Skandinavien

Paradies für die Skiläufer.

Fjorde, Gletscher, wilde Hochebenen, atemberaubende Wasserfalle, Stabkirchen und unheimliche Fabelwesen lassen jeden, der in Norwegen oder Schweden reisen durfte, ins Schwärmen kommen und dies sicher zurecht! Wir sind mitten Februar 2003 und vorgestern war ich noch im « Round Hill » in Montégo Bay in Jamaika mit einer Fakir-Show mit Tieren.

Unsere erste Station war nämlich Göteborg. Diese im südlichen Schweden gelegene Großtadt mit ça. 500.000 Einwohner lädt durch ihre breiten Geschäftsstraßen förmlich zum Bummeln ein. Göteborg besitzt übrigens den größten Industriehafen Skandinaviens, wo auch ein modernes Konzerthaus liegt. Dort kann man sich in einem Café mit südländischem Flair verwöhnen lassen. Von der Neugier getrieben verließen wir bald diese interessante Stadt, um in den "wilden" Norden zu fahren. Auf dem Weg nach Oslo kamen wir immer wieder an idyllischen Örtchen vorbei, von denen einige behaupteten die Heimat des Weihnachtsmannes zu sein. Wo er nun wirklich wohnt, konnte nicht geklärt werden?! Möglicherweise in Drobak. Fest steht, daß wir bereits im Sommer unsere Weihnachtspost erledigten, da man Weilmachtskarten kaufen konnte, welche dann automatisch vor Weihnachten, mit Absender "Weilmachts- mann", in alle Welt verschickt werden.

              

300 Kilometer später kamen wir nach Oslo und somit nach Norwegen. Oslo ist die letzte wirklich Großtadt vor dem dünn besiedelten Norden. Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Stadt genug. Neben einer kilometerlangen Fußgängerzone gefiel uns vor allem der Hafen mit seinen vielen kleinen Fischrestaurants. Das bekannteste Touristenziel aber ist der weltberühmte Holmenkollen mit seinen riesigen Sprungschanzen. Von diesem Berg aus hat man einerseits einen schonen Ausblick auf die darunter liegende Stadt, andererseits blickt man einen schrecklich steilen Sprunghügel hinunter, welcher nur für schwindelfreie Menschen geeignet ist. Auch Oslo ließen wir relativ bald hinter uns, da das erklärte Ziel dieser Reise die unberührte Natur war.

Ummittelbar nach Norwegens Hauptstadt fängt tatsächlich auch schon "Natur pur" an. Zwischendurch stößt der Reisende inunter wieder auf kleinere Dörfer mit hübschen Kirchen. Heddal kann sich rühmen, die vielleicht schönste Stabkirche zu besitzen. Diese wurde bereits um 1250 erbaut und ist von einem Friedhof umgeben, der einerseits eine gewisse Mystik ausstrahlt und andererseits durch die vielen Blumen und das saftige Grün der Wiesen zum ruhigen Verweilen einlädt. Eigentlich erinnert diese Kirche an eine asiatische Pagode, da an der Fassade Bildschnitzereien angebracht sind, die unter anderem Drachen zeigen. Die Dachform läßt einen an die alten Wikinger denken.

                                              

Nach Heddal wird die Landschaft immer atemberaubender und verändert sich ständig. Neben ausgedehnten Nadelwäldern kann man bereits die Ausläufer des Gebirges erkennen, welches Norwegen von Nord bis Sud durchzieht. Diese Ausläufer erreichen bereits eine Hohe von bis zu 2.000 Metern und sind damit ein wahres Eldorado für Bergwanderungen. Diese 2.000 Meter erscheinen allerdings noch um einiges hoher als die Berggipfel in den Alpen. Der Grund ist darin zu suchen, da die Baumgrenze bereits bei ça. 1000 Metern anfängt. Dies ist bedingt dadurch, daß Norwegen sehr weit nördlich liegt, genauer genommen liegt dieser Teil Norwegens auf derselben geografischen Breite wie das südliche Alaska, und das erklärt einiges. Jedoch bemerkten wir von der sprichwörtlichen nordischen Kalte nicht viel.

