- NAMIBIA-

KÜRZBERICHT

KOMPLETTBERICHT

- München - Windhoek -

Abflug des LTU-Airbuses von München am Freitag um 21.45 Uhr, Ankunft in Windhoek um 6.25 Uhr Ortszeit

Transfer nach Windhoek, eine kurze Stadtrundfahrt und ein ca. 7stündiger Aufenthalt in der Hauptstadt mit einigen Besichtigungen:

Aussichtshügel im Süden der Stadt

Alter Hauptbahnhof

Evang. Christuskirche (Wahrzeichen der Stadt)

Denkmal der deutschen Schutztruppen

Nationalmuseum in der Alten Feste

Ehem. Kaiserstraße im Zentrum, Fußgängerzone und Geschäfte


Transfer zum Campingplatz Harmony Seminar Centre in den Auas-Bergen, südlich von Windhoek, Übernachtung

- Windhoek - Köcherbaumwald - Keetmanshoop -

Fahrt auf der Teerstraße B1 über Rehoboth und Mariental nach Süden; dabei einige Zwischenstopps, u.a. am Wendekreis des Steinbocks (südlich von Rehoboth)

Vor Keetmanshoop ein Absteher zum Köcherbaumwald mit ca. 300 Exemplaren der baumartigen Aloeart; indiv. Rundgang

Kurzer Aufenthalt in Keetmanshoop, Spaziergang durch das Städtchen von der Kirche der Rheinischen Mission von 1895 bis zum Kaiserlichen Postamt

Fahrt zum Campingplatz Lafenis Ruskamp, ca. 10 km südlich von Keetmanshoop, Übernachtung

- Keetmanshoop - Ai-Ais -

Fahrt von Keetmanshoop über Grünau (dort eine Pause, Souvenirstände an der Tankstelle) auf der B1 nach Süden

Ca. 30 km hinter Grünau Abfahrt nach Westen und Fahrt auf einer befestigten Pad nach Ai-Ais

Kurz vor Ai-Ais ein Zwischenstopp in den Bergen am sog. Rosenquarz-Berg

Kurz nach dem Mittag Ankunft auf dem Campingplatz Ai-Ais Hot Springs am südlichen Ende des Fish River Canyons

Freizeit zum Wandern im Fish River Canyon oder zum Baden in den heißen Thermalquellen von Ai-Ais

Übernachtung auf dem Campingplatz in Ai-Ais

- Ai-Ais - Fish River Canyon - Hobas Camp -

Freizeit in Ai-Ais: ca. 2,5stündige individuelle Wanderung durch das südliche Ende des Fish River Canyons

Gegen Mittag Abfahrt Richtung Norden zum Camp Hobas; Fahrt entlang des Fish River Canyons mit einigen Zwischenstopps (u.a. bei großen Euphorbias, einer typischen für die Gegend Vegetation)

Nach einer kurzen Pause in Camp Hobas Weiterfahrt zum Main Viewpoint am nördlichen Ende des Canyons

Wanderung entlang des Canyonrandes zum Start Viewpoint im Norden und zurück

Warten am Main Viewpoint auf den Sonnenuntergang über dem Fish River Canyon

Nach dem Sonnenuntergang Rückfahrt zum Campingplatz Hobas Restcamp Park und Übernahtung

- Hobas Camp (Fish River Canyon) - Lüderitz -

Fahrt auf den Pads über karge Landschaften von Hobas nach Seeheim

Bei Holoog ein kurzer Stopp an zwei einsamen Gräbern der deutschen Soldaten aus dem Anfang des 20. Jh.

Vor Seeheim Auffahrt auf die Teerstraße B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz

Fahrt auf der Straße B4 nach Lüderitz mit mehreren Zwischenstopps, u.a.:

Große neue Brücke über dem Fish River nördlich des Canyons

Mittagspause auf einem Rastplatz hinter Aus

Fotopause in der Namib-Wüste an der ehem. Bahnstation Grasplatz (altes Haus)
Fotopause vor der Geisterstadt Kolmanskop (Kolmankuppe)

Ankunft in Lüderitz an der Atlantikküste und Freizeit für eigene Erkundung der Stadt, u.a.:

Bummel auf der Hauptstraße Bismarck Straße

Besichtigung des Museums im prächtigen Goerke-Haus

Die Felsenkirche von 1912

Kurze Fahrt zum Campingplatz (Lüderitz Recreationresort) auf der Shark Island (Haifischinsel) vor der Bucht von Lüderitz, Spaziergang zum Leuchtturm, spektakul. Sonnenuntergang, Übernachtung
 

- Lüderitz - Kolmanskop - Duwisib -

Fahrt nach Kolmanskop (Kolmankuppe) bei Lüderitz und Besichtigung der 1950 verlassenen Geisterstadt (u.a. Museum, Kegelbahn, versch. Gebäude)

Weiterfahrt auf der Teerstraße B4 nach Osten bis Aus (quer durch die Namib-Wüste), von dort weiter auf den Pads nach Norden

Mittagspause in einer malerischen Landschaft unterwegs (Granitfelsen, große Webervögelneste)

Weiterfahrt über Helmeringhausen bis zum Schloß Duwisib

Besichtigung des Schloßes Duwisib, das 1909 vom deutschen Offizier von Wolf erbaut wurde

Freizeit auf der benachbarten Farm Duwisib (u.a. Strauße), abends landestypisches Essen beim Farmer und Gesangsvorführung durch seine Angestellten vom Nama-Volk

Übernachtung auf der Farm Duwisib

- Duwisib - Sesriem Canyon - Sossusvlei (Namib-Wüste) - Sesriem Camp -

Fahrt nach Norden durch das Farmland und zerklüftete Nubib-Berge (im Tsarisbergmassiv), einige Photopausen

Am frühen Vormittag Ankunft am Campingplatz bei Sesriem und kurze Pause

Ausflug zum Sesriem Canyon, Wanderung im Canyon

Rückfahrt zum Campingplatz, Mittagpause

Fahrt zu dem großen Sanddünen in der Namibwüste (bei Sossusvlei im Namib Naukluft National Park)

Wanderungen und Besteigung einiger Sanddünen bei Sossusvlei, herrliche Landschaften, roter Sand, ausgetrocknete Seen

Fahrt zur berühmten Düne 45 und Warten auf den Sonnenuntergang

Rückfahrt zum Campingplatz Sesriem Camping Site, Übernachtung

- Sesriem Camp - Walvis Bay - Swakopmund -

Fahrt auf Pistenstraßen am Rande des Namib Naukluft Parks nach Norden (u.a. über Solitaire)

Überquerung des Gaub-Passes und später des Kuiseb-Passes mit herrlichen felsigen Landschaften, dazwischen flache Partien; hügelige, graue und vegetationsarme Landschaft der Badlands; mehrere Photopausen

Ab dem Kuiseb-Pass Fahrt Richtung Westen, Durchquerung der Namib-Wüste, Sanddünen

Ankunft in der Hafenstadt Walvis Bay (Walfischbucht) an der Atlantikküste

Spaziergang entlang der Bucht von Walvis Bay mit ihren Flamingos und Pelikanen (leider nur wenige zu sehen)

Fahrt entlang der Küste nach Swakopmund, kurze Stadtrundfahrt (u.a. alter Bahnhof)

5stündiger Aufenthalt in Swakopmund, individuelle Stadterkundung, u.a.

Dr. Sam Nujoma Avenue

Woermann-Haus, Besteigung des Turms

Marine-Denkmal und Holzschnitzermarkt

Mole (Strand) und der Leuchtturm

Abendessen in einem Restaurant

Abends Fahrt zum Campingplatz 4 Mile Holiday Resort bei Swakopmund, Übernachtung

- Swakopmund - Namib-Wüste - Swakopmund -

Ganztägiger fakultativer Ausflug mit Kleinbussen in die Namib-Wüste, u.a.:

Fahrt u.a. durch das ausgetrocknete Flußbett von Swakop, andere Flußtäler, bergige Mondlandschaften (Basalt, Granit, verschiedenste Farbschattierungen), Stein- und Felswüste

Vorstellung der typischen Vegetation der Wüste: u.a. Aloen, große Euphorbien, Lithops ("lebende Steine"), Nara-Pflanzen, verschiedene Flechtenarten, später die einzigartige und berühmte Welwitschia mirabilis (älteste Pflanze der Welt, viele Exemplare)

Mittagspause (Picknick) unter einem Felsen im ausgetrockneten Flußbett

Fahrt durch eine flache Sand- und Staubwüste zu den Sanddünen

Besteigung einer Sanddüne

Rückfahrt nach Swakopmund, kurzes Einkaufen im Stadtzentrum, dann zum Campingplatz

Übernachtung auf dem Campingplatz 4 Mile Holiday Resort bei Swakopmund

- Swakopmund - Cape Cross - Khorixas -

Fahrt entlang der Küste über Hentiesbaai nach Cape Cross

Aufenthalt in der Robbenkolonie bei Cape Cross mit ca. 100.000 Zwergpelzrobben

Rückfahrt bis Hentiesbaai und dann Fahrt Richtung Nordosten durch die Namib-Wüste

Unterwegs Ausblicke auf die Spitzkoppe und den Brandbergmassiv, Photostopps

Besuch einer Damara-Familie in einer kleinen Siedlung (2-3 Häuser) im Damaraland

Kurze Mittagspause in Uis Myn

Pause vor der Brücke über den Ugab-Fluß, Verkaufsstände mit landestypischen Herero-Puppen

Weiterfahrt nach Khorixas

Übernachtung auf dem Campingplatz Khorixas Lodge & Restcamp

- Khorixas - Twyfelfontein - Khorixas -

Ganztägige Fahrt durch das Damaraland westlich von Khorixas

Halt an einer Damara-Hütte, kurzer Besuch

Fahrt zum "versteinerten Wald" und ein Rundgang durch das Gelände mit versteinerten, fossilen Baumstämmen; viele Welwitschia-Pflanzen

Fahrt Richtung Twyfelfontein, Rundgang durch die Felsen am Berghang im Tal "Uri-Ais" und Besichtigung der einzigartigen Felsgravuren (Petroglyphen) der Ureinwohner, anschließend Mittagpause

Fahrt zum "verbranten Berg" (interressante Farbschattierungen) und ins "Tal der Orgelpfeifen" (ca. 120 Mio. Jahre alte Basaltsäulen)

Fahrt durch das malerische Damaraland mit grünen Landschaften und interessanten Felsformationen, Photopausen

Rückfahrt zum Campingplatz Khorixas Lodge & Restcamp und Übernachtung

- Khorixas - Outjo - Okaukuejo (Etosha Nationalpark) -

Fahrt durch schöne, grüne Landschaften Richtung Nordosten nach Outjo

Unterwegs einige Photostopps, u.a. bei einem der zahlreichen Termitenhügel, bei Panoramaaussicht auf die Ugab-Terrassen

Absteher zum Vingerklip, einer interessanten, säulenartigen Felsformation

Mittagpause in Outjo, individueller Rundgang durch das Städtchen

Weiterfahrt Richtung Etosha-Pfanne, dann Fahrt durch den Nationalpark und erste Tierbeobachtungen (Zebras, Impalas, Springböcke, Giraffen, usw)

Ankunft im Camp Okaukujeo, Bummel durch das ausgedehnte Camp, Besteigung des Beobachtungsturmes; Erdhörnchen im Camp

Am frühen und späten Abend mehrstündige Tierbeobachtungen am Wasserloch beim Camp (Antiloppen, Elefantenbulle, Nashörner, Löwen)

Übernachtung im Camp des Namibia Wildlife Resorts Ltd. in Okaukuejo

- Etosha Nationalpark (Okaukuejo - Halali - Fort Namutoni) -

Beobachtungen am Wasserloch beim Sonnenaufgang (mehrere junge Löwen)

Ganztägige Bus-Safari durch den Etoscha Nationalpark:

Fahrt durch verschiedene Landschaften (offene Steppe, dichtes Buschwerk) und Beobachtungen der Tiere (u.a. Herden von Zebras, Antiloppen /Kudu, Springbock, Impala, Gnu, Oryx/, Strauße, Giraffen, versch. Vögel)

Mittagpause im Halali Camp, Beobachtungen am Wasserloch von Halali (eine Kudu-Antiloppe)
Nachmittags ein Abstecher zur eigentlichen Etoscha Pfanne - einem ausgetrockneten riesigen See

Abends Ankunft im Camp Namutoni (ehemals deutsche Festung), Rundgang durch den Camp, Aufstieg auf den Turm der Festung, Beobachtungen am Wasserloch (keine größeren Tiere)

Übernachtung im Camp Namutoni

- Fort Namutoni - Okahandja - Windhoek - München -

Fahrt durch den Nationalpark bis zum Lindquist-Tor und dann nach Osten, später auf der Teerstraße nach Süden, an Tsumeb vorbei

Über Otavi-Berge weiter nach Süden durch die Städte Otavi und Otjiwarongo, kurze Pausen an der Straße

Besuch des Holzschnitzermarktes in Okahandja, letzte Souvenireinkäufe

Weiterfahrt nach Windhoek und dort über die Umgehungsstraßen bis zum Campingplatz Harmony Seminar Centre in den Auas-Bergen, südlich von Windhoek

Abschiedsessen und Übernachtung auf dem Campingplatz

Am Freitag um 5.00 Uhr morgens Transfer zum Flughafen in Windhoek

Um 8.25 Uhr Abflug des LTU-Airbusses nach München, Ankunft in München um18.55 Uhr Ortszeit

1. Tag:

- München - Windhoek -

Meinen letzten Urlaub datiert schon wieder von mitten April, Anfang Mai auf Sri Lanka. Ich brauchte wieder ein bisschen Urlaub. Wir sind den 30 August 2004. Ich habe schon in Namibia gearbeitet, bei meine “South Africa Tour” von 14.02. bis 17.02.1985.

Meine erste Reise auf die südliche Halbkugel beginnt bereits gestern am Münchener Flughafen. Nach der ziemlich langen und frühen Anreise nach München habe ich noch sehr viel Zeit, um mich auf dem weitläufigen Gelände umzuschauen oder einfach nur rumzusitzen. Nach mehreren Stunden, die ich - unterbrochen nur durch das Einchecken und die Sicherheitskontrolle - so auf dem Flughafen verbringe, beginnt gegen 21 Uhr endlich das Boarding. Die LTU-Maschine ist etwa eine halbe Stunde verspätet. Wir starten erst um 21.43 Uhr zu unserem Nachtflug. Nur aus der Bildschirmanzeige in der Kabine erfahre ich, daß wir fast exakt entlang des gleichen Breitengrades nach Süden kommen. Wir fliegen u.a. über der Westspitze von Sizilien, erreichen dann Afrika zwischen Djerba und Tripolis. Mitten in der Nacht überqueren wir den Äquator, dann geht es an Kinshasa und Luanda vorbei, anschließend noch kurz entlang der Atlantikküste von Angola, bevor wir Namibia erreichen. Um 6.25 Uhr Ortszeit landet der Airbus 330-200 nach 9 Stunden und 40 Minuten Flugzeit auf dem Flughafen von Windhoek. Hier herrscht kaum Flugbetrieb und wir gehen vom Flugzeug zu Fuß in die Ankunftshalle. Gerade geht auch die Sonne auf, und wir werden von einem wunderschönen, sonnigen und wolkenlosen Wetter mit angenehmen, jetzt noch kühlen Temperaturen (schätzungsweise ca. 10 Grad) empfangen.

Windhoek-Das Reiterdenkmal und die lutherische Christuskirche-Namibia

Nach einer relativ schnellen Erledigung der Einreiseformalitäten treffen sich die Teilnehmer der Rotel-Rundreise am wartenden Bus vor der Flughafenhalle. Es ist nicht der typische rote Rotelbus, den ich hier erwartet habe, sondern ein normaler, gemieteter Reisebus. Wir erfahren, daß der Rotelbus mit dem Schlafanhänger (in dem wir während der Rundreise übernachten werden) auf dem Campingplatz einige Kilometer südlich vor der Hauptstadt auf uns wartet bzw. vorbereitet wird. Den Campingplatz erreichen wir aber erst am Abend. Zunächst geht es auf eine Besichtigungstour in die Hauptstadt. Vor dem Bus wartend, sehe ich hier auch meinen Sitznachbar im Flugzeug kommen. Wie sich herausstellt, heißt er Paul und ist unser Rotel-Busfahrer und Koch, der für unsere Rundreise extra seinen Heimaturlaub unterbrechen und nach Namibia zurückkommen mußte, denn der vorgesehene Busfahrer hat sich bei der vorherigen Rundreise am Fuß verletzt. Im Bus werden wir vom Rudolf begrüßt, der uns als der Reiseleiter während der nächsten zwei Wochen begleiten und betreuen wird. Wir fahren jetzt also ins Zentrum der Hauptstadt, die 42 km weit vom Flughafen in einem Tal ca. 1700 m hoch gelegen und von relativ hohen Bergen umgeben ist. Deshalb auch befindet sich der Flughafen nicht direkt in der Stadt. Neugierig schauen wir aus den Fenstern auf die weitläufige, karge und trockene Landschaft an der Straße nach Windhoek. In der Stadt fahren wir zunächst einen östlich des Zentrums und des Parlamentsgebäudes (Tintenpalast) gelegenen kargen Hügel an, auf dem sich ein Wasserturm befindet. Von hier aus bietet sich ein guter Ausblick auf die im Tal gelegene kleine, ca. 240.000 Einwohner zählende Hauptstadt. Rudolf erklärt uns die wichtigsten Bauwerke der Stadt, die man von hier sehen kann. Danach fahren wir runter ins Zentrum und halten am historischen Hauptbahnhof an, der heute noch diese Funktion erfüllt. Diese kleine Station mit zwei Bahnsteigen wurde 1912 erbaut. In der engen Eingangshalle, die nicht großer als die in einer deutschen Kleinstadt ist, sind an den Wänden einige historische Bilder aufgehängt. Vor dem Bahnhof steht eine alte, zierliche Lokomotive auf der Schmalspurbahn; neben dem Gebäude sehe ich noch weitere historische Schienenfahrzeuge. Am Bahnhof selbst gibt es kaum Reisende, ein Mann putzt den Boden. Es fahren hier wohl nur wenige Züge am Tag ab. Die nächste Station auf unserer kurzen Stadtrundfahrt ist das Wahrzeichen der Stadt - die etwas erhöht über der Stadt gelegene evangelisch-lutherische Christuskirche in historischem Zentrum. Sie wurde 1910 als Friedensdenkmal zum Abschluß des Krieges zwischen den Deutschen und den Nama, Herero und Ovambo errichtet. Diese in neo-gotischem Stil gebaute und schön gelegene Kirche ist ein wahrer Blickfang. Dahinter sehen wir auf einem Hügel das Parlamentsgebäude Namibias, den sog. Tintenpalast. Wir spazieren auch zum bekannten Reiterdenkmal südlich der Christuskirche, das auf einer großen Rasenfläche vor der Festung "Alte Feste" steht. Es wurde 1912 zur Erinnerung an die in den Nama- und Herero-Aufständen Gefallenen der deutschen Schutztruppe errichtet.

Windhoek-Die lutherische Christuskirche-Namibia

Anschließend fahren wir zum etwas unterhalb der Christuskirche gelegenen großen Parkplatz, wo wir aussteigen und uns wieder um 16 Uhr treffen sollen. Da es erst ca. 9 Uhr ist, haben wir jetzt 7 Stunden Freizeit für eigene Erkundungen der Hauptstadt. Da meine Kamera zu meiner Verzweiflung unerwartet ihren Dienst verweigert (nicht auslösen will), suche ich als Erstes ein deutsches Fotogeschäft auf, das mir Rudolf empfohlen hat. Hier bekomme ich auch eine kompetente Hilfe und die Kamera funktioniert wieder. Erleichtert gehe ich dann weiter durch das Zentrum zu der Fußgängerzone in der Post Street Mall. Neben zahlreichen Geschäften interessant sind vor allem die Stände der zahlreichen Straßenverkäufer. Ihr Angebot ist äußerst vielfältig, darunter Holzarbeiten, Kunsthandwerk, handgefertigte Kleidung und vielerlei andere originelle Dinge. Sehenswert ist auch der Meteoriten-Brunnen in der Post Street Mall. Er besteht aus 31 bei Gibeon gefundenen Meteoriten (die zu 95% aus Eisen bestehen) und gilt als einer der ungewöhnlichsten Brunnen der Welt. Am Ende der Straße befindet sich ein mittelgroßes Einkaufszentrum, wo ich auch ein aus Deutschland bekanntes Lebensmittelgeschäft mit vielen vertrauten Produkten entdecke. Dann gehe ich quer durch die Stadt nochmals zum Hauptbahnhof, wo ich mich jetzt mit mehr Ruhe umschaue. Überall gibt es noch Spuren deutscher Vergangenheit und zum Teil auch der Gegenwart zu entdecken. Unterwegs sehe ich immer wieder deutschsprachige Straßennamen, wie z.B. Bahnhofstraße oder Schützenweg. Sie werden aber nach und nach durch englische ersetzt. Man sieht auch häufig deutsche Schilder und Namen an verschiedenen Geschäften oder Büros und Firmensitzen. Die Zeitungsjungen verkaufen überall auf den Straßen die deutschsprachige "Allgemeine Zeitung Namibia". An einer großen Kreuzung der Hauptstraße Independence Avenue mit der John Meinert Street entdecke ich ein altes flaches Gebäude mit der Aufschrift "Kaiserl. Landesvermessung", das heute die Büros der Southern African Customer Union beherbergt. Ihm gegenüber steht auf der Kreuzung das Kudu-Denkmal. Das Zentrum der Stadt ist relativ klein, überschaubar und besitzt relativ niedrige Bebauung. Nach ca. 1-2 Stunden habe ich manche Orte schon mehrmals passiert. Man braucht eigentlich nicht so viel Zeit für die Besichtigung des Zentrums, wie wir zur Verfügung haben. Aber da heute sowieso nichts anderes vorgesehen ist, bummele ich weiter durch die Stadt und verschiedene Geschäfte und Einkaufszentren. Gegenüber dem Zoo-Park, das rund um das Denkmal der Schutztruppe angelegt ist, befinden sich an der Independence Avenue zahlreiche Souvenirgeschäfte. Und südlich des Parks haben viele Straßenverkäufer auf den Bürgersteigen unzählige Holzschnitzereien aufgestellt. Ich besuche im Laufe des Tages auch noch zweimal die Christuskirche, und einmal habe ich sogar das Glück, das schlichte Innere der Kirche zu sehen, die gerade aufgeschlossen ist und geputzt wird. Bei dem Mittagsbesuch an der Kirche mache ich für mich eine Entdeckung, die wahrscheinlich jeden, der zum ersten Mal die südliche Halbkugel besucht, zunächst ins Grübeln bringt. Nachdem ich am Morgen die Sonne im Osten gesehen habe, erwarte ich, daß jetzt, in der Mittagszeit, die Nordseite der Kirche im Schatten steht. Stattdessen scheint aber die Sonne auf diese Seite. Ich bin zunächst etwas verwirrt, was die Himmelsrichtungen betrifft, bis ich mir klar mache, daß es auf der südlichen Halbkugel tatsächlich umgekehrt ist - mittags steht die Sonne im Norden und nicht, wie bei uns, im Süden. Heute haben wir ein wirklich wunderschönes Wetter. Der Himmel ist tiefblau und absolut wolkenfrei, wie man es in Deutschland kaum zu sehen bekommt. Mittags haben wir schätzungsweise ca. 27-30 Grad. Nachmittags kommt aber ein starker Wind auf, was jahreszeitbedingt ist, wie wir später erfahren. Da ich noch immer viel Zeit bis zur Weiterfahrt habe, gehe ich zur Alten Feste und besuche das in dem ältesten Bauwerk Windhoeks untergebrachte Nationalmuseum. Die Museumsstücke, die in den schlichten und engen Räumen der Festung gezeigt werden, enttäuschen mich etwas. Manch ein Privatsammler hat sicherlich viel umfangreichere Sammlungen, als das was hier gezeigt wird. Und auch die Präsentation der Exponate erinnert eher an eine von Schülern organisierte Ausstellung.

Windhoek-Deutsche Straßennamenschilder-Namibia

Aber sicherlich fehlt es dem Land an Geld, um eine professionellere Präsentation zu gestalten. Unabhängig davon besuche ich das Museum mit großen Interesse, den es vermittelt trotzdem einen guten Eindruck über die Geschichte Namibias. Im ersten Teil werden hauptsächlich alte Fotografien und einige alte Gegenstände gezeigt, die kurz die Geschichte der deutschen Kolonialzeit und die spätere südafrikanische Besetzung illustrieren. Man sieht auf den Fotos auch die legendären einheimischen Anführer und Freiheitskämpfer, wie den Samuel Maharero oder Hendrik Witbooi. Im weit größeren Teil der Exposition wird dann der Befreiungskampf und der Weg Namibias zur Unabhängigkeit gezeigt: das UNO-Mandat, die UNO-Mission, die Wahlvorbereitung und die Wahlen selbst, und schließlich die erste Regierung. Gezeigt werden hauptsächlich Plakate, Flugblätter, Zeitungsausschnitte, Fotos, Uniforme und Plaketten der UNO-Soldaten u.ä. Im letzten Teil sieht man noch verschiedene alte Haushalts- und Gebrauchsgegenstände: Wohnungsausstattung, Möbel, Musikinstrumente u.a. aus den Anfängen des 20. Jh. Man kann auch auf den niedrigen, südöstlichen Turm der Festung hinaufklettern. Von hier hat man einen guten Überblick über die Hauptstadt. Passend dazu ist auf den Wänden das jeweilige Panorama mit entsprechenden Beschriftungen der wichtigsten Bauwerke aufgemalt. Den Rest der Freizeit verbringe ich in dem Zoo-Park. Hier sammeln sich am Nachmittag auch viele Einheimische, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen oder einfach nur herumzusitzen. Auch ich erhole mich hier von den Strapazen der langen Reise und der Wanderungen in der Hauptstadt. Ich bleibe hier sitzen und beobachte das Geschehen um mich herum. Pünktlich um 16 Uhr fahren wir zu unserem Campingplatz am einem Deutsch-Namibianer gehörenden Harmony Seminar Center, der in den Auas-Bergen ca. 20 km südlich von Windhoek gelegen ist. Wir fahren durch eine karge Landschaft, die aber ziemlich grün ist, da es in der letzten Zeit in Namibia relativ viel geregnet hat. Hier sehe ich zum ersten Mal unseren Rotel-Bus mit dem großen Schlafanhänger, der in den nächsten zwei Wochen unser Zuhause sein wird. Wie ich später erfahre, bin ich der einzige Rotel-Neuling in der Gruppe; manche Teilnehmer haben schon über 20 Rotel-Reisen hinter sich. So beobachte ich gespannt, was es so zu tun ist. Aber heute muß man nichts machen. Der Busanhänger ist schon aufgebaut und auch das Abendessen bekommen wir heute in einem kleinen Kantinenraum des Seminarzentrums. Deshalb bleibt heute auch die Rotel-Küche geschlossen. Zunächst werden die Schlafkabinen aufgeteilt. Ich entscheide mich für eine ganz oben, in der dritten Etage des Anhängers. Nach dem Umpacken (das Hauptgepäck wird im Buskofferraum verstaut und nur alle drei Tage herausgegeben; das Nötigste hat man in einer kleinen Tasche, die nachts im Gang vor den Kabinen stehen bleibt) und dem Einrichten der Kabine, treffen wir uns um 18.30 Uhr zum "Festessen" und Kennenlernen in dem Kantinenraum. Da heute alle schon ziemlich müde sind, dauert der gemeinsame Abend nicht allzu lange. Bevor auch ich mich kurz nach 21 Uhr in meine kleine Kabine zum Schlafen begebe, bestaune ich noch den fantastischen Sternenhimmel über unseren Köpfen. So viele Sterne und so klar, deutlich und scheinbar nah habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Ich beobachte ganze Sternennebel, die Milchstraße und mit Hilfe der kündigen Mitreisenden erkenne ich auch einzelne Konstellationen, wie den Großen und Kleinen Wagen, oder den berühmten Kreuz des Südens. Ich bin von dem Ausblick wie berauscht. Schon kurze Zeit später vermischen sich in schönen Träumen die vielen Eindrücke des vergangenen Tages.

