- NAMIBIA-

KÜRZBERICHT

KOMPLETTBERICHT

- München - Windhoek -

Abflug des LTU-Airbuses von München am Freitag um 21.45 Uhr, Ankunft in Windhoek um 6.25 Uhr Ortszeit

Transfer nach Windhoek, eine kurze Stadtrundfahrt und ein ca. 7stündiger Aufenthalt in der Hauptstadt mit einigen Besichtigungen:

Aussichtshügel im Süden der Stadt

Alter Hauptbahnhof

Evang. Christuskirche (Wahrzeichen der Stadt)

Denkmal der deutschen Schutztruppen

Nationalmuseum in der Alten Feste

Ehem. Kaiserstraße im Zentrum, Fußgängerzone und Geschäfte


Transfer zum Campingplatz Harmony Seminar Centre in den Auas-Bergen, südlich von Windhoek, Übernachtung

- Windhoek - Köcherbaumwald - Keetmanshoop -

Fahrt auf der Teerstraße B1 über Rehoboth und Mariental nach Süden; dabei einige Zwischenstopps, u.a. am Wendekreis des Steinbocks (südlich von Rehoboth)

Vor Keetmanshoop ein Absteher zum Köcherbaumwald mit ca. 300 Exemplaren der baumartigen Aloeart; indiv. Rundgang

Kurzer Aufenthalt in Keetmanshoop, Spaziergang durch das Städtchen von der Kirche der Rheinischen Mission von 1895 bis zum Kaiserlichen Postamt

Fahrt zum Campingplatz Lafenis Ruskamp, ca. 10 km südlich von Keetmanshoop, Übernachtung

- Keetmanshoop - Ai-Ais -

Fahrt von Keetmanshoop über Grünau (dort eine Pause, Souvenirstände an der Tankstelle) auf der B1 nach Süden

Ca. 30 km hinter Grünau Abfahrt nach Westen und Fahrt auf einer befestigten Pad nach Ai-Ais

Kurz vor Ai-Ais ein Zwischenstopp in den Bergen am sog. Rosenquarz-Berg

Kurz nach dem Mittag Ankunft auf dem Campingplatz Ai-Ais Hot Springs am südlichen Ende des Fish River Canyons

Freizeit zum Wandern im Fish River Canyon oder zum Baden in den heißen Thermalquellen von Ai-Ais

Übernachtung auf dem Campingplatz in Ai-Ais

- Ai-Ais - Fish River Canyon - Hobas Camp -

Freizeit in Ai-Ais: ca. 2,5stündige individuelle Wanderung durch das südliche Ende des Fish River Canyons

Gegen Mittag Abfahrt Richtung Norden zum Camp Hobas; Fahrt entlang des Fish River Canyons mit einigen Zwischenstopps (u.a. bei großen Euphorbias, einer typischen für die Gegend Vegetation)

Nach einer kurzen Pause in Camp Hobas Weiterfahrt zum Main Viewpoint am nördlichen Ende des Canyons

Wanderung entlang des Canyonrandes zum Start Viewpoint im Norden und zurück

Warten am Main Viewpoint auf den Sonnenuntergang über dem Fish River Canyon

Nach dem Sonnenuntergang Rückfahrt zum Campingplatz Hobas Restcamp Park und Übernahtung

- Hobas Camp (Fish River Canyon) - Lüderitz -

Fahrt auf den Pads über karge Landschaften von Hobas nach Seeheim

Bei Holoog ein kurzer Stopp an zwei einsamen Gräbern der deutschen Soldaten aus dem Anfang des 20. Jh.

Vor Seeheim Auffahrt auf die Teerstraße B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz

Fahrt auf der Straße B4 nach Lüderitz mit mehreren Zwischenstopps, u.a.:

Große neue Brücke über dem Fish River nördlich des Canyons

Mittagspause auf einem Rastplatz hinter Aus

Fotopause in der Namib-Wüste an der ehem. Bahnstation Grasplatz (altes Haus)
Fotopause vor der Geisterstadt Kolmanskop (Kolmankuppe)

Ankunft in Lüderitz an der Atlantikküste und Freizeit für eigene Erkundung der Stadt, u.a.:

Bummel auf der Hauptstraße Bismarck Straße

Besichtigung des Museums im prächtigen Goerke-Haus

Die Felsenkirche von 1912

Kurze Fahrt zum Campingplatz (Lüderitz Recreationresort) auf der Shark Island (Haifischinsel) vor der Bucht von Lüderitz, Spaziergang zum Leuchtturm, spektakul. Sonnenuntergang, Übernachtung
 

- Lüderitz - Kolmanskop - Duwisib -

Fahrt nach Kolmanskop (Kolmankuppe) bei Lüderitz und Besichtigung der 1950 verlassenen Geisterstadt (u.a. Museum, Kegelbahn, versch. Gebäude)

Weiterfahrt auf der Teerstraße B4 nach Osten bis Aus (quer durch die Namib-Wüste), von dort weiter auf den Pads nach Norden

Mittagspause in einer malerischen Landschaft unterwegs (Granitfelsen, große Webervögelneste)

Weiterfahrt über Helmeringhausen bis zum Schloß Duwisib

Besichtigung des Schloßes Duwisib, das 1909 vom deutschen Offizier von Wolf erbaut wurde

Freizeit auf der benachbarten Farm Duwisib (u.a. Strauße), abends landestypisches Essen beim Farmer und Gesangsvorführung durch seine Angestellten vom Nama-Volk

Übernachtung auf der Farm Duwisib

- Duwisib - Sesriem Canyon - Sossusvlei (Namib-Wüste) - Sesriem Camp -

Fahrt nach Norden durch das Farmland und zerklüftete Nubib-Berge (im Tsarisbergmassiv), einige Photopausen

Am frühen Vormittag Ankunft am Campingplatz bei Sesriem und kurze Pause

Ausflug zum Sesriem Canyon, Wanderung im Canyon

Rückfahrt zum Campingplatz, Mittagpause

Fahrt zu dem großen Sanddünen in der Namibwüste (bei Sossusvlei im Namib Naukluft National Park)

Wanderungen und Besteigung einiger Sanddünen bei Sossusvlei, herrliche Landschaften, roter Sand, ausgetrocknete Seen

Fahrt zur berühmten Düne 45 und Warten auf den Sonnenuntergang

Rückfahrt zum Campingplatz Sesriem Camping Site, Übernachtung

- Sesriem Camp - Walvis Bay - Swakopmund -

Fahrt auf Pistenstraßen am Rande des Namib Naukluft Parks nach Norden (u.a. über Solitaire)

Überquerung des Gaub-Passes und später des Kuiseb-Passes mit herrlichen felsigen Landschaften, dazwischen flache Partien; hügelige, graue und vegetationsarme Landschaft der Badlands; mehrere Photopausen

Ab dem Kuiseb-Pass Fahrt Richtung Westen, Durchquerung der Namib-Wüste, Sanddünen

Ankunft in der Hafenstadt Walvis Bay (Walfischbucht) an der Atlantikküste

Spaziergang entlang der Bucht von Walvis Bay mit ihren Flamingos und Pelikanen (leider nur wenige zu sehen)

Fahrt entlang der Küste nach Swakopmund, kurze Stadtrundfahrt (u.a. alter Bahnhof)

5stündiger Aufenthalt in Swakopmund, individuelle Stadterkundung, u.a.

Dr. Sam Nujoma Avenue

Woermann-Haus, Besteigung des Turms

Marine-Denkmal und Holzschnitzermarkt

Mole (Strand) und der Leuchtturm

Abendessen in einem Restaurant

Abends Fahrt zum Campingplatz 4 Mile Holiday Resort bei Swakopmund, Übernachtung

- Swakopmund - Namib-Wüste - Swakopmund -

Ganztägiger fakultativer Ausflug mit Kleinbussen in die Namib-Wüste, u.a.:

Fahrt u.a. durch das ausgetrocknete Flußbett von Swakop, andere Flußtäler, bergige Mondlandschaften (Basalt, Granit, verschiedenste Farbschattierungen), Stein- und Felswüste

Vorstellung der typischen Vegetation der Wüste: u.a. Aloen, große Euphorbien, Lithops ("lebende Steine"), Nara-Pflanzen, verschiedene Flechtenarten, später die einzigartige und berühmte Welwitschia mirabilis (älteste Pflanze der Welt, viele Exemplare)

Mittagspause (Picknick) unter einem Felsen im ausgetrockneten Flußbett

Fahrt durch eine flache Sand- und Staubwüste zu den Sanddünen

Besteigung einer Sanddüne

Rückfahrt nach Swakopmund, kurzes Einkaufen im Stadtzentrum, dann zum Campingplatz

Übernachtung auf dem Campingplatz 4 Mile Holiday Resort bei Swakopmund

- Swakopmund - Cape Cross - Khorixas -

Fahrt entlang der Küste über Hentiesbaai nach Cape Cross

Aufenthalt in der Robbenkolonie bei Cape Cross mit ca. 100.000 Zwergpelzrobben

Rückfahrt bis Hentiesbaai und dann Fahrt Richtung Nordosten durch die Namib-Wüste

Unterwegs Ausblicke auf die Spitzkoppe und den Brandbergmassiv, Photostopps

Besuch einer Damara-Familie in einer kleinen Siedlung (2-3 Häuser) im Damaraland

Kurze Mittagspause in Uis Myn

Pause vor der Brücke über den Ugab-Fluß, Verkaufsstände mit landestypischen Herero-Puppen

Weiterfahrt nach Khorixas

Übernachtung auf dem Campingplatz Khorixas Lodge & Restcamp

- Khorixas - Twyfelfontein - Khorixas -

Ganztägige Fahrt durch das Damaraland westlich von Khorixas

Halt an einer Damara-Hütte, kurzer Besuch

Fahrt zum "versteinerten Wald" und ein Rundgang durch das Gelände mit versteinerten, fossilen Baumstämmen; viele Welwitschia-Pflanzen

Fahrt Richtung Twyfelfontein, Rundgang durch die Felsen am Berghang im Tal "Uri-Ais" und Besichtigung der einzigartigen Felsgravuren (Petroglyphen) der Ureinwohner, anschließend Mittagpause

Fahrt zum "verbranten Berg" (interressante Farbschattierungen) und ins "Tal der Orgelpfeifen" (ca. 120 Mio. Jahre alte Basaltsäulen)

Fahrt durch das malerische Damaraland mit grünen Landschaften und interessanten Felsformationen, Photopausen

Rückfahrt zum Campingplatz Khorixas Lodge & Restcamp und Übernachtung

- Khorixas - Outjo - Okaukuejo (Etosha Nationalpark) -

Fahrt durch schöne, grüne Landschaften Richtung Nordosten nach Outjo

Unterwegs einige Photostopps, u.a. bei einem der zahlreichen Termitenhügel, bei Panoramaaussicht auf die Ugab-Terrassen

Absteher zum Vingerklip, einer interessanten, säulenartigen Felsformation

Mittagpause in Outjo, individueller Rundgang durch das Städtchen

Weiterfahrt Richtung Etosha-Pfanne, dann Fahrt durch den Nationalpark und erste Tierbeobachtungen (Zebras, Impalas, Springböcke, Giraffen, usw)

Ankunft im Camp Okaukujeo, Bummel durch das ausgedehnte Camp, Besteigung des Beobachtungsturmes; Erdhörnchen im Camp

Am frühen und späten Abend mehrstündige Tierbeobachtungen am Wasserloch beim Camp (Antiloppen, Elefantenbulle, Nashörner, Löwen)

Übernachtung im Camp des Namibia Wildlife Resorts Ltd. in Okaukuejo

- Etosha Nationalpark (Okaukuejo - Halali - Fort Namutoni) -

Beobachtungen am Wasserloch beim Sonnenaufgang (mehrere junge Löwen)

Ganztägige Bus-Safari durch den Etoscha Nationalpark:

Fahrt durch verschiedene Landschaften (offene Steppe, dichtes Buschwerk) und Beobachtungen der Tiere (u.a. Herden von Zebras, Antiloppen /Kudu, Springbock, Impala, Gnu, Oryx/, Strauße, Giraffen, versch. Vögel)

Mittagpause im Halali Camp, Beobachtungen am Wasserloch von Halali (eine Kudu-Antiloppe)
Nachmittags ein Abstecher zur eigentlichen Etoscha Pfanne - einem ausgetrockneten riesigen See

Abends Ankunft im Camp Namutoni (ehemals deutsche Festung), Rundgang durch den Camp, Aufstieg auf den Turm der Festung, Beobachtungen am Wasserloch (keine größeren Tiere)

Übernachtung im Camp Namutoni

- Fort Namutoni - Okahandja - Windhoek - München -

Fahrt durch den Nationalpark bis zum Lindquist-Tor und dann nach Osten, später auf der Teerstraße nach Süden, an Tsumeb vorbei

Über Otavi-Berge weiter nach Süden durch die Städte Otavi und Otjiwarongo, kurze Pausen an der Straße

Besuch des Holzschnitzermarktes in Okahandja, letzte Souvenireinkäufe

Weiterfahrt nach Windhoek und dort über die Umgehungsstraßen bis zum Campingplatz Harmony Seminar Centre in den Auas-Bergen, südlich von Windhoek

Abschiedsessen und Übernachtung auf dem Campingplatz

Am Freitag um 5.00 Uhr morgens Transfer zum Flughafen in Windhoek

Um 8.25 Uhr Abflug des LTU-Airbusses nach München, Ankunft in München um18.55 Uhr Ortszeit

1. Tag:

- München - Windhoek -

Meinen letzten Urlaub datiert schon wieder von mitten April, Anfang Mai auf Sri Lanka. Ich brauchte wieder ein bisschen Urlaub. Wir sind den 30 August 2004. Ich habe schon in Namibia gearbeitet, bei meine “South Africa Tour” von 14.02. bis 17.02.1985.