Im Gegenteil, die Temperaturen lagen wahrend der ganzen Reisezeit (Juli/August) fast immer zwischen 22°C und 27°C ! Einzig ab dem Polarkreis schlug das Wetter um, doch darüber etwas später. Das Klima kann also als angenehm angesehen werden. Dies durfte auch den Moskitos aufgefallen sein, denn diese können in ganz Skandinavien in unheimlichen Mengen vor. Teilweise erreichen diese Insekten-Helikopter die Große von Hornissen. Das mag unwahrscheinlich klingen, wer das aber nicht glaubt sollte sich selber einmal stechen lassen. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede, leider!

                                

Trotz der beginnenden Minivampirplage beeindruckte uns Südnorwegen sehr. Immer wieder kamen meine Freundin Daniela und ich an unberührten Seen vorbei, deren Temperaturen jenseits von 20°C lagen. Daß wir einen See für uns alleine hatten, passierte nicht nur einmal. Ja, man hat eine derart große Auswahl, daß man schon weiterfährt, sobald mal ein Auto an einem See steht!

                                

An dieser Stelle sei bemerkt, daß es durch die "Menschenleere" auch nur wenige bis gar keine Möglichkeiten gibt, Lebensmittel oder andere wichtige Dinge einzukaufen! Dies bemerkten wir bei einer Reifenpanne, die volle zwei Urlaubstage kostete, da im Umkreis von 70 Kilometern kein größerer Ort zu finden war, der zumindest eine kleinere Werkstätte hatte. Wobei ich natürlich auch selbst schuld war, denn welcher vernünftige Mensch nimmt auf eine 10.000 Kilometer-Reise einen defekten Ersatzreifen mit! ?! Nach soviel Natur war es wieder einmal an der Zeit eine Stadt aufzusuchen. Stavanger sollte uns helfen die Lebensmittelvorräte auszufüllen und wieder auf Menschen zu treffen. Die Preise für Lebensmittel sind besonders in Norwegen sehr gesalzen. Eine armselige Salatgurke kostet schon mal 3 Euro! Anders in Schweden und Dänemark. Dort liegen die Preise im europäischen Durchschnitt. Wahrscheinlich der Preis, den Norwegen für seinen Nicht-Beitritt zur EU zahlen muß.

                  

Unser nächstes Ziel hieß Preikestolen, ein Felskeil der ça. 650 Meter senkrecht aus dem Lysefjord emporsteigt. Der Aufstieg war zwar durch die Hitze (25°C) etwas anstrengend, aber eine schier unglaubliche Landschaft mit kleinen Seen, Gletscherschliffen und schließlich der wirklich unglaubliche Ausblick vom Felsen auf den grünblauen Fjord entschädigten für die Strapazen.

                

Fjorde wie der Lysefjord begleiteten uns von dort an auf der gesamten Reise entlang der norwegischen Küste. Größtenteils müssen die Fjorde mit Fahren überquert werden, da nur wenige Brücken über dieselben gebaut wurden. Dafür kann man wahrend der Fahrt immer wieder einen wunderschönen Ausblick auf die den Fjord umgebende Bergweit genießen. Schließlich nach vielen wunderschönen Kilometer Fahrt entlang unzähliger und unglaublich tief ins Landesinnere reichender Fjorde (Sognefjord 204 km!), gelangten wir m die alte Hansestadt Bergen.

                                

Durch diese wunderschöne Stadt walzen sich zwar Tag für Tag massenhaft Touristen aus aller Welt, aber dies eben nicht grundlos und so nimmt man das Gedränge am Fischmarkt (Fiskekrogen) gerne auf sich. Frische Garnelen, Shrimps (Reker), Lachs, Krappentiere usw. warten nur darauf gekostet zuwerden. Wer es weniger rustikal haben will, kann eines der bekannten Fischrestaurants aufsuchen und sich verwohnen lassen. Keinesfalls fehlen darf bei einem Bergen-Besuch die Fahrt auf den Stadtberg Floyen mit der steilen Bergbahn. Von dort aus überblickt man den gesamten Großraum um Bergen mit sämtlichen Buchten.