2. Tag:

- Windhoek - Köcherbaumwald - Keetmanshoop -

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Aloe Bäume und Felsen-Namibia

Die erste Nacht in der ziemlich engen und ungewohnten Schlafkabine verbringe ich sehr gut. Heute wird zum ersten Mal draußen gegessen. Als ich aufstehe, haben andere Mitreisende bereits die Tische und Bänke aufgebaut. Auch die Küche im hinteren Teil des Rotel-Anhängers ist schon geöffnet. Jeder hat bereits gestern ein rotes Säckchen mit allen zum Essen nötigen Utensilien erhalten: eine große Tasse, einen tiefen Teller, ein kleines Schneidebrett, das Besteck und ein kleines Tuch zum Abtrocknen. Um 7.30 Uhr serviert Paul, unser Koch und Busfahrer, das typische Rotel-Frühstück. Zum Brot gibt es neben Butter, Marmeladen oder Nutella meistens auch andere Beilagen. In den nächsten Tagen sind es mal Käse, mal Wurst oder Leberwurst, mal gekochte Eier, mal auch andere Sachen, je nachdem, was Paul unterwegs eingekauft hat. Zum Trinken gibt es Tee oder Kaffee. Es wird immer in großen Töpfen genug heißes Wasser gekocht, so daß man auch eigene Thermokannen mit Tee oder Kaffee für den Tag abfühlen kann. Nach dem Essen werden einige Schüssel mit warmem Wasser gefüllt, damit jeder seinen Teller, Tassen und Besteck abwaschen kann. Danach verstauen wir wieder die Sitzbänke und Tische im Gepäckraum des Anhängers. Jetzt folgt der für mich als Neuling interessanteste Teil der Reisevorbereitung. Der Rotel-Anhänger muß für die Fahrt zusammengebaut werden. Vorher müssen wir natürlich alles aus dem Gang vor den Kabinen entfernen und in den Kabinen selbst oder im Bus verstauen. Wichtig ist, daß man in den Kabinen nichts vergißt, was man für den Rest des Tages braucht, denn später kommt man nicht mehr dran. Die Treppenaufgänge zum Gang und der dicke, doppelte Umhang entlang des Ganges werden abmontiert. Dann werden der Gangboden und die Überdachung einfach wie zwei dreiteilige Klappen herauf bzw. heruntergeklappt. Sie bilden jetzt eine geschlossene rechte Wand des Anhängers. Unsere erfahrenen Rotelianer kennen schon alle nötigen Schritte und Handgriffe, so das der Anhänger bereits in wenigen Minuten geschlossen und abfahrbereit ist. Mir bleibt heute lediglich die Rolle des Zuschauers. Pünktlich um 8.30 Uhr fahren wir ab. Das Wetter ist ähnlich wie gestern - strahlend blauer Himmel und keine einzige Wolke - und so bleibt es den ganzen Tag. Unsere Reiseroute führt heute die ganze Zeit nach Süden, auf der Hauptstraße B1, die bis zur Grenze mit Südafrika verläuft. Wir verlassen die Auas-Berge, wo wir übernachtet haben. An der Straße sehen wir einzelne große Felsbrocken. Dann wird es nur noch leicht hügelig, bis wir eine flache Landschaft erreichen. Wir fahren durch eine Buschsavanne mit einem stellenweise dichten Buschwerk und großen gelblichen Grasflächen dazwischen. Insgesamt ist die Landschaft relativ grün, vermischt mit beige und gelben Tönen, denn zuletzt hat es hier etwas geregnet. Unter dem Bewuchs kommt rötlich- und rost-braune Erde zum Vorschein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto weniger Busch wachst in der Landschaft. Bald dominieren nur noch weite Grasflächen das Bild, die dann mit der Zeit auch weniger üppig und dicht werden. Etwa 90 km südlich von Windhoek fahren wir rechts an der kleinen Ortschaft Rehoboth vorbei. Hier leben noch die Afrikaans-sprachigen Rehobother Baster, Nachkommen der ersten holländischen Siedler am Südkap im 19. Jh. und der Khoisan-Frauen. Einige Kilometer hinter Rehoboth halten wir kurz an. An dieser Stelle überqueren wir den Wendekreis des Steinbocks. Ein großes Schild mit der Aufschrift "Tropic of Capricorn" weißt auf diese Attraktion hin.

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Ein Aloe Baum-Namibia

Kurz vor dem nächsten etwas größeren Ort an der Straße - Mariental - passiert die Straße im Westen den größten Stausee Namibias, den Hardap Dam. Um ihm herum erstreckt sich ein Naturschutzgebiet. Von der Straße sieht man den Stausee aber nicht. Mit seinem Wasser werden mit Hilfe von riesigen maschinenartigen Anlagen die umliegenden Flächen bewässert. In der Gegend von Mariental befinden sich große Farmen, in denen die Karakul-Schafe gezüchtet werden. (In der letzten Zeit ist aber der Markt für die Karakulwolle zusammengebrochen.) Wir sehen vom Bus aus große, saftig-grüne Felder, wo die Luzerne für die Schafe angebaut wird. Wir fahren weiter durch das Farmland und passieren vor Mariental noch eine große Straußfarm. In das östlich der Straße gelegene Zentrum des Städtchens fahren wir nicht hinein, machen aber um 11.45 Uhr an einer Tankstelle an der Hauptstraße eine einstündige Mittagspause. Nachdem wir hier etwas gegessen haben, geht unsere Fahrt nach Süden, durch das Gebiet des Nama-Volkes weiter. Wir sind jetzt am westlichen Rand des Kalahari-Beckens. Nach einigen Kilometern taucht links - im Osten - am Horizont eine riesige Randstufe auf, die uns mehrere Dutzend Kilometer lang begleitet wird. Dieser Weißrandabbruch, wie er genannt wird, ist ein Ergebnis einer mehrere Millionen Jahre andauernden Erosion und Verwitterung. Vor 5 bis 15 Millionen Jahren wurde er vom Fish River in die Landschaft geschnitten und hat sich in der Folgezeit um etwa 40 km vom heutigen Flußbett entfernt. Der Abbruch sieht wie ein Zig-Kilometer langer Tafelberg, oben flach, wie abgeschnitten und mit steilen, senkrechten Hängen - eine natürliche Barriere für Mensch und Tier. Etwa 150 km südlich von Mariental können wir auf der anderen Straßenseite eine andere geologische Besonderheit beobachten. Aus der weiten Ebene erhebt sich hier ca. 650 m hoch ein dunkler, aus Granit bestehender, kegelförmiger Berg (Brukkaros, 1586 m ü. NN), der an einen erloschenen Vulkan erinnert. Es ist ein Überbleibsel der letzten Vulkanauffaltungen vor etwa 80 Millionen Jahren. Wegen einer kraterähnlichen Senke im Gipfel wurde der Berg früher irrtümlich für einen erloschenen Vulkan gehalten. Es ist aber nicht ausgebrochene Lava, die hier nach oben kam und den Berg geformt hat. Wir fahren durch eine verlassene, kaum besiedelte Gegend. Auf einen Quadratkilometer kommen im Süden Namibias gerade einmal 1,7 Menschen. Aber die karge und weitläufige Landschaft, die auf den ersten Blick monoton ist, hat auch ihre Reize, wie z.B. die oben genannten geologischen Besonderheiten. Auch die Farben der Landschaft bringen eine Abwechslung in die Monotonie. Stellenweise sehen wir ganze Teppiche von gelben Blümchen. Das Gras ist hier grüner, es tauchen wieder einzelne Büsche und Gestrüpp auf. Auch die Erde ist jetzt grünlich-grau. Gegen 14.30 Uhr kommen wir wieder in eine leicht hügelige Gegend - vereinzelt erheben sich hier sanfte Hügel aus der Ebene. Nach dem Regen der letzten Tage haben sich viele kleine Flüsse wieder mit Wasser gefüllt. Und auch einzelne Wasserlöcher speichern noch das kostbare Wasser. Inzwischen haben wir bei Keetmanshoop von der Hauptstraße abgebogen und fahren jetzt auf einer Piste nach Osten zum Hauptziel unseres heutigen Tages - in den sog. Köcherbaumwald. Nach einigen Kilometern erreichen wir kurz vor 15 Uhr die Gariganusfarm, auf deren Gelände diese zu den größten Sehenswürdigkeiten Südnamibias zählende botanische Attraktion liegt. Hier stehen zwischen großen Felsblöcken verstreut mehrere Hundert Exemplare des Köcherbaums (Aloe dichotoma), der als eine der Nationalpflanzen Namibias angesehen wird. Es ist zwar kein Wald in unserem Sinne, aber die einmalige, besondere Dichte der Bäume an dieser Stelle, die sonst nur selten und vereinzelt vorkommen, prägte wohl die Bezeichnung. Es handelt sich eigentlich um eine bis zu 7 m hohe Aloeart, die zu den Bäumen gezählt wird. Der einheimische Name stammt von den San (Buschmännern), die die hohlen Äste des Baumes als Köcher für ihre Pfeile nutzten. Wir haben etwa 45 Minuten Zeit, um selbst durch das Gelände zu wandern. Die Köcherbäume sehen wirklich beeindruckend aus mit ihren wie Kerzenständer nach oben erhobenen Asten, die jeweils mit einem Büschel fleischiger Blätter beendet sind. Nicht umsonst heißt der Baum auch Kandelaber-Aloe. Manche große Exemplare mit ihren zahlreichen Ästen sind wohl älter als 200 Jahre. Jetzt, bei der sich langsam zum Horizont neigenden Sonne und beim absolut wolkenfreien Himmel hat man wohl die besten Bedingungen, um diese einmalige Besonderheit zu bewundern. Ich komme zu einer Anhöhe, von der man die weite, zu allen Seiten bis zum Horizont offene Landschaft gut überblicken kann.

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop - Ein Aloe Baum-Namibia

Und die Landschaft ist wirklich beeindruckend. Nicht nur die Bäume selbst, sondern auch ganze Teppiche von jetzt blühenden gelben Blumen und die für die Gegend bei Keetmanshoop typischen verstreuten Felsblöcke verleihen der Landschaft eine einmalige Stimmung. Diese manchmal wie von Menschenhand hoch getürmten Felsblöcke aus Basalt sind Reste geschmolzener Lava, die vor rund 180 Millionen Jahren in das überlagernde Karoo-Gestein eindrang. Während der folgenden Erosion des weichen Karoo-Gesteins wurden die Basaltblöcke freigelegt und erhielten durch Verwitterung ihre merkwürdigen Formen. Ich merke nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Man könnte hier noch lange zwischen den Bäumen und Felsen spazieren. Immer wieder bieten sich auch neue interessante Perspektiven für die Fotos. Aber es ist schon Viertel vor Vier und der Bus wartet auf uns. Wir fahren etwa 10 km zurück Richtung Westen, nach Keetmanshoop. Diese etwa 500 km südlich von Windhoek (ja, soviele Kilometer haben wir heute schon gefahren) gelegene Stadt gilt als die Hauptstadt des Südens. Als wir hier ankommen, bin ich von der in der Stadt herrschenden Leere überrascht. Heute ist ein Sonntag und alle Geschäfte sind zu, die Straßen sind absolut menschenleer. Man hat fast schon den Eindruck, es wäre eine Geisterstadt. Aber später erblicken wir einige wenige Passanten und ein paar Autos. Sonst herrscht hier aber eine gähnende Ruhe. Ebenso bin ich in Keetmanshoop von den unglaublich breiten Straßen beim fast nicht vorhandenen Autoverkehr überrascht. Auf manche von Ihnen würden vier oder vielleicht sogar mehr Spuren passen. Wir spazieren durch die menschenleere Stadt und kommen zur großen steinernen Kirche der Rheinischen Mission. Sie ist ein Überbleibsel aus der Gründungszeit von Keetmanshoop um 1866, als hier eine Missionsstation gegründet wurde. Die Kirche selbst wurde 1895 fertiggestellt. Leider ist die Kirche verschlossen und wir können das darin beheimatete Museum der Stadt nicht besichtigen. Einige Straßen weiter sehen wir noch ein anderes Überbleibsel aus der deutschen Kolonialzeit - ein ebenso steinernes Gebäude mit der Aufschrift "Kaiserliches Postamt" über dem Eingang. Und noch bis heute erfüllt das Gebäude seine Funktion als Postamt dieser Provinzstadt. Wir bleiben in Keetmanshoop bis ca. 16.30 Uhr. Anschließend fahren wir zum unseren Campingplatz für heutige Nacht. Der Lafenis Ruskamp liegt ca. 10 km südlich von Keetmanshoop, und in etwa 15 Minuten sind wir da. Paul parkt den Bus an einer geeigneten Stelle und wir fangen mit dem Aufbau des Schlafanhängers an. Nachdem auch die Tische und Bänke aufgestellt sind, schlägt Rudolf ein Begrüßungscocktail vor und holt einige Amarula-Flaschen raus. Amarula Cream ist ein in Namibia sehr populärer Sahnelikör, der aus den Früchten des legendären Marula-Baumes, bekannt auch als Elefantenfruchtbaum, hergestellt wird. Der Likör besitzt das charakteristische Aroma der Marula-Frucht, erinnert aber stark auch an Baileys. Er tut uns auf jeden Fall gut. Nach etwa 40 Minuten ist auch schon das warme Abendessen fertig, das Paul inzwischen vorbereitet hat. Gegen 17.45 Uhr geht die Sonne unter und es wird draußen ziemlich kalt. Ich bleibe also nach dem Essen nicht mehr lange draußen und gehe in meine Kabine schlafen.

3. Tag:

- Keetmanshoop - Ai-Ais -

Unterwegs auf der Pfad zwischen Grootplaas uns Ais Ais (Eine typische Karre)-Namibia

Heute ist die Abfahrt schon für 8 Uhr geplant. Wie üblich, eine Stunde zuvor gibt es das Frühstück. Dann folgt der Abwasch, das Zusammenpacken unserer Ausrüstung und der Zusammenbau des Anhängers. Alles geht sehr schnell voran, so daß wir auch rechtzeitig zur Abfahrt bereit sind. Wir fahren weiter über die B1 durch das Namaland herunter. Die Straße macht hinter Keetmanshoop zunächst einen leichten Bogen nach Südosten, dann führt sie weiter nach Süden, und später leicht nach Südwesten in Richtung der südafrikanischen Grenze. Die Gegend hier ist schon sehr karg, es gibt kaum noch größeren Bewuchs. Nur noch Gräser und ab und zu einen vereinzelten Baum sehen wir während der Fahrt. Aber auch hier ist Farmland. Überall entlang der Straße ziehen sich Zäune, die uns schon seit dem Verlassen von Windhoek ständig begleiten. Mit zig Kilometer langen Zäunen werden die riesengroßen Farmen voneinander und von den Straßen abgegrenzt, damit das hier gelegentlich weidende Vieh nicht wegkommt. Belebt wird die öde Landschaft immer wieder durch gerade vor allem gelb blühenden kleinen Wildblumen, die stellenweise ganze Blumenteppiche entlang der Straße bilden. Nach einigen Dutzend Kilometer tauchen am Horizont links und rechts der Straße wieder Berge auf. Es sind die Groot Karasberge im Osten und die Klein Karasberge im Westen. Sie begleiten uns bis etwa nach Grünau. Der kleine Ort liegt etwas seitlich der Straße. Wir machen aber eine kurze Pause an einer Tankstelle direkt an der B1. Auf der anderen Straßenseite haben Einheimische mit einfachen Mitteln einige Stände mit Souvenirs aufgebaut. Hier bieten sie vor allem verschiedene Holzschnitzereien an - von kleinen Elefanten bis hin zu 2 m großen Giraffen. Auch verschiedene Mineralien aus der Gegend kann man hier für ein paar Namibische Dollar erstehen. Auch ich kaufe mir hier einen kleinen geschnitzten Holzelefanten und einige Mineralien. Hinter Grünau wird die Umgebung wieder flacher. Nach einigen Kilometern, bei Grootplaas biegen wir um ca. 10.30 Uhr von der geteerten Fernstraße B1 nach Westen ab. Jetzt fahren wir auf einer schnurgeraden, befestigten Piste Richtung Ai-Ais. Hier ist die Landschaft fast schon wüstenhaft. Nur noch vereinzelte Grasbüschel und einige dem heißen Klima angepaßte Sträucher (Sukkulenten) wachsen in der rostbraunen Erde. Kein Auto, keine Menschenseele ist da. Aber auch schon auf der B1 haben wir kaum Autos begegnet. Nach einiger Zeit sehen wir eine für die Gegend typische Pferdekarre mit zwei Rädern, die uns auf der Piste entgegen kommt. Paul hält den Bus an und wir steigen aus. Auch die Namas halten ihre Karre an und posieren uns gerne zu Fotos. Es sind zwei Männer und zwei Frauen, die wahrscheinlich zum nächsten Ort fahren. Solche Begegnungen sind in dieser Öde selten, und auch sie schauen uns und unserem Bus interessiert zu. Sie freuen sich auch über einige Kleinigkeiten, die sie von uns erhalten.

Am südlichen Ende des Fish Rivers Canyons bei Ai Ais-Namibia

Wir nähern und langsam den Bergen am Horizont. Zunächst sind jedoch an der Piste vereinzelte Granitfelsen zu sehen, die stark verwittert sind. Aus dem Bus sehen wir auch den ersten Springbock auf unserer Rundreise. Gegen 11.30 Uhr erreichen wir das Gebirge, in dem unser heutiges Reiseziel Ai-Ais liegt. Es sind alles schroffe, nackte Felsen, die uns jetzt auf beiden Seiten der sich dazwischen schlängelnden Piste begleiten. Kurz vor Ai-Ais halten wir kurz an einem besonderen Berg an. Es ist der sog. Rosenquarzberg, eine weitere geologische Besonderheit auf unserer Strecke. Überall kommen zum Vorschein kleinere und größere Ansammlungen dieses Minerals. Einige große Rosenquarz-Brocken liegen unterhalb des Felsens und seine Spitze besteht ganz daraus. Wir sammeln einige kleinere Rosenquarz-Splitter am Fuße des Berges und im unteren Teil des steilen Hanges. Die Rosenquarzeinlagen in dem Felsen und einige große, abgebrochene Brocken ganz in zartrosa glänzen schön in der Sonne und bieten vor dem tiefblauen Hintergrund des Himmels schöne Fotomotive. Ich wechsle den gerade zu Ende gegangenen Film in der Fotokamera und mache einige schöne Nahaufnahmen. Erst einige Stunden später merke ich in Ai-Ais zu meiner Verärgerung, daß ich in der Eile den Film nicht richtig eingelegt habe, und aus den Aufnahmen nichts geworden ist, da der Film nicht weiter transportiert wurde. Um 12.15 Uhr erreichen wir schließlich Ai-Ais, wo auch die staubige Schotterstraße endet. Ai-Ais das ist vor allem eine große touristische Anlage am südlichen Ende des berühmten Fish River Canyons. Von hier sind es weniger als 50 km Luftlinie bis nach Südafrika. Auf einem großen und bewachten Areal zwischen einem Berghang auf der einen und dem Fish River an der anderen Seite befindet sich ein erstklassiger Campingplatz, Bungalows und auch Ferienwohnungen. Die sanitären Anlagen des Campingplatzes sind sehr gut ausgestattet. Die Anlage hat außerdem ein Restaurant, ein Geschäft, Tennisplätze und eine Tankstelle. Der Ferienort verdankt seine Existenz der heißen Quelle, die hier entspringt. Daher befindet sich hier auch ein staatlich geführtes Thermalbad mit einem Hallen- und einem Freibad. Insgesamt ist die Anlage sehr weitläufig und gut gepflegt. Schöne grüne Flächen und einige Palmen runden den guten Eindruck ab. Nach der Ankunft im Restcamp sucht Paul einen schönen Standort am Fluß (von dem wir aber durch eine niedrige Mauer abgetrennt sind) für unseren Bus aus. Wir bauen unseren Anhänger wieder auf, damit man in die Kabinen gelangen kann. Jetzt haben wir Freizeit für den Rest des Tages. Manche von uns gehen sofort ins Freibad. Ich habe keine Lust auf ein Bad. Stattdessen möchte ich etwas die Umgebung erkunden. Ich gehe zunächst vor das Eingangstor der Anlage und wandere etwas über die Schotterpiste zurück, über die wir gekommen sind. Seitlich der Straße zweigt ein Weg zu einem kleinen Dorf ab, das wohl direkt am Flußbett liegt. Ich folge jedoch weiter der Schotterstraße, die sich zwischen den felsigen, braunen Bergen windet. Ich spiele zunächst mit dem Gedanken, zu dem Rosenquarzberg zu gelangen, wo mir auf dem Hinweg die Fotos nicht gelungen sind. Aber der Berg liegt wohl viel weiter, als ich gedacht habe. Ich passiere die erste Kurve, dann die zweite, aber der Berg ist nicht in Sicht. Und mittlerweile ist es in der ziemlich engen Schlucht zwischen den Felsen so heiß geworden, daß man kaum noch gehen kann - bestimmt über 40 Grad in der Sonne. Und nirgendwo ist ein Schatten vorhanden; die Sonne brennt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Ich beschließe, lieber umzukehren, was eine richtige Entscheidung ist (wie ich morgen auf der Rückfahrt feststelle, der Rosenquarzberg ist doch mehrere Kilometer vom Camp entfernt).

Am südlichen Ende des Fish Rivers Canyons bei Ai Ais-Namibia

Nicht umsonst bedeutet Ai-Ais in der Nama-Sprache "glühend heiß". Neben den 40 Grad heißen Quellen steht es für die hohen Außentemperaturen, die in der Gegend herrschen - die höchsten in ganz Namibia. Im Sommer erreichen sie über 40 Grad im Schatten, und deshalb bleibt Ai-Ais von November bis März geschlossen. Zurück im Restcamp, bummele ich etwas durch die Anlage. Plötzlich sehe ich einen Mann, die hinter einem Mauerchen geduckt, nach vorne mit Steinen wirft. Ich folge in die Zielrichtung mit meinen Augen, und sehe nicht weit von mir eine Pavianfamilie mit drei Kleinen, die in umgekippten Abfalltonen wühlen. Ein staatliches Männchen hält die wache und kommt uns näher. Wir sehen deutlich seine beachtlichen Eckzähne. Dem würde ich nicht gerne von Angesicht zu Angesicht begegnen. Nach einiger Zeit ziehen sich die Paviane langsam zurück, und gehen langsam zum nördlichen Ende der Anlage, wo sich auch der Eingang in den Fish River Canyon befindet. Kurze Zeit später folge ich den Pavianen und verlasse unsere Anlage Richtung des Canyons. Über einige Stufen kommt man herunter zum bräunlichen Fluß. Einige Meter weiter befindet sich eine Staustufe und rechts davon führt ein Wanderpfad in den Canyon hinein. Bereits hier erheben sich beiderseits des Fish Rivers hohe Felshänge, aber sie werden natürlich noch viel höher, je weiter man in den zweitgrößten Canyon der Welt nach Norden vordringt. Ich gehe etwa eine halbe Stunde lang in die Schlucht hinein. Der Pfad führt in einem gewissen Abstand vom Fluß, teilweise zwischen Gestrüpp und durch Sandbänke. Es ist weiterhin sehr heiß in der Sonne, die jetzt im Westen steht, und "meine" Flußseite mit voller Kraft bestrahlt. Da ich heute nicht ganz fit bin und wir morgen vormittags auch noch Zeit für eigene Erkundungen haben, kehre ich zum Camp zurück. Den Rest des Nachmittags nutze ich, um Postkarten zu schreiben und mich etwas zu entspannen. Abends bekommen wir vom Paul ein leckeres Abendessen serviert. Als wir essen, ist es draußen schon dunkel geworden, aber jetzt herrschen angenehme lauwarme Temperaturen hier. Während wir uns an den Tischen unterhalten, präsentiere ich noch einige Zaubertricks, zum Vergnügen aller Gäste. Naher gehen wir alle schlafen.

4. Tag:

- Ai-Ais - Fish River Canyon - Hobas Camp -

Fish River Canyon-Ausblick von Main Viewpoint-Namibia

Den ganzen Vormittag bleiben wir heute noch in Ai-Ais. Nicht desto trotz stehen wir schon gegen 6 Uhr auf, denn um 7 Uhr gibt es schon Frühstück. Das frühe Aufstehen lohnt sich. Wir können direkt neben unserem Bus beobachten, wie auch die Natur aufwacht. Auf einem Ast eines großen Baumes, unter dem wir unsere Tische aufgebaut haben, entdecken wir vielleicht 10-15 kleine, grünliche Vögel, die dicht aneinander gedrängt, quasi "Arm in Arm", schlafen. Dann wacht einer nach dem anderen auf, macht eine kurze Morgentoilette seiner Gefieder und fliegt weg. Innerhalb weniger Minuten verschwinden so alle diese grünen Vögelchen in den Weiten des Canyons. Als ich am Morgen aufwache, stelle ich mit großer Überraschung fest, daß der Himmel sehr stark bewölkt ist. Nirgendwo am Himmel ist der Blau der vergangenen Tage zu entdecken. Im Laufe des Vormittags ziehen sich die Wolken aber teilweise zurück, und es kommt auch die Sonne zum Vorschein. Nach dem ausgiebigen Frühstück unternehmen wir einzeln oder in kleinen Grüppchen individuelle Wanderungen in den südlichen, vorderen Teil des Fish River Canyons. Zunächst gehe ich über den mir schon vom gestern bekannten Weg. Er verläuft in der Sichtweite des Flusses. Dann aber wird der Canyon breiter und ich entferne mich zunehmend von dem Fluß. Man erkennt aber, wie weit das Wasser reicht, wenn es geregnet hat. An manchen Stellen hätten wir nach den Regenfällen vor wenigen Tagen nicht weiter gehen können. Heute zeugt der stellenweise noch sumpfige oder bereits ausgetrocknete und zerplatzte Flussschlamm von dem Wasserstand der letzten Tage. An manchen Stellen versinke ich sogar noch leicht in dem sumpfigen Boden. Aber bei den hier herrschenden Temperaturen, kann man förmlich beobachten, wie der Boden vor den Augen austrocknet und der Fluß sich zurückzieht. Die Veränderungen fallen bereits auf dem Rückweg auf. Meistens gehe ich aber über Steine und Sand, der stellenweise sogar kleine Dünen bildet. Ich bewundere die gewaltige Landschaftskulisse und die den Bedingungen angepaßte Vegetation. Hier wird jedem sofort bewußt, wie klein und schwach wir angesichts der Urkräfte der Natur sind, die diese Landschaft geschaffen und hier immer noch das Sagen hat. Und nachmittags sehen wir erst, wie gewaltig wirklich der Canyon ist. Auffällig ist auch die absolute Stille und Ruhe, die in der Schlucht herrscht. Manchmal wird sie aber vom entfernten Brüllen der Paviane irgendwo in den felsigen Hängen der Schlucht unterbrochen. Später sehe ich aber auch direkt am Fluß frische Spuren im Sand - vermutlich von Pavianen. In der Abgeschiedenheit des Canyons, an den zum Teil dicht bewachsenen Ufern würde ich ihnen nicht gerne begegnen wollen.