Meine erste Reise auf die südliche Halbkugel beginnt bereits gestern am Münchener Flughafen. Nach der ziemlich langen und frühen Anreise nach München habe ich noch sehr viel Zeit, um mich auf dem weitläufigen Gelände umzuschauen oder einfach nur rumzusitzen. Nach mehreren Stunden, die ich - unterbrochen nur durch das Einchecken und die Sicherheitskontrolle - so auf dem Flughafen verbringe, beginnt gegen 21 Uhr endlich das Boarding. Die LTU-Maschine ist etwa eine halbe Stunde verspätet. Wir starten erst um 21.43 Uhr zu unserem Nachtflug. Nur aus der Bildschirmanzeige in der Kabine erfahre ich, daß wir fast exakt entlang des gleichen Breitengrades nach Süden kommen. Wir fliegen u.a. über der Westspitze von Sizilien, erreichen dann Afrika zwischen Djerba und Tripolis. Mitten in der Nacht überqueren wir den Äquator, dann geht es an Kinshasa und Luanda vorbei, anschließend noch kurz entlang der Atlantikküste von Angola, bevor wir Namibia erreichen. Um 6.25 Uhr Ortszeit landet der Airbus 330-200 nach 9 Stunden und 40 Minuten Flugzeit auf dem Flughafen von Windhoek. Hier herrscht kaum Flugbetrieb und wir gehen vom Flugzeug zu Fuß in die Ankunftshalle. Gerade geht auch die Sonne auf, und wir werden von einem wunderschönen, sonnigen und wolkenlosen Wetter mit angenehmen, jetzt noch kühlen Temperaturen (schätzungsweise ca. 10 Grad) empfangen.

Windhoek-Das Reiterdenkmal und die lutherische Christuskirche-Namibia

Nach einer relativ schnellen Erledigung der Einreiseformalitäten treffen sich die Teilnehmer der Rotel-Rundreise am wartenden Bus vor der Flughafenhalle. Es ist nicht der typische rote Rotelbus, den ich hier erwartet habe, sondern ein normaler, gemieteter Reisebus. Wir erfahren, daß der Rotelbus mit dem Schlafanhänger (in dem wir während der Rundreise übernachten werden) auf dem Campingplatz einige Kilometer südlich vor der Hauptstadt auf uns wartet bzw. vorbereitet wird. Den Campingplatz erreichen wir aber erst am Abend. Zunächst geht es auf eine Besichtigungstour in die Hauptstadt. Vor dem Bus wartend, sehe ich hier auch meinen Sitznachbar im Flugzeug kommen. Wie sich herausstellt, heißt er Paul und ist unser Rotel-Busfahrer und Koch, der für unsere Rundreise extra seinen Heimaturlaub unterbrechen und nach Namibia zurückkommen mußte, denn der vorgesehene Busfahrer hat sich bei der vorherigen Rundreise am Fuß verletzt. Im Bus werden wir vom Rudolf begrüßt, der uns als der Reiseleiter während der nächsten zwei Wochen begleiten und betreuen wird. Wir fahren jetzt also ins Zentrum der Hauptstadt, die 42 km weit vom Flughafen in einem Tal ca. 1700 m hoch gelegen und von relativ hohen Bergen umgeben ist. Deshalb auch befindet sich der Flughafen nicht direkt in der Stadt. Neugierig schauen wir aus den Fenstern auf die weitläufige, karge und trockene Landschaft an der Straße nach Windhoek. In der Stadt fahren wir zunächst einen östlich des Zentrums und des Parlamentsgebäudes (Tintenpalast) gelegenen kargen Hügel an, auf dem sich ein Wasserturm befindet. Von hier aus bietet sich ein guter Ausblick auf die im Tal gelegene kleine, ca. 240.000 Einwohner zählende Hauptstadt. Rudolf erklärt uns die wichtigsten Bauwerke der Stadt, die man von hier sehen kann. Danach fahren wir runter ins Zentrum und halten am historischen Hauptbahnhof an, der heute noch diese Funktion erfüllt. Diese kleine Station mit zwei Bahnsteigen wurde 1912 erbaut. In der engen Eingangshalle, die nicht großer als die in einer deutschen Kleinstadt ist, sind an den Wänden einige historische Bilder aufgehängt. Vor dem Bahnhof steht eine alte, zierliche Lokomotive auf der Schmalspurbahn; neben dem Gebäude sehe ich noch weitere historische Schienenfahrzeuge. Am Bahnhof selbst gibt es kaum Reisende, ein Mann putzt den Boden. Es fahren hier wohl nur wenige Züge am Tag ab. Die nächste Station auf unserer kurzen Stadtrundfahrt ist das Wahrzeichen der Stadt - die etwas erhöht über der Stadt gelegene evangelisch-lutherische Christuskirche in historischem Zentrum. Sie wurde 1910 als Friedensdenkmal zum Abschluß des Krieges zwischen den Deutschen und den Nama, Herero und Ovambo errichtet. Diese in neo-gotischem Stil gebaute und schön gelegene Kirche ist ein wahrer Blickfang. Dahinter sehen wir auf einem Hügel das Parlamentsgebäude Namibias, den sog. Tintenpalast. Wir spazieren auch zum bekannten Reiterdenkmal südlich der Christuskirche, das auf einer großen Rasenfläche vor der Festung "Alte Feste" steht. Es wurde 1912 zur Erinnerung an die in den Nama- und Herero-Aufständen Gefallenen der deutschen Schutztruppe errichtet.

Windhoek-Die lutherische Christuskirche-Namibia

Anschließend fahren wir zum etwas unterhalb der Christuskirche gelegenen großen Parkplatz, wo wir aussteigen und uns wieder um 16 Uhr treffen sollen. Da es erst ca. 9 Uhr ist, haben wir jetzt 7 Stunden Freizeit für eigene Erkundungen der Hauptstadt. Da meine Kamera zu meiner Verzweiflung unerwartet ihren Dienst verweigert (nicht auslösen will), suche ich als Erstes ein deutsches Fotogeschäft auf, das mir Rudolf empfohlen hat. Hier bekomme ich auch eine kompetente Hilfe und die Kamera funktioniert wieder. Erleichtert gehe ich dann weiter durch das Zentrum zu der Fußgängerzone in der Post Street Mall. Neben zahlreichen Geschäften interessant sind vor allem die Stände der zahlreichen Straßenverkäufer. Ihr Angebot ist äußerst vielfältig, darunter Holzarbeiten, Kunsthandwerk, handgefertigte Kleidung und vielerlei andere originelle Dinge. Sehenswert ist auch der Meteoriten-Brunnen in der Post Street Mall. Er besteht aus 31 bei Gibeon gefundenen Meteoriten (die zu 95% aus Eisen bestehen) und gilt als einer der ungewöhnlichsten Brunnen der Welt. Am Ende der Straße befindet sich ein mittelgroßes Einkaufszentrum, wo ich auch ein aus Deutschland bekanntes Lebensmittelgeschäft mit vielen vertrauten Produkten entdecke. Dann gehe ich quer durch die Stadt nochmals zum Hauptbahnhof, wo ich mich jetzt mit mehr Ruhe umschaue. Überall gibt es noch Spuren deutscher Vergangenheit und zum Teil auch der Gegenwart zu entdecken. Unterwegs sehe ich immer wieder deutschsprachige Straßennamen, wie z.B. Bahnhofstraße oder Schützenweg. Sie werden aber nach und nach durch englische ersetzt. Man sieht auch häufig deutsche Schilder und Namen an verschiedenen Geschäften oder Büros und Firmensitzen. Die Zeitungsjungen verkaufen überall auf den Straßen die deutschsprachige "Allgemeine Zeitung Namibia". An einer großen Kreuzung der Hauptstraße Independence Avenue mit der John Meinert Street entdecke ich ein altes flaches Gebäude mit der Aufschrift "Kaiserl. Landesvermessung", das heute die Büros der Southern African Customer Union beherbergt. Ihm gegenüber steht auf der Kreuzung das Kudu-Denkmal. Das Zentrum der Stadt ist relativ klein, überschaubar und besitzt relativ niedrige Bebauung. Nach ca. 1-2 Stunden habe ich manche Orte schon mehrmals passiert. Man braucht eigentlich nicht so viel Zeit für die Besichtigung des Zentrums, wie wir zur Verfügung haben. Aber da heute sowieso nichts anderes vorgesehen ist, bummele ich weiter durch die Stadt und verschiedene Geschäfte und Einkaufszentren. Gegenüber dem Zoo-Park, das rund um das Denkmal der Schutztruppe angelegt ist, befinden sich an der Independence Avenue zahlreiche Souvenirgeschäfte. Und südlich des Parks haben viele Straßenverkäufer auf den Bürgersteigen unzählige Holzschnitzereien aufgestellt. Ich besuche im Laufe des Tages auch noch zweimal die Christuskirche, und einmal habe ich sogar das Glück, das schlichte Innere der Kirche zu sehen, die gerade aufgeschlossen ist und geputzt wird. Bei dem Mittagsbesuch an der Kirche mache ich für mich eine Entdeckung, die wahrscheinlich jeden, der zum ersten Mal die südliche Halbkugel besucht, zunächst ins Grübeln bringt. Nachdem ich am Morgen die Sonne im Osten gesehen habe, erwarte ich, daß jetzt, in der Mittagszeit, die Nordseite der Kirche im Schatten steht. Stattdessen scheint aber die Sonne auf diese Seite. Ich bin zunächst etwas verwirrt, was die Himmelsrichtungen betrifft, bis ich mir klar mache, daß es auf der südlichen Halbkugel tatsächlich umgekehrt ist - mittags steht die Sonne im Norden und nicht, wie bei uns, im Süden. Heute haben wir ein wirklich wunderschönes Wetter. Der Himmel ist tiefblau und absolut wolkenfrei, wie man es in Deutschland kaum zu sehen bekommt. Mittags haben wir schätzungsweise ca. 27-30 Grad. Nachmittags kommt aber ein starker Wind auf, was jahreszeitbedingt ist, wie wir später erfahren. Da ich noch immer viel Zeit bis zur Weiterfahrt habe, gehe ich zur Alten Feste und besuche das in dem ältesten Bauwerk Windhoeks untergebrachte Nationalmuseum. Die Museumsstücke, die in den schlichten und engen Räumen der Festung gezeigt werden, enttäuschen mich etwas. Manch ein Privatsammler hat sicherlich viel umfangreichere Sammlungen, als das was hier gezeigt wird. Und auch die Präsentation der Exponate erinnert eher an eine von Schülern organisierte Ausstellung.

Windhoek-Deutsche Straßennamenschilder-Namibia

Aber sicherlich fehlt es dem Land an Geld, um eine professionellere Präsentation zu gestalten. Unabhängig davon besuche ich das Museum mit großen Interesse, den es vermittelt trotzdem einen guten Eindruck über die Geschichte Namibias. Im ersten Teil werden hauptsächlich alte Fotografien und einige alte Gegenstände gezeigt, die kurz die Geschichte der deutschen Kolonialzeit und die spätere südafrikanische Besetzung illustrieren. Man sieht auf den Fotos auch die legendären einheimischen Anführer und Freiheitskämpfer, wie den Samuel Maharero oder Hendrik Witbooi. Im weit größeren Teil der Exposition wird dann der Befreiungskampf und der Weg Namibias zur Unabhängigkeit gezeigt: das UNO-Mandat, die UNO-Mission, die Wahlvorbereitung und die Wahlen selbst, und schließlich die erste Regierung. Gezeigt werden hauptsächlich Plakate, Flugblätter, Zeitungsausschnitte, Fotos, Uniforme und Plaketten der UNO-Soldaten u.ä. Im letzten Teil sieht man noch verschiedene alte Haushalts- und Gebrauchsgegenstände: Wohnungsausstattung, Möbel, Musikinstrumente u.a. aus den Anfängen des 20. Jh. Man kann auch auf den niedrigen, südöstlichen Turm der Festung hinaufklettern. Von hier hat man einen guten Überblick über die Hauptstadt. Passend dazu ist auf den Wänden das jeweilige Panorama mit entsprechenden Beschriftungen der wichtigsten Bauwerke aufgemalt. Den Rest der Freizeit verbringe ich in dem Zoo-Park. Hier sammeln sich am Nachmittag auch viele Einheimische, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen oder einfach nur herumzusitzen. Auch ich erhole mich hier von den Strapazen der langen Reise und der Wanderungen in der Hauptstadt. Ich bleibe hier sitzen und beobachte das Geschehen um mich herum. Pünktlich um 16 Uhr fahren wir zu unserem Campingplatz am einem Deutsch-Namibianer gehörenden Harmony Seminar Center, der in den Auas-Bergen ca. 20 km südlich von Windhoek gelegen ist. Wir fahren durch eine karge Landschaft, die aber ziemlich grün ist, da es in der letzten Zeit in Namibia relativ viel geregnet hat. Hier sehe ich zum ersten Mal unseren Rotel-Bus mit dem großen Schlafanhänger, der in den nächsten zwei Wochen unser Zuhause sein wird. Wie ich später erfahre, bin ich der einzige Rotel-Neuling in der Gruppe; manche Teilnehmer haben schon über 20 Rotel-Reisen hinter sich. So beobachte ich gespannt, was es so zu tun ist. Aber heute muß man nichts machen. Der Busanhänger ist schon aufgebaut und auch das Abendessen bekommen wir heute in einem kleinen Kantinenraum des Seminarzentrums. Deshalb bleibt heute auch die Rotel-Küche geschlossen. Zunächst werden die Schlafkabinen aufgeteilt. Ich entscheide mich für eine ganz oben, in der dritten Etage des Anhängers. Nach dem Umpacken (das Hauptgepäck wird im Buskofferraum verstaut und nur alle drei Tage herausgegeben; das Nötigste hat man in einer kleinen Tasche, die nachts im Gang vor den Kabinen stehen bleibt) und dem Einrichten der Kabine, treffen wir uns um 18.30 Uhr zum "Festessen" und Kennenlernen in dem Kantinenraum. Da heute alle schon ziemlich müde sind, dauert der gemeinsame Abend nicht allzu lange. Bevor auch ich mich kurz nach 21 Uhr in meine kleine Kabine zum Schlafen begebe, bestaune ich noch den fantastischen Sternenhimmel über unseren Köpfen. So viele Sterne und so klar, deutlich und scheinbar nah habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Ich beobachte ganze Sternennebel, die Milchstraße und mit Hilfe der kündigen Mitreisenden erkenne ich auch einzelne Konstellationen, wie den Großen und Kleinen Wagen, oder den berühmten Kreuz des Südens. Ich bin von dem Ausblick wie berauscht. Schon kurze Zeit später vermischen sich in schönen Träumen die vielen Eindrücke des vergangenen Tages.