              

Nach Bergen ging es wieder zurück in die Wildnis. Auf unwegsamen Paßstraßen, welche auch im Hochsommer noch von meterhohen Schneewänden umgeben sind, stießen wir immer wieder auf Schafherden. Diese Gegend wollte natürlich "bewandert" werden, was uns sehr oft schone, noch unberührte Plätzchen zeigte. Eine dieser Wanderungen hatte als Zielpunkt das Gletschergebiet Jostedalbreen. Einem Gebirgszug mit einer durchschnittlichen Hohe von über 2.000 Metern. Dadurch, daß diese Berge unmittelbar von Meereshöhe aufsteigen, erscheinen sie viel hoher als anderswo in Europa.

              

Der Jostedalbreen gilt jedenfalls als einer der schönsten und größten Gletscher Europas und dies zurecht. Wo findet man schon eine Gletscherzunge, die unmittelbar in einen See übergeht, und es damit immer wieder dazu kommt, daß der Gletscher vor den Augen der Reisenden kalbt (Wenn Teile eines Gletschers abbrechen, nennt man dies "kalben"). Erreichbar ist der Gletscher mittels eines kleineren Bootes oder auch zu Fluß durch reißende Gebirgsbäche und über steile Gletscherschliffe entlang des Sees. Das Wasser desselben hat eine Temperatur knapp über 0°C und ist damit keinesfalls zum Baden geeignet. Im Gegenteil, wer reinfallt muß froh sein, wenn er wieder rauskommt, denn sonst erfriert man innerhalb weniger Minuten.

              

Der Gletschersee fließt dann als "Wildwasser" talwärts. Dabei muß das Wasser einige Höhenstufen überwinden. Das geht nicht immer ohne Wasserfall, deren es dementsprechend viele in Skandinavien respektive Norwegen gibt. Einer schöner wie der andere, schießen die Fälle in Schluchten und Fjorde. Der höchste frei fallende Wasserfall Norwegens und auch einer der höchsten Europas ist der sogenannte Vettisfossen, mit einer Fallhöhe von 300 Metern! In einem Umkreis von 500 Metern herrscht praktisch "Regenwaldklima" und man atmet dermaßen feuchte Luft ein, daß jede Bewegung anstrengend wird. Die Lufttemperatur von 30° C verlieh dem Aufenthalt eine gewisse Schwüle.

                                              

Etwas abgekämpft erreichten wir einen Tag später den berühmten Geiranger Fjord. Diese Schlucht glänzt nicht nur durch wunderschöne Natur, sondern auch durch Traumschiffe. Warum? Ganz einfach, denn täglich legen an dieser Stelle drei bis vier gigantische Kreuzfahrtschiffe, vollgestopft mit vielen Reichen aus aller Welt, im Hafen an. Nach einiger Zeit ging uns der Touristenrummel auf die Nerven, und weiter ging es über endlose Serpentinen (Trollstigen) und zeitweise sehr karge Landschaften in Richtung Polarkreis.

           Seuqcaj in Scandinavien

Mit einem Male änderte sich das Wetter. Nun machten wir erstmals Bekanntschaft mit dem nordischen Klima. Ein Temperatursturz auf unangenehme 11°C (im August!) ließ uns im Anschluß nur 100 Kilometer vom Nordkap entfernt umkehren und nach Schweden flüchten. Aber was soll’s, außer einem Felsen hätte man sowieso nichts gesehen! Trotz des schlechten Wetters fiel uns der Abschied schwer, hatten wir doch unglaublich schone Gegenden und interessante Menschen kennengelernt!

                              

Mitternachtssonne:
Sonnenuntergänge mit einer glaublichen Farbenvielfalt erlebten wir natürlich sehr oft. Der Reiz dieses Schauspiels liegt aber auch damit, daß die Sonne bereits auf einer geografischen Breite Bergens erst gegen Mitternacht untergeht. Aber nicht immer empfanden wir die Helligkeit um Mitternacht als schön, denn wer schläft schon gerne im Hellen!
                                

In Schweden besserte sich das Wetter schlagartig, da der norwegische Küstengebirgszug den Großteil der feuchten Luft abfängt. Schweden ist doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur 8,5 Millionen Einwohner. Dementsprechend dünn besiedelt gibt sich vor allem der Norden (Lappland). Was wäre Lappland bzw. Nordskandinavien ohne Rentiere; und deren gibt es wirklich in unvorstellbarer Menge. Ja, man möchte teilweise glauben, daß hinter jedem Baum eine dieser Tiere hervorschauen wurde!