Fish River Canyon-Ein einsamer Köcherbaum am Canyonrand-Namibia

Nach 1,5 Stunden Wanderung in den Canyon hinein, der vor unseren Augen immer tiefer und gewaltiger erscheint, ist es an der Zeit umzukehren, um die Abfahrtzeit unseres Busses nicht zu verpassen. Auf dem Rückweg gehe ich aber viel schneller und halte nicht an, so daß ich dafür nur eine knappe Stunde brauche. Kurz vor 11 Uhr bin ich zurück im Camp. Ich habe also noch Zeit genug, um mich zu den anderen Mitreisenden auf der Terrasse vor dem Restaurant zu gesellen und etwas zu essen. Da das Restaurant aber erst um 12 Uhr aufmacht, bleibt die angebotene Speisenauswahl sehr klein. Ich beschränke mich nur auf Pommfrites, die ziemlich fettig und salzig sind. Um 12.30 Uhr sitzen wir alle im Rotel-Bus und verlassen Ai-Ais auf dem gleichen Weg, wie wir hierher gekommen sind. Nach etwa 10 km biegen wir auf eine Schotterpiste nach Norden ab und fahren in etwa parallel zum Fish River Canyon nach Hobas, das etwa 70 km von Ai-Ais entfernt liegt. Von Bus aus erblicken wir einige Springbocke, die nach Nahrung suchen. Um uns herum sehen wir eine richtige Mondlandschaft mit nur sehr spärlicher, karger Vegetation. Neben vereinzelt wachsenden, kleinen Büscheln vom ausgetrockneten Gras sind vor allem größere, buschartige Euphorbien typisch für diese Gegend. Solche Euphorbien speichern viel Wasser in ihren blattlosen, fleischigen Trieben und sind diesen extremen klimatischen Bedingungen ideal angepaßt. An einer Stelle, wo besonders viele große Exemplare vorkommen, halten wir an, und schauen uns diese interessanten Pflanzen an. Im Hintergrund sehen wir die nackten und zerklüfteten Bergformationen am Rande des Canyons. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich gebessert. Nur noch einzelne Wolken, mitunter auch größere, ziehen durch den Himmel. Unterwegs nach Hobas machen wir noch weitere kurze Photopausen. Während einer solchen Pause klettern wir auf einen Hang an der befestigten Piste. Von hier aus haben wir einen wunderschönen Panoramablick auf die zu allen Seiten absolut baumlose und unendlich weite Landschaft. Im Westen sehen wir in einiger Entfernung den Fish River Canyon, der sich wie ein gewaltiger, breiter Riss durch die ansonsten ebene Landschaft zieht. Nach der Ankunft in Hobas, dem Tor zum Fish River Canyon Park, das sich als ein kleiner Campingplatz im weiten Ödland entpuppt, und der Anmeldung beim Platzwart, koppeln wir unseren Schlafanhänger ab und fahren mit dem Bus sofort weiter. Nach einigen Kilometern Fahrt durch eine vollkommen offene, flache Landschaft erreichen wir gegen 14 Uhr den Hauptaussichtspunkt am nördlichen Ende des Canyons. Der Ausblick von hier ist überwältigend und atemberaubend. Vor uns liegt der zweitgrößte Canyon der Welt, und seine Ausmaße sind wirklich gewaltig: er ist 161 km lang, über einen halben Kilometer (549 m) tief, und stellenweise über 25 km breit. Und uralt ist er auch: bereits vor einer halben Milliarde Jahren kam es hier in Nord-Süd-Richtung zum Aufbrechen der Erdkruste, der Rest wurde durch den Fluß in Millionen von Jahren geschaffen. Unten vor unseren Augen windelt sich s-förmig der Fish River, der bei dieser Entfernung und im Verhältnis zu den gewaltigen Canyon-Hängen, nur wie ein kleiner Ringelbach erscheint. Sein Wasser ist bräunlich, ebenso wir auch die steilen Canyon-Wände und die Landschaft um uns herum. Aber die verschiedenen Gesteinschichten an den Hängen, die bis zu 3 Milliarden Jahre alt sind, weisen auch unterschiedliche Farbschattierungen auf. Unten im Canyon und an den Hängen erkenne ich keine Spuren der Vegetation. Auch die weiten Ebenen auf beiden Seiten des Canyons sind nur spärlich mit trockenen Gräsern und einigen anderen kleinen Pflanzen bewachsen. Soweit das Auge reicht, dominieren die Farben Ocker, gelb und braun.

Fish River Canyon-Ausblick vom Start Viewpoint-Namibia

Kurz nachdem wir den Main Viewpoint erreicht haben, schieben sich dichte und zum Teil dunkle Wolken direkt vor die Sonne und verhüllen den Canyon im Schatten. Schade, denn ohne Sonnenlicht wirken die Farben des Canyons längst nicht so plastisch und ansprechend, wie vorher. Die Schlucht hat jetzt etwas Bedrohliches in sich. Wir haben jetzt genug Zeit, um sich in Ruhe am Rande des Canyons umzuschauen. Die Meisten von uns unternehmen eine kleine Wanderung zum nur wenige Kilometer weiter nördlich gelegenen weiteren Aussichtspunkt, dem Start Viewpoint. Wir gehen am östlichen Rand des Canyons. Das flache Gelände fällt einige Meter weiter ein paar Hundert Meter fast senkrecht nach unten ab. Nirgendwo hier gibt es eine Möglichkeit, herab- oder vom Canyon heraufzusteigen. Auf der gesamten Canyonlänge gibt es nur einige wenige Stellen, wo dies möglich ist. Unterwegs entdecke ich in der öden und steinigen Weite der Ebene am Canyonrand einen einsamen Köcherbaum, der den widrigen Bedingungen, die hier für die Vegetation herrschen, scheinbar trotzig widersteht. Obwohl er nur wenige Astgabelungen und ein paar grüne Blätter hat, belebt er stark die von Steinen und Felsen dominierte Landschaft. Die Wanderung erlaubt uns immer wieder interessante Einblicke in die Tiefen des Canyons. Nach einiger Zeit erreichen wir schließlich den Start Viewpoint. Hier ist neben einer großen Tafel mit der Karte der Schlucht auch ein Areal mit Holztischen und -bänken eingerichtet, von wo man einen Panoramablick auf den Canyon und den Fish River genießen kann. Direkt daneben befindet sich einer der wenigen möglichen Abstiege ins Canyon. Es geht hier sehr steil ca. 600 m abwärts. An dieser Stelle beginnt man eine Trekking-Tour, die nach ca. 90 km und 5 anstrengenden Tagen des Marsches am Grund des Canyons in Ai-Ais endet. Diese Wanderung wird nur bei sehr guter Fitness empfohlen und erfordert auch die Vorlage eines Gesundheitszeugnisses, denn unterwegs gibt es nur sehr wenige mögliche Notausstiege aus dem Canyon. Wir sind jetzt am nördlichen Ende des eigentlichen Canyons, aber die Schlucht zieht sich - deutlich breiter und flacher - auch noch weiter nach Norden. Inzwischen haben sich die meisten Wolken verzogen, die seit unserer Ankunft am Canyon die Sonne verdeckt haben. Die Strahlen der schon relativ tief über dem Horizont stehenden Sonne lassen die Felswände der Schlucht wieder in warmen Braun- und Ockertönen glänzen. Durch den Schattenwurf werden jetzt auch die faltigen Strukturen der Hänge betont. Die meisten von uns bleiben hier längere Zeit stehen bzw. sitzen und bewundern einfach die gewaltige Kulisse. Auch ich verbringe hier einige Zeit hier, schaue mich zu allen Seiten um, entdecke neue interessante Details auf dem Grund des Canyons, oder lasse einfach die grandiose Landschaft auf mich einwirken.

Fish River Canyon-Landschaft östlich des Canyons und der Weg zum Main Viewpoint-Namibia

Zufällig höre ich, daß heute in Namibia eine partielle Mondfinsternis beobachtet werden kann. Eine Mitreisende aus unserer Gruppe hat dies schon zu Hause gewußt, und hat deshalb einen speziellen Filteraufsatz für das Kameraobjektiv mitgebracht. So können wir alle durch ihre Kamera eine Bilderbuch-Finsternis bestaunen. Gegen 16.30 Uhr kehre ich auf dem gleichen Weg zurück zum Hauptaussichtspunkt, wo auch unser Bus wartet. Bis zum Sonnenuntergang, den wir von hier aus beobachten möchten, bleibt noch eine gute Stunde Zeit. Ich wandere also jetzt entlang des Canyon-Randes in die entgegengesetzte Richtung. Der Pfad führt etwas weiter weg von Canyon, so daß man nicht hineinblicken kann. Auf der anderen Seite erstreckt sich der Blick über eine leicht abfallende, unendlich weite Ebene bis hin zu schwach erkennbaren Bergketten am Horizont. Das Gelände liegt vor mir, wie auf einem Präsentierteller, aber auch hier ist kein einziger Baum zu sehen, nur Gräser und sonstiges trockenes Gewächs. Die Zufahrtpiste zum Hauptaussichtspunkt schlängelt sich durch die bräunliche Landschaft, deren Farben jetzt zunehmend kräftiger werden. Es wird auch deutlich kühler und ein starker Wind zwingt mich, meine Jacke anzuziehen. Außer unserer Gruppe sehen wir hier nur einige wenige Touristen. Gegen 17.30 Uhr versammeln sich alle an der Balustrade des Main Viewpoints am Rande des steilen Canyonhanges. Die Sonne auf der anderen Seite des Canyons steht nur noch knapp über dem Horizont und wirft die letzten Strahlen auf die östliche Canyonwand, an der wir stehen. Wenige Minuten später, um ca. 17.40 Uhr verschwindet sie hinter den Hügeln im Westen des Canyons. Der Himmel mit den wenigen Wolken verwandelt sich jetzt in ein herrliches orangen-rotes Lichtenmeer, das ihre Farben ständig wechselt und dann langsam zum Erlischen bringt. Währenddessen steigen wir in den Bus ein und fahren zum Camp Hobas zurück. Bald wird es ganz dunkel. Unser Busfahrer muß jetzt auf der holprigen Piste sein ganzes Können unter Beweis stellen. Nach etwa 10 km erreichen wir unseren Campingplatz. Während wir jetzt den Anhänger aufbauen und unsere Tische aufstellen, widmet sich Paul gleich seiner Kochtätigkeit. Eine gute halbe Stunde später serviert er uns ein warmes, leckeres Abendessen - Chilli con carne. Nach dem Tag voller Eindrücke schmeckt es uns allen sehr gut. Und es wärmt uns auch etwas auf. Es ist jetzt nämlich sehr kalt - nur 11 Grad. Zum Essen haben wir uns alle in unsere wärmsten Jacken angezogen. Aber trotzdem kann man heute - im Gegensatz zum gestrigen Tag - nicht allzu lange draußen sitzen bleiben, und so ziehen wir uns nach dem Essen und Geschirrabwasch nach und nach in unsere Schlafkabinen zurück.

5. Tag:

- Hobas Camp (Fish River Canyon) - Lüderitz -

Heute beginnen wir den Tag sehr früh schon - bereits um 6.30 Uhr wird gefrühstückt und eine Stunde später verlassen wir Hobas. Es gibt wieder ein schönes, wolkenloses Wetter. Aber am Morgen ist es auch sehr kühl - kaum mehr als 10 Grad. Wir fahren über wenig benutzte, staubige Pads durch ein karges und steiniges Flachland. Nur vereinzelt wachsen hier Grasbüschel oder andere kleinwüchsige Gewächse. Aus dem Bus erblicken wir einen Springbock und einige Strauße, die aber nach dem Auftauchen unseres Gefährtes sofort weglaufen. Im Osten schimmern am Horizont die Kleinen Karasberge.

Obwohl wir alle Fenster im Bus sorgfältig geschlossen haben, ist die Kabine bald voll mit Staub. Wie sitzen wie in einem total verqualmten Zugabtei. Vom einen Ende der Buskabine sieht man kaum die Leute am anderen Ende. Aber dagegen ist nichts zu machen. Der feine Staub kommt durch jede, auch so kleine undichte Stelle herein. Und hinter unserem Fahrzeug zieht sich eine riesige Staubwolke, die noch lange nach unserer Durchfahrt zu sehen ist. Unter ähnlichen Bedingungen begegnen wir in den nächsten Tagen auch einigen wenigen entgegenkommenden Fahrzeugen. Jedes Mal müssen wir dann kurz anhalten, denn nach der Vorbeifahrt eines anderen Autos wird der Staub so in der Luft aufgewirbelt, daß man vor sich nichts mehr seht und folglich nicht fahren kann. Nach ca. 45 Minuten Fahrt überqueren wir bei Holoog ein ausgetrocknetes Flußbett und machen anschließend eine 15minütige Pause. Im Schatten eines weitverzweigten Kameldornbaumes finden wir zwei deutsche Soldatengräber aus dem Jahre 1906. Die Grabsteine enthalten ihre Namen und sind ein Zeugnis, wie jung diese Angehörigen der Deutschen Schutztruppe hier, fern der Heimat gestorben sind. Westlich unserer Piste sehen wir einen Wall, auf dem eine Eisenbahnlinie verläuft, die über Grünau bis nach Südafrika führt. Während unserer Weiterfahrt hält uns Rudolf einen Vortrag über die Buschmänner, ihre Verhaltensweisen, Traditionen, etc. Wir fahren weiter nach Norden, Richtung Seeheim. Nach einigen Kilometern entscheidet unser Reiseleiter, einen kleinen Umweg zu machen. Unsere ursprünglich geplante Strecke führt durch einige weitere Flußbetten, wo natürlich auch keine Brücken vorhanden sind. Rudolf hat sich bereits auf dem Campingplatz informiert und fürchtet, daß nach den starken Regenfällen vor einigen Tagen besonders ein Fluß - der Löwenfluß - noch zu viel Wasser führt und wir ihn mit unserem Bus nicht überqueren können. Er will lieber auf Nummer sichere gehen und lieber sofort einen Umweg in Kauf nehmen, als das Risiko, später u.U. umkehren zu müssen. Die Landschaft ist weiter karg und flach, es tauchen aber mehr kleine Dornbüsche auf. Kurze Zeit später wundern wir uns aber über das Grün, das vor unseren Augen plötzlich auftaucht. Hier befindet sich eine große moderne Farm, die dank der Wasserversorgung von einem benachbarten Stausee - dem Nautedam - z.B. den Weinanbau ermöglicht. Wir sehen auch große Dattelpalmenhaine. Insgesamt ist die Vegetation hier wieder etwas üppiger. Bald sehen wir auch die Staumauer rechts der Piste sowie das Wasser des Löwenflusses, das vom Nautedam abgelassen wird und quer über unseren Weg weiterfließt. Das Stück der Piste über das Flußbett wurde ausbetoniert und auf beiden Rändern des Weges sind in Schrittweiteabständen quadratische Betonklötze aufgestellt. Wir verlassen den Bus und laufen zu Fuß über die Betonklötze auf die andere Seite des Löwenflusses, der ein Zufluß von Fish River ist. Dabei beobachten wir einige Einheimische, die mit kleinen, zwischen den Betonklötzen befestigten Säckchen aus Jute oder anderen Stoffen Fische fangen. Die kleinen Fische fließen einfach getrieben von dem schnellen Wasserstrom hinein. Nachdem wir den schmalen Fluß zu Fuß überquert haben, fährt auch der Bus langsam durch das Wasser. Danach setzen wir unsere Reise fort. Um 9.35 Uhr erreichen wir bei Seeheim die Teerstraße B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz und biegen auf sie nach Westen ab. Etwa 10 Minuten später halten wir an einer großen Straßenbrücke an. Wir machen jetzt einen Spaziergang über diese neuerbaute Brücke, die den Fish River überspannt. Der Fluß fließt unten langsam vor sich hin. Er führt nicht viel Wasser. Aber die feuchte Umgebung reicht aus, damit sich hier eine etwas üppigere Vegetation entwickeln kann. Einige große, grüne Bäume wachsen am Flußbett und auch schöne Teppiche von gelben Blüten sind unten zu sehen. Südlich der Brücke sieht man, wie auf beiden Seiten des Flußes langsam steile Felsufer emporsteigen. An dieser Stelle beginnt allmählich der berühmte Fish River Canyon.

Lüderitz-Die Felsenkirche und ein Wohnhaus in Kolonialstill-Namibia

Nach einem 15minütigen Aufenthalt an der Brücke setzen wir um 10 Uhr unsere Reise in Richtung Westen, nach Lüderitz, fort. Die Landschaft ist nicht allzu abwechslungsreich. Wir überqueren ein kleines Gebirge, dann wird es wieder flach. Nur einige kleine abgetragene Felsberge tauchen ab und zu auf. Kurz vor dem Mittag passieren wir Aus, eine kleine Ortschaft, bestehend aus einer Polizeistation, einer Tankstelle, einem Hotel und wenigen Häusern. Der Name des Ortes ist auch Programm. Hier gibt es nichts zu sehen, es ist ein eher öder Ort. Aber im ersten Weltkrieg befand sich in der Nähe des Ortes ein großes Kriegsgefangenenlager, in dem große Teile der deutschen Schutztruppe und der Polizei interniert wurden. Etwa 1500 Männer mußten hier in unmenschlichen Bedingungen, vor allem wegen des heißen Klimas, etwa 4 Jahre lang ausharren. Kurz hinter Aus halten wir auf einem kleinen Parkplatz und machen eine einstündige Mittagspause. Da es geplant ist, daß in den nächsten Tagen ein Abendessen aus unserer mobilen Küche ausfallen soll, bekommen wir heute als Ersatz dafür ein Mittagessen. Wir bauen unsere Tische und Bänke auf und Paul gibt aus der Küche ohne große Vorbereitungen ein einfaches Essen aus. Zum Brot gibt es nur Leberkäs und Gurken. Aber es schmeckt trotzdem gut und es stillt auch den Hunger. Nach dem Essen spaziere ich noch ein wenig durch die karge, rostfarbene Umgebung und beobachte die trockenen, sukkulentenartigen Pflanzen, die den extremen Bedingungen wohl sehr gut angepaßt sind. Wenn man sich sie genau anschaut, dann stellt man fest, daß ihre Artenvielfalt sehr groß ist, und daß dies, was aus der Ferne scheinbar gelblich und vertrocknet aussieht, in Wirklichkeit voller Leben steckt. Um 13 Uhr geht es weiter. Nach wenigem Kilometern, ca. 110 km vor Lüderitz und der Atlantikküste ändert sich die Landschaft fast schlagartig. Das bisherige karge Farmland mit den nicht endenden Zäunen verschwindet, und an seine Stelle tritt die Wüste ein. Bald nur noch ist der Sand in verschiedensten Farbschattierungen sowie einzelne felsige Bergketten aus Granit zu sehen. Die Teerstraße B4, über die wir fahren, bildet eine Grenze zwischen dem Namib-Naukluft National Park rechterseits (nördlich der Straße) und dem Diamanten-Sperrgebiet linkerseits. Das riesige Areal des Sperrgebietes erstreckt sich von hier bis zur Atlantikküste und nach Süden bis zur südafrikanischen Grenze. Im vorderen Bereich der Namib-Wüste, bei Garub, fahren wir durch ein Gebiet, in dem wilde Pferde leben. Man vermutet, daß sie Nachkommen von Tieren sind, die herrenlos wurden, als 1915 die hier stationierten deutschen Truppen von den südafrikanischen zurückwichen. In der Ferne sehen wir dann auch einige von diesen Tieren. In dem Gebiet, durch das wir fahren, herrschen sehr starke Winde, die den Sand ständig in Bewegung halten. Stellenweise sehen wir deshalb gar keinen Sand, sondern nur nackten Boden. An anderen Stellen werden ganze Bergketten von Sand zugeweht. Auch die Straße verschwindet hier häufig unter Sand und muß dann freigemacht werden. Heute kommen wir aber gut durch. Als wir dann unweit von Lüderitz eine Photopause machen und den Bus verlassen, merken wir erst, wie stark der Wind wirklich ist. Man kann kaum stehen, und auch für die Fotoausrüstung sind sicherlich diese Bedingungen alles andere als günstig. Der feine Sand fegt von einer Straßenseite auf die andere und kriecht in jede, auch so kleine Öffnung. Trotzdem laufe ich ein paar Schritte, um mir das einsame, verlassene Häuschen der ehemaligen Bahnstation Grasplatz anzuschauen. Einst, in der Zeit der Diamantenentdeckung, war dies ein prächtiges Haus gewesen. Die Gleise der parallel zu Straße verlaufenden ehemaligen Bahnlinie Lüderitz-Keetmanshop-Windhoek ragen nur stellenweise aus dem Sand heraus.

Lüderitz-Spielende Kinder-Namibia

Einen weiteren Fotostopp machen wir an der Hauptstraße bei der verlassenen Stadt Kolmanskop. Morgen werden wir die Geisterstadt ausführlich besichtigen, aber von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf die gesamten Überreste der Siedlung. Kurz vor den Toren von Lüderitz tritt an die Stelle der Sanddünen ein kahler, lavaartiger Felsen. Auf solchen Granitfelsen ist die ganze Hafenstadt Lüderitz errichtet. Sie liegt malerisch, etwas erhöht, an der gleichnamigen Bucht und wurde 1883 durch den Bremer Kaufmann und Großhändler Adolf Lüderitz (1834 - 1886) als sein Handelsposten errichtet. Er hat in dieser Zeit eine Expedition nach Südafrika finanziert und durch seine Mittelsleute das Gebiet um den Hafen sowie das im Umkreis von 20 Meilen angrenzende Hinterland von dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks erworben. Die Stadt ist später zum Ausgangspunkt der deutschen Kolonialträume im Afrikas Südwesten geworden. Heute zählt Lüderitz ca. 13.000 Einwohner, nachdem die Einwohnerzahl um 1970 schon auf unter 2.000 gesunken war. Gegen 14 Uhr kommen wir in der Stadt an und parken unseren Bus auf der Hauptstraße - der Bismarck Street. Wir haben jetzt 3 Stunden Freizeit für eigene Erkundungen dieses kleinen, aber interessanten Ortes. Er strahlt noch den kolonialen Charme aus. Überall sieht man noch deutsche Schilder und Straßennahmen, es gibt noch viel Architektur von der Jahrhundertwende, und dies alles in Verbindung mit der schönen Lage verleiht dem Städtchen eine besondere Atmosphäre. Ich spaziere zunächst entlang der Bismarckstraße durch das kleine Zentrum. Ich sehe aus der Ferne das alte Bahnhofsgebäude, gehe dann zum benachbarten Postamt, um einige Postkarten wegzuschicken, sowie zur Bank, um Geld zu wechseln. Dann kehre ich zurück und biege in die Berg- und dann Zeppelinstraße, die den Hang herauf zum bedeutendsten und eindruckvollsten Bauwerk von Lüderitz führt - dem Goerke-Haus. Diese palastartige Villa mit verschachtelten Dächern und einem Turm wurde 1909 auf dem nackten Granitfelsen auf dem sog. Diamantenberg errichtet. Sie gehörte dem reichsten Einwohner der Stadt, dem Geschäftsführer der Diamantgesellschaft, Hans Goerke. Er hat an dem Handel mit Diamanten ein Vermögen verdient, nachdem 1908 ganz in der Nähe die reichsten Diamantenfelder der Welt entdeckt wurden. Heute befindet sich in dem Haus ein Museum, das ich besichtige. Es wird hier die Ausstattung der Räume aus den Anfängen des 20. Jh. und später sowie einige Fotografien aus dem Familienalbum Goerkes gezeigt. Aus den Fenstern des obersten Zimmers im Turm bietet sich ein herrlicher Panoramaausblick auf die Stadt, die Bucht und die vorgelagerte Haifisch-Insel (Shark Island) mit einem kleinen Leuchtturm, auf der wir heute übernachten werden. Von einem anderen Zimmer aus erkennt man im Osten der Stadt die gleich hinter den Granitfelsen beginnende Wüste. Nirgendwo sieht man eine natürliche Vegetation, irgendwelche Bäume oder Sträucher, nur den grauen Felsen und den gelben Sand. Und der heftige, kalte Atlantikwind pfeift hier ständig durch alle Löcher. Wie wir später hören, ist der durchdringende Wind ein ständiger Begleiter dieses Ortes, und heute soll es noch relativ windstill sein. Da möchte ich lieber nicht wissen, wie es sich anfüllt, wenn es hier so richtig windig ist. Wenn ich diese karge Landschaft betrachte, wundere ich mich, wie die ersten Siedler auf die Idee gekommen sind, sich in einer so feindlichen und überlebensschwierigen Umgebung niederzulassen. Nach der Museumsbesichtigung setze ich meinen Stadtrundgang fort. Nur die wenigsten Straßen in Lüderitz sind geteert. Die Diamantenberg Street, über ich jetzt heruntergehe, und die Kirch Street, über die ich anschließend zur Felsenkirche hinaufsteige, sind - wie die meisten in Lüderitz - nur befestigt, und von einer Sandschicht bedeckt. Die 1912 eingeweihte Felsenkirche ist ein Wahrzeichen der Stadt. Ihr buntbemahltes Altarfenster wurde sogar von dem Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Die Kirche steht hoch auf einem Hügel, auf den nackten Granitfelsen, und herrscht sozusagen über die Stadt. Auch von hier oben hat man einen schönen Panoramablick über die Stadt.

Lüderitz-Atlantikküste vor der Shark Island-Namibia

Von der Felsenkirche gehe ich dann herunter bis zum nicht weit entfernten Atlantikufer und der parallel dazu verlaufenden Küstenstraße. Dann kehre ich ins Zentrum zurück. Eine Gruppe spielender Kinder läuft mir über den Weg. Als sie merken, daß ich sie fotografieren möchte, bringen sie sich direkt vor der Linse in die Position, wie kleine Models auf. Anschließend kaufe ich mir noch ein paar Sachen in einem kleinen Lebensmittelladen an der Hauptstraße. Wie geplant, treffen wir uns am Bus und fahren über einen kurzen Damm auf die Shark Island. Sie schließt die Lüderitzbucht vom Westen ab. Es befinden sich hier nur einige Häuser, ein kaum belegter Campingplatz incl. Bungalows direkt auf der nördlichen Spitze der kleinen Insel und ein auf dem höchsten Punkt des Felsens gelegener Leuchtturm mit dem benachbarten Haus des Leuchtturmwächters. Nachdem Paul einen geeigneten Platz gefunden hat, bauen wir unseren Anhänger auf. Während er dann seine Arbeit in der Küche aufnimmt, klettere ich über die bizarren Felsen zum Leuchtturm. Von hier aus habe ich einen hervorragenden Blick auf die stille Bucht, Stadt und Hafen, die jetzt im warmen Licht der untergehenden Sonne erscheinen und so ein sehr malerisches Bild ergeben. An einer bestimmten Stelle sitzen auf den Felsen und kreisen tief in der Luft unzählige kreischende Möwen. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Und man ist auch von dem ab und zu von oben herunterfallenden Kot gefährdet. Die weißen Flecken auf den Felsen zeugen von der Dichte der "Einschläge". Als ich um 17.40 Uhr das Haus neben dem Leuchtturm erreiche, taucht die Sonne gerade in den Atlantik ein. Ich genieße beim wolkenlosen Himmel den spektakulären Sonnenuntergang. Als unser Abendessen fertig wird, setzen wir uns gemeinsam an die Tische. Wir sind dick angezogen, denn die Außentemperaturen liegen bei höchstens 15 Grad und vor allem der stürmische, eisige und durchdringende Wind vom Atlantik her macht uns zu schaffen. Das Essen schmeckt uns sehr gut, und das Beisammensein draußen an einem so malerischen Ort direkt am Atlantik und unter dem bezaubernden, absolut klaren Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre macht viel Spaß, aber bei diesen Temperaturen und dem unangenehmen Wind können wir nicht lange durchhalten. Auch ich ziehe mich frühzeitig in meine Kabine zurück.

6. Tag:

- Lüderitz - Kolmanskop - Duwisib -

Aufstehen gegen 5.30 Uhr, Frühstück - 6.30 Uhr, Abfahrt - 7.30 Uhr, also nichts Neues heute morgen. Aber da wir gestern recht früh schlafen gegangen sind, fällt uns nicht schwer so zeitig aufzubrechen. Bereits eine halbe Stunde später sind wir in der Geisterstadt Kolmanskop, die wir gestern von der Hauptstraße aus gesehen haben. Ringsum erstreckt sich die Wüste mit ihren gelben Sanddünen. Neben dem Eingang auf das Gelände der ehemaligen Siedlung befindet sich eine streng bewachte Einfahrt zum umzäunten Diamantensperrgebiet. Alle Fahrzeuge müssen hier durch einen großen Hangar fahren. Darin werden sie strengstens kontrolliert und durchleuchtet. Für den Besitz von Rohdiamanten drohen in Namibia hohe Strafen. Warnschilder an dem einfachen Drahtzaun, der Kolmanskop von dem Sperrgebiet abtrennt, weisen auf das Zutrittsverbot und die hohen Geld- sowie Haftstrafen bis zu zwei Jahren hin. Wir befinden uns jetzt in der verlassenen Stadt und gehen zum ehemaligen Laden in der ersteh Häuserzeile. Hier wurde ein kleines Museum errichtet. Viele Fotografien an den Wänden erinnern an die glorreichen Zeiten. Viele Haushaltsgegenstände und andere Erinnerungsstücke aus der damaligen Zeit vermitteln uns einen Eindruck über das Leben, das sich hier früher abgespielt hat. Eine deutschstämmige Frau, die als Kind noch in Kolmanskop lebte, macht für uns die Führung und erzählt über die spannende Geschichte des Ortes.