2. Tag:

- Windhoek - Köcherbaumwald - Keetmanshoop -

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Aloe Bäume und Felsen-Namibia

Die erste Nacht in der ziemlich engen und ungewohnten Schlafkabine verbringe ich sehr gut. Heute wird zum ersten Mal draußen gegessen. Als ich aufstehe, haben andere Mitreisende bereits die Tische und Bänke aufgebaut. Auch die Küche im hinteren Teil des Rotel-Anhängers ist schon geöffnet. Jeder hat bereits gestern ein rotes Säckchen mit allen zum Essen nötigen Utensilien erhalten: eine große Tasse, einen tiefen Teller, ein kleines Schneidebrett, das Besteck und ein kleines Tuch zum Abtrocknen. Um 7.30 Uhr serviert Paul, unser Koch und Busfahrer, das typische Rotel-Frühstück. Zum Brot gibt es neben Butter, Marmeladen oder Nutella meistens auch andere Beilagen. In den nächsten Tagen sind es mal Käse, mal Wurst oder Leberwurst, mal gekochte Eier, mal auch andere Sachen, je nachdem, was Paul unterwegs eingekauft hat. Zum Trinken gibt es Tee oder Kaffee. Es wird immer in großen Töpfen genug heißes Wasser gekocht, so daß man auch eigene Thermokannen mit Tee oder Kaffee für den Tag abfühlen kann. Nach dem Essen werden einige Schüssel mit warmem Wasser gefüllt, damit jeder seinen Teller, Tassen und Besteck abwaschen kann. Danach verstauen wir wieder die Sitzbänke und Tische im Gepäckraum des Anhängers. Jetzt folgt der für mich als Neuling interessanteste Teil der Reisevorbereitung. Der Rotel-Anhänger muß für die Fahrt zusammengebaut werden. Vorher müssen wir natürlich alles aus dem Gang vor den Kabinen entfernen und in den Kabinen selbst oder im Bus verstauen. Wichtig ist, daß man in den Kabinen nichts vergißt, was man für den Rest des Tages braucht, denn später kommt man nicht mehr dran. Die Treppenaufgänge zum Gang und der dicke, doppelte Umhang entlang des Ganges werden abmontiert. Dann werden der Gangboden und die Überdachung einfach wie zwei dreiteilige Klappen herauf bzw. heruntergeklappt. Sie bilden jetzt eine geschlossene rechte Wand des Anhängers. Unsere erfahrenen Rotelianer kennen schon alle nötigen Schritte und Handgriffe, so das der Anhänger bereits in wenigen Minuten geschlossen und abfahrbereit ist. Mir bleibt heute lediglich die Rolle des Zuschauers. Pünktlich um 8.30 Uhr fahren wir ab. Das Wetter ist ähnlich wie gestern - strahlend blauer Himmel und keine einzige Wolke - und so bleibt es den ganzen Tag. Unsere Reiseroute führt heute die ganze Zeit nach Süden, auf der Hauptstraße B1, die bis zur Grenze mit Südafrika verläuft. Wir verlassen die Auas-Berge, wo wir übernachtet haben. An der Straße sehen wir einzelne große Felsbrocken. Dann wird es nur noch leicht hügelig, bis wir eine flache Landschaft erreichen. Wir fahren durch eine Buschsavanne mit einem stellenweise dichten Buschwerk und großen gelblichen Grasflächen dazwischen. Insgesamt ist die Landschaft relativ grün, vermischt mit beige und gelben Tönen, denn zuletzt hat es hier etwas geregnet. Unter dem Bewuchs kommt rötlich- und rost-braune Erde zum Vorschein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto weniger Busch wachst in der Landschaft. Bald dominieren nur noch weite Grasflächen das Bild, die dann mit der Zeit auch weniger üppig und dicht werden. Etwa 90 km südlich von Windhoek fahren wir rechts an der kleinen Ortschaft Rehoboth vorbei. Hier leben noch die Afrikaans-sprachigen Rehobother Baster, Nachkommen der ersten holländischen Siedler am Südkap im 19. Jh. und der Khoisan-Frauen. Einige Kilometer hinter Rehoboth halten wir kurz an. An dieser Stelle überqueren wir den Wendekreis des Steinbocks. Ein großes Schild mit der Aufschrift "Tropic of Capricorn" weißt auf diese Attraktion hin.

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Ein Aloe Baum-Namibia

Kurz vor dem nächsten etwas größeren Ort an der Straße - Mariental - passiert die Straße im Westen den größten Stausee Namibias, den Hardap Dam. Um ihm herum erstreckt sich ein Naturschutzgebiet. Von der Straße sieht man den Stausee aber nicht. Mit seinem Wasser werden mit Hilfe von riesigen maschinenartigen Anlagen die umliegenden Flächen bewässert. In der Gegend von Mariental befinden sich große Farmen, in denen die Karakul-Schafe gezüchtet werden. (In der letzten Zeit ist aber der Markt für die Karakulwolle zusammengebrochen.) Wir sehen vom Bus aus große, saftig-grüne Felder, wo die Luzerne für die Schafe angebaut wird. Wir fahren weiter durch das Farmland und passieren vor Mariental noch eine große Straußfarm. In das östlich der Straße gelegene Zentrum des Städtchens fahren wir nicht hinein, machen aber um 11.45 Uhr an einer Tankstelle an der Hauptstraße eine einstündige Mittagspause. Nachdem wir hier etwas gegessen haben, geht unsere Fahrt nach Süden, durch das Gebiet des Nama-Volkes weiter. Wir sind jetzt am westlichen Rand des Kalahari-Beckens. Nach einigen Kilometern taucht links - im Osten - am Horizont eine riesige Randstufe auf, die uns mehrere Dutzend Kilometer lang begleitet wird. Dieser Weißrandabbruch, wie er genannt wird, ist ein Ergebnis einer mehrere Millionen Jahre andauernden Erosion und Verwitterung. Vor 5 bis 15 Millionen Jahren wurde er vom Fish River in die Landschaft geschnitten und hat sich in der Folgezeit um etwa 40 km vom heutigen Flußbett entfernt. Der Abbruch sieht wie ein Zig-Kilometer langer Tafelberg, oben flach, wie abgeschnitten und mit steilen, senkrechten Hängen - eine natürliche Barriere für Mensch und Tier. Etwa 150 km südlich von Mariental können wir auf der anderen Straßenseite eine andere geologische Besonderheit beobachten. Aus der weiten Ebene erhebt sich hier ca. 650 m hoch ein dunkler, aus Granit bestehender, kegelförmiger Berg (Brukkaros, 1586 m ü. NN), der an einen erloschenen Vulkan erinnert. Es ist ein Überbleibsel der letzten Vulkanauffaltungen vor etwa 80 Millionen Jahren. Wegen einer kraterähnlichen Senke im Gipfel wurde der Berg früher irrtümlich für einen erloschenen Vulkan gehalten. Es ist aber nicht ausgebrochene Lava, die hier nach oben kam und den Berg geformt hat. Wir fahren durch eine verlassene, kaum besiedelte Gegend. Auf einen Quadratkilometer kommen im Süden Namibias gerade einmal 1,7 Menschen. Aber die karge und weitläufige Landschaft, die auf den ersten Blick monoton ist, hat auch ihre Reize, wie z.B. die oben genannten geologischen Besonderheiten. Auch die Farben der Landschaft bringen eine Abwechslung in die Monotonie. Stellenweise sehen wir ganze Teppiche von gelben Blümchen. Das Gras ist hier grüner, es tauchen wieder einzelne Büsche und Gestrüpp auf. Auch die Erde ist jetzt grünlich-grau. Gegen 14.30 Uhr kommen wir wieder in eine leicht hügelige Gegend - vereinzelt erheben sich hier sanfte Hügel aus der Ebene. Nach dem Regen der letzten Tage haben sich viele kleine Flüsse wieder mit Wasser gefüllt. Und auch einzelne Wasserlöcher speichern noch das kostbare Wasser. Inzwischen haben wir bei Keetmanshoop von der Hauptstraße abgebogen und fahren jetzt auf einer Piste nach Osten zum Hauptziel unseres heutigen Tages - in den sog. Köcherbaumwald. Nach einigen Kilometern erreichen wir kurz vor 15 Uhr die Gariganusfarm, auf deren Gelände diese zu den größten Sehenswürdigkeiten Südnamibias zählende botanische Attraktion liegt. Hier stehen zwischen großen Felsblöcken verstreut mehrere Hundert Exemplare des Köcherbaums (Aloe dichotoma), der als eine der Nationalpflanzen Namibias angesehen wird. Es ist zwar kein Wald in unserem Sinne, aber die einmalige, besondere Dichte der Bäume an dieser Stelle, die sonst nur selten und vereinzelt vorkommen, prägte wohl die Bezeichnung. Es handelt sich eigentlich um eine bis zu 7 m hohe Aloeart, die zu den Bäumen gezählt wird. Der einheimische Name stammt von den San (Buschmännern), die die hohlen Äste des Baumes als Köcher für ihre Pfeile nutzten. Wir haben etwa 45 Minuten Zeit, um selbst durch das Gelände zu wandern. Die Köcherbäume sehen wirklich beeindruckend aus mit ihren wie Kerzenständer nach oben erhobenen Asten, die jeweils mit einem Büschel fleischiger Blätter beendet sind. Nicht umsonst heißt der Baum auch Kandelaber-Aloe. Manche große Exemplare mit ihren zahlreichen Ästen sind wohl älter als 200 Jahre. Jetzt, bei der sich langsam zum Horizont neigenden Sonne und beim absolut wolkenfreien Himmel hat man wohl die besten Bedingungen, um diese einmalige Besonderheit zu bewundern. Ich komme zu einer Anhöhe, von der man die weite, zu allen Seiten bis zum Horizont offene Landschaft gut überblicken kann.

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Ein Aloe Baum-Namibia

Und die Landschaft ist wirklich beeindruckend. Nicht nur die Bäume selbst, sondern auch ganze Teppiche von jetzt blühenden gelben Blumen und die für die Gegend bei Keetmanshoop typischen verstreuten Felsblöcke verleihen der Landschaft eine einmalige Stimmung. Diese manchmal wie von Menschenhand hoch getürmten Felsblöcke aus Basalt sind Reste geschmolzener Lava, die vor rund 180 Millionen Jahren in das überlagernde Karoo-Gestein eindrang. Während der folgenden Erosion des weichen Karoo-Gesteins wurden die Basaltblöcke freigelegt und erhielten durch Verwitterung ihre merkwürdigen Formen. Ich merke nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Man könnte hier noch lange zwischen den Bäumen und Felsen spazieren. Immer wieder bieten sich auch neue interessante Perspektiven für die Fotos. Aber es ist schon Viertel vor Vier und der Bus wartet auf uns. Wir fahren etwa 10 km zurück Richtung Westen, nach Keetmanshoop. Diese etwa 500 km südlich von Windhoek (ja, soviele Kilometer haben wir heute schon gefahren) gelegene Stadt gilt als die Hauptstadt des Südens. Als wir hier ankommen, bin ich von der in der Stadt herrschenden Leere überrascht. Heute ist ein Sonntag und alle Geschäfte sind zu, die Straßen sind absolut menschenleer. Man hat fast schon den Eindruck, es wäre eine Geisterstadt. Aber später erblicken wir einige wenige Passanten und ein paar Autos. Sonst herrscht hier aber eine gähnende Ruhe. Ebenso bin ich in Keetmanshoop von den unglaublich breiten Straßen beim fast nicht vorhandenen Autoverkehr überrascht. Auf manche von Ihnen würden vier oder vielleicht sogar mehr Spuren passen. Wir spazieren durch die menschenleere Stadt und kommen zur großen steinernen Kirche der Rheinischen Mission. Sie ist ein Überbleibsel aus der Gründungszeit von Keetmanshoop um 1866, als hier eine Missionsstation gegründet wurde. Die Kirche selbst wurde 1895 fertiggestellt. Leider ist die Kirche verschlossen und wir können das darin beheimatete Museum der Stadt nicht besichtigen. Einige Straßen weiter sehen wir noch ein anderes Überbleibsel aus der deutschen Kolonialzeit - ein ebenso steinernes Gebäude mit der Aufschrift "Kaiserliches Postamt" über dem Eingang. Und noch bis heute erfüllt das Gebäude seine Funktion als Postamt dieser Provinzstadt. Wir bleiben in Keetmanshoop bis ca. 16.30 Uhr. Anschließend fahren wir zum unseren Campingplatz für heutige Nacht. Der Lafenis Ruskamp liegt ca. 10 km südlich von Keetmanshoop, und in etwa 15 Minuten sind wir da. Paul parkt den Bus an einer geeigneten Stelle und wir fangen mit dem Aufbau des Schlafanhängers an. Nachdem auch die Tische und Bänke aufgestellt sind, schlägt Rudolf ein Begrüßungscocktail vor und holt einige Amarula-Flaschen raus. Amarula Cream ist ein in Namibia sehr populärer Sahnelikör, der aus den Früchten des legendären Marula-Baumes, bekannt auch als Elefantenfruchtbaum, hergestellt wird. Der Likör besitzt das charakteristische Aroma der Marula-Frucht, erinnert aber stark auch an Baileys. Er tut uns auf jeden Fall gut. Nach etwa 40 Minuten ist auch schon das warme Abendessen fertig, das Paul inzwischen vorbereitet hat. Gegen 17.45 Uhr geht die Sonne unter und es wird draußen ziemlich kalt. Ich bleibe also nach dem Essen nicht mehr lange draußen und gehe in meine Kabine schlafen.

