig, und die Sonne wird nicht ganz rot, sondern verschwindet bald unspektakulär gelblich gefärbt in der Dunst am Horizont. Trotzdem ist es ein schönes Erlebnis. Anschließend spaziere ich noch durch die von Neonlichtern hell beleuchteten Altstadtgassen, wo jetzt langsam das Nachtleben beginnt.  Um ca. 20.00 Uhr bin ich zurück im Hotel.

Perge - Säulenreste am Marktplatz (Agora)

Aspendos - im Theater (die Sitzreihen und das Orchester)

Side - antike Ruinen der Stadtmauer am 1. Stadttor (Haupttor)

11. Tag:

- Side - Antalya - Düsseldorf -

Heute kann ich endlich mal richtig lange ausschlafen. Da der Abflug nach Düsseldorf erst am Abend erfolgt, habe ich fast den ganzen Tag zum Nichtstun. Ich stehe aber noch rechtzeitig auf, um das Frühstück im Hotel zu bekommen, dann entschließe ich mich, endlich mal den Strand aufzusuchen. Bei dem herrlichen Wetter bietet sich an ein langer Strandspaziergang entlang der Küste  bis zum Zentrum von Side.

Nach etwa 1 Stunde durch den noch nicht so überfüllten Strand bin ich am Ziel. Auf dem Rückweg sieht der Küstenstreifen schon viel voller aus. Die Sonnenanbeter haben zwischenzeitlich also auch ihre Betten verlassen und den Weg zum Strand gefunden. Bis 12.00 Uhr muß das Zimmer geräumt sein. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich - bereits passend zur Rückkehr ins kühle Deutschland angezogen - in den Garten unserer Hotelanlage zu setzen,   und die Zeit totzuschlagen. Zwischendurch suche ich noch die - zu dieser Mittagszeit fast verlassene - Einkaufszone von Kumköy auf, und kaufe mich dort noch ein goldenes Halsband für meine Freundin und bestelle in einem Restaurant für die restlichen türkischen Lira eine Pizza. Für die gelangweilte Bedienung in dem Laden, wo ich als einziger Gast sitze, bin ich ein willkommener Gesprächspartner. Gegen 16.30 Uhr werde ich vom Hotel abgeholt und zum Flughafen Antalya gebracht. Der Abflug erfolgt pünktlich um 20.15 Uhr und nach 3 Stunden und 20 Minuten Flugzeit landen wir glücklich am Düsseldorfer Flughafen.

In drei Monate, fange ich mit meine « China-Mystery-Tour » an, der anfängt am 29 April in Peking und normalerweise endet am 22 Juli 1988 in Kashgar.

Side - Der Apollo-Tempel beim Sonnenuntergang.

REIZEN-D

SHOW-TOUR