Kolmanskop-Verlassene Häuser-Namibia

Nachdem 1908 ein Streckenarbeiter an der Bahnlinie nach Lüderitz einen Diamanten gefunden hatte, setzte bald ein Boom ein. Es hat sich herausgestellt, daß in der Nähe große Diamantenvorkommen vorhanden sind. Durch den Diamantenrausch wurden die Verhältnisse immer chaotischer. Das führte dazu, daß man eine weite Region zum Sperrgebiet erklärt hat. 1909 wurde eine Minne und ein Dorf namens Kolmanskuppe angelegt. Schon 2 Jahre später lebten hier über 10.000 Menschen. Die Stadt wurde immer reicher. Schon bald galt sie als der reichste Ort in Afrika. Zunächst wurde in den Geschäften mit Rohdiamanten bezahlt. Später wurde dies allerdings verboten, und alle gefundenen Diamanten mußten gegen Bezahlung in der Bank abgegeben werden. In den Anfangzeiten lagen die Diamanten einfach auf der Oberfläche des Wüstensandes. Wir sehen im Museum Fotos, wie die Leute einfach bäuchlings auf dem Sand liegen, und die Diamanten einsammeln. Die Führerin erzählt uns z.B. von einem Man, der alleine während seiner Mittagspause, auf dem Sand sitzend, ca. 80 Diamanten gesammelt hat, die nur in seiner Handreichweite lagen. Ein anderer hat auf einer Fläche von nur 50 qm ca. 600 Karat an Diamanten gefunden. Man kann sich vorstellen, daß hier nichts zu teuer war, und die Einwohner ließen sich in der Wüste gut gehen. Es gab hier eigentlich alles: Laden, Schule, Turnsaal mit Bühne, Kasino, Kegelbahn, Krankenhaus mit 250 Betten und sogar eine Eisfabrik zum Abkühlen von Mensch und Lebensmitteln. Die feinsten Möbelstücke wurden aus Deutschland eingeführt. Bis zum ersten Weltkrieg hat man auch alle paar Wochen Chöre und Theatergruppen aus der Heimat per Schiff herkommen lassen. In Kolmanskop befand sich Anfang des 20. Jh. auch das erste und modernste Röntgenapparat im südlichen Afrika. Er diente aber vor allem der Kontrolle von Menschen, die das Speergebiet verlassen haben, auf geschmuggelte Diamanten. Aber als Anfang der 30er Jahre am Oranje-Fluß noch bessere Diamantenvorkommen gefunden wurden, begann der Stern der Stadt zu sinken. In den 50er Jahren haben die letzten Familien den Ort verlassen und die Namibwüste begann ihn für sich zu erobern. Erst in den letzten Jahren kam man auf die gute Idee, manche Häuser zu renovieren bzw. vor dem Verfall zu bewahren und aus der Geisterstadt ein Freilichtmuseum zu machen. Vor dem Museum sehen wir noch einige Schmalspurgleise und einen kleinen Zug. Mit ihm konnte man fast jeden Haus im Ort erreichen. Die Einwohner sind mit dieser Bahn zum Laden gefahren, man hat damit auch Eisblöcke transportiert, die jeder Haushalt in regelmäßigen Zeitabständen bekommen hat. Wir gehen jetzt von Haus zu Haus, besichtigen die ehemalige Eisfabrik, die Kühlräume der Schlachterei und die Bäckerei. In den fensterlosen Häusern hat der Wüstenwind mittlerweile überall hohe Sanddünnen getürmt. An der Hauptstraße besichtigen wir dann das noch sehr gut erhaltene bzw. renovierte Kasino und die Kegelbahn. Dank der Originalausstattung herrscht hier noch eine Atmosphäre, wie vor 100 Jahren. Oberhalb des Kasinos befinden sich in dem wohl größten Gebäude des Ortes ein kleines Cafe für die Touristen sowie Verkaufsräume für zahlreiche Souvenirs und auch für Diamantenschmuck. Hier geht auch unsere Führung zu Ende. Jetzt haben wir noch etwas Zeit für einen eigenen Rundgang und zum Fotografieren. Etwas oberhalb am Hang befinden sich einige sehr große und zum Teil noch gut erhaltene Villen. Große Schilder informieren, wem sie gehört haben, z.B. dem Lehrer, dem Quartiermeister usw. Als ich so durch die Sanddünen zwischen den Häusern der pittoresken Geisterstadt gehe, kann ich mir kaum vorstellen, daß hier mal so viele Leute leben konnten, und wie das Leben funktioniert hat. Aber man erfährt auch, wie vergänglich der Wohlstand sowie das menschliche Wirken sind und wie schnell die Natur wieder die Herrschaft gewinnen kann. Der Besuch von Kolmanskop ist deshalb höchst beeindruckend und sehr lohnend. Viertel vor Zehn verlassen wir Kolmanskop und fahren zunächst über die gleiche Straße nach Aus, über die wir gestern gekommen sind. Nach einigen Kilometern machen wir eine kurze Fotopause an einer Stelle, wo sich einige Sanddünnen malerisch auf die Gleise der ehemaligen Bahnstrecke nach Lüderitz gelegt haben. Rudolf sagt uns, daß man plant, diese Strecke wieder in Betrieb zu nehmen. Im Bus hören wir dann einen kurzen Vortrag von ihm über die Namib-Wüste und die verschiedenen Arten von Sanddünnen - die Wanderdünen (wie die, die wir eben auf den Bahngleisen gesehen haben) oder die festen Sterndünnen, wo sich nur der Stern oben je nach der Windrichtung dreht (wie die Dünnen am Sossusvlei, die wir morgen sehen werden).

Unterwegs von Lüderitz nach Aus-Bahngleise unter Sanddünen-Namibia

Kurz vor Aus sehen wir aus dem Busfenster wieder einige Wildpferde sowie eine Oryx-Antilope. Wir fahren an Aus vorbei und biegen kurz danach links auf eine staubige Piste ab, die östlich des Namib Naukluft Nationalparks nach Nordosten verläuft. Hier beginnt wieder das Farmland, die Zäune sind wieder da. Langsam zeigt sich auch eine spärliche Vegetation. Je weiter wir nach Norden kommen, desto üppiger wird sie, aber trotzdem ist es nicht mehr, als das absolute Minimum, das man für die Viehzucht braucht. Die Gräser sind dazu meistens ausgetrocknet und bieten nur wenig Nahrung. Gegen 11.30 Uhr sehe ich schließlich auch einige Kühe auf einer Farm. Kurz danach beobachten wir eine Herde Gazellen mit einigen Dutzend Tieren. Die Landschaft ist überwiegend flach, nur am Horizont ziehen sich auf beiden Seiten Bergketten. Davor heben sich im Westen vereinzelte rötliche Sanddünen vor dem dunkleren Hintergrund ab. Diese absolut baumlose Ebene, durch die wir fahren, begeistert mich durch die herrlichen Landschaftsfarben. Der Sand und die dürre Erde nimmt verschiedene Schattierungen von Beige, Gelb, Ocker, Braun, Orange oder Rot in sanften Pastelltönen an. Die Grasbüschel wirken darauf wie grün-gelbe Farbtupfer. An den Abständen zwischen den Büscheln erkennt man sofort, ob der Boden sehr trocken ist, oder mehr Feuchtigkeit aus dem Grundwasser verfügbar ist. Vereinzelt sehen wir auch Stellen, wo es tatsächlich grüner wird. Die Farbeindrücke der Landschaft werden durch die jetzt etwas näher rückende, bräunliche oder rostfarbene Berge aus nackten Granitfelsen vervollständigt. Auch das Wetter ist heute wieder wunderschön, mit einem makellos blauen Himmel. Während der Fahrt erzählt uns Rudolf einiges über das Farmland, aber auch über die Naturmedizin im Allgemeinen und über die auf den Farmen einzutreffenden Heil- und Giftpflanzen. Und so hören wir z.B. daß 25% aller Tierverluste auf den Farmen auf die Vergiftung durch giftige Pflanzen zurückzuführen sind. Deshalb hat die Kenntnis der einheimischen Flora und die schnelle Erkennung von für das Vieh gefährlichen Pflanzen eine große Bedeutung für die Farmer. Wir erfahren auch, daß die Farmen in Süden Namibias sogar bis zu 30.000 ha groß sein können. Nur so kann man in dieser kargen Gegend ausreichend Nahrung für die Tiere sicherstellen und damit als Farmer auch überhaupt wirtschaftlich überleben. Je weiter man nach Norden kommt, desto kleiner werden die Farmen, denn dort gibt es auch mehr Niederschlag, also auch mehr Gras und andere Pflanzen als Nahrung. In der letzten Zeit spezialisieren sich immer mehr Farmen auf Wild oder auf Rinder. Früher war die Karakulzucht verbreitet, jedoch die Preise für die Wolle sind zuletzt sehr stark gefallen. Andere Arten von Schafen werden aber weiter gezüchtet. Die Kosten einer großen Farm können bis zu 3,5 Mio. Namibische Dollar betragen. Sehr arbeits- und materialintensiv also auch teuer sind vor allem die Zäune, die jede Farm umgeben. Sie werden im Inneren dann noch in mehrere sog. Camps aufgeteilt - Bereiche, in denen die Rinder zu verschiedenen Jahreszeiten nacheinander geweidet werden (wg. unterschiedlicher dort wachsenden Pflanzen, oder wg. gleichmäßiger Beweidung der ganzen Farm). Man muß sich vorstellen, daß Dutzende Kilometer von Zäunen gebaut und dann ständig überwacht und gepflegt werden müssen. Rudolf erklärt uns vier Arten von Zäunen, die man im Farmland unterscheidet. Da gibt es den Schakalenzaun aus Maschendraht, 1,20 m hoch und 30 cm tief in die Erde vergraben, um das Eindringen dieser Tiere auf die Farmen zu verhindern. Der Rinderzaun ist auch ähnlich hoch, aber einfacher zu konstruieren - es sind nur 2-3 parallel verlaufende und in gewissen Abständen miteinander verbundene Drähte. Diese Zäune sehen wir am häufigsten. Außerdem gibt es noch 3 m hohe Zäune gegen Wild (z.B. Antilopen, die sehr hoch springen können) und natürlich auch Zäune gegen das Eindringen von Menschen. Um 12.15 Uhr machen wir unterwegs eine 45minütige Mittagsrast. Wir halten an einem Berg aus Granitfelsen direkt an der Pad an, über den wir gekommen sind. Mehrere riesige Granitblöcke und -kugeln liegen auch verstreut überall herum. An dem Hang erkenne ich zwischen den Felsen einige kaktusähnliche Wolfmilchgewächse. Sonst ist der Bewuchs der Umgebung sehr sparsam. Nur trockene Gräser und verschiedene andere niedrige Pflanzen sind auf der Farm auf der anderen Seite der Pad zu sehen. Aber auch einige vereinzelte Bäume wachsen hier. Auf einem von ihnen merken wir ein riesiges Vogelnest, gleich wie viele, die wir heute schon unterwegs vom Bus aus gesehen haben. Wir klettern vorsichtig über den Rinderzaun und gehen zu dem Baum. Das weite Farmland erstreckt sich vor uns bis zu den im Osten steil aus der Ebene herausragenden Granitbergen. Auch hier ist die wüstenartige Landschaft rostbraun in verschiedensten Schattierungen und die hohen, kahlen Hänge der oben flach abgetragenen Berge erscheinen im Sonnenlicht fast dunkelrötlich gefärbt.

Unterwegs zwischen Aus und Helmeringhausen (Mittagrast) Typische Lanschaft-Namibia

Als wir uns dem Baum mit dem riesigen Nest nähern, sehen wir mehrere kleine, spatzenähnliche Vögel aus den zahlreichen Fluglöchern im Nest wegfliegen. Es sind Siedlerweber, die im ganzen Land verbreitet sind. Ihre Gemeinschaftsnester sind wahre Kunstwerke der Baukunst. Sie werden über Generationen von mehreren Familien erbaut und bis zu hundert Jahre lang bewohnt und erreichen mitunter gigantische Ausmaße. Manchmal werden sie sogar auf Telefonmasten errichtet, wie wir unterwegs sehen. Und es kommt auch vor, daß die Mäste oder Bäume unter ihrer Last zusammenbrechen. Wir alle sind auf jeden Fall von dem Nest und dem Geschick seiner Erbauer beeindruckt. Es erscheint mir undenkbar, daß ein Mensch einzelne Zweige und Strohhalme so geschickt zu so großen, unter den Baumästen angehängten Konstruktionen zusammenflechten könnte, ohne daß sie auseinanderfallen würden. Aber die kleinen, unscheinbaren Vögelchen schaffen dies. Um 13 Uhr brechen wir zur Weiterfahrt auf. Kurz danach sehen wir einige Oryx-Antilopen rechts von der Pad. Nach einigen Kilometern machen wir einen kurzen Fotostopp an einem anderen Baum, auf dem ein wohl noch größeres Webervogelnest hängt. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, diese Nester zu sehen. Gegen 13.45 Uhr passieren wir Helmeringhausen, einen kleinen Ort, in dem wohl nur ein gutes Dutzend Häuser an der Straße stehen. Es geht jetzt auf der Pad exakt nach Norden, Richtung Maltahöhe. Um ca. 14.30 Uhr biegen wir dann von der Pad Helmeeringhausen - Maltahöhe nach Westen ab und fahren jetzt auf einem noch schlechteren Naturweg nach Duwisib, wo sich ein Schloß sowie eine Farm befindet, auf der wir heute übernachten werden. Wir begegnen auf dem Weg wieder einer Herde Gazellen. Eine Stunde später erreichen wir inmitten einer ausgedörrten Steppenlandschaft das berühmte Schloßchen aus rotem Sandstein, das wir jetzt gleich besichtigen. Das schloßartige Anwesen Duwisib, das wie eine kleine Ritterburg aussieht, wurde 1909 von dem exzentrischen preußischen Offizier der Schutztruppe, Baron Hans-Heinrich von Wolf, und seiner amerikanischen Frau erbaut. Der wohlhabende Baron hat auch eine riesige, über 50.000 ha große Farm (andere Quellen sagen sogar 140.000 ha) um das neoromantische Schlößchen erworben. Nach einigen Jahren hat das Ehepaar das Anwesen aber aufgegeben und begab sich 1914 zurück nach Europa, wo von Wolf 1916 im Krieg gefallen ist. Das verstaatlichte Schloß beherbergt jetzt ein Museum, und zeigt, wie die Familie damals hier in 22 Zimmern gewohnt hat. Die Eingangshalle mit Waffendekor, massive Schränke, gemauerte Rundbögen statt Türen, ein begrünter Innenhof mit Säulengang und Springbrunnen sowie Gemälde und Porträts an den Wänden prägen das herrschaftliche Haus. Direkt neben dem Schloß beginnt das Gelände der Farm Duwisib, die der deutschstämmigen Familie Schultz gehört. Hier befindet sich auch ein kleiner Laden, in dem Souvenirs und Farmprodukte, wie z.B. Kaktusfeigengelee und -saft verkauft werden. Nach der Schloßbesichtigung gehen wir zu Fuß zu den unweit entfernten Gebäuden der Farm, wo auch unser Bus bereits parkt. Die gesamte Farm ist ca. 6.000 ha groß und von sanften Berghügeln am Horizont umgeben. Das Land selbst ist auch leicht hügelig. Um 17 Uhr bekommen wir, wie alle drei Tage, unsere Koffer, und können die für die nächsten Tage benötigten Sachen umpacken. Danach schlendere ich noch ein wenig durch die nähere Umgebung. Auf der Farm werden auch Sträuße gezüchtet. Einige von ihnen werden hinter einem Zaun gerade gefüttert. Ich kann dabei das Verhalten dieser sehr neugierigen Vögel, wie ich feststelle, beobachten. Sie folgen nämlich einem hinter dem Zaun auf Schritt und Tritt. Ich spaziere entlang des Zauns hin und zurück, und sie laufen mir ständig hinterher. Kurze Zeit später erleben wir einen kurzen aber spektakulären Sonnenuntergang mit einem knallrot gefärbten Himmel.

Unterwegs zwischen Aus und Helmeringhausen- Ein Webervögelnest-Namibia

Heute wird unsere Busküche nicht geöffnet. Laut Programmausschreibung wird stattdessen für 65,- N$ ein exklusives Essen bei dem deutschen Farmer angeboten. Alle Reisenden haben sich auch dafür angemeldet und keiner wird es bereuen. Vorher haben wir aber noch die Möglichkeit, das Bad und die Duschen in den privaten Räumen des Farmers zu nutzen. Kurz nach 18 Uhr treffen wir uns dann in einem großen Klubraum der Farm zum speziell für uns gekochten Abendessen. Zubereitet wurde dieses landestypische Essen von den namibischen Angestellten des Farmers. Es gibt sehr viele verschiedene Gerichte, u.a. auch Fleisch der Kudu-Antilope. Wir probieren von jeder Speise und holen uns dann noch Nachschlag - so gut schmeckt es uns. Zum Trinken gibt es u.a. südafrikanische Weine aus großen Pappkartons. Nachdem die vier angestellten Frauen uns das Essen ausgegeben und anschließend aufgeräumt haben, kommen sie abends nochmals vorbei. Auch ein kleiner Sohn einer von ihnen ist dabei. Sie möchten uns jetzt gerne einige namibische Lieder vorführen. Wie uns der Farmer versichert, machen sie dies absolut freiwillig und verdienen sich auf diese Weise noch ein Trinkgeld dazu. Aber das Singen ist eine beliebte Beschäftigung der Einheimischen, alle Namas sind sehr musikalisch. Das tun sie auch für sich alleine, oder bei sonstigen Arbeiten. und das kleine Konzert ist wirklich fantastisch. Die jungen Frauen haben sehr schöne, klare Stimmen. Sie singen in der Nama-Sprache, die Lieder klingen sehr melodisch und teilweise melancholisch. Sie haben keine Instrumente, aber sie werden teilweise durch das Klatschen ersetzt. Bei manchen Liedern tanzen die Frauen um den Tisch herum. Sichtlich haben sie viel Spaß dabei. Ein Lied wird einfach nur in einer Phantasiesprache vorgetragen, erklärt uns der Farmer. Die Worte haben keine Bedeutung, es geht nur um die damit vorgetragene Melodie. Zum Abschluß sollen wir uns auf die Bitte der Nama-Frauen von unseren Stühlen erheben. Sie möchten uns jetzt ihre namibische Nationalhymne vorsingen, auf die sie besonders stolz sind. Die Hymne wird mit viel Pathos und Begeisterung in den Augen auf Englisch gesungen, obwohl die Frauen diese Sprache nicht sprechen. Wir belohnen die Vorführung mit einem langen Beifall und reichlich Trinkgeld. Nach dem Essen nimmt sich unserer Gastgeber, Frank, der sich selbst als deutschsprachiger Namibier bezeichnet (spricht aber auch englisch und africaan), viel Zeit und erzählt uns unzählige interessante Geschichten und Fakten über das Farmerleben in Namibia. Er steht uns auch Rede und Antwort auf unsere zahlreichen Fragen. Und so erfahren wir, daß seine Farm ca. 6.000 ha groß ist - für uns eine unverstellbare Größe - aber zum Überleben braucht man in dieser Region mindestens 10.000 ha Land. Aufgeteilt ist die Farm in 24 sog. Camps, in welchen die Tiere nacheinander weiden. Man hat aber trotzdem riesige Flächen zu kontrollieren. Manchmal sucht man sogar tagelang nach verloren gegangenen Rindern. Der Viehbestand unseres Farmers ist auch relativ klein - nur 80 Rinder und dazu Schafe. Um gut wirtschaften zu können, bräuchte man aber ca. 350 Rinder bzw. 1000 Stück Kleinvieh. Ein Rind braucht hier ca. 40 ha Land. Damit unser Farmer mit seiner Familie überleben kann, braucht er also auch andere Einkommensquellen. Er hat z.B. zuletzt einige Zeit am Bau in Windhoek gearbeitet, demnächst will er auch für ein paar Monate nach Deutschland kommen und dort auf einem Camping bei München als Campingwärter arbeiten. Wir merken, daß das Farmerleben in Namibia sehr hart und schwierig ist. Seit einiger Zeit setzten die Farmer auch auf Tourismus, was aber aktuell sehr schlecht läuft. Ein kleiner Vorteil der Familie Schultz ist dabei, daß ihre Farm neben einer bekannten Sehenswürdigkeit - dem Schloß Duwisib - gelegen ist. Deswegen auch direkt daneben der Kiosk, in dem kleinere Souvenirs, Kaffee etc verkauft werden. Die 18jährige Tochter hat vor 4 Jahren eine kleine Reitschule auf der Farm gegründet. Der jüngste Sohn soll später die ganze Farm übernehmen, und beide Kinder wollen ganz auf den Tourismus setzen. Seit dem Zusammenbruch der Karakulzucht versucht man in Namibia, auf den Farmen Wild anzusiedeln - als Attraktion für die Touristen und Jäger. Die wilden Tiere gibt es aber auch so. Auf dieser Farm leben z.B. 3 Geparden, aber auch Leoparden kann man hier eintreffen. Interessant ist auch das Zusammenleben mit den Einheimischen. Unser Farmer hat 6 schwarze Mitarbeiter. Es gibt einen starken Schutz der Arbeiterrechte in Namibia. Die Farmarbeiter haben mindestens 21 Urlaubstage im Jahr. Manchmal kommen zum Besuch unangekündigte Arbeitsinspektoren und organisieren auch Versammlungen für die Mitarbeiter. Die Arbeiter kann man nicht ohne weiteres entlassen, wenn es - z.B. saisonbedingt - keine Arbeit für sie gibt. Man muß sie dann trotzdem irgendwie beschäftigen, sei es nur z.B. Holzhacken für die Beheizung. Der Farmer muß auch medizinische und tiermedizinische Grundkenntnisse besitzen. Auch die Farmmitarbeiter werden von ihm medizinisch versorgt. Nur in schwierigen Notfällen setzt man sich in den Wagen und fährt mit dem Kranken kilometerweit zum nächsten Ort bzw. Arzt. Dank der Entwicklung von Tourismus und des damit verbundenen Ausbaus der medizinischen Infrastruktur ist es in den letzten Jahren möglich geworden, in Notfällen medizinische Hilfe auch per Flugzeug zu bekommen. Die schulische Ausbildung ist nur in den größeren Orten möglich. Die Kinder verbringen daher die Schulzeit in Internaten. Kleinere Kinder werden z. T. auch direkt auf den Farmen von den Familien unterrichtet.

Schloss Duwisib-Namibia

Die Arbeitslosenquote erreicht im ländlichen Raum die 40%-Marke, wobei bei der ärmsten - schwarzen - Bevölkerung liegt sie sogar bei 60%. Die weißen Farmer versuchen, auch schon im eigenen Interesse, um z.B. die Kriminalität abzuschwächen, für die Ärmsten etwas zu tun, z.B. ihnen irgendeine Beschäftigung auf den Farmen zu geben. Viele Nachbarfarmer von Frank sind aber nur noch Hobbyfarmer, d.h. sie arbeiten in Windhoek und kommen nur an Wochenenden auf die Farmen. Manche verkaufen auch ganz ihre Farmen. Der Staat besitzt dabei Vorkaufsrechte, die er häufig wahrnimmt. Danach werden die Farmen aufgeteilt und an mehrere schwarze Farmer weiterverkauft. So kleine Farmen sind jedoch nicht überlebensfähig und gehen schnell kaputt. Da die schwarzen Farmer dabei auch nicht in der Lage sind, ihre Kredite zurückzuzahlen, verpachten sie die Farmen zurück an die vormaligen weißen Eigentümer zurück. Dies führt dazu, daß die weißen Farmer als Pächter auf den gleichen Flächen (bestehend jetzt aus mehreren kleinen Farmen) wirtschaften, die sie früher als Eigentümer besaßen. Und die schwarzen Eigentümer haben eigentlich nichts davon, da sie die Pacht einfach an die Kreditinstitute weiterleiten müssen. Viele Reisende interessieren sich auch für die Arbeitsabläufe auf der Farm, oder wie erledigt oder beschafft man dort die vielen kleinen Sachen, die für uns selbstverständlich sind. Wir erfahren z.B. von dem Farmer, daß der Strom von Dieselaggregaten erzeugt wird. Vor einigen Jahren noch gab es in dem Raum, wo wir jetzt sitzen, Licht nur von den Öllampen, ergänzt Rudolf. Heute brennt hier auch elektrisches Licht. Das Trinkwasser kommt von Brunnen, die ca. 60-100 m tief sind. Es gibt aber Farmen in der Nachbarschaft, wo man erst in 300 m Tiefe Wasser findet. Seit kurzem gibt es auch Telefon auf der Farm. Es hat aber lange gedauert und viel Geld gekostet, bis es möglich wurde. Das Vorhaben war auch ein Risikounternehmen, es war bis zum Schluß nicht sicher, ob es funktionieren wird. Der Farmer hat selbst zunächst 10 km Leitung von dem staatlichen Netz bis zu einem Berg gelegt. Von dort wird bis zur Farm eine Funkverbindung aufgebaut, die nur dank der direkten Sichtverbindung möglich ist. Jemand interessiert sich auch für das Glauben der schwarzen Mitarbeiter auf der Farm. Frank erklärt uns, daß es eine Mischung aus Christentum und Naturreligionen ist. Die Regeln dieser Religion sind sehr streng - die Gläubigen müssen bestimmte Kleidung tragen, dürfen nicht trinken, nicht rauchen, beim Heiraten muß die Kirche dem Partner zustimmen, etc. Auf den Farmen beschäftigt man gerne Angehörige dieser Glaubensrichtung, denn sie sehr diszipliniert und völlig andere Menschen sind. Wir könnten so noch stundenlang weiterfragen und dem Farmer bei seinen interessanten Erzählungen und Geschichten zuhören. Aber er will auch irgendwann noch seinen allabendlichen Pflichten auf der Farm nachgehen, bzw. schlafen gehen. Also gegen 21.30 Uhr bedanken wir uns ganz herzlich bei ihm für das leckere Essen und den sehr interessant gestalteten und informativen Abend. Langsam gehen auch wir schlafen. Vor dem Einschlafen denke ich noch viel über das gerade Gehörte nach und versuche, das für uns Stadtmenschen kaum vorstellbare Leben auf einer so einsamen Farm irgendwie zu verinnerlichen.

7. Tag:

- Duwisib - Sesriem Canyon - Sossusvlei (Namib-Wüste) - Sesriem Camp -

Sesriem Canyon-In der Schlucht-Namibia

Obwohl der gestrige Abend etwas länger gedauert hat, stehe ich heute - wie üblich - bereits vor 6 Uhr munter und ausgeschlafen auf. Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Zusammenbau unseres "Hotels", das immer routinierter und zügiger vonstatten geht, verlassen wir um 7.30 Uhr die Farm. Der Farmer Frank, der natürlich auch schon längst auf den Beinen ist, verabschiedet uns und winkt dem abfahrenden Bus. Wir waren für ihn sicherlich auch eine gewisse Abwechslung in der Einsamkeit seiner Farm. Unser Weg nach Westen und dann am Rande des Namib-Naukluft Nationalparks nach Norden führt weiter durch das Farmland, was wir vor allem unfehlbar anhand der nicht endenden Zäune feststellen. Die Umgebung ist teilweise hügelig, teilweise flach, aber am Horizont begleiten uns ständig die Berge. Teilweise sehen wir auch größere Sandbänke aus rötlichem Sand. Die Landschaft ist, wie in den letzten Tagen schon, pastelfarben. Die Vegetation zeigt sich eigentlich nur in Form von gelblichem, trockenem Gras. Manchmal tauchen aber auch vereinzelte Bäume auf. Während unserer morgendlichen Fahrt hält unser Reiseleiter einen weiteren Vortrag über die Buschmänner. Wir hören über ihren traditionellen Tagesablauf, über ihre typischen Beschäftigungen und auch über den Gang ihres Lebens. Während dessen erreichen wir gegen 8.30 Uhr die zerklüfteten Nubib-Berge im Tsarisbergmassiv. Im Schatten eines Baumes direkt an der Straße sehen wir einige Kudu-Antilopen. Interessant, daß sie vor unserem Bus nicht flüchten, denn normalerweise sind diese Tiere sehr scheu. Auch sehr viele Springböcke sehen wir während unserer Fahrt - manche auch ganz nah an der Pad. Wie in den letzten Tagen schon, begeistere ich mich auch jetzt wieder für die vielen Farben der Landschaft. Es ist das Farbspiel der felsigen, kahlen Berge mit ihren verschiedenfarbigen Schichten oder ganzen Felsblöcken - von pechschwarz, über grau, beige, ocker, gelb, rötlich bis braun - vermischt mit den orangenen und tief roten Farben der vereinzelten Sanddünnen, das ich so phantastisch finde. Und diese Bilderbuch-Szenerie wechselt ständig. Wir halten unterwegs einige Male an, um diese Landschaft fotografieren zu können oder aber einfach nur zu bestaunen. In der offenen Umgebung sehen wir unsere schotterige Piste, wie sie sich schnurgerade bis zur Horizontlinie zieht. Und kein anderes Auto, keine Siedlung, kein Haus zu sehen, so weit unser Auge reicht. Die Vollkommenheit der Landschaft wird durch das schöne Wetter gekrönt, das uns heute wieder mit einem tiefblauen und wolkenlosen Himmel den ganzen Tag begleitet.