              

Wahrend Norwegen vor allem durch Fjorde und Wildwasser geprägt ist, findet der Reisende wirklich, ohne jegliche Übertreibung, tausende Seen. Einer schöner und unberührter als der andere und damit stehen sie den norwegischen Seen um nichts nach.
Auf hunderten Kilometern Richtung Süden verweilten wir immer wieder an den unterschiedlichsten Gewässern. Von großen, tiefblauen Seen bis zum kleinen grünen Tümpel, immer wieder etwas Neues!

                                

Wieder einmal unterwegs schrie meine Freundin plötzlich aufgeregt auf! Vor uns auf der Fahrbahn stand er, unser erster echter Elch! Panisch griff ich zur Kamera, vergaß die Abdeckung vom Objektiv zu nehmen, hielt die Kamera unruhig und bemerkte, daß der Elch keine Anstalten machte zu verschwinden. Also konnte ich seelenruhig ein Foto nach dem anderen schießen, natürlich ohne Abdeckung?! Neben den bekannten Elchen gibt es in Schweden auch Baren. In der Vergangenheit, stand ich schon mal Auge in Auge mit einen enormen Grizzly in Alaska, aber dies war auf meine reise nach Hongkong, wo ich damals meine erste Weltmeisterschaft gewonnen habe. ( World Daredevil Performer's Festival-Tokyo 1984 ) Aber dies ist eine andere Geschichte.

               Seuqcaj into Scandinavia.

Nach langer Zeit (ça. 2.000 Kilometer) ohne größere Stadt kamen meine Freundin und ich nach Uppsala. Die rund 20.000 Studenten der ältesten Universitätsstadt Nordeuropas (Universität - gegründet 1477) bringen Schwung in die Stadt, die Sitz des evangelischen Erzbischofes ist. Uppsala hat nämlich neben einer schonen Innenstadt auch die größte gotische Kathedrale in Skandinavien. Sie wurde bereits im 13.Jahrhimdert erbaut. Bei einem Ausflug in die Umgebung kann man geheimnisvolle Runensteine und andere "Erbstücke" der alten Wikinger bewundern.

Nur 60 Kilometer südlich liegt bereits Stockholm. In Europa habe ich bereits alle größeren Städte bereist, aber Stockholm überraschte mich am meisten. Von einem Venedig des Nordens kann getrost gesprochen werden. Lange, die ganze Stadt durchnehmende Kanale, enge Gassen und viele größere und kleinere Brücken erinnern an die italienische Lagunenstadt.

 

Als Draufgabe kann der Reisende noch eine wirklich traumhafte Altstadt, schone Kirchen, den königlichen Palast und eine besonders lange Fußgängerzone besichtigen. Erwähnenswert ist auch das sogenannte Stadshuset, in welchem Jahr für Jahr die Nobelpreisträger gewählt werden. All das kann man mit dem Fahrrad erkunden, da die ganze Stadt mit einem dichten Fahrradwegenetz durchzogen ist. Die ganze Stadt wirkt trotz alter Kultur jugendlich und verstromt einen erfrischenden südländischen Flair, der von der Jugend getragen wird.

                                

Haben Sie schon eimnal von Wasa gehort? Nein, nicht das schwedische Smörebröd, vielmehr ein gesunkenes Schiff, das kurz nach dem Stapellauf im Jahre 1628 gesunken ist und 333 Jahre später, unter hohem Aufwand gehoben wurde. Dieses sagenhafte Schiff steht nun in einem eigenen Museum und wartet nur darauf entdeckt zu werden. Nachdem Stockholm hinter uns lag, mußten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, daß die Reise zu Ende war. Ein letzter Blick auf den Sonnenuntergang und schon ging es wieder zurück nach Mitteleuropa. Ein wunderschönes Segelschiff begleitete uns auf unserer Fahrt zurück und vertrieb die Abschiedsgedanken über das Ende eines tollen Abenteuers.

SEUQCAJ NAMED

REIZEN-D

SHOW-TOUR