3. Tag:

- Keetmanshoop - Ai-Ais -

Unterwegs auf der Pfad zwischen Grootplaas uns Ais Ais (Eine typische Karre)-Namibia

Heute ist die Abfahrt schon für 8 Uhr geplant. Wie üblich, eine Stunde zuvor gibt es das Frühstück. Dann folgt der Abwasch, das Zusammenpacken unserer Ausrüstung und der Zusammenbau des Anhängers. Alles geht sehr schnell voran, so daß wir auch rechtzeitig zur Abfahrt bereit sind. Wir fahren weiter über die B1 durch das Namaland herunter. Die Straße macht hinter Keetmanshoop zunächst einen leichten Bogen nach Südosten, dann führt sie weiter nach Süden, und später leicht nach Südwesten in Richtung der südafrikanischen Grenze. Die Gegend hier ist schon sehr karg, es gibt kaum noch größeren Bewuchs. Nur noch Gräser und ab und zu einen vereinzelten Baum sehen wir während der Fahrt. Aber auch hier ist Farmland. Überall entlang der Straße ziehen sich Zäune, die uns schon seit dem Verlassen von Windhoek ständig begleiten. Mit zig Kilometer langen Zäunen werden die riesengroßen Farmen voneinander und von den Straßen abgegrenzt, damit das hier gelegentlich weidende Vieh nicht wegkommt. Belebt wird die öde Landschaft immer wieder durch gerade vor allem gelb blühenden kleinen Wildblumen, die stellenweise ganze Blumenteppiche entlang der Straße bilden. Nach einigen Dutzend Kilometer tauchen am Horizont links und rechts der Straße wieder Berge auf. Es sind die Groot Karasberge im Osten und die Klein Karasberge im Westen. Sie begleiten uns bis etwa nach Grünau. Der kleine Ort liegt etwas seitlich der Straße. Wir machen aber eine kurze Pause an einer Tankstelle direkt an der B1. Auf der anderen Straßenseite haben Einheimische mit einfachen Mitteln einige Stände mit Souvenirs aufgebaut. Hier bieten sie vor allem verschiedene Holzschnitzereien an - von kleinen Elefanten bis hin zu 2 m großen Giraffen. Auch verschiedene Mineralien aus der Gegend kann man hier für ein paar Namibische Dollar erstehen. Auch ich kaufe mir hier einen kleinen geschnitzten Holzelefanten und einige Mineralien. Hinter Grünau wird die Umgebung wieder flacher. Nach einigen Kilometern, bei Grootplaas biegen wir um ca. 10.30 Uhr von der geteerten Fernstraße B1 nach Westen ab. Jetzt fahren wir auf einer schnurgeraden, befestigten Piste Richtung Ai-Ais. Hier ist die Landschaft fast schon wüstenhaft. Nur noch vereinzelte Grasbüschel und einige dem heißen Klima angepaßte Sträucher (Sukkulenten) wachsen in der rostbraunen Erde. Kein Auto, keine Menschenseele ist da. Aber auch schon auf der B1 haben wir kaum Autos begegnet. Nach einiger Zeit sehen wir eine für die Gegend typische Pferdekarre mit zwei Rädern, die uns auf der Piste entgegen kommt. Paul hält den Bus an und wir steigen aus. Auch die Namas halten ihre Karre an und posieren uns gerne zu Fotos. Es sind zwei Männer und zwei Frauen, die wahrscheinlich zum nächsten Ort fahren. Solche Begegnungen sind in dieser Öde selten, und auch sie schauen uns und unserem Bus interessiert zu. Sie freuen sich auch über einige Kleinigkeiten, die sie von uns erhalten.

Am südlichen Ende des Fish Rivers Canyons bei Ai Ais-Namibia

Wir nähern und langsam den Bergen am Horizont. Zunächst sind jedoch an der Piste vereinzelte Granitfelsen zu sehen, die stark verwittert sind. Aus dem Bus sehen wir auch den ersten Springbock auf unserer Rundreise. Gegen 11.30 Uhr erreichen wir das Gebirge, in dem unser heutiges Reiseziel Ai-Ais liegt. Es sind alles schroffe, nackte Felsen, die uns jetzt auf beiden Seiten der sich dazwischen schlängelnden Piste begleiten. Kurz vor Ai-Ais halten wir kurz an einem besonderen Berg an. Es ist der sog. Rosenquarzberg, eine weitere geologische Besonderheit auf unserer Strecke. Überall kommen zum Vorschein kleinere und größere Ansammlungen dieses Minerals. Einige große Rosenquarz-Brocken liegen unterhalb des Felsens und seine Spitze besteht ganz daraus. Wir sammeln einige kleinere Rosenquarz-Splitter am Fuße des Berges und im unteren Teil des steilen Hanges. Die Rosenquarzeinlagen in dem Felsen und einige große, abgebrochene Brocken ganz in zartrosa glänzen schön in der Sonne und bieten vor dem tiefblauen Hintergrund des Himmels schöne Fotomotive. Ich wechsle den gerade zu Ende gegangenen Film in der Fotokamera und mache einige schöne Nahaufnahmen. Erst einige Stunden später merke ich in Ai-Ais zu meiner Verärgerung, daß ich in der Eile den Film nicht richtig eingelegt habe, und aus den Aufnahmen nichts geworden ist, da der Film nicht weiter transportiert wurde. Um 12.15 Uhr erreichen wir schließlich Ai-Ais, wo auch die staubige Schotterstraße endet. Ai-Ais das ist vor allem eine große touristische Anlage am südlichen Ende des berühmten Fish River Canyons. Von hier sind es weniger als 50 km Luftlinie bis nach Südafrika. Auf einem großen und bewachten Areal zwischen einem Berghang auf der einen und dem Fish River an der anderen Seite befindet sich ein erstklassiger Campingplatz, Bungalows und auch Ferienwohnungen. Die sanitären Anlagen des Campingplatzes sind sehr gut ausgestattet. Die Anlage hat außerdem ein Restaurant, ein Geschäft, Tennisplätze und eine Tankstelle. Der Ferienort verdankt seine Existenz der heißen Quelle, die hier entspringt. Daher befindet sich hier auch ein staatlich geführtes Thermalbad mit einem Hallen- und einem Freibad. Insgesamt ist die Anlage sehr weitläufig und gut gepflegt. Schöne grüne Flächen und einige Palmen runden den guten Eindruck ab. Nach der Ankunft im Restcamp sucht Paul einen schönen Standort am Fluß (von dem wir aber durch eine niedrige Mauer abgetrennt sind) für unseren Bus aus. Wir bauen unseren Anhänger wieder auf, damit man in die Kabinen gelangen kann. Jetzt haben wir Freizeit für den Rest des Tages. Manche von uns gehen sofort ins Freibad. Ich habe keine Lust auf ein Bad. Stattdessen möchte ich etwas die Umgebung erkunden. Ich gehe zunächst vor das Eingangstor der Anlage und wandere etwas über die Schotterpiste zurück, über die wir gekommen sind. Seitlich der Straße zweigt ein Weg zu einem kleinen Dorf ab, das wohl direkt am Flußbett liegt. Ich folge jedoch weiter der Schotterstraße, die sich zwischen den felsigen, braunen Bergen windet. Ich spiele zunächst mit dem Gedanken, zu dem Rosenquarzberg zu gelangen, wo mir auf dem Hinweg die Fotos nicht gelungen sind. Aber der Berg liegt wohl viel weiter, als ich gedacht habe. Ich passiere die erste Kurve, dann die zweite, aber der Berg ist nicht in Sicht. Und mittlerweile ist es in der ziemlich engen Schlucht zwischen den Felsen so heiß geworden, daß man kaum noch gehen kann - bestimmt über 40 Grad in der Sonne. Und nirgendwo ist ein Schatten vorhanden; die Sonne brennt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Ich beschließe, lieber umzukehren, was eine richtige Entscheidung ist (wie ich morgen auf der Rückfahrt feststelle, der Rosenquarzberg ist doch mehrere Kilometer vom Camp entfernt).

Am südlichen Ende des Fish Rivers Canyons bei Ai Ais-Namibia

Nicht umsonst bedeutet Ai-Ais in der Nama-Sprache "glühend heiß". Neben den 40 Grad heißen Quellen steht es für die hohen Außentemperaturen, die in der Gegend herrschen - die höchsten in ganz Namibia. Im Sommer erreichen sie über 40 Grad im Schatten, und deshalb bleibt Ai-Ais von November bis März geschlossen. Zurück im Restcamp, bummele ich etwas durch die Anlage. Plötzlich sehe ich einen Mann, die hinter einem Mauerchen geduckt, nach vorne mit Steinen wirft. Ich folge in die Zielrichtung mit meinen Augen, und sehe nicht weit von mir eine Pavianfamilie mit drei Kleinen, die in umgekippten Abfalltonen wühlen. Ein staatliches Männchen hält die wache und kommt uns näher. Wir sehen deutlich seine beachtlichen Eckzähne. Dem würde ich nicht gerne von Angesicht zu Angesicht begegnen. Nach einiger Zeit ziehen sich die Paviane langsam zurück, und gehen langsam zum nördlichen Ende der Anlage, wo sich auch der Eingang in den Fish River Canyon befindet. Kurze Zeit später folge ich den Pavianen und verlasse unsere Anlage Richtung des Canyons. Über einige Stufen kommt man herunter zum bräunlichen Fluß. Einige Meter weiter befindet sich eine Staustufe und rechts davon führt ein Wanderpfad in den Canyon hinein. Bereits hier erheben sich beiderseits des Fish Rivers hohe Felshänge, aber sie werden natürlich noch viel höher, je weiter man in den zweitgrößten Canyon der Welt nach Norden vordringt. Ich gehe etwa eine halbe Stunde lang in die Schlucht hinein. Der Pfad führt in einem gewissen Abstand vom Fluß, teilweise zwischen Gestrüpp und durch Sandbänke. Es ist weiterhin sehr heiß in der Sonne, die jetzt im Westen steht, und "meine" Flußseite mit voller Kraft bestrahlt. Da ich heute nicht ganz fit bin und wir morgen vormittags auch noch Zeit für eigene Erkundungen haben, kehre ich zum Camp zurück. Den Rest des Nachmittags nutze ich, um Postkarten zu schreiben und mich etwas zu entspannen. Abends bekommen wir vom Paul ein leckeres Abendessen serviert. Als wir essen, ist es draußen schon dunkel geworden, aber jetzt herrschen angenehme lauwarme Temperaturen hier. Während wir uns an den Tischen unterhalten, präsentiere ich noch einige Zaubertricks, zum Vergnügen aller Gäste. Naher gehen wir alle schlafen.

4. Tag:

- Ai-Ais - Fish River Canyon - Hobas Camp -

Fish River Canyon-Ausblick von Main Viewpoint-Namibia

Den ganzen Vormittag bleiben wir heute noch in Ai-Ais. Nicht desto trotz stehen wir schon gegen 6 Uhr auf, denn um 7 Uhr gibt es schon Frühstück. Das frühe Aufstehen lohnt sich. Wir können direkt neben unserem Bus beobachten, wie auch die Natur aufwacht. Auf einem Ast eines großen Baumes, unter dem wir unsere Tische aufgebaut haben, entdecken wir vielleicht 10-15 kleine, grünliche Vögel, die dicht aneinander gedrängt, quasi "Arm in Arm", schlafen. Dann wacht einer nach dem anderen auf, macht eine kurze Morgentoilette seiner Gefieder und fliegt weg. Innerhalb weniger Minuten verschwinden so alle diese grünen Vögelchen in den Weiten des Canyons. Als ich am Morgen aufwache, stelle ich mit großer Überraschung fest, daß der Himmel sehr stark bewölkt ist. Nirgendwo am Himmel ist der Blau der vergangenen Tage zu entdecken. Im Laufe des Vormittags ziehen sich die Wolken aber teilweise zurück, und es kommt auch die Sonne zum Vorschein. Nach dem ausgiebigen Frühstück unternehmen wir einzeln oder in kleinen Grüppchen individuelle Wanderungen in den südlichen, vorderen Teil des Fish River Canyons. Zunächst gehe ich über den mir schon vom gestern bekannten Weg. Er verläuft in der Sichtweite des Flusses. Dann aber wird der Canyon breiter und ich entferne mich zunehmend von dem Fluß. Man erkennt aber, wie weit das Wasser reicht, wenn es geregnet hat. An manchen Stellen hätten wir nach den Regenfällen vor wenigen Tagen nicht weiter gehen können. Heute zeugt der stellenweise noch sumpfige oder bereits ausgetrocknete und zerplatzte Flussschlamm von dem Wasserstand der letzten Tage. An manchen Stellen versinke ich sogar noch leicht in dem sumpfigen Boden. Aber bei den hier herrschenden Temperaturen, kann man förmlich beobachten, wie der Boden vor den Augen austrocknet und der Fluß sich zurückzieht. Die Veränderungen fallen bereits auf dem Rückweg auf. Meistens gehe ich aber über Steine und Sand, der stellenweise sogar kleine Dünen bildet. Ich bewundere die gewaltige Landschaftskulisse und die den Bedingungen angepaßte Vegetation. Hier wird jedem sofort bewußt, wie klein und schwach wir angesichts der Urkräfte der Natur sind, die diese Landschaft geschaffen und hier immer noch das Sagen hat. Und nachmittags sehen wir erst, wie gewaltig wirklich der Canyon ist. Auffällig ist auch die absolute Stille und Ruhe, die in der Schlucht herrscht. Manchmal wird sie aber vom entfernten Brüllen der Paviane irgendwo in den felsigen Hängen der Schlucht unterbrochen. Später sehe ich aber auch direkt am Fluß frische Spuren im Sand - vermutlich von Pavianen. In der Abgeschiedenheit des Canyons, an den zum Teil dicht bewachsenen Ufern würde ich ihnen nicht gerne begegnen wollen.