Nawibwüste bei Sossusvlei-Landschaft mit ausgetrocknetem Baum-Namibia

Kurz bevor wir unser erstes Etappenziel erreichen, sehen wir noch aus der nächsten Nähe eine Oryx-Antilope, die parallel zu unserer Pad läuft. Wir müssen vorsichtig fahren, denn sie ist sehr erschrocken und die Zäune entlang der Straße verhindern, daß sich sie Antilope von dem Weg und unserem Bus in einen sicheren Abstand bringen kann. Bereits gegen 10 Uhr erreichen wir den Campingplatz Sesriem Camping Site, auf dem wir heute übernachten werden. Wir machen hier eine halbstündige Pause und versorgen uns mit Getränken und Postkarten im Campingladen. Während dessen koppelt Paul den Anhänger ab und tankt den Bus an der Campingtankstelle auf. Anschließend fahren wir mit dem Bus zum bekannten Sesriem Canyon, der nur wenige Kilometer von dem Campingplatz entfernt liegt. Um 10.45 Uhr stehen wir am Rande dieser schmalen Schlucht. Ein unachtsamer Wanderer kann hier ohne weiteres hineinstürzen, wenn er nicht aufpaßt, denn den schmalen Spalt in der Erde merkt man stellenweise kaum, wenn man von dessen Existenz nichts weißt. Der Fluß Tsauchab schnitt an dieser Stelle vor ca. 10-20 Millionen Jahren eine etwa 40 m tiefe Schlucht in die Schiefer- und Sandsteinschichten mit Kieseinsprengseln. Den Namen Sesriem verdankt der Canyon den frühen burischen Siedlern, die sechs aneinander gebundene Ochsenkarrenriemen aus Leder brauchten, um Wasser aus der Schlucht zu ziehen. Ein Pfad über die in den Felsen gehauenen Stufen führt abwärts in den Canyon hinein. Rudolf führt uns bis nach unten und zeigt uns hier, wohin man wandern kann. Jetzt haben wir ca. eine Stunde Zeit, um die Schlucht selbst zu erkunden. Heute fließt hier kein Wasser mehr und wir können im ausgetrockneten Flußbett spazieren. Zunächst gehen wir alle in den linken Canyonarm vom Eingangspfad aus gesehen. Hier wird der Weg zwischen den steilen Wänden immer schmaler. Die Felsen auf beiden Seiten der Schlucht berühren sich fast über unseren Köpfen. Nach einigen Hundert Metern erreichen wir das Ende des Weges. Der weitere Durchgang ist durch Felsen und kleine mit Wasser gefüllte Becken versperrt. Ich kehre also zurück und folge dann dem Canyon in die entgegengesetzte Richtung, nach Südwesten. Die Schlucht wird hier breiter und breiter, die Felsen nicht mehr so hoch. Langsam verliert sie sich in den fernen Sanddünen. So weit gehe ich aber nicht. Unterwegs sehe ich in dem breiteren Teil des Canyons interessante Felsformationen, manche mit kleinen "Fenstern", die der Fluß und die Verwitterung in dem gelben Sandstein geschaffen haben. Sogar einige Bäume wachsen hier auf dem Grund der Schlucht. Sehr interessant zu beobachten ist auch eine Pavianenfamilie, die sich über unseren Köpfen am äußersten Rand der Schluchtwand aufhält. Während ein mächtiges Männchen ruhig sitzt und das Geschehen beobachtet, laufen einige kleine Kinderpaviane verspielt herum. Ab und zu hört man auch das Brüllen des Männchens. Ein anderes Lebewesen, das mir hier ins Auge fällt, sind kleine schwarze Käfer, die durch den Sand am Boden der Schlucht wandern.

Nawibwüste bei Sossusvlei-Landschaft-Namibia

Gegen 12 Uhr treffen wir uns wieder am Bus vor dem Canyon-Eingang und fahren zurück in den Camp. Hier machen wir eine einstündige Mittag- und Erholungspause. Ich wandere etwas durch den großen Campingplatz und beobachte die riesigen Bäume, unter welchen jeweils Sitzbänke aufgestellt und Grillplätze eingerichtet sind. Direkt hinter dem Zaun des Camps beginnt schon die weite Namib-Wüste mit ihren ersten rötlichen Sanddünen. Nur ausgetrocknete Grasbüschel und vereinzelte Bäume wachsen hier in der gelbroten sandigen Erde. Auf der anderen Seite ragen am Horizont felsige und schroffe Berge heraus. Insgesamt eine schöne Szenerie, in der dieser Campingplatz gelegen ist. Rudolf erzählt uns, daß hier nicht selten viele Oryx-Antilopen zu sehen sind und manchmal bis zum Zaun kommen. Leider heute haben wir kein Glück - es ist keine zu sehen. Gegen 13 Uhr brechen wir zur Fahrt zum Sossusvlei auf. Der Besuch der Riesendünenlandschaft, die heute nachmittag auf unserem Programm steht, gilt neben dem Etosha Nationalpark als größte natürliche Sehenswürdigkeit des Landes und gehört zum Höhepunkt jeder Namibia-Reise. Dementsprechend ist auch unsere Vorfreude. Wir fahren jetzt nach Westen über eine asphaltierte und staubige Strecke. Immer mehr und immer größere rötliche Sanddünen tauchen beiderseits der Strecke auf. Nach etwa 40 km sehen wir auf der Linken Seite im Vorbeifahren die berühmte Düne 45, die wohl fotogenste Düne außerhalb des unmittelbaren Sossusvleis. Auf dem Rückweg werden wir hier noch Halt machen. Jetzt geht es aber weiter. Nach weiteren ca. 10-15 km erreichen wir einen Parkplatz, auf dem normale PKWs und natürlich auch unser Bus abgestellt werden müssen. Es warten auf uns aber schon mehrere allradbetriebene Geländewagen. Wir befinden uns bereits mitten in der Wüste. Überall ein bräunlich-roter Sand, Dünen am Horizont und davor einige ganz ausgetrocknete Bäume. Das letzte Stück bis zum Sossusvlei kann in dem tiefen Sand nur mit solchen Fahrzeugen bewältigt werden. Unsere Fahrer veranstalten dabei zeitweise eine kleine Wüsten-Rallye auf den Pisten, die parallel zueinander um kleinere Dünen herum führen. Während der Fahrt halten wir auch kurz an, um im Schatten eines blattlosen Baumes stehende Antilopen zu beobachten.

Nawibwüste bei Sossusvlei-Landschaft-Namibia

Nach etwa 5 km Fahrt mit dem Geländewagen erreichen wir um 14.15 Uhr den Sossusvlei (Sossus bedeutet in der Buschmannsprache einen wasserreichen Ort und Vlei heißt in Afrikaans ein Sumpf). Es handelt sich dabei um eine riesige Lehmsenke mit oasenartigem Charakter, die von den höchsten Sterndünen der Welt umgeben ist. In dieser Senke endet seinen Lauf ein nur zeitweise wasserführender, "blinder" Fluß - der Tsauchab. Deshalb ist auch die Lehmpfanne nach großen Regenfällen manchmal mit Wasser gefüllt. Aber heute ist sie absolut ausgetrocknet. Die hellen Gelbschattierungen der in regelmäßigen Strukturen aufgesprungenen Lehmkruste heben sich deutlich von den ziegelroten Dünen im Hintergrund. Am Rande der Pfanne stehen einige große Bäume mit breiten Kronen, deren Laub mit einer dünnen Sandschicht bedeckt ist und dadurch rötlich wirkt. Stellenweise wachsen auch verschiedene für die Wüste typische, blattlose Büsche. Sie überraschen mich mit ihrer frischen, hellgrünen Farbe, als ob wir uns nicht in einer trockenen Wüste befinden würden. Die Namib gilt als die älteste Wüste der Welt und einer der trockensten Gebiete der Erde. Schon vor 80 Millionen Jahren herrschten hier trockene Bedingungen. Die ersten Dünen entstanden vor 40 Millionen Jahren als eine Vorläuferin der Namib. Nach einer feuchteren Zwischenperiode sammelte sich vor drei bis fünf Millionen Jahren der Sand der heutigen Namib. Sie zieht sich in einem Streifen von ca. 100 km Breite entlang der gesamten namibischen Atlantikküste. Der Wüstensand besteht vor allem aus ausgewaschenem Sedimentgestein. Seine Farbschattierungen sind bedingt durch variierende Mineral- und Metallanteile, die zu den über 90% Quarzanteil hinzukommen. Je weiter östlich die Dünen gelegen sind, desto rötlicher ist ihr Sand, da die Körner dort mehr Eisenoxid enthalten. Ihm verdanken also die Riesendünen um den im Osten der Namib-Wüste gelegenen Sossusvlei ihre intensive rötliche Farbe. Wir haben jetzt etwa 3 Stunden Zeit, um die unwirkliche und einmalige Szenerie der Wüste individuell und ganz hautnah zu erleben. Während fast alle meinen Reisegenossen sofort Richtung der höchsten Sanddüne losmarschieren, wandere ich zunächst noch etwas durch den Vlei. Hier stehen vereinzelt ausgetrocknete Bäume, ähnlich wie im benachbarten Dead Vlei (dort gibt es aber mehr solche Bäume), deren Holz von der Sonne und Wind ganz gebleicht ist. So stellen sie ein hübsches Fotomotiv vor dem Hintergrund der rötlichen Riesendünen dar. Im Sand entdecke ich Spuren von Antilopen und anderen Tieren, die in dieser trockenen Wüste leben. Anschließend begebe ich mich auch - als letzter - auf die Eroberung der mit gut 300 m höchsten Sterndüne am Sossusvlei. Der Aufstieg ist zunächst sehr angenehm, wird dann aber zunehmend anstrengender. Man kann nur über den Kamm hochklettern. Jeder Schritt daneben führt unweigerlich zum Versinken im Sand und zum Abrutschen den steilen Hang herunter. Mit Eifersucht beobachte ich die kleinen schwarzen Käfer, die ab und zu meinen Weg kreuzen. Sie bewegen sich mit einer solchen Leichtigkeit und Schnelligkeit, als ob sie über die Sandkörnchen gleiten würden. Aus dem wolkenlosen und tiefblauen Himmel brennt erbarmungslos die Sonne. Gelegentlich kommt eine stärkere Windböe auf und peitscht den Sand gegen meinen Körper. Bald spürt man die kleinen Sandkörnchen überall im Gesicht, im Mund. Und meine Schuhe wiegen auch schon um ein Vielfaches mehr und sind restlos mit Sand aufgefüllt. Auch die Kamera muß ich vor den Körnchen gut schützen, obwohl am liebsten ich sie ständig griffbereit hätte. Alle paar Dutzend Schritte ändert sich die Perspektive und die Aussichten zu allen Seiten werden immer grandioser. Man entdeckt dabei immer wieder auch interessante Details. Z.B. sehe ich mal unten drei Antilopen, die sich in einer Senke im Schatten eines kleinen Baumes aufhalten.

Nawibwüste bei Sossusvlei-Landschaft-Namibia

Vielleicht nach einer Stunde, vielleicht schon nach nur ca. 45 Minuten Fußmarsches erreiche ich schließlich den höchsten Dünenkamm und setze mich zunächst mal zu einer längeren Pause hin. Von hier aus gibt es einen 360-Grad-Ausblick, der wirklich einmalig ist. Mein Blick streift über die Pfanne des Sossusvlei, die dahinterliegenden kleineren Senken, die großen Sterndünen drum herum und einige felsige Berge am Horizont. Insbesondere sind es die Sterndünen und die Dünenkamme, die mich verzaubern. Sie beschreiben sanfte Kurven in verschiedene Himmelsrichtungen, gehen ineinander über und erzeugen vor meinen Augen eine wahre Symphonie aus verschiedenen sanften Formen, Licht und Schatten. Nachdem sich die anderen Mitreisenden bereits auf den Rückweg begeben haben, genieße ich jetzt auch die fast unnatürliche Stille dieser Landschaft. Nur der Wind bläst ab und zu und trägt die winzigen Sandkörnchen immer weiter hinaus. Ich könnte hier viel mehr Zeit verbringen, als wir zur Verfügung haben. Wie es so kommt, gerade jetzt ist die Videokassette in meinem Camcorder zu Ende. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit dem Rücken gegen den Wind zu stellen und schnell die Kassette auszutauschen, in Kauf nehmend, daß dabei der Sand die sensible Elektronik beschädigt. Zum Glück geht es gut. Kurze Zeit später ist auch das letzte Foto geknipst. Da aber die umgebenden Motive mich immer wieder überwältigen und ich ständig neue, interessante Perspektiven finde, entscheide ich mich, auch den Film in der Kamera hier oben zu wechseln. Das Einlegen eines neuen Filmes in die Kamera ist aber etwas komplizierter. Ich überlege ständig, wie ich dies vor dem Sand möglichst geschützt machen kann. Schließlich gehe ich ein Stück des Hanges herunter, damit ich ein wenig Windschutz habe, schiebe die Kamera in meinen verschlossenen Rücksack hinein und lege dort blind, mit den Händen einen neuen Film ein. Für den Rückweg wähle ich eine Abkürzung, d.h. ich gehe, oder mehr rutsche, den Hang herunter auf dem direkten Wege zur Senke des Sossusvlei. Unten angekommen ziehe ich als erstes meine Schuhe aus und schütte daraus die Kilogramme Sand aus, die ich die letzten Stunden mit mir herumgeschleppt habe. Anschließend gehe ich über die weitläufige, aufgesprungene Lehmkruste des Vleis Richtung Parkplatz. Dabei mache ich noch einige Umwege um noch ein paar Fotos aufzunehmen.

Nawibwüste-Düne 45 bei Sonnenuntergang-Namibia

Jetzt steht die Sonne schon ziemlich tief über dem Horizont und die Landschaftsfarben werden immer spektakulärer - der Sand kriegt jetzt langsam eine intensivere Rotfärbung und auch die Schatten der Dünen werden länger. Mittlerweile ist es schon nach 17 Uhr und ich merke, daß die ersten Jeeps mit meinen Reisegenossen bereits auf dem Rückweg sind. Auf dem Weg zu unserem Jeep-Parkplatz werden ich dann von dem letzten Fahrzeug aufgenommen, der mit den restlichen Gästen auch schon unterwegs ist. Schön, daß man mich nicht vergessen hat, denn alleine möchte ich hier nicht übernachten. Nun geht es zum letzten Höhenpunkt des heutigen Tages - zur Düne 45 (da sie 45 km vom Parkeingang entfernt liegt), an der wir den Sonnenuntergang erleben sollen. Es geht zunächst auf dem gleichen Wege zum Busparkplatz zurück, und dann mit unserem Bus über die Teerstraße bis zu der berühmten Düne. Hier erwartet uns auch eine wunderschöne Landschaftsszenerie. Vor der majestätischen Barchandüne 45, die jetzt in orangenroten Farbtönen entflammt ist, ragen aus dem Sand einige stark verzweigte, ausgetrocknete Baumriesen heraus. Sie bilden fantastische Fotomotive für mich und andere Mitreisende. Dieses Motiv - Düne mit Baum - gehört wohl zu den meistfotografierten in Namibia. Nicht zum ersten Mal heute bin ich über die Landschaft entzückt. Auch diese Düne möchte ich und einige andere besteigen, um den Sonnenuntergang von oben zu erleben. Nach einem ähnlich mühsamen aber nicht so langen Aufstieg, wie am Sossusvlei, erreichen wir rechtzeitig vor dem Untergang den höchsten Bereich des Kamms. Auf dem Kamm sitzend beobachten wir, wie die rötlichen Sandfarben immer intensiver und die Schatten länger werden, bis die Sonne schließlich gegen 17.40 Uhr hinten den Sanddünen am Horizont verschwindet. Jetzt erstrahlt die Landschaft nicht mehr in den grellen, leuchtenden Farben, wie vor wenigen Minuten noch, sondern bekommt subtile, pastelfarbene Töne, die langsam in das einheitliche Grau der Dämmerung übergehen. Wir besteigen unterdessen wieder unseren Bus und fahren in das Camp zurück. Als wir ihn erreichen, ist es schon ganz dunkel und nur die Sterne am klaren Himmel, sowie die Lampen am Campingplatz erleuchten die Umgebung. Während wir unseren Schlafanhänger bereit machen und dann duschen gehen, bereitet unser Fahrer in der Bordküche ein leckeres Abendessen. Den angenehmen, lauwarmen Abend verbringen wir nach dem Essen in lockerer Atmosphäre und tauschen lange noch Eindrücke des heutigen Tages, der bisherigen Namibia-Rundreise und auch der anderen Reisen aus.

8. Tag:

- Sesriem Camp - Walvis Bay - Swakopmund -

Wie gewohnt, ab 6.30 Uhr gibt es Frühstück in unserem "Eßzimmer" vor dem Bus. Auch heute beginnt der Tag mit einem schönen und wolkenlosen Wetter. Eine Stunde später ist alles im Bus verstaut und verpackt und wir sind bereit zur Abreise. Wir fahren zunächst vom Campingplatz ca. 10 km nach Osten zur größeren Pad, und dann folgen ihr nach Norden, Richtung Solitaire. Der Weg führt die ganze Zeit entlang der östlichen Grenze des Namib-Naukluft Nationalparks. Bald fahren wir durch ein Tor in den Park hinein, denn die Straße führt hier einige Kilometer lang durch sein Gebiet. Es ist der größte Naturpark in Afrika und viertgrößte weltweit, erfahren wir von unserem Reiseleiter. Man darf auf diesem Durchgangsweg hier durchfahren, aber ohne eine spezielle Erlaubnis darf man den Weg nicht verlassen.

Namib Naukluft Park (unterwegs von Sesriem nach Solitaire) Lanschaft am Rande der Nationalparks-Namibia

Kurz vor 8 Uhr sehen wir links der Pad eine riesengroße Herde Springbocke mit bestimmt weit über 100 Tieren. Auch einige Strauße erkennen wir dazwischen. Sogar Rudolf meint, daß er so eine große Herde außerhalb von Etosha noch nie gesehen hat. Wir halten natürlich an und beobachten die Tiere eine Weile aus den Busfenstern. Etwa um 8.15 Uhr verlassen wir wieder den umzäunten Nationalpark durch ein weiteres Tor. Auf der rechten Seite sehen wir in der Ferne die Naukluftberge mit ihren über 1900 m hohen Gipfeln. Auch linkerhand begleiten uns schroffe Berge und immer wieder rötliche Sanddünen. Aber auch die Erde ist hier sehr sandig, so daß nur ausgetrocknete Gräser darin gedeihen können. In dieser savannenartigen Landschaft kommen nur vereinzelt größere Bäume vor. Während die karge, monotone Landschaft an uns vorbeizieht, hält unser Reiseleiter einen Vortrag über die einheimischen Medizinmänner, über das Wissen und die Praktiken der Heiler, aber auch über die guten und bösen Zauberer und deren Einfluß auf das Leben der Stammesbevölkerung. Gegen 8.50 Uhr passieren wir Solitaire, eine kleine Station mit einigen wenigen Häusern, einer Tankstelle und einer Landepiste für Kleinflugzeuge, etwa 80 km von unserem Camp in Sesriem entfernt. Hier biegen wir von der staubigen Piste nach links auf die Straße ab, die von Maltahöhe nach Walvis Bay an der Atlantikküste führt. Eine halbe Stunde später machen wir eine kurze Pause. Die Straße C14, über die wir jetzt entlang der Nationalparkgrenzen nach Nordwesten fahren, verläuft hier durch eine leicht hügelige Landschaft mit vielen grau-schwarzen Granitblöcken und in dem Sonnenlicht glitzernden Glimmerschieferfelsen (Muskoviteinlagerungen). Unerwartet beginnen kleine Serpentinen und die Straße führt zwischen den Felsen herunter zum Gaub-Paß. An der kleinen Brücke, die über den ausgetrockneten Gaub-Fluß überspannt ist, machen wir um 9.45 Uhr eine 15minütige Pause. Wir spazieren ein wenig durch das ausgetrocknete Flußbett und schauen uns die Glimmerfelsen an, die es von beiden Seiten umgeben. Rudolf zeigt uns einen besonderen Akazienbaum, den Anabaum (Weißholzakazie), dessen große Hülsenfrüchte sehr viel Wasser speichern und in der Trockenheit schon vielen Namas das Leben gerettet haben. Für die Tiere der Wüste ist er auch eine wichtige Nahrungsquelle. Nach der Pause geht es wieder über Serpentinen hinauf, aber bereits nach wenigen Minuten sind wir wieder oben in der Ebene. Nach 20 Minuten Fahrt machen wir einen weiteren kurzen Fotostopp. Auf der rechten Seite sieht man von hier in der Ferne den bekannten Gamsberg. Es ist ein schön gelegener Tafelberg von knapp 2350 m Höhe. 10 Minuten später verlassen wir schon wieder unseren Bus. Diesmal sind wir auf dem höchsten Punkt einer besonderen Landschaft angekommen, die Badlands genannt wird. Von hier aus haben wir einen schönen Panoramarundblick über diese wahre Mondlandschaft. Sie besteht aus unzähligen sanften Hügeln mit kleinen Einschnitten dazwischen. Die Hügel reihen sich aneinander, soweit das Auge reicht. Diese gelblich-grau, öd und leer wirkende, düstere Hügellandschaft hat aber etwas Besonderes in sich. Wir fahren ein Stückchen weiter und steigen wieder aus, um ein wenig über die steinigen Hügel zu wandern. Die ganze Landschaft ist bedeckt durch kleine, schroffe Glimmerschieferplatten. Es gibt kaum Vegetation hier. Nur eine spezielle Baumart kommt hier vor. Wir sehen vereinzelt diese niedrigen, weitverzweigten und fast blattlosen Bäume bzw. Gebüsche (Balsambäume).

Namib Naukluft Park Unterwegs auf der C14 nach Walvis Bay- Namibia

Über diese Hügel führt die Straße bis zum nächsten Paß - dem Kuiseb-Paß am Rande des Namib-Naukluft Nationalparks. Kurz vor dem Paß macht die Straße einen Bogen nach Westen. Gegen 11 Uhr erreichen wir den Paß und gleich danach geht es wieder herunter ins Tal. Nach wenigen Minuten machen wir eine 15minütige Pause an einer Brücke, die über den ebenfalls ausgetrockneten Kuiseb-Fluß führt. Der Fluß hat hier einen pittoresken Canyon geschaffen, durch den später auch unsere Straße führt. Die Gesteinsformationen in dieser Gegend sollen bis zu 1,8 Milliarden Jahre alt sein. Sie bestehen überwiegend aus Schieferplatten, wie wir sehen. In dem Canyon haben sich während des Zweiten Weltkrieges zwei deutsche Geologen zwei Jahre lang vor der Internierung versteckt. Über Serpentinen geht es dann wieder in die Ebene, die wir gegen 11.20 Uhr erreichen. Zunächst geht es noch durch die westlichen Ausläufer des Khomas-Hochlands. Unsere Straße führt jetzt nach Westen, quer durch den Namib-Naukluft Nationalpark Richtung Walvis Bay. Von hier sind es bis zur Atlantikküste noch etwa 150 km. Vor unseren Augen liegt eine endlose, vegetationsarme bis vegetationslose, hellgraue Ebene. Um 11.30 Uhr sehe ich drei Zebras in der Ferne - die ersten, die wir im Namibia zu sehen bekommen. Ansonsten begleiten uns nur der Sand, Staub und Wüste. In dieser Landschaft machen wir um 11.40 Uhr auf einer Erhöhung unsere Mittagspause. Da heute abend unsere Küche planmäßig verschlossen bleibt, gibt Paul Brot, trockene Würstchen und Schmelzkäse aus. Wir bauen einige Sitzbänke auf und verzehren im Schatten des Busses unsere Mahlzeit. Da es ab und zu stärkere Windböen gibt, wird unser Essen auch etwas mit Staub und Sand "gewürzt". Aber es gehört einfach dazu, bei dieser Art des Reisens und stört auch keinen. Draußen in der Sonne ist es jetzt erbarmungslos heiß. Trotzdem spaziere ich anschließend ein bisschen durch die Umgebung. Die Erde ich überall von Steinen, Geröll und Schieferplatten dick bedeckt. Dazwischen glänzen immer wieder gläsern bunte Steine, wie eine verschiedenfarbige Lavaschmelze. Ein Geologe hätte hier viel Beschäftigung gehabt. Außer einigen trockenen Gräsern und anderen ähnlichen Gewächsen, gibt es in der Umgebung einige flache und fast blattlose Büsche. Auch vier karge Köcherbäume und eine mannsgroße, kakteenähnliche Euphorbia ragen aus der Öde heraus. Jetzt in der Mittagsonne ist die ganze Landschaft bis zum Horizont hin farbarm hellgrau und wirkt sehr eintönig. Von hier oben sieht man auch schön, wie sich unsere staubige Straße in die Ferne schlängelt und ausstreckt. Entlang eines Streifens, der wohl mehr Feuchtigkeit vom Boden abbekommt, wachsen etwas dichter aneinander mehrere Bäume. Um 12.30 Uhr ist die Pause zu Ende. Wir setzen unsere Fahrt durch die Namibwüste nach Osten fort. Gegen 13.45 Uhr tauchen an der Straße größere Sanddünnen auf. Bereits 10 Minuten später erreichen wir die Stadtgrenzen von Walvis Bay (Walfischbucht), das bis 1994 eine südafrikanische Exklave und vorher ein englisches Hoheitsgebiet war. Dementsprechend sieht die Stadt auch aus. Schöne Häuser mit gepflegten Gärten erinnern mich sehr an den englischen Baustil. Die Stadt macht einen sauberen und schönen, mondänen Eindruck - zumindest die Stadtteile, durch die wir fahren, und insbesondere die Villen an der Lagune. Es ist aber auch eine industrielle Stadt, größer als das benachbarte Swakopmund. Vor allem der Hafen, die Fisch verarbeitende Industrie und die Salzgewinnung sind die industriellen Schwerpunkte des Ortes.

Swakopmund-Das Woermann Haus (Bismarck Street)-Namibia

Der Grund, warum wir und die anderen Touristen nach Walvis Bay kommen ist aber ein anderer. Die große Lagune vor der Stadt bietet eine der besten Möglichkeiten zum Beobachten von Vögeln im südlichen Afrika. Hier leben z.B. ca. 50% aller Flamingos des südlichen Afrika. Wir fahren mit unserem Bus bis zur Uferpromenade und steigen aus. Die Luft ist hier ganz anders, als wir die letzten Tage gewohnt waren. Es weht eine leichte Brise vom Atlantik, die Luft ist sehr frisch, und man kann gut durchatmen. Auch die Temperaturen sind angenehm frühlingshaft. Man könnte sich wirklich vorstellen, daß man in England ist. Wir legen jetzt eine ca. 45minütige Pause an und machen einen Spaziergang entlang der Uferpromenade nach Süden. In der Ferne sehen wir auch schon einige Flamingos. Leider stehen sie heute ziemlich weit vom Ufer entfernt. Als wir näher kommen, ziehen sie sich auch zurück. Später sehen wir noch eine Gruppe Flamingos und auch einige Pelikane. Im seichten Wasser und im Sand liegen viele große, rötliche Quallen. Gegen 14.45 Uhr kehren wir in den Bus zurück und fahren parallel zur Küste nach Swakopmund, das nur 30 km weiter nördlich liegt. Auf der einen Seite der geteerten Küstenstraße sehen wir den Atlantik, auf der anderen Seite begleitet uns ständig die Sandwüste mit immer größeren Sanddünen. Der Name Swakopmund stammt vom Fluß Swakop, der in der Stadt in den Atlantik mündet, allerdings meistens ausgetrocknet ist. 1892 landeten hier die ersten deutschen Siedler und Soldaten der Schutztruppe. Bald entstand an dieser Stelle eine deutsche Siedlung, die bis heute noch ihre alte koloniale Atmosphäre bewahrt hat. Unsere ersten Eindrücke von Swakopmund, das wir um 15.30 Uhr erreichen, bestätigen, daß die Stadt noch sehr deutsch geprägt ist, vor allem durch die gut erhaltenen bzw. restaurierten Bauwerke. Auf unserer kurzen Rundfahrt fahren wir u.a. zum schönen Alten Bahnhof, der ein Paradebeispiel für die Architektur der wilhelminischen Zeit ist. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Hotel- und Casinokomplex. Nach der Rundfahrt verlassen wir am westlichen Ende der Sam Nujoma Avenue unseren Bus. Paul will ihn gleich noch in eine Werkstadt bringen, denn die Fahrt auf den Paden in den letzten Tagen hat ihre Spuren hinterlassen. Es ist an dem Bus einiges zu reparieren und auch einige Reifen sind platt. Wir haben unterdessen Freizeit in Swakopmund bis 20.30 Uhr. Es sind fast 5 Stunden, also Zeit genug für eigene Erkundungen. Ich spaziere zunächst entlang der Hauptstraße der Stadt, der Dr. Sam Nujoma Avenue (frühere Kaiser Wilhelm Straße). Über eine der Querstraßen, die Moltke Street gelange ich zum einen der auffälligsten und schönsten Häuser Swakopmunds - dem Hohenzollernhaus. Das 1906 erbaute Eckhaus besitzt eine besonders auffällige Dekoration auf dem Dach - eine Atlasfigur, die die Weltkugel stemmt und von zwei Löwen umgeben ist. Zurück an der Hauptstraße gelange ich kurze Zeit später zu der Evangelisch-Lutherischen Kirche am Ende der mit Palmen gesäumten Daniel Tjongarero Avenue. Diese alte Kirche erinnert in ihrem Baustil an eine typische Kirche in Bayern. Anschließend kehre ich über die breite Sam Nujoma Avenue zum Ausgangspunkt zurück und gehe zum berühmten Woermann-Haus an der Bismarck Street. Das schön renovierte, große Fachwerkhaus mit seinem Damara-Turm sieht so aus, als würde es mitten in Deutschland stehen. Vor dem Haus stehend glaubt man kaum, daß man sich im südlichen Afrika befindet. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jh. für die größte Handelsgesellschaft im damaligen "Südwest". Es ist schon nach 17 Uhr und der Zugang ins Innere des Gebäudes mit einem großen Innenhof und schönen Wandelgang ist abgeschlossen. In einem kleinen Juweliergeschäft in der winzigen Fußgängerzone an der anderen Hausseite bekomme ich jedoch die Schlüssel ausgehändigt. Mit einem Schlüssel kann ich die Eingangstür öffnen und gelange zum Innenhof, der mich an ein Kloster erinnert.

Swakopmund-Das Hohenzollernhaus (1906, Brückenstreet, Ecke Moltke Street-Namibia

Mit dem anderen Schlüssel öffne ich dann die Tür zum Damara-Turm und gehe hinauf. Von der überdachten Terrasse auf der Turmspitze hat man einen erstklassigen Rundblick auf die pittoreske Stadt. Die kürzlich gesehene Kirche und das Hohenzollernhaus präsentieren sich jetzt neben vielen anderen Gebäuden aus einer ganz anderen Perspektive. Auf der anderen Seite sehe ich die nahe Atlantikküste, die Jetty und die Mole. Erstaunlich auch, wie nah die Wüste erscheint, die gleich hinter den letzten Häusern beginnt. Nach dem Besuch im Woermann-Haus gebe ich bei Juwelier die Schlüssel zurück und gehe dann nach Norden zum Marine-Denkmal, das den deutschen Soldaten gewidmet ist, die 1904 den Herero-Aufstand niederschlagen sollten. Vor dem Denkmal endet an einem großen Platz mit hohen Palmen die Straße Am Zoll. Hier befindet sich ein ausgedehnter Holzschnitzermarkt. Die zahlreichen Schnitzer und Händler haben ihre Holzelefanten, -giraffen, und diverse andere Figuren in allen Größen sowie sonstige Souvenirs direkt auf dem Boden aufgestellt. Die Auswahl ist riesengroß aber die Preise auch. Ich schaue mir also die schönen kleinen Kunstwerke im Vorbeigehen nur an. Rechterhand passiere ich das alte Gebäude des Kaiserliches Bezirksgerichts (heute die Sommerresidenz des namibischen Staatspräsidenten) und den schmucken rot-weiß gestrichenen Leuchtturm. Weiter westwärts kommt man an einem kleinen Strand - Palm Beach - vorbei und kommt auf die Mole. Hier, wie auch im Stadtzentrum, herrscht eine richtige Kurortatmosphäre. Am Ende der Mole schlagen die Wellen hart auf die Felsen. Das Meer ist ziemlich stürmisch. Bis kurz vor dem Sonnenuntergang bleibe ich hier, dann mache ich mich auf den Rückweg ins Zentrum. Unterwegs treffe ich noch einen Mitreisenden. Gemeinsam schlendern wir durch die Straßen, u.a. auch durch die kleine Fußgängerzone nördlich der Sam Nujoma Avenue. Hier entdecken wir u.a. auch ein Hofbräuhaus. Etwas weiter besuchen wir eine deutsche Buchhandlung. Abends gehen wir dann beide in ein Restaurant, denn heute bleibt unsere Busküche geschlossen. Wir entscheiden uns wir ein kleines mexikanisches Restaurant gegenüber dem Hansa Hotel - für mich eine Reminiszenz an die letzte Fernreise. Bei dem Mexikaner entscheiden wir uns aber für ein ziemlich europäisches Essen. Um 20.30 Uhr trifft sich unsere Reisegruppe vor dem Bus wieder, der bereits repariert von der Werkstatt zurück ist. Wir fahren jetzt zu unserem heutigen Campingplatz, der ca. 5 km weiter nördlich, außerhalb der Stadt gelegen ist. Hier verbringen wir dann gemeinsam den Rest des Abends.

9. Tag:

- Swakopmund - Namib-Wüste - Swakopmund -

Als wir heute morgen aufstehen, sind wir wohl alle überrascht. Es herrscht ein dichter Nebel, es ist ziemlich kühl und alles ist feucht. Auch erst heute, beim Tageslicht sehen wir unseren Campingplatz. Es ist ein sehr großes, weitläufiges Gelände, ohne Bäume, und von einem sehr hohen Zaun umgeben. Der heutige Tag ist laut Programm ein Tag zur freien Verfügung. Man kann den ganzen Tag sich selbst in Swakopmund gestalten. Die meisten von uns haben sich jedoch für einen fakultativ angebotenen, ganztägigen Safari-Ausflug in die Namib-Wüste entschlossen. Nach dem gemeinsamen Frühstück, das wir unter einer Überdachung einnehmen können, werden wir um 8.30 Uhr mit vier geländefähigen VW-Kleinbussen (für je 7 Personen) abgeholt. Sie gehören dem Swakopmunder Reiseunternehmen "Charly's Desert Tours" und werden von vier rüstigen, deutschstämmigen Rentnern im Alter von 74 bis 78 Jahren gefahren. Wie sich im Laufe des Tages herausstellt, sind es sehr lustige Reisebegleiter und sehr gute Wüstenkenner, die auf diese Weise sich ihre Renten aufbessern und ihren Lebensabend aktiv gestalten.

Namibwüste bei Swakopmund-Welwitschia Pflanze-Namibia

Wir verlassen die Stadt und fahren in östliche Richtung, wo die große Namib-Wüste liegt. Zunächst geht es noch auf festen Straßen durch Außenbereiche der Stadt und an einigen Gebäuden von größeren Farmern bzw. Grundbesitzern vorbei. Danach nähern wir uns dem ausgetrockneten Flußbett von Swakop. Die Wege werden unwegsamer, die Landschaft unwirklicher. Nach ca. 10-15 km Fahrt verschwindet plötzlich der Nebel. Man kann eine deutliche Linie am Himmel erkennen, wo der Nebel in einem Breiten Streifen über der Küste liegt. Über uns befindet sich jetzt aber ein blauer Himmel mit nur vereinzelten Wolken am Horizont, und es wird auch angenehm warm. Erstaunlich, wie der Einfluß des kalten Atlantiks und der trockenen, heißen Wüste diese klimatischen Unterschiede schafft. Und als wir vom Campingplatz abgefahren sind, konnte ich kaum den Worten unseres Reisebegleiters glauben, der uns ein schönes Wetter versprochen hat. Wir tauchen langsam in eine fantastische Mondlandschaft ein. Unsere allradbetriebenen Kleinbusse fahren durch das unwegsame, baumlose Gelände. Kleine Berge, Hügeln und Schluchten sowie sandiger Boden und Geröll bestimmen die Landschaft. Den ersten Stop machen wir an einem Hügel, der zum Teil von Felsen und losen Steinen gekrönt wird. Es sind sog. "singende Steine". Nachdem wir nach oben geklettert sind, zeigt uns einer der Führer die Besonderheit dieser Steine, indem er mit einem Stein auf verschiedene andere klopft. Dabei ergeben sich Geräusche in unterschiedlicher Tonlage, so daß man darauf wie auf einem Klavier spielen könnte. In der Nähe entdecken wir mit Hilfe unserer Führer auch die ersten Wüstenpflanzen, die mit unseren Augen in der gelb-grauen Landschaft zunächst kaum auszumachen sind: z.B. kleine Aloe-Pflanzen, oder Lithops - "lebende Steine", die man nur aus der nächsten Nähe und mit Hilfe der einheimischen Kenner von den echten im Sand liegenden Steinen unterscheiden kann. Schade, daß ihre winzigen Blüten bereits verwelkt sind. Etwas größer und deutlich zu sehen sind die grünen, blattlosen und stacheligen Büsche der Nara-Pflanze mit ihren noch kleinen, melonenartigen Früchten. Bis zum Mittag setzen wir unsere Fahrt durch die vielfältige Wüstenlandschaft fort. Immer wieder tauchen wundeschöne Felsformationen aus Basalt, Granit oder anderen Gesteinen auf. Nicht selten kann man dabei interessante Überlagerungen von verschiedenfarbigen Schichten beobachten. Ein farbiges Schauspiel und ein Paradies für Geologen und nicht nur. Hier liegt die Erdgeschichte offen, wie auf einem Präsentierteller. Etwas später erreichen wir das breite, ausgetrocknete Bett des Swakop-Flußes und machen gegen Mittag eine längere Pause im Schatten eines großen Felsüberhanges. In den Kleinbussen ist alles eingepackt, was man für ein gelungenes Picknick in der Natur braucht - Klapptische und Plastikhocker, Pappteller, große Auswahl kalter Getränke in den Kühlboxen und viel zu Essen. Die Guides haben eine Menge Brötchen, frisches Gemüse, und Fleisch - gebratene Hähnchen, Frikadellen etc - mitgebracht, die ihre Frauen vorher zu Hause vorbereitet haben. Auch wir helfen beim Aufschneiden und Belegen der Brötchen mit. Dann genießen wir gemeinsam die Mahlzeit in der absoluten Stille dieses extrem trockenen Tals.

Namibwüste bei Swakopmund-Wüstenvegetation (Euphorbien)-Namibia

Unsere rüstigen Guides sind auch sehr gute Unterhalter - wir hören viele unterhaltsam erzählte Ausführungen zum Land, zur Namib-Wüste und zu den hier lebenden Leuten. Sie geben uns ständig fachkundige und interessante Informationen über das große und kleine Leben in der Wüste. Während der Touren in durch die Gegend nehmen sie immer viel Wasser mit, und pflegen die unterwegs gefundenen bzw. ihnen schon bekannten zarten Pflanzen, indem sie diese mit Wasser versorgen und auch mit größeren Steinen absperren, um sie vor den Füssen oder Autoreifen von vorbeikommenden Touristen zu schützen. So nutzen sie auch jetzt die Gelegenheit, an den ihnen bekannten Standorten nach den manchmal winzigen Pflänzchen nachzuschauen. Während wir essen, finden sie auch hier wieder einige interessante Pflanzen, die sie uns zeigen und mit Wasser versorgen. Sogar ein kleiner dorniger Busch mit winzigen roten kugeligen Früchten wächst hier an einem Felsen. Und auch für die einigen kleinen Vögel, die sich in unserer Nähe blicken lassen, stellen die Guides einen Topf mit Wasser auf. Nach dem leckeren und erholsamen Picknick setzen wir unsere Fahrt fort. Wir bewegen uns jetzt ständig in dem ausgetrockneten Flußbett. Eine weitere kurze Pause machen wir an einer Stelle, wo unsere Guides schon früher verschiedene Steine zusammengetragen haben. Sie sind bedeckt von diversen ausgetrockneten Flechten- Moosen- und Pilzarten, die man aber kaum mit dem bloßen Auge erkennen kann. An diesem Beispiel wollen uns die Führer demonstrieren, daß die Wüste eine sehr lebendige Wüste ist. Sie begießen die Steine mit dem mitgebrachten Wasser, und innerhalb von wenigen Minuten sehen wir, wie die Flechten zu leben beginnen. Sie saugen das Wasser in ihre Körper auf und werden lebendiger. Die Steine bekommen bald unterschiedlichste Farben, sie blühen förmlich auf. Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie schnell diese primitiven Pflanzen auf die Berührung mit dem Wasser reagieren und zu leben beginnen. Während der weiteren Talfahrt begleiten uns auf beiden Seiten wunderschöne, teilweise auch sehr skurrile, überraschende und fantastisch geformte Felsformationen in verschiedensten Farbschattierungen. Sie wurden in den letzten 500 Millionen von Jahren durch den Swakop-Fluß geformt. Es ist wirklich eine ganz wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft, die wir zu sehen bekommen - ganz anders, als man sich eine Wüste vorstellt. Und im Flußbett gibt es stellenweise auch etwas mehr Vegetation - sogar einige Bäume und grüne Büsche dort, wo noch das Grundwasser von den Wurzeln erreichbar ist. Später kommen wir auch an einer kleinen Oase mit mehreren Bäumen und einigen Häusern vorbei. In den Felsen der Schlucht leben auch Paviane, wie uns während der Fahrt der Guide erzählt. Heute sind hier aber keine zu sehen. Bald bekommen wir aber eine andere Attraktion der Gegend zu sehen, und wohl auch die größte Besonderheit von Namibia - die berühmten Welwitschia mirabilis Pflanzen. Es ist auch einer der Nationalsymbole des Landes. Wir halten an einer Stelle an, wo besonders viele prächtige Exemplare dieser Pflanze zu sehen sind. Alle sind durch einen großen Ring von Steinen umgeben, damit man ihnen nicht zu nahe kommt und vor allem beim Autofahren rechtzeitig merkt. Unsere Begleiter erklären uns die Besonderheiten dieser seltsamen Pflanze, die bis zu 1500 Jahre alt sein kann und nur entlang eines schmalen Wüstenstreifens zwischen der Zentral-Namib und Nord-Namib gedeiht. Das größte Problem ist, daß die Pflanzen nicht nachwachsen, wenn man sie künstlich einpflanzt - auch nicht, wenn sie in der Nähe der alten Welwitschias eingepflanzt werden, und deswegen müssen die vorhandenen Exemplare besonders sorgsam geschützt werden. Die Pflanzen sehen sehr seltsam aus - sie bestehen jeweils nur aus zwei langen, fleischigen Blättern, die auf dem Boden liegen. An den Enden spalten sich die Blätter auf und trocknen dann aus. Wir bestaunen die ungewöhnlichen, eigentlich unscheinbaren Blüten und Früchte dieser fossilen Pflanze, die in der Mitte zwischen den beiden Blättern herausragen. In einer Symbiose mit der Welwitschia lebt eine besondere Käferart. Auch hier entdecken wir viele von diesen ziegelroten, schwarz gepunkteten Käfern.

Namibwüste bei Swakopmund-Sanddünen mit dunkeln Schwermetallablagerungen-Namibia

Kurze Zeit später legen wir eine weitere Pause an. Am Rande der Schlucht wachsen hier viele große Exemplare von kakteenähnlichen Euphorbias. Am Hang zeigen uns die Guides eine Stelle, wo man viele kleine grünschimmernde Steinchen finden kann - es sind Apatite. Wir sammeln einige als Andenken und nehmen sie mit. Neben diesen gibt es in der Gegend auch viele andere Mineralien - Feldspate, Rosenquarz, Magnetite, etc. Die letzten hat unser Guide von zuhause mitgebracht, und zeigt uns mit einem Magneten, wie sie dank ihrer Ladung darauf reagieren. Während unserer Tour haben wir zum Sammeln von Mineralien zu wenig Zeit, aber unsere Guides organisieren auch spezielle Touren für Hobby-Mineralogen, die dann zu Fundstellen verschiedener Mineralien führen. Jetzt verlassen wir die trockenen, felsigen Canyons und fahren auf einen Hügel hinauf, von dem man einen wunderschönen Panoramaausblick auf die bräunlich-gelbe, gefaltete Mondlandschaft um das Flußbett von Swakop herum hat. Nach einem kurzen Aufenthalt hier verlassen wir die Stein- und Felswüste und fahren jetzt durch eine flache Staub- und Sandwüste nach Süden. Nach einiger Zeit nähern wir uns schönen, sichelförmigen Sanddünen. Den Abschluß des abwechslungsreichen Tages bildet die Besteigung einer Riesendüne. Wir klettern mit einiger Mühe herauf, die Anstrengung lohnt sich aber auf alle Fälle. Von oben genießen wir nämlich einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung mit allen benachbarten Dünen. An vielen sind neben dem gelben Sand auch graue und rötliche Streifen zu erkennen, die sehr schön die Formen dieser Dünen betonen. Wie wir erfahren, sind es Ablagerungen von Schwermetallen, die der Wind aus den Felsen im Landesinneren herausspült und hierher bringt. Obwohl über uns ein tiefblauer Himmel ist, erkennen wir von oben weit am Horizont einen Streifen von Wolken bzw. Nebel, der über der Atlantikküste liegt. Nach dem Verlassen der herrlichen Dünenlandschaft fahren wir nun zurück in die Stadt und tauchen bald auch unter diese Wolkenschicht ein. Es wird deutlich kühler und ungemütlicher. Unsere Guides bringen uns noch zu einem geöffneten Supermarkt im Zentrum von Swakopmund, wo wir uns noch mit einigen Sachen für die nächsten Tage versorgen können. Dann fahren wir zum unseren abseits der Stadt gelegenen Campingplatz und verabschieden uns dort von den rüstigen Reisebegleitern, die für einen sehr interessanten, informativen und unterhaltsamen Tagesablauf gesorgt haben. Bis zum geplanten Abendessen aus unserer Rotel-Küche verbleibt noch etwas Zeit, und so spazieren wir noch durch den weitläufigen Campingplatz sowie weiter außerhalb bis zur Atlantikküste. Auf dem Platz entdecke ich drei große Pelikane, die überhaupt nicht scheu sind und geduldig vor einem Campinghäuschen stehen. Um den Campingplatz zu verlassen, muß man einen großen Umweg bis zum Einfahrtstor machen, und dann wieder auf der anderen Zaungrenze die Straße entlang bis zur felsigen Küste gehen. Der Nebel wird immer stärker und es wird richtig ungemütlich draußen - kühl und feucht, insbesondere direkt am Wasser. Die Temperaturen liegen jetzt bei nur ca. 13 Grad. Kurz vor 19 Uhr versammeln wir uns alle am Bus zum Abendessen. Das sehr unangenehme, feuchte Wetter und die niedrigen Temperaturen bewirken, daß wir heute Abend schnell essen und keine Lust mehr haben, uns länger draußen aufzuhalten. Und so gehen heute alle sehr früh ins Bett.

10. Tag:

- Swakopmund - Cape Cross - Khorixas -

Cape Cross-Eine Pelzrobbe-Namibia

Als wir heute morgen aufstehen, herrscht draußen wieder ein dichter Nebel. Anders als gestern löst er sich aber relativ schnell auf, und bald schon kommt der blaue Himmel zum Vorschein. Um 8.30 Uhr verlassen wir unseren Campingplatz Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist das etwa 115 km nördlich von Swakopmund gelegene Cape Cross - das Kreuzkap mit einem großen Robbenreservat. Wir fahren entlang der Küste auf einer befestigten sog. Salzstraße (weil sie zum großen Teil aus Salz gebaut wurde). Sie führt durch eine flache, sandige Wüste mit einigen Salzfeldern und Salzpfannen. Später sehen wir auch einige Hügel am Horizont. Einige Kilometer hinter Swakopmund passieren wir eine kleine Siedlung, in der sich überwiegend deutsprachige Namibier aus Windhoek ansiedeln, bzw. hier an der kühleren Küste ihre Wochenenden verbringen. Es sind ziemlich große Wochenendhäuser, die jedoch keinen Strom- und Wasseranschluß besitzen. Etwas später passieren wir den beliebtesten Ferienort nördlich von Swakopmund - Hentjes Bay. Auch hier verbringen in den heißen Sommermonaten viele Namibier aus dem Innland ihre Ferien und Wochenenden. Gegen 10 Uhr erreichen wir schließlich das Robbenreservat am Kreuzkap. Nach der Entrichtung der Eintrittsgebühr am Eingangstor fahren wir noch ein Stückchen Richtung der felsigen Küste bis zu einem Parkplatz. Als wir den Bus verlassen empfängt uns sofort ein beißender Gestank und ein ohrenbetäubender Lärm - ein Zeichen dafür, daß wir an der Robenkolonie angelangt sind. Auch einen Schakalen sehen wir in der Busnähe - sie sind ständige Begleiter der Robben und sorgen dafür, daß die verstorbenen Tiere schnell entsorgt werden. Bevor wir uns jedoch zu den Robben begeben, widmen wir uns einer historischen Stelle, der das Cape Cross seinen Namen verdankt. An dieser Stelle hat 1486 der portugiesische Seefahrer Diego Cao als erster Europäer den namibischen Boden betreten und ein Steinkreuz errichtet. Heute erinnern zwei Kopien dieses Kreuzes und Gedenktafeln an dieses Ereignis. Die erste wurde 1893 von deutschen Soldaten errichtet, die zweite - eine exakte Nachbildung des Originals - wurde 1980 aufgestellt.

Unterwegs zwischen Hentjes Bay und Khorixas durch das Damaraland-Bewohner eine Hütte am Straßenrand-Namibia

Gleich hinter den Kreuzen sehen wir die ersten Robben. Die Robbenkolonie ist von dem Parkplatz nur durch eine niedrige Steinmauer abgegrenzt, die man nicht übersteigern darf, und so ist man mit den Tieren fast Auge in Auge. Manche sind nur wenige Zentimeter von uns entfernt. An den Gestank gewöhne ich mich recht schnell, auch das ständige Brüllen der Tiere stört nicht mehr. Oder sind wir einfach von dem Geschehen so fasziniert, daß wir die äußeren Begleitumstände einer Robbenkolonie nicht mehr wahr nehmen. Und faszinierend ist das, was sich vor unseren Augen abspielt, allemal. Tausende von Tieren tummeln sich auf dem schmalen Küstenstreifen und in dem küstennahen Wasser. Stellenweise liegen die Tiere so dicht auf dem felsigen Ufer, daß man keinen Boden dazwischen sieht. Mütter mit ihrem kleinen Nachwuchs, Halbstarke und erwachsene Tiere - wohin man nur schaut, passiert etwas. Manche Robben schlafen, manche gähnen, manche brüllen, manche kratzen sich bzw. reinigen ihr Fell, manche spielen und spielerisch kämpfen miteinander, manche gehen ins Wasser, andere kommen heraus. Auch im Wasser sieht man Hunderte von den Tieren. In der Nebensaison leben in dieser Kolonie schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Zwergpelzrobben, in der Hauptsaison Mitte Oktober, wenn die Bullen hier eintreffen, verdoppelt sich die Anzahl der hier lebenden Tiere. Ihrem Treiben könnte man stundenlang zuschauen. Und vor allem die Masse ist beeindrückend. Ich spaziere entlang der Mauer, filme, fotografiere, und merke nicht, wie schnell die Stunde, die wir hier verbringen wollten, vergangen ist. Nicht nur ich wäre hier gerne noch länger geblieben. Aber es nutzt nichts, wir müssen weiter fahren, denn vor uns liegt noch eine weite Strecke. Zunächst geht es wieder zurück bis Hentjes Bay, wo wir dann gegen 11.30 Uhr auf eine Straße ins Landesinnere abbiegen. Unter einem sonnigen und wolkenlosen Himmel fahren wir auf einer sandigen, befestigten Straße durch die Namib-Wüste nach Nordosten. Die Landschaft ist flach, nur Sand und vereinzelt auch typische Wüstenvegetation (u.a. verschiedene Sukkulenten). Nach ca. 15 Minuten Fahrt auf dieser Straße sehen wir rechts am Horizont die charakteristische Spitzkoppe. Dieser 1728 m hoher, eindrucksvoller Gipfel ist ein klassischer Inselberg, der sich aus einer Ebene erhebt. Dieses Bergmassiv besteht aus Granit und beinhaltet viele Mineralien, die für Sammler interessant sind und in der Ortschaft Uis auf unserem Weg verkauft werden. Auch auf der linken Seite taucht vor uns ein berühmter, riesiges Bergmassiv - das Brandbergmassiv. Sein höchster Gipfel, der Königstein, ist mit 2574 m der höchste Berg Namibias. An den Felswänden dieses Granitmassivs befinden sich unzählige Felszeichnungen der Buschmänner, zum Teil Millionen Jahre alt. Man hat bisher etwa 17.000 solche Zeichnungen entdeckt und katalogisiert, vermutlich sind hier aber bis zu 200.000 Zeichnungen enthalten. Die berühmteste Felszeichnung hier ist das Bild der sog. "Weißen Dame". Eine Besichtigung der Zeichnungen ist für uns leider nicht möglich, da es einen Umweg und einen mehrstündigen Fußmarsch bis zu den Fundstelen bedeuten würde. Wir bestaunen also nur aus den Busfenstern das Ehrfrucht gebietendes Bergmassiv.Unterwegs zwischen Hentjes Bay und Khorixas durch das Damaraland-Ein Souvenirstand und eine Herero Frau mit Kind (am Ugab Fluss)-Namibia

Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt ins Landesinnere geht die Sandwüste langsam in ein hügeliges, karges Land über. Wir sind die ganze Zeit schon im südlichen Damaraland. Gegen 13.20 Uhr halten wir an einer Gruppe von ein paar Häusern am Straßenrand und machen einen kurzen Besuch bei den dort lebenden Familien. Unser Reiseleiter hat einige Geschenke für den weiblichen Familienoberhaupt (denn hier hat eine Frau das Sagen, wie wir feststellen) mitgebracht - u.a. ein paar gebrauchte Kleidungsstücke, und auch einige Fotos von dem letzten Besuch. So unterstützt und hilft er den armen Familien. Im Gegenzug dafür gewähren sie uns einen kleinen Einblick in ihr Leben. Ihre Wohnstätte kann man eigentlich kaum als Häuser bezeichnen. In dieser noch sehr kargen Gegend gibt es keine Baumaterialien und wohl auch kaum Möglichkeiten, Geld zu verdienen, so daß man aus allem baut, was man finden und zusammentragen kann. Und so bestehen die Wände aus dickeren Ästen, größeren verrosteten Blechstücken, einer alten Autotür und unzähligen rostigen Blechdosen. Es ist für uns eigentlich ein beschämendes und peinliches Gefühl, aber die Leute sind sehr freundlich und lassen uns um die "Häuser" herumschlendern und uns umzuschauen. Das Innere der Räume betreten wir aber nicht. Die Einheimischen freuen sich natürlich über jede Gabe, alles empfängt aber die "Chefin". Der einzige erwachsene Mann, den wir hier sehen, macht einen betrunkenen Eindruck. Einige Jugendliche bieten uns auch verschiedene Mineralien aus dem Brandbergmassiv an. Und die kleinen Kinder beobachten uns neugierig mit ihren großen, dunklen Augen. Nach einem kurzen Aufenthalt verabschieden wir uns und setzen unsere Fahrt fort. Gegen 13.50 Uhr legen wir eine 45minütige Mittagspause in Uis an, einem kleinen, schmucklosen Ort auf der Straße nach Khorixas. Wir halten hier auf einem umzäumten Platz neben einer Tankstelle und einem Laden, in dem man sich z.B. auch mit Eis versorgen kann. Es ist sehr heiß, und so verbringen wir die meiste Zeit auf einer Bank im Schatten eines Baumes. Gegen 14.40 Uhr geht es weiter nach Norden. Auf dem Himmel zeigen sich viele kleine Einzelwolken aber es bleibt sonnig. Die Landschaft wird jetzt dominiert von ausgetrockneten, gelblichen Grasflächen, kleinen und vereinzelt verstreuten Büschen, niedrigen Akazien und anderen kargen Pflanzen. In dieser Region hat es seit langer Zeit nicht mehr geregnet und die ganze Vegetation ist ziemlich ausgetrocknet und verbrannt. Nach etwa einer Stunde Fahrt halten wir wieder kurz an. An der Straße stehen einige aus Baumstämmen, Ästen und Pappkartons aufgebaute Verkaufsstände, wo traditionelle Stoffpuppen in Herero-Trachten sowie verschiedene Mineralien verkauft werden. Besonders die Puppen sind, obwohl mit einfachsten Mitteln hergestellt, sehr schön. Wir versorgen uns hier also mit einigen Souvenirs. Ich mache noch ein paar Fotos, denn auch die Verkäuferinnen tragen die charakteristische Herero-Tracht, bei der insbesondere die Kopfbedeckung einmalig ist. Die nächsten ein paar Hundert Meter gehen wir entlang der Straße zu Fuß, um uns die Beine etwas zu vertreten. Dabei überqueren wir über eine Brücke den Ugab-Fluß, oder besser gesagt das Flußbett, denn der Fluß zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet ist. Das Land wird langsam grüner. Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr Vegetation sehen wir um uns herum. Es gibt viel Gras, aber auch viele kleine Büsche und Bäume. Wir bemerken auch weidende Schafe und Kühe am Straßenrand. Am Horizont sieht man wieder Berge, links begleitet uns immer noch das charakteristische Brandbergmassiv. Vereinzelt tauchen an der Strecke auch interessante Felsformationen.