Fish River Canyon-Ein einsamer Köcherbaum am Canyonrand-Namibia

Nach 1,5 Stunden Wanderung in den Canyon hinein, der vor unseren Augen immer tiefer und gewaltiger erscheint, ist es an der Zeit umzukehren, um die Abfahrtzeit unseres Busses nicht zu verpassen. Auf dem Rückweg gehe ich aber viel schneller und halte nicht an, so daß ich dafür nur eine knappe Stunde brauche. Kurz vor 11 Uhr bin ich zurück im Camp. Ich habe also noch Zeit genug, um mich zu den anderen Mitreisenden auf der Terrasse vor dem Restaurant zu gesellen und etwas zu essen. Da das Restaurant aber erst um 12 Uhr aufmacht, bleibt die angebotene Speisenauswahl sehr klein. Ich beschränke mich nur auf Pommfrites, die ziemlich fettig und salzig sind. Um 12.30 Uhr sitzen wir alle im Rotel-Bus und verlassen Ai-Ais auf dem gleichen Weg, wie wir hierher gekommen sind. Nach etwa 10 km biegen wir auf eine Schotterpiste nach Norden ab und fahren in etwa parallel zum Fish River Canyon nach Hobas, das etwa 70 km von Ai-Ais entfernt liegt. Von Bus aus erblicken wir einige Springbocke, die nach Nahrung suchen. Um uns herum sehen wir eine richtige Mondlandschaft mit nur sehr spärlicher, karger Vegetation. Neben vereinzelt wachsenden, kleinen Büscheln vom ausgetrockneten Gras sind vor allem größere, buschartige Euphorbien typisch für diese Gegend. Solche Euphorbien speichern viel Wasser in ihren blattlosen, fleischigen Trieben und sind diesen extremen klimatischen Bedingungen ideal angepaßt. An einer Stelle, wo besonders viele große Exemplare vorkommen, halten wir an, und schauen uns diese interessanten Pflanzen an. Im Hintergrund sehen wir die nackten und zerklüfteten Bergformationen am Rande des Canyons. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich gebessert. Nur noch einzelne Wolken, mitunter auch größere, ziehen durch den Himmel. Unterwegs nach Hobas machen wir noch weitere kurze Photopausen. Während einer solchen Pause klettern wir auf einen Hang an der befestigten Piste. Von hier aus haben wir einen wunderschönen Panoramablick auf die zu allen Seiten absolut baumlose und unendlich weite Landschaft. Im Westen sehen wir in einiger Entfernung den Fish River Canyon, der sich wie ein gewaltiger, breiter Riss durch die ansonsten ebene Landschaft zieht. Nach der Ankunft in Hobas, dem Tor zum Fish River Canyon Park, das sich als ein kleiner Campingplatz im weiten Ödland entpuppt, und der Anmeldung beim Platzwart, koppeln wir unseren Schlafanhänger ab und fahren mit dem Bus sofort weiter. Nach einigen Kilometern Fahrt durch eine vollkommen offene, flache Landschaft erreichen wir gegen 14 Uhr den Hauptaussichtspunkt am nördlichen Ende des Canyons. Der Ausblick von hier ist überwältigend und atemberaubend. Vor uns liegt der zweitgrößte Canyon der Welt, und seine Ausmaße sind wirklich gewaltig: er ist 161 km lang, über einen halben Kilometer (549 m) tief, und stellenweise über 25 km breit. Und uralt ist er auch: bereits vor einer halben Milliarde Jahren kam es hier in Nord-Süd-Richtung zum Aufbrechen der Erdkruste, der Rest wurde durch den Fluß in Millionen von Jahren geschaffen. Unten vor unseren Augen windelt sich s-förmig der Fish River, der bei dieser Entfernung und im Verhältnis zu den gewaltigen Canyon-Hängen, nur wie ein kleiner Ringelbach erscheint. Sein Wasser ist bräunlich, ebenso wir auch die steilen Canyon-Wände und die Landschaft um uns herum. Aber die verschiedenen Gesteinschichten an den Hängen, die bis zu 3 Milliarden Jahre alt sind, weisen auch unterschiedliche Farbschattierungen auf. Unten im Canyon und an den Hängen erkenne ich keine Spuren der Vegetation. Auch die weiten Ebenen auf beiden Seiten des Canyons sind nur spärlich mit trockenen Gräsern und einigen anderen kleinen Pflanzen bewachsen. Soweit das Auge reicht, dominieren die Farben Ocker, gelb und braun.

Fish River Canyon-Ausblick vom Start Viewpoint-Namibia

Kurz nachdem wir den Main Viewpoint erreicht haben, schieben sich dichte und zum Teil dunkle Wolken direkt vor die Sonne und verhüllen den Canyon im Schatten. Schade, denn ohne Sonnenlicht wirken die Farben des Canyons längst nicht so plastisch und ansprechend, wie vorher. Die Schlucht hat jetzt etwas Bedrohliches in sich. Wir haben jetzt genug Zeit, um sich in Ruhe am Rande des Canyons umzuschauen. Die Meisten von uns unternehmen eine kleine Wanderung zum nur wenige Kilometer weiter nördlich gelegenen weiteren Aussichtspunkt, dem Start Viewpoint. Wir gehen am östlichen Rand des Canyons. Das flache Gelände fällt einige Meter weiter ein paar Hundert Meter fast senkrecht nach unten ab. Nirgendwo hier gibt es eine Möglichkeit, herab- oder vom Canyon heraufzusteigen. Auf der gesamten Canyonlänge gibt es nur einige wenige Stellen, wo dies möglich ist. Unterwegs entdecke ich in der öden und steinigen Weite der Ebene am Canyonrand einen einsamen Köcherbaum, der den widrigen Bedingungen, die hier für die Vegetation herrschen, scheinbar trotzig widersteht. Obwohl er nur wenige Astgabelungen und ein paar grüne Blätter hat, belebt er stark die von Steinen und Felsen dominierte Landschaft. Die Wanderung erlaubt uns immer wieder interessante Einblicke in die Tiefen des Canyons. Nach einiger Zeit erreichen wir schließlich den Start Viewpoint. Hier ist neben einer großen Tafel mit der Karte der Schlucht auch ein Areal mit Holztischen und -bänken eingerichtet, von wo man einen Panoramablick auf den Canyon und den Fish River genießen kann. Direkt daneben befindet sich einer der wenigen möglichen Abstiege ins Canyon. Es geht hier sehr steil ca. 600 m abwärts. An dieser Stelle beginnt man eine Trekking-Tour, die nach ca. 90 km und 5 anstrengenden Tagen des Marsches am Grund des Canyons in Ai-Ais endet. Diese Wanderung wird nur bei sehr guter Fitness empfohlen und erfordert auch die Vorlage eines Gesundheitszeugnisses, denn unterwegs gibt es nur sehr wenige mögliche Notausstiege aus dem Canyon. Wir sind jetzt am nördlichen Ende des eigentlichen Canyons, aber die Schlucht zieht sich - deutlich breiter und flacher - auch noch weiter nach Norden. Inzwischen haben sich die meisten Wolken verzogen, die seit unserer Ankunft am Canyon die Sonne verdeckt haben. Die Strahlen der schon relativ tief über dem Horizont stehenden Sonne lassen die Felswände der Schlucht wieder in warmen Braun- und Ockertönen glänzen. Durch den Schattenwurf werden jetzt auch die faltigen Strukturen der Hänge betont. Die meisten von uns bleiben hier längere Zeit stehen bzw. sitzen und bewundern einfach die gewaltige Kulisse. Auch ich verbringe hier einige Zeit hier, schaue mich zu allen Seiten um, entdecke neue interessante Details auf dem Grund des Canyons, oder lasse einfach die grandiose Landschaft auf mich einwirken.

Fish River Canyon-Landschaft östlich des Canyons und der Weg zum Main Viewpoint-Namibia

Zufällig höre ich, daß heute in Namibia eine partielle Mondfinsternis beobachtet werden kann. Eine Mitreisende aus unserer Gruppe hat dies schon zu Hause gewußt, und hat deshalb einen speziellen Filteraufsatz für das Kameraobjektiv mitgebracht. So können wir alle durch ihre Kamera eine Bilderbuch-Finsternis bestaunen. Gegen 16.30 Uhr kehre ich auf dem gleichen Weg zurück zum Hauptaussichtspunkt, wo auch unser Bus wartet. Bis zum Sonnenuntergang, den wir von hier aus beobachten möchten, bleibt noch eine gute Stunde Zeit. Ich wandere also jetzt entlang des Canyon-Randes in die entgegengesetzte Richtung. Der Pfad führt etwas weiter weg von Canyon, so daß man nicht hineinblicken kann. Auf der anderen Seite erstreckt sich der Blick über eine leicht abfallende, unendlich weite Ebene bis hin zu schwach erkennbaren Bergketten am Horizont. Das Gelände liegt vor mir, wie auf einem Präsentierteller, aber auch hier ist kein einziger Baum zu sehen, nur Gräser und sonstiges trockenes Gewächs. Die Zufahrtpiste zum Hauptaussichtspunkt schlängelt sich durch die bräunliche Landschaft, deren Farben jetzt zunehmend kräftiger werden. Es wird auch deutlich kühler und ein starker Wind zwingt mich, meine Jacke anzuziehen. Außer unserer Gruppe sehen wir hier nur einige wenige Touristen. Gegen 17.30 Uhr versammeln sich alle an der Balustrade des Main Viewpoints am Rande des steilen Canyonhanges. Die Sonne auf der anderen Seite des Canyons steht nur noch knapp über dem Horizont und wirft die letzten Strahlen auf die östliche Canyonwand, an der wir stehen. Wenige Minuten später, um ca. 17.40 Uhr verschwindet sie hinter den Hügeln im Westen des Canyons. Der Himmel mit den wenigen Wolken verwandelt sich jetzt in ein herrliches orangen-rotes Lichtenmeer, das ihre Farben ständig wechselt und dann langsam zum Erlischen bringt. Währenddessen steigen wir in den Bus ein und fahren zum Camp Hobas zurück. Bald wird es ganz dunkel. Unser Busfahrer muß jetzt auf der holprigen Piste sein ganzes Können unter Beweis stellen. Nach etwa 10 km erreichen wir unseren Campingplatz. Während wir jetzt den Anhänger aufbauen und unsere Tische aufstellen, widmet sich Paul gleich seiner Kochtätigkeit. Eine gute halbe Stunde später serviert er uns ein warmes, leckeres Abendessen - Chilli con carne. Nach dem Tag voller Eindrücke schmeckt es uns allen sehr gut. Und es wärmt uns auch etwas auf. Es ist jetzt nämlich sehr kalt - nur 11 Grad. Zum Essen haben wir uns alle in unsere wärmsten Jacken angezogen. Aber trotzdem kann man heute - im Gegensatz zum gestrigen Tag - nicht allzu lange draußen sitzen bleiben, und so ziehen wir uns nach dem Essen und Geschirrabwasch nach und nach in unsere Schlafkabinen zurück.

5. Tag:

- Hobas Camp (Fish River Canyon) - Lüderitz -

Heute beginnen wir den Tag sehr früh schon - bereits um 6.30 Uhr wird gefrühstückt und eine Stunde später verlassen wir Hobas. Es gibt wieder ein schönes, wolkenloses Wetter. Aber am Morgen ist es auch sehr kühl - kaum mehr als 10 Grad. Wir fahren über wenig benutzte, staubige Pads durch ein karges und steiniges Flachland. Nur vereinzelt wachsen hier Grasbüschel oder andere kleinwüchsige Gewächse. Aus dem Bus erblicken wir einen Springbock und einige Strauße, die aber nach dem Auftauchen unseres Gefährtes sofort weglaufen. Im Osten schimmern am Horizont die Kleinen Karasberge.