Unterwegs zwischen Hentjes Bay und Khorixas durch das Damaraland-Kinder an einem Souvenirstand (am Ugab Fluss)-Namibia

Gegen 16.30 Uhr erreichen wir wieder eine Teerstraße, die vom Osten kommt und nach Khorixas weiterführt. Von hier haben wir noch 8 km nach Westen bis zum Ort. Wir fahren jedoch noch ein Stückchen weiter, denn unser Campingplatz ist außerhalb des Ortes gelegen. Während der Fahrt schon bemerken wir dicke Wolken, die vom Osten auf uns zukommen. Als wir unseren Campingplatz erreichen, sehen wir am Himmel mehrere schöne Regenbögen, die vor dem dunklen Wolkenhintergrund gut zur Geltung kommen. Auch ein perfekter, voller Regenbogen entsteht vor unseren Augen - leider viel zu groß, um ihn mit der Kamera zu fangen. Kurz vor 18 Uhr kommt auch der Regen - der erste Regen, den wir in Namibia erleben. Er ist aber nicht sehr stark und dauert auch nicht lange. Danach verziehen sich die Wolken wieder und bilden dabei wunderschöne Kulisse für den Sonnenuntergang. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir - wie üblich - mit dem Aufbau des Anhängers, dem Aufstellen der Tische und Bänke, oder dem Erkunden des Campingplatzes. Er ist relativ groß, schön im Grünen gelegen und beinhaltet u.a. auch mehrere Bungalows, Konferenz- bzw. Tagungsräume (wo wir morgen die Teilnehmer einer Landwirtschaftskonferenz mit Regierungsmitgliedern treffen), ein Schwimmbad und eine große, nette Bar, wo man auch mal ein kaltes Bier trinken kann. Auf dem Weg zu den Duschen werden wir von einigen Campingplatzbediensteten angesprochen, die einige Souvenirs anzubieten haben, vor allem schön geschnitzte, filigrane Anhänger. Es sind kleine Nüsse der Makalani-Palme, die mit verschiedenen Tiermotiven oder Szenen aus dem täglichen Leben versehen sind. Die wie Elfenbein harten und weißen Nüsse mit einer samtweichen dunkelbraunen Hülle eignen sich hervorragend für solche Schnitzereien. Die geschnitzten Makalani-Nüsse haben sich zu einer Volkskunst in der Region entwickelt, und wir bekommen sie in den nächsten Tagen noch häufig zu sehen. Die uns angebotenen Makalani-Nüsse sind wirklich schön geschnitzt und außerdem wird auf Wunsch auf einem noch unbearbeiteten Reststück der Haut ein gewünschter Vorname oder der Name des Landes geschnitzt. Ich beobachte, wie geschickt der Einheimische mit dem kleinen Messer umgeht, mit dem er um den gewünschten Schriftzug herum die braune Haut entfernt und den weißen Kern zum Vorschein bringt. Nach kaum einer Minute ist alles fertig. Nach dem guten Abendessen verbringen wir den Rest des heutigen Abends draußen bei vielen interessanten Gesprächen. Wir genießen die frische und angenehme Luft, insbesondere nach den feuchten und kalten Abenden an der Atlantikküste, wo man abends draußen nicht allzu lange aushalten konnte.

11. Tag:

- Khorixas - Twyfelfontein - Khorixas -

Versteinerter Wald im Damaraland-Ein versteinerter Baumstamm-Namibia

Bei angenehmen 22 Grad im Schatten und einem wolkenlosen, blauen Himmel genießen wir das heutige Frühstück. Auf dem Programm steht heute eine Rundfahrt durch das Damaraland in der Nähe von Twyfelfontein mit dem Besuch von einigen geologisch sehr interessanten und sehenswerten Orten. Gegen 8 Uhr legen wir also los, diesmal ohne unseren Anhänger, denn heute abend werden wir auf dem gleichen Campingplatz übernachten. Nach nur wenigen Minuten Fahrt bremst unser Fahrer Paul und hält den Bus an. Er hat einen kleinen Chamäleon auf der befestigten Fahrbahn gemerkt und wir steigen schnell aus, um uns das Tierchen anzuschauen. Der arme Chamäleon ist aber wahrscheinlich einer so großen Aufmerksamkeit und so vieler Zuschauer um ihn herum nicht gewohnt. Auf jeden Fall versucht er möglichst schnell den Straßenrand zu erreichen und verschwindet auch bald im dichten Gras. Nach einigen Kilometern Fahrt halten wir an einer kleiner Damara-Siedlung kurz an. Wir gehen zu den wenigen Hütten, die unweit der Straße im Feld stehen. Sie sehen deutlich anders aus, als das was wir gestern gesehen haben - viel ordentlicher. Die Hauswände sind aus geraden, gleich lang zugeschnittenen Baumästen hergestellt und teilweise auch mit einer Lehmschicht verputzt. In kleinen Stallungen an den Häusern werden die Tiere gehalten - Hühner, Schweine und Schafe. Die Umgebung ist aber sehr karg, die rötliche Erde ausgetrocknet und nur vereinzelt sieht man in der Landschaft niedrige grüne Bäume. Nachdem wir uns die Siedlung angeschaut und auch mit den Einwohnern etwas unterhalten haben - aufgrund der Sprachbarriere mehr schlecht als recht - setzen wir unsere Reise Richtung Westen fort. Die Landschaft wird etwas hügeliger und überall ist die Erde rötlich bis rostbraun mit vereinzelten grünen und gelblichen Tupferchen der Vegetation. Gegen 9 Uhr erreichen wir die erste geologische Attraktion auf unserer heutigen Rundfahrt durch das Damaraland - den berühmten versteinerten Wald, Petrified Forest, etwa 60 km westlich von Khorixas gelegen. Während unser Reiseleiter den Eintritt bezahlt, beobachten wir die heimische Müllabfuhr vor den Toren des geologischen Geländes. Es ist ein einfacher rostiger Zweirad-Karren, der von zwei Eseln gezogen wird. Einige Kinder bzw. Jugendliche verladen auf ihn den Müll aus den am Eingang aufgestellten Tonnen. Die Führung durch das Gelände wird auf Englisch durch einen einheimischen Guide gemacht. Direkt hinter dem Eingang bekommen wir eine deutliche Belehrung, daß strengstens verboten ist, versteinerte Baumstücke aufzuheben und sie mitzunehmen. Um sie zu erkennen, werden uns verschiedene Exemplare in die Hände gereicht und erklärt. Verbotsschilder weisen auf horrende Geldstrafen beim Verstoß gegen das Verbot.

Versteinerter Wald im Damaraland-Die Früchte eine Welwitschia Pflanze-Namibia

Danach geht es einen sanften Hang herauf. Überall sieht man zwischen Fels und Geröll unterschiedlich große, liegende Baumstämme oder Stücke davon, die zum Teil sehr mächtig und sehr gut erhalten sind. Mann könnte manche von ihnen - auch der Färbung wegen - für echte Baumstämme halten, wenn man jedoch darauf klopft, erkennt man, daß sie versteinert sind. Diese fossilen Bäume sind zwischen 240 und 300 Millionen Jahre alt. Sie weisen nirgendwo Wurzeln auf. Hieraus hat man geschlossen, daß es sich um Treibholz handelt, welches wahrscheinlich von den Wassermassen schmelzender Gletscher oder von den westwärts fließenden Strömen angetrieben und an Sandbänken in Untiefen abgelagert wurde. Schätzungsweise kann man hier Reste von mindestens 50 Bäumen sehen, die größten Stämme sind bis zu 30 m lang. Nach dem Rundgang mit dem Guide haben wir noch etwas Zeit, um sich alleine umzuschauen. Außer den fossilen Bäumen findet man hier auf dem Gelände auch relativ viele Welwitschia-Pflanzen. Diese Exemplare sind aber bei weitem nicht so groß, wie diejenigen, die wir vorgestern in der Namib-Wüste bei Swakopmund gesehen haben. Auch hier blühen einige Pflanzen gerade, und ich entdecke auch viele der roten Käfer, die zu den ständigen Begleitern der Welwitschias zählen. Nach einer Stunde Aufenthalt im Versteinerten Wald sammeln wir uns wieder am Bus, und gegen 10 Uhr fahren wir weiter. Es geht jetzt auf einfachen Staubstraßen nach Südwesten. In Twyfelfontein, etwa 60 km nördlich vom Brandberg entfernt, befindet sich eine weitere große Attraktion des Damaralandes - die Felsgravuren der Buschmänner. Dabei handelt es sich um eine der größten und reichsten bekannten Ansammlungen von Felsgravuren dieser Art in Afrika und gar weltweit. An einem Berghang befinden sich hier auf dunklen, rostroten Sandsteinplatten über 2500 Felsgravuren der San und deren Vorfahren. Kein anderer Ort in Namibia weist eine derartige Konzentration von Steingravierungen auf. Die ältesten dieser Arbeiten werden auf das Jahr 3300 v. Chr. datiert, die "jüngsten" sind ca. 1500 Jahre alt. Wir erreichen das Tal mit dem Namen Twyfelfontein ("unsichere Quelle") und die umliegende Felslandschaft gegen 11 Uhr. Hier teilen wir uns in zwei Gruppen auf und bekommen einheimische Begleiterinnen, die uns zu den verschiedenen Fundstellen der Gravuren an dem Berghang führen werden. Zur Wahl haben wir einen längeren oder einen kürzeren Rundkurs durch die Felslandschaft. Angesichts der jetzt kurz vor dem Mittag herrschenden Temperaturen - es sind über 40 Grad im Schatten (ein Mitreisender hat einen Thermometer dabei) - entscheiden wir uns alle für die kürzere Wanderung. Uns läuft jetzt schon die Brühe ins Gesicht, obwohl wir noch keinen Schritt gemacht haben. Und Schatten gibt es unterwegs auch nirgendwo.

Twyfelfontein-Felsgravuren der Buschmänner und umgebende Landschaft-Namibia

Wir klettern also über die rostbraunen und rötlichen Felsen hinter unserer Damara-Begleiterin hinauf. Zum Teil sind hier durch die Einwirkung von Erosion ganz skurrile Felsformationen entstanden. Als wir etwas höher kommen, erstreckt sich vor uns eine tolle Landschaft unter dem strahlend blauen Himmel. Die ganze Gegend trägt diese rostbraune Farbe und nur vereinzelt lassen sich grüne Büsche und Bäume erblicken. Bald schon sehen wir die ersten Gravuren der Buschmänner. Es sind vor allem Darstellungen von verschiedenen Tieren - Elefanten, Giraffen, Antilopen und Nashörnern. Daneben gibt es aber auch abstrakte, in den Felsen geritzte Formen. Unter den Tierdarstellungen sind einige bekannte dabei, die ich schon aus verschiedenen Bildern und Publikationen kannte, z.B. ein Löwe mit einem sehr langen und gewinkelt dargestellten Schwanz. Erstaunlich, daß diese Felsgravuren über Jahrtausende der Erosion widerstanden haben. Es ist ein einmaliges Erlebnis, diese alten Felsbilder hier in der wilden Natur zu sehen. Der Eindruck der Wildnis wird noch dadurch gesteigert, daß wir hin und wieder in den Felsen ein entferntes Brüllen der Affen deutlich vernehmen. Auf dem Rückweg treffen wir noch einige andere kleine Grüppchen, und ihre Guides bieten uns eine kurze Gesangsvorführung an. Natürlich nehmen wir gerne das Angebot an, wir wissen doch schon, wie schön und gerne die Einheimischen singen. Und wir sind begeistert. Vor einem Felsbrocken mit mehreren Tiergravuren beginnt die Vorstellung. Die Damaras singen in ihrer Stammessprache mit ihren starken Stimmen und dazu noch mehrstimmig. Aus einem versprochenen Lied werden mehrere, mit kleinen Tanzeinlagen. Wir applaudieren begeistert. Ich sehe, daß die Damara-Guides (einige Frauen und ein Mann) auch Spaß daran haben, obwohl ihnen der Schweiß die Stirn herunterläuft. Irgendwann geht aber das schönste Erlebnis zu Ende, und so kehren wir nach der etwa 45minütiger Wanderung zurück ins Tal, wo unser Bus steht. Hier machen wir gleich unsere Mittagspause und suchen und schöne Plätze im Schatten der wenigen Bäume. Auf einem der Baumstämme sehen wir eine schön gefärbte Eidechse, die hier scheinbar auch eine Abkühlung sucht. In der Nähe sind mehrere Souvenirstände aufgebaut, wo man sich mit verschiedenen Andenken versorgen kann. Unter anderem werden hier auch die schön geschnitzten Makalani-Nüsse verkauft. Auch ich suche mir zwei solche Nüsse aus. Gegen 12.30 Uhr beenden wir die Pause und brechen zur Weiterfahrt auf. Ganz in der Nähe, etwas südlich von Twyfelfontein, liegt der Verbrannte Berg, unser nächstes Ziel. Dabei handelt es sich um einen knapp 200 m hohen Berghügel aus dunkelbraunen, schwarzen und grauen Felsen mit roten Lava-Einsprengseln.

Twyfelfontein-Basaltsäulen im Tal der Orgelpfeifen-Namibia

Dieses Naturphänomen ist vor etwa 120 Millionen Jahren entstanden, als ca. 1400 Grad heißes, vulkanisches Magma sich einen Weg durch das Schiefergestein bahnte. Dabei wurde der Schiefer zu einer schwarzen, verkohlten Masse verbrannt, und dazwischen braune, rote und gelbe Magmareste als Verfärbungen blieben. Als wir an dem Verbrannten Berg aus dem Bus aussteigen, versteckt sich die Sonne gerade hinter einigen weißen Quellwolken, die zwischenzeitlich am Himmel aufgetaucht haben. Ohne die Kontraste im direkten Sonnenlicht entfaltet der Berg leider nicht die volle Wirkung. Wie verbleiben hier etwa 10 Minuten lang, dann geht es gleich weiter zur nächsten geologischen Attraktion des Damaralandes, die auf dem Rückweg, nur wenige Hundert Meter entfernt liegt. Das Tal der Orgelpfeifen ist eine schmale Schlucht, deren Wände aus schlanken, senkrechten Basaltsäulen bestehen. Die unterschiedlich langen Säulen, die wie "Orgelpfeifen" stehen, sind bis zu 5 Meter hoch. Entstanden sind sie vor etwa 120 Millionen Jahren, als Basalt in die vorhandenen Schiefergesteine eingedrungen ist und später durch Erosion freigelegt wurde. Wir steigen in das Tal hinab und spazieren durch die kleine und schmale Schlucht bis zum Ausgang an deren Ende. Die Basaltsäulen bieten immer wieder interessante Fotomotive und sind absolut sehenswert. Nach der Durchwanderung dieses sehr kurzen Tals kehren wir langsam zurück in den Bus und gegen 13.30 Uhr fahren wir ab. Jetzt geht es zurück zum Campingplatz, wobei unser Busfahrer einen anderen, längeren Rundweg wählt, der durch das landschaftlich sehr schöne Damaraland führt. Aus den Busfenstern beobachten wir die rötlich-ocker-grüne Landschaft - grün vor allem durch Gräser, einige Büsche und vereinzelte größere Bäume, rötlich ist die Erde und die immer wieder auftauchenden Granitfelsen. An einer besonders malerischen Stelle legen wir eine kurze Fotopause an. Hier sind in der weiten und flachen Landschaft einige Bergkuppen aus größeren und kleineren Granitblöcken zu sehen, die wie von der Hand eines Riesen gestapelt worden wären. Der blaue Himmel mit vielen kleinen, weißen Wolken vervollständigt das beeindruckende Landschaftsbild. Etwa um 15.15 Uhr kehren wir zurück zum Campingplatz. Der Nachmittag bleibt uns zur freien Verfügung. Manche nutzen die Zeit zum Wäschewaschen, andere faulenzen nur. Ich setze mich mit einigen anderen an die Tische am Pool, und wir nutzen die Zeit zum Schreiben von Postkarten. Dann unterhalten wir uns; später setzen wir die Unterhaltung an der Bar fort, wo wie uns leckeres Bier bestellen. Zum Abendessen versammeln wir uns wieder an den Tischen an unserem Bus. Den Rest des Abends verbringen wir bei angenehmen Abendtemperaturen draußen und teilweise auch in der Bar, und führen wie immer viele interessante Gespräche, die sich vor allem um das Thema Reisen drehen.

12. Tag:

- Khorixas - Outjo - Okaukuejo (Etosha Nationalpark) -

Unterwegs von Khroixas zum Vingerklip-Termitenhügel bei Khroixas-Namibia

Bereits um 6.30 Uhr wird heute das Frühstück serviert. Wie üblich, eine Stunde später beginnt die heutige Etappe unserer Rundreise. Auch heute ist der Himmel wolkenlos und die Luft trocken und heiß. Wir fahren über eine gut ausgebaute Teerstraße nach Osten, Richtung Outjo. Die Landschaft, die wir überqueren, ist relativ grün, bestanden locker mit vielen niedrigen Bäumen und flach. Am Horizont sieht man jedoch mit Bäumen bewachsene Berge und Hügel. Nach etwa 45 Kilometern auf der Teerstraße zweigen wir gegen 8 Uhr nach Süden auf eine Pad ab. Die Gegend um uns herum ist besonders reich an größeren und kleineren Termitenhügeln. An einem der auffälligeren Hügel am Straßenrand legen wir eine kurze Pause an, um sich dieses interessante Bauwerk etwas näher anzuschauen. Unser Reiseleiter versorgt uns mit einigen Informationen über die Termiten und ihre Bauten. Und so erfahren wir z.B. daß die Königin täglich bis zu 50.000 Eier legt. Wenn sie stirbt, stirbt auch der gesamte Termitenhügel ab. Der Termitenbau, an dem wir stehen, ist zu unserer Überraschung hart wie Beton. Mann kann sich ohne Sorgen auf ihn hinsetzen, was viele von uns auch ausprobieren. Die Farben der Termitenhügel, die wir unterwegs sehen, sind sehr unterschiedlich - von hellbeige, wie dieser, über verschiedene gelbliche und rötliche Färbungen bis dunkelgrau - wie die Erde, wo sie gerade stehen. Etwas später machen wir noch einen weiteren kurzen Fotostopp. An einem steilen Felshang am Straßenrand wachsen hier einige wenige, charakteristische Bäume, die uns Rudolf zeigen möchte. Es sind afrikanische Star Chestnut bzw. Mopopaja Bäume (Sterculia africana) mit auffällig gekrümmten Ästen und nur wenigen Blättern. Nach einer kurzen Weiterfahrt eröffnet sich vor unseren Augen ein Ausblick auf eine großartige geologische Besonderheit - die Ugab-Terrassen. Wir halten an einer geeigneten Stelle an, von der man eine gute Sicht auf die charakteristischen Tafelberge hat, die an das amerikanische Monument Valley erinnern. Die Ugab-Terrassen liegen im breiten Bett des ausgetrockneten Ugab-Flusses und wurden durch ihn und durch die Erosion in Millionen von Jahren geformt. Die erste, breiteste "Terrasse" sieht aus, wie eine riesige, mittelalterliche Wehrburg mit einem Wachturm an der Seite. Nach dem Fotostopp setzen wir unsere Fahrt auf der Pad fort. Wir wollen jetzt noch ein besonderes Überbleibsel der Fluß- und Erosionseinwirkung erreichen - den sog. Vingerklip. Bevor wir das letzte Stück des Weges bis zu diesem einsamen Sandsteinfelsen erreichen, koppelt Paul unseren Anhänger ab, denn wegen des schlechten Wegzustandes können wir mit ihm nicht weiterfahren. Dann kommen wir über einen schmalen und etwas steilen Weg auf einen leichten Hügel hinauf.

Damaraland-Blick vom Vingerklip auf die Ugab Terrassen-Namibia

Auf seiner Spitze steht der goldbraune Vingerklip, ein etwa 35 m hoher Monolith (der größte seiner Art im ganzen Lande), den die Auswaschungen des Ugab vor Millionen von Jahren hinterließen. Er sieht wie ein Felsfinger aus, daher wohl auch sein Name. Nur soviel ist von einem ähnlichen Tafelberg, wie die anderen vorher gesehenen, noch verblieben. Seine in der Morgensonne leuchtende Farbe bildet einen schönen Kontrast vor dem tief blauen Hintergrund des wolkenlosen Himmels. Von dem Parkplatz bewältigen wir noch zu Fuß einen kurzen, aber steilen Aufstieg bis direkt zu dem Felsen. Erst, wenn man direkt neben ihm steht, bzw. andere danebenstehend von unten aus sieht, kann man richtig seine Ausmaße einschätzen. Von dem Felsen erstreckt sich ein herrlicher, kilometerweiter Ausblick auf die weite, offene Landschaft. Vor allem sieht man wieder die eindrucksvollen Terrassen des Ugab, herausragend aus einem sonst flachen Land. Die gelbbraune Erde ist bedeckt durch einen lockeren Teppich aus ausgetrocknetem Gras sowie niedrigen Bäumen und Büschen, die in nicht allzu großen Abständen voneinander wachsen. Darunter gibt es u.a. viele Bäume einer endemischen Art, die Blätter in Form von Schmetterlingsflügeln besitzen. Diese Bäume richten ihre Blattkanten gegen die Sonne aus, um möglichst wenig Flüssigkeit zu verdampfen. Bis etwa 9.30 Uhr verbleiben wir am Vingerklip, genießen die tolle Aussicht von oben auf die Ugab-Terrassen und den spektakulären Blick auf den Monolithen selbst. Dann fahren wir den Hang herunter, holen wieder unseren Anhänger, und folgen etwa 20 Minuten lang dem gleichen Weg, über den wir gekommen sind, bis zur Teerstraße nach Outjo. Von hier sind es noch ca. 80 km bis zu dieser kleinen Siedlung inmitten von grün bewachsenen Hügeln. Auch auf dem Weg dahin durch eine relativ flache Gegend begleitet uns ein dichtes, grünes Buschwerk. Dazwischen tauchen immer wieder rötliche Termitenhügel auf. Später zeigen sich am Horizont erste sanfte Hügel. Wir sehen auch wieder Zäune, die auf das Farmland hinweisen. Durch die Busfenster bemerken wir an einer Stelle 3 Paviane, die am Straßenrand laufen. Gegen 11 Uhr kommen wir in Outjo an und fahren ins Zentrum des kleinen Ortes (ca. 6.000 Einwohner), der 1896 als Militärstützpunkt gegründet wurde. Hier steigen wir aus und bekommen 1,5 Stunden Freizeit. Manche von uns gehen zu den nahe gelegenen Lebensmittelgeschäften einkaufen oder machen eine Mittagspause. Ich gehe zunächst noch zu einer Bank, um etwas Geld abzuheben, bevor sie um die Mittagszeit schließt. Dann bummle ich durch das ziemlich menschenleere Städtchen und kaufe mir auch etwas zu trinken in einem Supermarkt. Eigentlich gibt es hier nichts besonderes, aber der Ort ist sauber, und eine architektonisch interessante Kirche der holländisch-reformierten Glaubensrichtung im Zentrum fällt mir ins Auge. Später wandere ich noch entlang der Hauptstraße in die andere Richtung und entdecke zwei Mineraliengeschäfte. Das eine ist aber geschlossen, in dem anderen, von einer holländischen Familie geführt, findet man neben Schmuck viele größere und kleinere, landestypische Mineralien, die man als Souvenir kaufen kann. Auch ich besorge mir ein Mitbringsel.

Damaraland-Der Vingerklip-Namibia

Gegen 12.30 Uhr treffen wir uns alle am Bus wieder und kurz danach verlassen wir Outjo in Richtung des Etosha Nationalparks im Norden. Vor uns liegen noch ca. 100 km bis zu den Toren des Parks. Die Landschaft unterwegs ist flach, nur gelegentlich sehen wir sanfte Hügel. Auch hier ist es ziemlich grün dank dem relativ dicht wachsenden Buschwerk. Um ca. 13.30 Uhr erreichen wir schließlich das Andersson-Tor im Südwesten des umzäunten Etosha Nationalparks. Während unser Reiseleiter die Formalitäten am Tor erledigt, steigen wir kurz aus, vertreten uns die Beine, und machen Fotos. Der Etosha Nationalpark ist der berühmteste Nationalpark Namibias und beherbergt eine Vielzahl von Tier- und Vogelarten, allein 114 Säugertierarten und 340 Vogelarten. Das Gebiet erstreckt sich um einen riesigen ausgetrockneten See, die Etosha-Pfanne. Ihr auch verdankt der Park den Namen: Etosha heißt der "große, weiße Platz trockenen Wassers". Bereits 1907 wurde ein großes Gebiet um die Pfanne herum zum Schutzgebiet erklärt. 1958 wurde ein riesiges Gebiet von ca. 100.000 qkm, das von der Skelettküste bis zum östlichen Rand des Etosha-Pfanne reichte, zum Nationalpark erklärt. Später jedoch, im Zuge der südafrikanischen Homeland-Politik wurde der Park drastisch verkleinert und umfaßt heute in Gebiet von 22.270 qkm. Jetzt fahren wir mit unserem Rotel-Bus durch den berühmten Park in nördliche Richtung. Natürlich nicht so schnell, wie sonst auf den Straßen. Schließlich wollen wir auf dem Weg zum Besuchercamp Okaukuejo, wo wir heute übernachten werden, die ersten Tiere beobachten. Und wir müssen nicht lange warten. Bereits nach wenigen Minuten sehen wir mitten auf unseren Weg, und im Schatten der grünen Bäume eine Herde Zebras. Wir kommen ihnen sehr nah und halten an. Die Tiere lassen sich nicht stören und weiden gemütlich weiter in dem gelben Gras. Wir machen neugierig unsere ersten Tierbeobachtungen. Auf der Weiterfahrt beobachten wir außer Zebras noch einige andere Tierarten, u.a. Giraffen, viele Springböcke und Impala-Antilopen. Nach etwa 10-15 km Fahrt durch den Nationalpark erreichen wir dann das große, von einem Zaun umgebene Besuchercamp Okaukuejo. Es ist das älteste Camp in Etosha sowie der Hauptsitz der Parkverwaltung und Sitz des ökologischen Instituts. Nachdem wir einen guten Standort für unseren Bus gefunden haben, bauen wir den Anhänger auf. Dann haben wir Freizeit, während sich Paul langsam um die Vorbereitung des Abendessens kümmert. Ich mache einen Bummel durch das ausgedehnte, gepflegte Campgelände. Neben dem Zelt- und Campingplatz verfügt das Camp über viele Bungalows und andere Einrichtungen wie Restaurant, Schwimmbad, Tankstelle und Laden. In dem "Geschäftszentrum" befindet sich auch ein hoher Steinturm. Ich sehe mich zunächst in den kleinen Läden um, wo man neben Lebensmitteln auch verschiedene Souvenirs kaufen kann. Dann klettere ich auf den runden Beobachtungsturm hoch. Von hier aus sieht man rundum ein flaches Gelände, teilweise bewachsen nur mit gelblichem Gras, teilweise vom Buschwerk, das bis zum Horizont reicht. Danach gehe ich zwischen den Bungalows zurück zu unserem Bus. Einige der Touristen, die in den Bungalows wohnen, verbringen hier im Camp längere Zeit, manche sogar Wochen. Überall im Camp, insbesondere auf den Rasenflächen, kann man verspielte Erdhörnchen (Erdmännchen) beobachten. Es ist interessant zu beobachten, wie diese putzigen Nagetiere nach der Nahrung suchen, miteinander spielen, aufgerichtet stehen (Männchen machen) und dann wieder schnell in ihren Erdlöchern verschwinden. In der Nähe unseres Busstandortes befindet sich ein alter Baum mit einem riesigen Webervögelnest. Das Nest ist so massiv, das man es mit einigen Stöcken abgestützt hat. Ein größeres Webervögelnest habe ich auf meiner Reise nicht gesehen.