Obwohl wir alle Fenster im Bus sorgfältig geschlossen haben, ist die Kabine bald voll mit Staub. Wie sitzen wie in einem total verqualmten Zugabtei. Vom einen Ende der Buskabine sieht man kaum die Leute am anderen Ende. Aber dagegen ist nichts zu machen. Der feine Staub kommt durch jede, auch so kleine undichte Stelle herein. Und hinter unserem Fahrzeug zieht sich eine riesige Staubwolke, die noch lange nach unserer Durchfahrt zu sehen ist. Unter ähnlichen Bedingungen begegnen wir in den nächsten Tagen auch einigen wenigen entgegenkommenden Fahrzeugen. Jedes Mal müssen wir dann kurz anhalten, denn nach der Vorbeifahrt eines anderen Autos wird der Staub so in der Luft aufgewirbelt, daß man vor sich nichts mehr seht und folglich nicht fahren kann. Nach ca. 45 Minuten Fahrt überqueren wir bei Holoog ein ausgetrocknetes Flußbett und machen anschließend eine 15minütige Pause. Im Schatten eines weitverzweigten Kameldornbaumes finden wir zwei deutsche Soldatengräber aus dem Jahre 1906. Die Grabsteine enthalten ihre Namen und sind ein Zeugnis, wie jung diese Angehörigen der Deutschen Schutztruppe hier, fern der Heimat gestorben sind. Westlich unserer Piste sehen wir einen Wall, auf dem eine Eisenbahnlinie verläuft, die über Grünau bis nach Südafrika führt. Während unserer Weiterfahrt hält uns Rudolf einen Vortrag über die Buschmänner, ihre Verhaltensweisen, Traditionen, etc. Wir fahren weiter nach Norden, Richtung Seeheim. Nach einigen Kilometern entscheidet unser Reiseleiter, einen kleinen Umweg zu machen. Unsere ursprünglich geplante Strecke führt durch einige weitere Flußbetten, wo natürlich auch keine Brücken vorhanden sind. Rudolf hat sich bereits auf dem Campingplatz informiert und fürchtet, daß nach den starken Regenfällen vor einigen Tagen besonders ein Fluß - der Löwenfluß - noch zu viel Wasser führt und wir ihn mit unserem Bus nicht überqueren können. Er will lieber auf Nummer sichere gehen und lieber sofort einen Umweg in Kauf nehmen, als das Risiko, später u.U. umkehren zu müssen. Die Landschaft ist weiter karg und flach, es tauchen aber mehr kleine Dornbüsche auf. Kurze Zeit später wundern wir uns aber über das Grün, das vor unseren Augen plötzlich auftaucht. Hier befindet sich eine große moderne Farm, die dank der Wasserversorgung von einem benachbarten Stausee - dem Nautedam - z.B. den Weinanbau ermöglicht. Wir sehen auch große Dattelpalmenhaine. Insgesamt ist die Vegetation hier wieder etwas üppiger. Bald sehen wir auch die Staumauer rechts der Piste sowie das Wasser des Löwenflusses, das vom Nautedam abgelassen wird und quer über unseren Weg weiterfließt. Das Stück der Piste über das Flußbett wurde ausbetoniert und auf beiden Rändern des Weges sind in Schrittweiteabständen quadratische Betonklötze aufgestellt. Wir verlassen den Bus und laufen zu Fuß über die Betonklötze auf die andere Seite des Löwenflusses, der ein Zufluß von Fish River ist. Dabei beobachten wir einige Einheimische, die mit kleinen, zwischen den Betonklötzen befestigten Säckchen aus Jute oder anderen Stoffen Fische fangen. Die kleinen Fische fließen einfach getrieben von dem schnellen Wasserstrom hinein. Nachdem wir den schmalen Fluß zu Fuß überquert haben, fährt auch der Bus langsam durch das Wasser. Danach setzen wir unsere Reise fort. Um 9.35 Uhr erreichen wir bei Seeheim die Teerstraße B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz und biegen auf sie nach Westen ab. Etwa 10 Minuten später halten wir an einer großen Straßenbrücke an. Wir machen jetzt einen Spaziergang über diese neuerbaute Brücke, die den Fish River überspannt. Der Fluß fließt unten langsam vor sich hin. Er führt nicht viel Wasser. Aber die feuchte Umgebung reicht aus, damit sich hier eine etwas üppigere Vegetation entwickeln kann. Einige große, grüne Bäume wachsen am Flußbett und auch schöne Teppiche von gelben Blüten sind unten zu sehen. Südlich der Brücke sieht man, wie auf beiden Seiten des Flußes langsam steile Felsufer emporsteigen. An dieser Stelle beginnt allmählich der berühmte Fish River Canyon.

Lüderitz-Die Felsenkirche und ein Wohnhaus in Kolonialstill-Namibia

Nach einem 15minütigen Aufenthalt an der Brücke setzen wir um 10 Uhr unsere Reise in Richtung Westen, nach Lüderitz, fort. Die Landschaft ist nicht allzu abwechslungsreich. Wir überqueren ein kleines Gebirge, dann wird es wieder flach. Nur einige kleine abgetragene Felsberge tauchen ab und zu auf. Kurz vor dem Mittag passieren wir Aus, eine kleine Ortschaft, bestehend aus einer Polizeistation, einer Tankstelle, einem Hotel und wenigen Häusern. Der Name des Ortes ist auch Programm. Hier gibt es nichts zu sehen, es ist ein eher öder Ort. Aber im ersten Weltkrieg befand sich in der Nähe des Ortes ein großes Kriegsgefangenenlager, in dem große Teile der deutschen Schutztruppe und der Polizei interniert wurden. Etwa 1500 Männer mußten hier in unmenschlichen Bedingungen, vor allem wegen des heißen Klimas, etwa 4 Jahre lang ausharren. Kurz hinter Aus halten wir auf einem kleinen Parkplatz und machen eine einstündige Mittagspause. Da es geplant ist, daß in den nächsten Tagen ein Abendessen aus unserer mobilen Küche ausfallen soll, bekommen wir heute als Ersatz dafür ein Mittagessen. Wir bauen unsere Tische und Bänke auf und Paul gibt aus der Küche ohne große Vorbereitungen ein einfaches Essen aus. Zum Brot gibt es nur Leberkäs und Gurken. Aber es schmeckt trotzdem gut und es stillt auch den Hunger. Nach dem Essen spaziere ich noch ein wenig durch die karge, rostfarbene Umgebung und beobachte die trockenen, sukkulentenartigen Pflanzen, die den extremen Bedingungen wohl sehr gut angepaßt sind. Wenn man sich sie genau anschaut, dann stellt man fest, daß ihre Artenvielfalt sehr groß ist, und daß dies, was aus der Ferne scheinbar gelblich und vertrocknet aussieht, in Wirklichkeit voller Leben steckt. Um 13 Uhr geht es weiter. Nach wenigem Kilometern, ca. 110 km vor Lüderitz und der Atlantikküste ändert sich die Landschaft fast schlagartig. Das bisherige karge Farmland mit den nicht endenden Zäunen verschwindet, und an seine Stelle tritt die Wüste ein. Bald nur noch ist der Sand in verschiedensten Farbschattierungen sowie einzelne felsige Bergketten aus Granit zu sehen. Die Teerstraße B4, über die wir fahren, bildet eine Grenze zwischen dem Namib-Naukluft National Park rechterseits (nördlich der Straße) und dem Diamanten-Sperrgebiet linkerseits. Das riesige Areal des Sperrgebietes erstreckt sich von hier bis zur Atlantikküste und nach Süden bis zur südafrikanischen Grenze. Im vorderen Bereich der Namib-Wüste, bei Garub, fahren wir durch ein Gebiet, in dem wilde Pferde leben. Man vermutet, daß sie Nachkommen von Tieren sind, die herrenlos wurden, als 1915 die hier stationierten deutschen Truppen von den südafrikanischen zurückwichen. In der Ferne sehen wir dann auch einige von diesen Tieren. In dem Gebiet, durch das wir fahren, herrschen sehr starke Winde, die den Sand ständig in Bewegung halten. Stellenweise sehen wir deshalb gar keinen Sand, sondern nur nackten Boden. An anderen Stellen werden ganze Bergketten von Sand zugeweht. Auch die Straße verschwindet hier häufig unter Sand und muß dann freigemacht werden. Heute kommen wir aber gut durch. Als wir dann unweit von Lüderitz eine Photopause machen und den Bus verlassen, merken wir erst, wie stark der Wind wirklich ist. Man kann kaum stehen, und auch für die Fotoausrüstung sind sicherlich diese Bedingungen alles andere als günstig. Der feine Sand fegt von einer Straßenseite auf die andere und kriecht in jede, auch so kleine Öffnung. Trotzdem laufe ich ein paar Schritte, um mir das einsame, verlassene Häuschen der ehemaligen Bahnstation Grasplatz anzuschauen. Einst, in der Zeit der Diamantenentdeckung, war dies ein prächtiges Haus gewesen. Die Gleise der parallel zu Straße verlaufenden ehemaligen Bahnlinie Lüderitz-Keetmanshop-Windhoek ragen nur stellenweise aus dem Sand heraus.

Lüderitz-Spielende Kinder-Namibia

Einen weiteren Fotostopp machen wir an der Hauptstraße bei der verlassenen Stadt Kolmanskop. Morgen werden wir die Geisterstadt ausführlich besichtigen, aber von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf die gesamten Überreste der Siedlung. Kurz vor den Toren von Lüderitz tritt an die Stelle der Sanddünen ein kahler, lavaartiger Felsen. Auf solchen Granitfelsen ist die ganze Hafenstadt Lüderitz errichtet. Sie liegt malerisch, etwas erhöht, an der gleichnamigen Bucht und wurde 1883 durch den Bremer Kaufmann und Großhändler Adolf Lüderitz (1834 - 1886) als sein Handelsposten errichtet. Er hat in dieser Zeit eine Expedition nach Südafrika finanziert und durch seine Mittelsleute das Gebiet um den Hafen sowie das im Umkreis von 20 Meilen angrenzende Hinterland von dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks erworben. Die Stadt ist später zum Ausgangspunkt der deutschen Kolonialträume im Afrikas Südwesten geworden. Heute zählt Lüderitz ca. 13.000 Einwohner, nachdem die Einwohnerzahl um 1970 schon auf unter 2.000 gesunken war. Gegen 14 Uhr kommen wir in der Stadt an und parken unseren Bus auf der Hauptstraße - der Bismarck Street. Wir haben jetzt 3 Stunden Freizeit für eigene Erkundungen dieses kleinen, aber interessanten Ortes. Er strahlt noch den kolonialen Charme aus. Überall sieht man noch deutsche Schilder und Straßennahmen, es gibt noch viel Architektur von der Jahrhundertwende, und dies alles in Verbindung mit der schönen Lage verleiht dem Städtchen eine besondere Atmosphäre. Ich spaziere zunächst entlang der Bismarckstraße durch das kleine Zentrum. Ich sehe aus der Ferne das alte Bahnhofsgebäude, gehe dann zum benachbarten Postamt, um einige Postkarten wegzuschicken, sowie zur Bank, um Geld zu wechseln. Dann kehre ich zurück und biege in die Berg- und dann Zeppelinstraße, die den Hang herauf zum bedeutendsten und eindruckvollsten Bauwerk von Lüderitz führt - dem Goerke-Haus. Diese palastartige Villa mit verschachtelten Dächern und einem Turm wurde 1909 auf dem nackten Granitfelsen auf dem sog. Diamantenberg errichtet. Sie gehörte dem reichsten Einwohner der Stadt, dem Geschäftsführer der Diamantgesellschaft, Hans Goerke. Er hat an dem Handel mit Diamanten ein Vermögen verdient, nachdem 1908 ganz in der Nähe die reichsten Diamantenfelder der Welt entdeckt wurden. Heute befindet sich in dem Haus ein Museum, das ich besichtige. Es wird hier die Ausstattung der Räume aus den Anfängen des 20. Jh. und später sowie einige Fotografien aus dem Familienalbum Goerkes gezeigt. Aus den Fenstern des obersten Zimmers im Turm bietet sich ein herrlicher Panoramaausblick auf die Stadt, die Bucht und die vorgelagerte Haifisch-Insel (Shark Island) mit einem kleinen Leuchtturm, auf der wir heute übernachten werden. Von einem anderen Zimmer aus erkennt man im Osten der Stadt die gleich hinter den Granitfelsen beginnende Wüste. Nirgendwo sieht man eine natürliche Vegetation, irgendwelche Bäume oder Sträucher, nur den grauen Felsen und den gelben Sand. Und der heftige, kalte Atlantikwind pfeift hier ständig durch alle Löcher. Wie wir später hören, ist der durchdringende Wind ein ständiger Begleiter dieses Ortes, und heute soll es noch relativ windstill sein. Da möchte ich lieber nicht wissen, wie es sich anfüllt, wenn es hier so richtig windig ist. Wenn ich diese karge Landschaft betrachte, wundere ich mich, wie die ersten Siedler auf die Idee gekommen sind, sich in einer so feindlichen und überlebensschwierigen Umgebung niederzulassen. Nach der Museumsbesichtigung setze ich meinen Stadtrundgang fort. Nur die wenigsten Straßen in Lüderitz sind geteert. Die Diamantenberg Street, über ich jetzt heruntergehe, und die Kirch Street, über die ich anschließend zur Felsenkirche hinaufsteige, sind - wie die meisten in Lüderitz - nur befestigt, und von einer Sandschicht bedeckt. Die 1912 eingeweihte Felsenkirche ist ein Wahrzeichen der Stadt. Ihr buntbemahltes Altarfenster wurde sogar von dem Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Die Kirche steht hoch auf einem Hügel, auf den nackten Granitfelsen, und herrscht sozusagen über die Stadt. Auch von hier oben hat man einen schönen Panoramablick über die Stadt.

Lüderitz-Atlantikküste vor der Shark Island-Namibia

Von der Felsenkirche gehe ich dann herunter bis zum nicht weit entfernten Atlantikufer und der parallel dazu verlaufenden Küstenstraße. Dann kehre ich ins Zentrum zurück. Eine Gruppe spielender Kinder läuft mir über den Weg. Als sie merken, daß ich sie fotografieren möchte, bringen sie sich direkt vor der Linse in die Position, wie kleine Models auf. Anschließend kaufe ich mir noch ein paar Sachen in einem kleinen Lebensmittelladen an der Hauptstraße. Wie geplant, treffen wir uns am Bus und fahren über einen kurzen Damm auf die Shark Island. Sie schließt die Lüderitzbucht vom Westen ab. Es befinden sich hier nur einige Häuser, ein kaum belegter Campingplatz incl. Bungalows direkt auf der nördlichen Spitze der kleinen Insel und ein auf dem höchsten Punkt des Felsens gelegener Leuchtturm mit dem benachbarten Haus des Leuchtturmwächters. Nachdem Paul einen geeigneten Platz gefunden hat, bauen wir unseren Anhänger auf. Während er dann seine Arbeit in der Küche aufnimmt, klettere ich über die bizarren Felsen zum Leuchtturm. Von hier aus habe ich einen hervorragenden Blick auf die stille Bucht, Stadt und Hafen, die jetzt im warmen Licht der untergehenden Sonne erscheinen und so ein sehr malerisches Bild ergeben. An einer bestimmten Stelle sitzen auf den Felsen und kreisen tief in der Luft unzählige kreischende Möwen. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Und man ist auch von dem ab und zu von oben herunterfallenden Kot gefährdet. Die weißen Flecken auf den Felsen zeugen von der Dichte der "Einschläge". Als ich um 17.40 Uhr das Haus neben dem Leuchtturm erreiche, taucht die Sonne gerade in den Atlantik ein. Ich genieße beim wolkenlosen Himmel den spektakulären Sonnenuntergang. Als unser Abendessen fertig wird, setzen wir uns gemeinsam an die Tische. Wir sind dick angezogen, denn die Außentemperaturen liegen bei höchstens 15 Grad und vor allem der stürmische, eisige und durchdringende Wind vom Atlantik her macht uns zu schaffen. Das Essen schmeckt uns sehr gut, und das Beisammensein draußen an einem so malerischen Ort direkt am Atlantik und unter dem bezaubernden, absolut klaren Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre macht viel Spaß, aber bei diesen Temperaturen und dem unangenehmen Wind können wir nicht lange durchhalten. Auch ich ziehe mich frühzeitig in meine Kabine zurück.

6. Tag:

- Lüderitz - Kolmanskop - Duwisib -

Aufstehen gegen 5.30 Uhr, Frühstück - 6.30 Uhr, Abfahrt - 7.30 Uhr, also nichts Neues heute morgen. Aber da wir gestern recht früh schlafen gegangen sind, fällt uns nicht schwer so zeitig aufzubrechen. Bereits eine halbe Stunde später sind wir in der Geisterstadt Kolmanskop, die wir gestern von der Hauptstraße aus gesehen haben. Ringsum erstreckt sich die Wüste mit ihren gelben Sanddünen. Neben dem Eingang auf das Gelände der ehemaligen Siedlung befindet sich eine streng bewachte Einfahrt zum umzäunten Diamantensperrgebiet. Alle Fahrzeuge müssen hier durch einen großen Hangar fahren. Darin werden sie strengstens kontrolliert und durchleuchtet. Für den Besitz von Rohdiamanten drohen in Namibia hohe Strafen. Warnschilder an dem einfachen Drahtzaun, der Kolmanskop von dem Sperrgebiet abtrennt, weisen auf das Zutrittsverbot und die hohen Geld- sowie Haftstrafen bis zu zwei Jahren hin. Wir befinden uns jetzt in der verlassenen Stadt und gehen zum ehemaligen Laden in der ersteh Häuserzeile. Hier wurde ein kleines Museum errichtet. Viele Fotografien an den Wänden erinnern an die glorreichen Zeiten. Viele Haushaltsgegenstände und andere Erinnerungsstücke aus der damaligen Zeit vermitteln uns einen Eindruck über das Leben, das sich hier früher abgespielt hat. Eine deutschstämmige Frau, die als Kind noch in Kolmanskop lebte, macht für uns die Führung und erzählt über die spannende Geschichte des Ortes.

Kolmanskop-Verlassene Häuser-Namibia

Nachdem 1908 ein Streckenarbeiter an der Bahnlinie nach Lüderitz einen Diamanten gefunden hatte, setzte bald ein Boom ein. Es hat sich herausgestellt, daß in der Nähe große Diamantenvorkommen vorhanden sind. Durch den Diamantenrausch wurden die Verhältnisse immer chaotischer. Das führte dazu, daß man eine weite Region zum Sperrgebiet erklärt hat. 1909 wurde eine Minne und ein Dorf namens Kolmanskuppe angelegt. Schon 2 Jahre später lebten hier über 10.000 Menschen. Die Stadt wurde immer reicher. Schon bald galt sie als der reichste Ort in Afrika. Zunächst wurde in den Geschäften mit Rohdiamanten bezahlt. Später wurde dies allerdings verboten, und alle gefundenen Diamanten mußten gegen Bezahlung in der Bank abgegeben werden. In den Anfangzeiten lagen die Diamanten einfach auf der Oberfläche des Wüstensandes. Wir sehen im Museum Fotos, wie die Leute einfach bäuchlings auf dem Sand liegen, und die Diamanten einsammeln. Die Führerin erzählt uns z.B. von einem Man, der alleine während seiner Mittagspause, auf dem Sand sitzend, ca. 80 Diamanten gesammelt hat, die nur in seiner Handreichweite lagen. Ein anderer hat auf einer Fläche von nur 50 qm ca. 600 Karat an Diamanten gefunden. Man kann sich vorstellen, daß hier nichts zu teuer war, und die Einwohner ließen sich in der Wüste gut gehen. Es gab hier eigentlich alles: Laden, Schule, Turnsaal mit Bühne, Kasino, Kegelbahn, Krankenhaus mit 250 Betten und sogar eine Eisfabrik zum Abkühlen von Mensch und Lebensmitteln. Die feinsten Möbelstücke wurden aus Deutschland eingeführt. Bis zum ersten Weltkrieg hat man auch alle paar Wochen Chöre und Theatergruppen aus der Heimat per Schiff herkommen lassen. In Kolmanskop befand sich Anfang des 20. Jh. auch das erste und modernste Röntgenapparat im südlichen Afrika. Er diente aber vor allem der Kontrolle von Menschen, die das Speergebiet verlassen haben, auf geschmuggelte Diamanten. Aber als Anfang der 30er Jahre am Oranje-Fluß noch bessere Diamantenvorkommen gefunden wurden, begann der Stern der Stadt zu sinken. In den 50er Jahren haben die letzten Familien den Ort verlassen und die Namibwüste begann ihn für sich zu erobern. Erst in den letzten Jahren kam man auf die gute Idee, manche Häuser zu renovieren bzw. vor dem Verfall zu bewahren und aus der Geisterstadt ein Freilichtmuseum zu machen. Vor dem Museum sehen wir noch einige Schmalspurgleise und einen kleinen Zug. Mit ihm konnte man fast jeden Haus im Ort erreichen. Die Einwohner sind mit dieser Bahn zum Laden gefahren, man hat damit auch Eisblöcke transportiert, die jeder Haushalt in regelmäßigen Zeitabständen bekommen hat. Wir gehen jetzt von Haus zu Haus, besichtigen die ehemalige Eisfabrik, die Kühlräume der Schlachterei und die Bäckerei. In den fensterlosen Häusern hat der Wüstenwind mittlerweile überall hohe Sanddünnen getürmt. An der Hauptstraße besichtigen wir dann das noch sehr gut erhaltene bzw. renovierte Kasino und die Kegelbahn. Dank der Originalausstattung herrscht hier noch eine Atmosphäre, wie vor 100 Jahren. Oberhalb des Kasinos befinden sich in dem wohl größten Gebäude des Ortes ein kleines Cafe für die Touristen sowie Verkaufsräume für zahlreiche Souvenirs und auch für Diamantenschmuck. Hier geht auch unsere Führung zu Ende. Jetzt haben wir noch etwas Zeit für einen eigenen Rundgang und zum Fotografieren. Etwas oberhalb am Hang befinden sich einige sehr große und zum Teil noch gut erhaltene Villen. Große Schilder informieren, wem sie gehört haben, z.B. dem Lehrer, dem Quartiermeister usw. Als ich so durch die Sanddünen zwischen den Häusern der pittoresken Geisterstadt gehe, kann ich mir kaum vorstellen, daß hier mal so viele Leute leben konnten, und wie das Leben funktioniert hat. Aber man erfährt auch, wie vergänglich der Wohlstand sowie das menschliche Wirken sind und wie schnell die Natur wieder die Herrschaft gewinnen kann. Der Besuch von Kolmanskop ist deshalb höchst beeindruckend und sehr lohnend. Viertel vor Zehn verlassen wir Kolmanskop und fahren zunächst über die gleiche Straße nach Aus, über die wir gestern gekommen sind. Nach einigen Kilometern machen wir eine kurze Fotopause an einer Stelle, wo sich einige Sanddünnen malerisch auf die Gleise der ehemaligen Bahnstrecke nach Lüderitz gelegt haben. Rudolf sagt uns, daß man plant, diese Strecke wieder in Betrieb zu nehmen. Im Bus hören wir dann einen kurzen Vortrag von ihm über die Namib-Wüste und die verschiedenen Arten von Sanddünnen - die Wanderdünen (wie die, die wir eben auf den Bahngleisen gesehen haben) oder die festen Sterndünnen, wo sich nur der Stern oben je nach der Windrichtung dreht (wie die Dünnen am Sossusvlei, die wir morgen sehen werden).

Unterwegs von Lüderitz nach Aus-Bahngleise unter Sanddünen-Namibia

Kurz vor Aus sehen wir aus dem Busfenster wieder einige Wildpferde sowie eine Oryx-Antilope. Wir fahren an Aus vorbei und biegen kurz danach links auf eine staubige Piste ab, die östlich des Namib Naukluft Nationalparks nach Nordosten verläuft. Hier beginnt wieder das Farmland, die Zäune sind wieder da. Langsam zeigt sich auch eine spärliche Vegetation. Je weiter wir nach Norden kommen, desto üppiger wird sie, aber trotzdem ist es nicht mehr, als das absolute Minimum, das man für die Viehzucht braucht. Die Gräser sind dazu meistens ausgetrocknet und bieten nur wenig Nahrung. Gegen 11.30 Uhr sehe ich schließlich auch einige Kühe auf einer Farm. Kurz danach beobachten wir eine Herde Gazellen mit einigen Dutzend Tieren. Die Landschaft ist überwiegend flach, nur am Horizont ziehen sich auf beiden Seiten Bergketten. Davor heben sich im Westen vereinzelte rötliche Sanddünen vor dem dunkleren Hintergrund ab. Diese absolut baumlose Ebene, durch die wir fahren, begeistert mich durch die herrlichen Landschaftsfarben. Der Sand und die dürre Erde nimmt verschiedene Schattierungen von Beige, Gelb, Ocker, Braun, Orange oder Rot in sanften Pastelltönen an. Die Grasbüschel wirken darauf wie grün-gelbe Farbtupfer. An den Abständen zwischen den Büscheln erkennt man sofort, ob der Boden sehr trocken ist, oder mehr Feuchtigkeit aus dem Grundwasser verfügbar ist. Vereinzelt sehen wir auch Stellen, wo es tatsächlich grüner wird. Die Farbeindrücke der Landschaft werden durch die jetzt etwas näher rückende, bräunliche oder rostfarbene Berge aus nackten Granitfelsen vervollständigt. Auch das Wetter ist heute wieder wunderschön, mit einem makellos blauen Himmel. Während der Fahrt erzählt uns Rudolf einiges über das Farmland, aber auch über die Naturmedizin im Allgemeinen und über die auf den Farmen einzutreffenden Heil- und Giftpflanzen. Und so hören wir z.B. daß 25% aller Tierverluste auf den Farmen auf die Vergiftung durch giftige Pflanzen zurückzuführen sind. Deshalb hat die Kenntnis der einheimischen Flora und die schnelle Erkennung von für das Vieh gefährlichen Pflanzen eine große Bedeutung für die Farmer. Wir erfahren auch, daß die Farmen in Süden Namibias sogar bis zu 30.000 ha groß sein können. Nur so kann man in dieser kargen Gegend ausreichend Nahrung für die Tiere sicherstellen und damit als Farmer auch überhaupt wirtschaftlich überleben. Je weiter man nach Norden kommt, desto kleiner werden die Farmen, denn dort gibt es auch mehr Niederschlag, also auch mehr Gras und andere Pflanzen als Nahrung. In der letzten Zeit spezialisieren sich immer mehr Farmen auf Wild oder auf Rinder. Früher war die Karakulzucht verbreitet, jedoch die Preise für die Wolle sind zuletzt sehr stark gefallen. Andere Arten von Schafen werden aber weiter gezüchtet. Die Kosten einer großen Farm können bis zu 3,5 Mio. Namibische Dollar betragen. Sehr arbeits- und materialintensiv also auch teuer sind vor allem die Zäune, die jede Farm umgeben. Sie werden im Inneren dann noch in mehrere sog. Camps aufgeteilt - Bereiche, in denen die Rinder zu verschiedenen Jahreszeiten nacheinander geweidet werden (wg. unterschiedlicher dort wachsenden Pflanzen, oder wg. gleichmäßiger Beweidung der ganzen Farm). Man muß sich vorstellen, daß Dutzende Kilometer von Zäunen gebaut und dann ständig überwacht und gepflegt werden müssen. Rudolf erklärt uns vier Arten von Zäunen, die man im Farmland unterscheidet. Da gibt es den Schakalenzaun aus Maschendraht, 1,20 m hoch und 30 cm tief in die Erde vergraben, um das Eindringen dieser Tiere auf die Farmen zu verhindern. Der Rinderzaun ist auch ähnlich hoch, aber einfacher zu konstruieren - es sind nur 2-3 parallel verlaufende und in gewissen Abständen miteinander verbundene Drähte. Diese Zäune sehen wir am häufigsten. Außerdem gibt es noch 3 m hohe Zäune gegen Wild (z.B. Antilopen, die sehr hoch springen können) und natürlich auch Zäune gegen das Eindringen von Menschen. Um 12.15 Uhr machen wir unterwegs eine 45minütige Mittagsrast. Wir halten an einem Berg aus Granitfelsen direkt an der Pad an, über den wir gekommen sind. Mehrere riesige Granitblöcke und -kugeln liegen auch verstreut überall herum. An dem Hang erkenne ich zwischen den Felsen einige kaktusähnliche Wolfmilchgewächse. Sonst ist der Bewuchs der Umgebung sehr sparsam. Nur trockene Gräser und verschiedene andere niedrige Pflanzen sind auf der Farm auf der anderen Seite der Pad zu sehen. Aber auch einige vereinzelte Bäume wachsen hier. Auf einem von ihnen merken wir ein riesiges Vogelnest, gleich wie viele, die wir heute schon unterwegs vom Bus aus gesehen haben. Wir klettern vorsichtig über den Rinderzaun und gehen zu dem Baum. Das weite Farmland erstreckt sich vor uns bis zu den im Osten steil aus der Ebene herausragenden Granitbergen. Auch hier ist die wüstenartige Landschaft rostbraun in verschiedensten Schattierungen und die hohen, kahlen Hänge der oben flach abgetragenen Berge erscheinen im Sonnenlicht fast dunkelrötlich gefärbt.

Unterwegs zwischen Aus und Helmeringhausen (Mittagrast) Typische Lanschaft-Namibia

Als wir uns dem Baum mit dem riesigen Nest nähern, sehen wir mehrere kleine, spatzenähnliche Vögel aus den zahlreichen Fluglöchern im Nest wegfliegen. Es sind Siedlerweber, die im ganzen Land verbreitet sind. Ihre Gemeinschaftsnester sind wahre Kunstwerke der Baukunst. Sie werden über Generationen von mehreren Familien erbaut und bis zu hundert Jahre lang bewohnt und erreichen mitunter gigantische Ausmaße. Manchmal werden sie sogar auf Telefonmasten errichtet, wie wir unterwegs sehen. Und es kommt auch vor, daß die Mäste oder Bäume unter ihrer Last zusammenbrechen. Wir alle sind auf jeden Fall von dem Nest und dem Geschick seiner Erbauer beeindruckt. Es erscheint mir undenkbar, daß ein Mensch einzelne Zweige und Strohhalme so geschickt zu so großen, unter den Baumästen angehängten Konstruktionen zusammenflechten könnte, ohne daß sie auseinanderfallen würden. Aber die kleinen, unscheinbaren Vögelchen schaffen dies. Um 13 Uhr brechen wir zur Weiterfahrt auf. Kurz danach sehen wir einige Oryx-Antilopen rechts von der Pad. Nach einigen Kilometern machen wir einen kurzen Fotostopp an einem anderen Baum, auf dem ein wohl noch größeres Webervogelnest hängt. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, diese Nester zu sehen. Gegen 13.45 Uhr passieren wir Helmeringhausen, einen kleinen Ort, in dem wohl nur ein gutes Dutzend Häuser an der Straße stehen. Es geht jetzt auf der Pad exakt nach Norden, Richtung Maltahöhe. Um ca. 14.30 Uhr biegen wir dann von der Pad Helmeeringhausen - Maltahöhe nach Westen ab und fahren jetzt auf einem noch schlechteren Naturweg nach Duwisib, wo sich ein Schloß sowie eine Farm befindet, auf der wir heute übernachten werden. Wir begegnen auf dem Weg wieder einer Herde Gazellen. Eine Stunde später erreichen wir inmitten einer ausgedörrten Steppenlandschaft das berühmte Schloßchen aus rotem Sandstein, das wir jetzt gleich besichtigen. Das schloßartige Anwesen Duwisib, das wie eine kleine Ritterburg aussieht, wurde 1909 von dem exzentrischen preußischen Offizier der Schutztruppe, Baron Hans-Heinrich von Wolf, und seiner amerikanischen Frau erbaut. Der wohlhabende Baron hat auch eine riesige, über 50.000 ha große Farm (andere Quellen sagen sogar 140.000 ha) um das neoromantische Schlößchen erworben. Nach einigen Jahren hat das Ehepaar das Anwesen aber aufgegeben und begab sich 1914 zurück nach Europa, wo von Wolf 1916 im Krieg gefallen ist. Das verstaatlichte Schloß beherbergt jetzt ein Museum, und zeigt, wie die Familie damals hier in 22 Zimmern gewohnt hat. Die Eingangshalle mit Waffendekor, massive Schränke, gemauerte Rundbögen statt Türen, ein begrünter Innenhof mit Säulengang und Springbrunnen sowie Gemälde und Porträts an den Wänden prägen das herrschaftliche Haus. Direkt neben dem Schloß beginnt das Gelände der Farm Duwisib, die der deutschstämmigen Familie Schultz gehört. Hier befindet sich auch ein kleiner Laden, in dem Souvenirs und Farmprodukte, wie z.B. Kaktusfeigengelee und -saft verkauft werden. Nach der Schloßbesichtigung gehen wir zu Fuß zu den unweit entfernten Gebäuden der Farm, wo auch unser Bus bereits parkt. Die gesamte Farm ist ca. 6.000 ha groß und von sanften Berghügeln am Horizont umgeben. Das Land selbst ist auch leicht hügelig. Um 17 Uhr bekommen wir, wie alle drei Tage, unsere Koffer, und können die für die nächsten Tage benötigten Sachen umpacken. Danach schlendere ich noch ein wenig durch die nähere Umgebung. Auf der Farm werden auch Sträuße gezüchtet. Einige von ihnen werden hinter einem Zaun gerade gefüttert. Ich kann dabei das Verhalten dieser sehr neugierigen Vögel, wie ich feststelle, beobachten. Sie folgen nämlich einem hinter dem Zaun auf Schritt und Tritt. Ich spaziere entlang des Zauns hin und zurück, und sie laufen mir ständig hinterher. Kurze Zeit später erleben wir einen kurzen aber spektakulären Sonnenuntergang mit einem knallrot gefärbten Himmel.

Unterwegs zwischen Aus und Helmeringhausen- Ein Webervögelnest-Namibia

Heute wird unsere Busküche nicht geöffnet. Laut Programmausschreibung wird stattdessen für 65,- N$ ein exklusives Essen bei dem deutschen Farmer angeboten. Alle Reisenden haben sich auch dafür angemeldet und keiner wird es bereuen. Vorher haben wir aber noch die Möglichkeit, das Bad und die Duschen in den privaten Räumen des Farmers zu nutzen. Kurz nach 18 Uhr treffen wir uns dann in einem großen Klubraum der Farm zum speziell für uns gekochten Abendessen. Zubereitet wurde dieses landestypische Essen von den namibischen Angestellten des Farmers. Es gibt sehr viele verschiedene Gerichte, u.a. auch Fleisch der Kudu-Antilope. Wir probieren von jeder Speise und holen uns dann noch Nachschlag - so gut schmeckt es uns. Zum Trinken gibt es u.a. südafrikanische Weine aus großen Pappkartons. Nachdem die vier angestellten Frauen uns das Essen ausgegeben und anschließend aufgeräumt haben, kommen sie abends nochmals vorbei. Auch ein kleiner Sohn einer von ihnen ist dabei. Sie möchten uns jetzt gerne einige namibische Lieder vorführen. Wie uns der Farmer versichert, machen sie dies absolut freiwillig und verdienen sich auf diese Weise noch ein Trinkgeld dazu. Aber das Singen ist eine beliebte Beschäftigung der Einheimischen, alle Namas sind sehr musikalisch. Das tun sie auch für sich alleine, oder bei sonstigen Arbeiten. und das kleine Konzert ist wirklich fantastisch. Die jungen Frauen haben sehr schöne, klare Stimmen. Sie singen in der Nama-Sprache, die Lieder klingen sehr melodisch und teilweise melancholisch. Sie haben keine Instrumente, aber sie werden teilweise durch das Klatschen ersetzt. Bei manchen Liedern tanzen die Frauen um den Tisch herum. Sichtlich haben sie viel Spaß dabei. Ein Lied wird einfach nur in einer Phantasiesprache vorgetragen, erklärt uns der Farmer. Die Worte haben keine Bedeutung, es geht nur um die damit vorgetragene Melodie. Zum Abschluß sollen wir uns auf die Bitte der Nama-Frauen von unseren Stühlen erheben. Sie möchten uns jetzt ihre namibische Nationalhymne vorsingen, auf die sie besonders stolz sind. Die Hymne wird mit viel Pathos und Begeisterung in den Augen auf Englisch gesungen, obwohl die Frauen diese Sprache nicht sprechen. Wir belohnen die Vorführung mit einem langen Beifall und reichlich Trinkgeld. Nach dem Essen nimmt sich unserer Gastgeber, Frank, der sich selbst als deutschsprachiger Namibier bezeichnet (spricht aber auch englisch und africaan), viel Zeit und erzählt uns unzählige interessante Geschichten und Fakten über das Farmerleben in Namibia. Er steht uns auch Rede und Antwort auf unsere zahlreichen Fragen. Und so erfahren wir, daß seine Farm ca. 6.000 ha groß ist - für uns eine unverstellbare Größe - aber zum Überleben braucht man in dieser Region mindestens 10.000 ha Land. Aufgeteilt ist die Farm in 24 sog. Camps, in welchen die Tiere nacheinander weiden. Man hat aber trotzdem riesige Flächen zu kontrollieren. Manchmal sucht man sogar tagelang nach verloren gegangenen Rindern. Der Viehbestand unseres Farmers ist auch relativ klein - nur 80 Rinder und dazu Schafe. Um gut wirtschaften zu können, bräuchte man aber ca. 350 Rinder bzw. 1000 Stück Kleinvieh. Ein Rind braucht hier ca. 40 ha Land. Damit unser Farmer mit seiner Familie überleben kann, braucht er also auch andere Einkommensquellen. Er hat z.B. zuletzt einige Zeit am Bau in Windhoek gearbeitet, demnächst will er auch für ein paar Monate nach Deutschland kommen und dort auf einem Camping bei München als Campingwärter arbeiten. Wir merken, daß das Farmerleben in Namibia sehr hart und schwierig ist. Seit einiger Zeit setzten die Farmer auch auf Tourismus, was aber aktuell sehr schlecht läuft. Ein kleiner Vorteil der Familie Schultz ist dabei, daß ihre Farm neben einer bekannten Sehenswürdigkeit - dem Schloß Duwisib - gelegen ist. Deswegen auch direkt daneben der Kiosk, in dem kleinere Souvenirs, Kaffee etc verkauft werden. Die 18jährige Tochter hat vor 4 Jahren eine kleine Reitschule auf der Farm gegründet. Der jüngste Sohn soll später die ganze Farm übernehmen, und beide Kinder wollen ganz auf den Tourismus setzen. Seit dem Zusammenbruch der Karakulzucht versucht man in Namibia, auf den Farmen Wild anzusiedeln - als Attraktion für die Touristen und Jäger. Die wilden Tiere gibt es aber auch so. Auf dieser Farm leben z.B. 3 Geparden, aber auch Leoparden kann man hier eintreffen. Interessant ist auch das Zusammenleben mit den Einheimischen. Unser Farmer hat 6 schwarze Mitarbeiter. Es gibt einen starken Schutz der Arbeiterrechte in Namibia. Die Farmarbeiter haben mindestens 21 Urlaubstage im Jahr. Manchmal kommen zum Besuch unangekündigte Arbeitsinspektoren und organisieren auch Versammlungen für die Mitarbeiter. Die Arbeiter kann man nicht ohne weiteres entlassen, wenn es - z.B. saisonbedingt - keine Arbeit für sie gibt. Man muß sie dann trotzdem irgendwie beschäftigen, sei es nur z.B. Holzhacken für die Beheizung. Der Farmer muß auch medizinische und tiermedizinische Grundkenntnisse besitzen. Auch die Farmmitarbeiter werden von ihm medizinisch versorgt. Nur in schwierigen Notfällen setzt man sich in den Wagen und fährt mit dem Kranken kilometerweit zum nächsten Ort bzw. Arzt. Dank der Entwicklung von Tourismus und des damit verbundenen Ausbaus der medizinischen Infrastruktur ist es in den letzten Jahren möglich geworden, in Notfällen medizinische Hilfe auch per Flugzeug zu bekommen. Die schulische Ausbildung ist nur in den größeren Orten möglich. Die Kinder verbringen daher die Schulzeit in Internaten. Kleinere Kinder werden z. T. auch direkt auf den Farmen von den Familien unterrichtet.

Schloss Duwisib-Namibia

Die Arbeitslosenquote erreicht im ländlichen Raum die 40%-Marke, wobei bei der ärmsten - schwarzen - Bevölkerung liegt sie sogar bei 60%. Die weißen Farmer versuchen, auch schon im eigenen Interesse, um z.B. die Kriminalität abzuschwächen, für die Ärmsten etwas zu tun, z.B. ihnen irgendeine Beschäftigung auf den Farmen zu geben. Viele Nachbarfarmer von Frank sind aber nur noch Hobbyfarmer, d.h. sie arbeiten in Windhoek und kommen nur an Wochenenden auf die Farmen. Manche verkaufen auch ganz ihre Farmen. Der Staat besitzt dabei Vorkaufsrechte, die er häufig wahrnimmt. Danach werden die Farmen aufgeteilt und an mehrere schwarze Farmer weiterverkauft. So kleine Farmen sind jedoch nicht überlebensfähig und gehen schnell kaputt. Da die schwarzen Farmer dabei auch nicht in der Lage sind, ihre Kredite zurückzuzahlen, verpachten sie die Farmen zurück an die vormaligen weißen Eigentümer zurück. Dies führt dazu, daß die weißen Farmer als Pächter auf den gleichen Flächen (bestehend jetzt aus mehreren kleinen Farmen) wirtschaften, die sie früher als Eigentümer besaßen. Und die schwarzen Eigentümer haben eigentlich nichts davon, da sie die Pacht einfach an die Kreditinstitute weiterleiten müssen. Viele Reisende interessieren sich auch für die Arbeitsabläufe auf der Farm, oder wie erledigt oder beschafft man dort die vielen kleinen Sachen, die für uns selbstverständlich sind. Wir erfahren z.B