Etosha N.P.-Zebras-Namibia

Bis zum Abendessen haben wir noch Zeit. Ich kann mir jetzt also noch das große Wasserloch anschauen, das unweit unseres Platzes direkt an das Campgelände angrenzt. Für die Tierbeobachtung am Wasserloch wurde eine kleine Tribüne aufgebaut. Außerdem sind an einer niedrigen Steinmauer, die das Camp von der Außenwert abgrenzt, mehrere Sitzbänke nebeneinander aufgestellt. Vor der Steinmauer befindet sich in einem Abstand noch entsprechend angebrachter Stacheldraht, damit die Wildtiere, die die etwas tiefer gelegene Wassertränke besuchen, nicht zu nah an die Mauer kommen. Nachts wird das Wasserloch mit großen Scheinwerfern angestrahlt. Zur Zeit sind kaum noch Touristen an dieser Stelle, und auch keine Tiere sind hier zu sehen. Ich setzte mich aber auf die Tribüne und warte. Es dauert nicht lange, und es tauchen unerwartet und lautlos aus der Tiefe des Parks einige Springböcke und danach eine kleine Herde Zebras auf. Besonders interessant ist es zu beobachten, wie vorsichtig sie sich dem Wasser nähern und trinken. Nach wenigen schnellen Schlücken Wasser werden sie wieder wachsam. Als ich die Zebras beobachte, kommt überraschend und lautlos vom Westen ein einsamer, großer Elefantenbulle an die Wasserstelle. Ich bemerke ihn erst, als er schon ziemlich nah an der Wasserstelle ist. Ohne Eile kommt er näher, und dann zu unserer Überraschung geht er majestätisch entlang des Ufers in unsere Richtung. Nur wenige Meter von der Trennmauer entfernt, geht er langsam um das Wasserloch herum, bis er an seine östliche Seite gelangt. Wir können ihn fast riechen. Es kommt uns so vor, wie eine gute Inszenierung in einer Vorstellung, so schön präsentiert er sich vor unseren Augen im warmen Licht der langsam untergehenden Sonne. Dann, an der anderen Seite des Loches, trinkt er endlich. Der Bulle bleibt noch eine Weile, dann entfernt er sich so lautlos und gemächlich, wie er gekommen ist. Auch für mich ist es an der Zeit, zum Bus zurückzukehren, denn das Abendessen wartet bestimmt schon. Wir genießen unser Essen bei angenehmer Abendluft und langsam untergehender Sonne. In der Ferne des Parks hört man das Brüllen eines Löwen. Nach dem Essen und Abspülen gehen die meisten von uns zum Wasserloch. Jetzt ist es ca. 18.30 Uhr, schon dunkel und das Wasserloch ist beleuchtet. Viele Touristen sammeln sich jetzt an dieser Stelle, denn in den Abendstunden kommen in der Regel viele Tiere, um zu trinken. Auch ich suche mir ein gutes Plätzchen an der Mauer vor dem Wasserloch, um nach wilden Tieren Ausschau zu halten. Obwohl zahlreiche Leute sich hier versammelt haben, herrscht eine absolute Stille. Und wenn sich schon jemand kurz unterhält, dann nur flüsternd. Lange Zeit tut sich aber nichts am Wasserloch. Wir schauen auf die im diffusen Licht gelegene Wasserfläche und in die Dunkelheit dahinter. Plötzlich tauchen wie aus dem nichts drei Löwen und nähern sich dem Wasser. Alles spielt sich wie in einem verlangsamten Film ab. Es dauert eine Ewigkeit, bis die Tiere sich sicher fühlen und zu trinken wagen. Etwas später, nachdem die Löwen wieder in der Dunkelheit verschwunden sind, kommt eine Nashornfamilie mit einem Kleinen. Aus sie lassen sich viel Zeit am Wasserloch, als ob sie kein Durst hätten. Aber es ist nur die Vorsicht, denn beim Trinken sind alle Tiere am einfachsten anzugreifen.

Okaukuejo Camp (Etosha N.P.)-Ein Elefant am Wasserloch am späten Abend-Namibia

Nachdem sie endlich getrunken haben, verschwinden die Nashörner langsam wieder in der Weite der Wildnis. Ich sitze weiter mit vielen anderen, starre in die Dunkelheit, und warte auf die nächsten Überraschungen. Nach einiger Zeit erscheinen im Scheinwerferlicht wieder vier Nashörner, darunter zwei Bullen. Es gibt anscheinend einen Konflikt zwischen ihnen, den sie hier austragen. Wir können beobachten, wie sie miteinander kämpfen: sie drücken aufeinander, scheinbar langsam aber kraftvoll, mit ihren tonnenschweren Körpern, dann stehen sie sich gegenüber mit zum Kampf ausgerichteten Hörnern, fauchen sich an und angreifen. Deutlich zu erkennen ist, daß der eine den anderen nicht ans Wasser lassen will. Ein super spannendes Naturspiel, das sich so nah vor unseren Augen abspielt. Schließlich gibt das schwächere Tier nach. Der Sieger dreht stolz eine Runde um das Wasserloch herum, nur wenige Meter von uns entfernt. Während wir am Wasserloch sitzen und auf die Tiere warten, höre ich einige Schreie hinter meinem Rücken, in der Nähe der Bungalows. Es stellt sich heraus, daß dort jemand in der Dunkelheit auf dem Weg eine große Schlange entdeckt hat. Einige Leute gehen dorthin mit ihren Taschenlampen. Aber kurze Zeit später heißt es, daß die Schlange in einem Erdloch verschwunden ist. Na schön, und ich muß gleich noch daran vorbei gehen, um zum Bus zurückzukehren. Nachdem die kämpferischen Nashörner ihren Durst gestillt haben und die Wasserstelle verlassen haben, tut sich lange Zeit nichts mehr im beleuchteten Bereich. Zwischenzeitlich ist es auch ziemlich kühl geworden. Da es sich nichts mehr ankündigt, entscheide ich mich gegen 21.30 Uhr, nach drei am Wasserloch verbrachten Stunden, zurück zum Bus zu gehen. Nach der Dusche gehe ich dann schlafen, gespannt schon auf morgen, auf neue Erlebnisse mit den Tieren.

13. Tag:

- Etosha Nationalpark (Okaukuejo - Halali - Fort Namutoni) -

Etosha N.P.-Zwei Springbocke im trokenen Gras-Namibia

Gespannt auf heutige Tierbeobachtungen und -begegnungen stehe ich bereits um 5.30 Uhr auf. Andere Mitreisende sind auch schon auf den Beinen. Eine halbe Stunde später, kurz nach dem Sonnenaufgang bin ich an "unserem" Wasserloch. Hier sind auch schon die ersten Besucher - auf beiden Seiten der Steinmauer. Zunächst merke ich noch nichts am Wasserloch, aber andere Touristen machen mich aufmerksam auf einige bräunliche Flecken zwischen den weißen Steinen auf der anderen Seite der Tränke. Gut für unsere Augen getarnt, liegen dort einige Löwen. Langsam nähert sich die Löwensippe dem Loch mit Wasser. Jetzt kann man sie gut sehen. Auch mehrere kleine Löwenjungen sind dabei. Sie haben nur Blödsinn im Kopf. Sie spielen miteinander, zanken sich mit ihren Geschwistern oder legen sich auf den Rücken - wie kleine Kätzchen halt. Während dessen beobachten die erwachsenen Löwenweibchen aufmerksam die Umgebung. Wie schon gestern beobachtet, lassen sich die Tiere viel Zeit, bevor sie ans Wasser gehen. Erst wenn sie absolut sicher sind, daß in der Nähe keine Feinde lauern, und die Umgebung sicher ist, machen sie schnelle Schritte zum Wasser und trinken. Ich könnte das Geschehen am Wasserloch lange noch beobachten, aber die Zeit drängt. Um 7 Uhr haben wir Frühstück am Bus, und das will ich nicht verpassen. Nach dem Essen und Abwasch, sowie nach Aufräumen und Zusammenbau des Anhängers bleibt uns noch etwas Zeit für den letzten kurzen Besuch am Wasserloch. Es spielt sich hier aber im Moment nichts spektakuläres ab. Wir kehren also zum Bus und verlassen gegen 8 Uhr das Rastlager Okaukuejo. Jetzt gehen wir mit unserem roten Bus "auf die Pirsch". Wir fahren auf den Parkwegen Richtung Osten, wo der größere Teil des Nationalparks liegt. Die flache Landschaft der Gegend besitzt unterschiedliche Vegetationsarten. Überwiegend sind es weite und offene, steppenartige Gebiete, bewachsen mit ausgetrocknetem Gras. Es gibt aber auch Abschnitte, wo ein dichtes Buschwerk vorhanden ist, oder wo auch größere Bäume wachsen - überwiegend Akazien oder charakteristische Mopane-Bäume. Auch heute herrscht ein wunderschönes, sonniges und wolkenloses Wetter. Erst am Nachmittag zeigen sich einzelne kleine Schäferwolken. Auf unserer Fahrt auf den Pads können wir am Vormittag verschiedene in Etosha lebende Tierarten beobachten. Vor allem begegnen wir Herden von Zebras und Springböcken. In ihrer Nachbarschaft halten sich auch in der Regel Gnu-Antilopen auf. Wir sehen auch einige Impala-, Kudu- und Oryx-Antilopen. Auch einige Vogelarten sehen wir in der Nähe: vor allem Strauße, aber auch Trappen und zwei große Geier auf einem Baum. Nur keinen der ca. 1200 in der Etosha lebenden Elefanten bekommen wir heute zu sehen, auch nicht am Nachmittag. Sie verstecken sich vor uns erfolgreich. Einmal bekommen wir von den unterwegs getroffenen Rangern die Information, wo sie sich gerade aufhalten, aber als wir diese Stelle erreichen, verschwinden sie gerade hinter den Bäumen am Horizont. Etwas schade.

Halali Camp (Etosha N.P.)-Eine Kude Antilope am Wasserloch-Namibia

Wir besuchen unterwegs auch einige kleinere Wasserlöcher, aber hier treffen wir keine Tiere an. Scheinbar hat es in der letzten Zeit genug Regen gegeben und die Tiere finden Wasser überall. Interessant ist aber zu sehen, daß neben den Wasserlöchern kleine Solaranlagen stehen. Die Wassertränken wurden künstlich geschaffen, und das Wasser wird mit Hilfe der Solarenergie aus den Brunnen gefördert. Unterwegs machen wir im Park eine kurze Toilettenpause. An einer Stelle sind hier einige Toilettenhäuschen aufgestellt. Drum herum wachsen einige mittelgroße Bäume und Büsche. Hier darf man aus dem Fahrzeug aussteigen, was sonst im Park strengstens verboten ist. Aber Rudolf warnt uns, daß wir auf eigene Gefahr aussteigen und nicht ausgeschlossen werden kann, daß in den Büschen wilde Tiere lauern. Trotzdem ergreifen wir alle die Chance, für etwas Erleichterung zu sorgen. Gegen 11.30 Uhr erreichen wir das Rastlager Halali, das etwa 70 km östlich von Okaukuejo gelegen ist. Hier machen wir eine ca. 1,5stündige Mittagspause. Dieses Camp ist etwas kleiner, als der letzte, hat aber auch ein "eigenes" Wasserloch. Ich folge gleich zusammen mit einigen Reisegenossen den Schildern, die den Weg zu dieser Wasserstelle zeigen. Wir gehen einen Hügel hinauf - wohl die einzige Erhebung in der Gegend, und gelangen zu einen malerischen, felsigen Plateau, von dem man einen schönen Ausblick auf das unten gelegene Wasserloch hat. Auf dem felsigen Plateau stehen ein paar Sitzbänke und wachsen einige schöne Mopane-Bäume. Das kleine Wasserloch ist von einer schmalen Grasfläche umgeben, dahinter beginnt ein grünes, niedriges und dichtes Buschwerk, das bis zum Horizont reicht. Wir setzen uns in der Hitze der Mittagssonne hin und warten. Lange Zeit tut sich nichts. Dann kommt ein einzelner Springbock an die Wasserstelle, verschwindet aber nach kurzer Zeit wieder im Busch. Nach einem längeren Warten bemerken wir dann eine schöne Kudu-Antilope, die links aus dem Buschwerk auftaucht und sich gemächlich, ohne Eile, mit vielen Pausen dem Wasserloch nähert. Auch hier wiederholt sich wieder das Ritual, das ich bereits kenne. Die Antilope kreist langsam und lautlos um das Wasserloch herum, kommt näher, entfernt sich wieder, lauscht den Geräuschen der Wildnis und endlich, nach langem hin und her, kommt sie schnell ans Wasser, spreizt die Vorderbeine, senkt ihren Kopf und hastig trinkt. Nach wenigen Sekunden springt sie wieder auf, dreht sich wachsam um und entfernt sich so langsam, wie sie gekommen ist. Zwischenzeitlich ist unsere Pause zu Ende und ich kehre zurück zum Bus. Gegen 13.15 Uhr verlassen wir das Camp und setzen unsere Pirschfahrt durch den Etosha Nationalpark fort. Über verschiedene Pads fahrend bewegen wir uns weiter nach Osten, zum nächsten Camp, wo wir heute Abend übernachten werden.

Etosha N.P.-Ausgetrocknete, endlose Oberfläche der Etosha Pfanne-Namibia

Nach einigen Kilometern halten wir kurz an einer natürlichen Wasserstelle, an der wir einige Zebras sowie Gnu und Oryx-Antilope bemerken. Weiter im Hintergrund erkennen wir unter großen Akazien auch einige Giraffen. Wir stellen fest, daß sie sich in Richtung der Wasserstelle bewegen, also setzen wir mit dem Bus etwas zurück und warten. Die Giraffen lassen sich aber viel Zeit. Sie kommen zwar voran, sehr langsam nur. Irgendwann geben wir schließlich auf und fahren weiter. Am nächsten kleinen Wasserloch haben wir mehr Glück. Eine Giraffe steht hier gerade am Wasser mit gespreizten Beinen und gesenktem Kopf und trinkt. Ein schönes Bild. Wir merken aber auch, wie nervös die Giraffe ist. In diesem Moment, als sie trinkt, ist sie allen Angreifern schutzlos ausgeliefert. Deshalb richtet sie sich schnell wieder auf. Wir machen jetzt mit unserem Bus einen kurzen Abstecher nach Norden zu der eigentlichen Etosha Pfanne, die wir während unserer Fahrt aus den Busfenstern in der Ferne gesehen haben. Jetzt fahren wir über eine befestigte Stichstraße ein Stück in die Pfanne hinein, zum sog. Etosha Lookout. Die Pfanne ist eine riesige, ausgetrocknete Lehmsenke. In der Regenzeit füllt sie sich zum Teil mit Wasser auf. Hier können wir wieder aussteigen und uns die Beine vertreten. Wie weit das Auge reicht, erstreckt sich vor uns eine schier endlose helle Oberfläche der Pfanne. Bis zum Horizont nichts anderes, nur eine absolut ebene, zersprungene und staubige beige-graue Lehmschicht. Diese lebensfeindliche, salzige Pfanne sieht abschreckend aus. Zwangsläufig kommen einem Gedanken auf, daß es keine Rettung vor dem Austrocknen gäbe, würde man sich hier mal verirren. Am Rande der Pfanne sehen wir aber später einige Tiere, vor allem verschiedene Antilopenarten. Nach einem kurzen Aufenthalt am Rande der Pfanne und einigen Erinnerungsphotos fahren wir weiter. Wir folgen jetzt einem Weg, der parallel zum südlichen Rand der Etosha Pfanne verläuft. Unterwegs sehen wir nur Tierarten, denen wir bereits häufiger begegnet sind. Auf dem Ast eines Gebüsches direkt am Wegerand sitzt ein bunter Vogel - eine Blauracke. Paul hält den Bus genau so an, daß der Vogel direkt vor unseren Augen ist. Zu meiner Überraschung läßt er sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Je weiter nach Osten wir kommen, desto häufiger sehen wir Giraffen. Einige knabbern an Blättern niedriger Akazienbäume direkt am Rande der leblosen Etosha Pfanne. Auf der anderen Busseite tauchen aus dem dichteren grünen Geflecht von Büschen und Akazien plötzlich ganz nah einige Giraffenköpfe auf. Wir halten erneut an, und die beeindrückenden Tiere zeigen sich uns gleich in ihrer vollen Schönheit. Wie fließend und majestätisch ist ihre Bewegung. Auf der Suche nach schmackhaften Blättern verschwinden sie aber bald wieder im Gebüsch.

Etosha N.P.-Giraffe-Namibia         Etosha N.P.-Eine Giraffe unweit von der Etosha Pfanne-Namibia

Gegen 16.30 Uhr erreichen wir unser heutiges Etappenziel - das Camp Fort Namutoni. Es liegt im Osten des Nationalparks und im äußersten Südosten der Etosha Pfanne, ca. 75 km von Halali entfernt. Bereits im Jahre 1902 wurde hier ein deutsches Fort errichtet, der aber schon zwei Jahre später während der kriegerischen Auseinandersetzungen von den Owambo zerstört. Einige Jahre später wurde das Fort wieder aufgebaut und 1958 restauriert. Paul findet nach einiger Suche im Camp einen guten Platz für unseren Rotel-Bus. Wir helfen wieder beim Aufbau und dann haben wir Zeit bis zum Abendessen. Auf meinem Bummel durch das Camp sehe ich auch hier neben Zelt- und Campingplätzen (wo auch andere Expeditionsbusse und -LKW's stehen) gemauerte Bungalows sowie ein Restaurant- und Ladenkomplex. Das Zentrum des Camps wird jedoch beherrscht von den weißen Mauern des malerischen Forts mit seinen Ecktürmen. Ich gehe herein und besteige dann einen der Türme. Hier befindet sich ein kleiner Museumsraum, wo an einem Modell der Anlage die Belagerung und Verteidigung vom Jahr 1904 geschildert wird. Damals haben 7 deutsche Soldaten das Fort einen ganzen Tag gegen 500 Owambo-Krieger verteidigt. Von der Turmspitze kann man gut das ganze Camp und das Parkgelände drum herum erblicken. Als ich oben bin, kommt ein uniformierter Parkangestellte und holt feierlich vom Mast die dort aufgehängte Namibische Nationalfahne ein. Sie wird wahrscheinlich an jedem Morgen aufgehängt und abends eingeholt. Zurück unten wandere ich noch ein wenig durch das Campgelände. Ich sehe einige exotische Vögel, und an einer Stelle begegne ich einer Gruppe von kleinen Warzenschweinen. Ob sie hier vielleicht aufgezogen werden oder nur ungebetene Gäste auf der Nahrungssuche sind, bleibt mir unklar. Auch dieses Camp hat ein beleuchtetes Wasserloch, wo man Tiere beobachten kann. Es ist jedoch viel kleiner als das in Okaukuejo und nicht so schön gelegen. Mann kann nur wenig Gelände außerhalb des Lochs erblicken. Bei meinem ersten Besuch dort gibt es leider keine größeren Tiere zu sehen. Nur einige Vogelarten - Enten und irgendwelche Huhnart kann man im und am Wasser beobachten. Ich erlebe aber einen sehr schönen Sonnenuntergang. Die glühend rote Sonne verschwindet hinter dem Buschwerk und spiegelt sich dabei schön im Wasserloch. Nach dem Abendessen an unserem Bus gehen wir gegen 19 Uhr nochmals zum Wasserloch. Ich nehme Platz auf einer kleinen überdachten Holztribüne und warte schweigend mit anderen Reisenden auf die Tierbesuche an der Tränke. Leider haben wir kein Glück heute. Es kommt kein Tier zum Wasser. Als auch nach einer Stunde nichts passiert, entscheide ich mich zum Bus zurückzukehren und schlafen zu gehen.

14. Tag:

- Fort Namutoni - Okahandja - Windhoek - München -

Der letzte Rundreisetag beginnt mit einem sehr frühen Frühstück bereits um 6 Uhr. Vor uns liegt heute eine sehr lange Fahrtstrecke. Bereits um 7 Uhr verlassen wir das Fort Namutoni Richtung Osten. Wir fahren noch ca. 12 km durch den Etosha Nationalpark bis zum Von-Lindequist-Gate, dem östlichen Eingangstor des Parks. Es herrscht auch heute ein schönes, klares und sonniges Wetter. Unterwegs sehen wir noch einige wilde Tiere, vor allem Antilopen, Zebras und 4 bis 5 Giraffen. Auch außerhalb des Parks bleibt zunächst die Landschaft unverändert, flach und grün, mit viel Buschwerk. Hier gibt es auch wilde Tiere, die auf zahlreichen privaten Wildfarmen leben, die um den Nationalpark herum entstanden sind. Unterwegs erzählt uns Rudolf viel Interessantes über die Elefanten, deren Verhalten und Leben in der Wildnis. Wir fahren von der Grenze des Nationalparks noch ca. 36 km nach Osten, bis wir die vom Nordwesten kommende Hauptstraße B1 erreichen, die uns bis Windhoek bringt.

Unterwegs vom Etosha N.P. nach Okahandja-Termitenhügel am Straßenrand-Namibia

Um ca. 8.30 Uhr fahren wir an Tsumeb vorbei, einer Kleinstadt, die durch den vor kurzen erst beendeten Bergbau bekannt ist. Für einen Besuch dieser angeblich hübschen Stadt, in der man auch viele Mineralien kaufen kann, bleibt uns jedoch keine Zeit. Hinter Tsumeb folgen wir der B1 nach Südwesten durch eine leicht hügelige Gegend. Die Hügeln sind mit üppigem, grünem Buschwerk und Gras bewachsen. Am Straßenrand sehen wir an einer Stelle eine mehrköpfige Pavianenfamilie spazieren. Die Straße windelt sich kurze Zeit in leichten Serpentinen rauf und runter. Aber schon ca. 15 Minuten später wird es wieder flach. Nur am Horizont sehen wir jetzt links die Otaviberge, ein Sandsteingebirge. Zwischen dem nicht bewirtschafteten Land, das mit Gras und Buschwerk bewachsen ist, tauchen jetzt auch einige Maisfelder auf. Wir erfahren, daß um den Ort Otavi herum, dem wir uns jetzt nähern, viel Mais angebaut wird. Kurz nach 9 Uhr machen wir in Otavi eine kurze Pause an der Tankstelle, denn unser Bus aufgetankt werden muß. Hinter uns haben wir heute schon ca. 185 km gelassen, vor uns liegen noch ca. 330 km bis nach Windhoek. Nach der Tankpause geht es also sofort weiter Richtung Otjiwarongo im Südwesten. Die Landschaft ist weiterhin sehr grün, ganz anders als im Süden des Landes. Und unterwegs sehen wir unzählige, zum Teil riesengroße Termitenhügel entlang der Straße. Sie haben verschiedenste Farben - rötlich, rostbraun, grau, gelblich, beige, so wie die Farben der Erde in der jeweiligen Gegend. Um 11.15 Uhr machen wir eine halbstündige Mittagsrast auf einem kleinen Parkplatz an der Straße. Ich spaziere etwas herum und schaue mir aus der Nähe einige der hier stehenden Termitenhügel an. Die Weiterfahrt nach Süden ist unspektakulär, wir dösen im Bus vor uns hin. Gegen 13.20 Uhr kommen wir in dem ca. 1400 m hoch auf dem Hochplateau gelegenen Städtchen Okahandja an. Es ist berühmt für seinen riesigen Kunsthandwerker- und Holzschnitzermarkt jeweils am südlichen und nördlichen Ortseingang. Auch wir halten hier an und haben eine knappe Stunde Zeit, um uns mit den letzten Souvenirs zu versorgen. In zahlreichen überdachten Ständen und Hütten findet man alle nur vorstellbaren Tiere, Masken und sonstige aus Holz geschnitzte Souvenirs in allen nur erdenklichen Größen. Die Auswahl ist schier unüberschaubar. Jeder Schnitzer oder Händler preist seine Ware an, jeder versucht mich zu überzeugen, ich soll mir seine Schnitzereien anzuschauen, als ich durch die schmalen Gänge zwischen den Ständen spaziere. Nur einen Blick werfen, man braucht nichts zu kaufen - heißt es immer. Und zum gucken gibt es genug. Imposant finde ich die bis zu 3 m hohen Giraffen und bis zu 300 kg schweren Elefanten. Wer kauft dies bloß? Aber auch viele kleinere, schöne Stücke findet man in den Auslagen. Auch ich kaufe mir drei kleine Masken und zwei hübsche Miniaturelefanten. Um 14.15 Uhr brechen wir zur Weiterfahrt auf. 45 Minuten später erreichen wir die Hauptstadt, und auf den Umgehungsstraßen fahren wir westlich um sie herum. Im Vorbeifahren sehen wir kleine, bunt bemalte Wohnhaussiedlungen sowie Industriegebiete. Wir fahren jetzt weiter nach Süden, zu dem Harmony Seminar Centre in den Auas-Bergen, wo wir schon unsere erste Übernachtung nach der Ankunft in Namibia gehabt haben. Hier angekommen, bauen wir unseren Schlafanhänger auf und bekommen unsere Koffer ausgehändigt. Jetzt beginnt das große Packen und Umpacken unseres Reisegepäcks vor der Abreise. Es ist schon ungewöhnlich, dies draußen unter den Bäumen zu tun. Ich paße dabei auf, daß die großen Käfer, die hier ab und zu durch den sandigen Boden wandern, nicht als blinde Passagiere in meinen Koffer klettern.

Windhoek-LTU Machine am Flughafen-Namibia

Um 18.30 Uhr beginnt das Abschiedsessen in dem Klubraum des Centers. Die hiesigen Köche haben wieder ein gutes Essen zubereitet. Anschließend verbringen wir beim namibischen Bier unterhaltsam noch etwas Zeit und tauschen uns aus über unsere Erlebnisse und Eindrücke der letzten Tage. Allzu lange kann der Abend aber leider nicht dauern. Denn morgen ist schon um 3 Uhr nachts das Aufstehen angesagt. Um 4 Uhr genießen wir das letzte Rotel-Frühstück auf unseren Bänken unter dem wunderbaren, klaren namibischen Sternenhimmel. Es ist noch sehr kalt so früh morgens. Anschließend räumen wir noch die Bettwäsche aus unseren Schlafkabinen und schauen das letzte Mal nach, ob jeder seine Sachen mitgenommen hat. Der Rotel-Bus bleibt hier stehen und wird heute für die nächste Reisegruppe vorbereitet. Wir werden gleich von einem anderen Reisebus abgeholt und zum Flughafen gebracht. Er verspätet sich aber eine Weile. Rudolf und eine zweite Reiseleiterin, die uns nach Windhoek begleiten wird, telefonieren mehrmals verzweifelt. Schließlich kommt der Bus nach 5 Uhr an. Wir verabschieden uns von Rudolf und Paul, die am Rotel-Bus verbleiben. Rudolf wird seine nächste Gruppe wieder in Südafrika begleiten. Der Abschied ist sehr herzlich. Wir bedanken uns bei den Beiden für die gute Betreuung und Reiseleitung sowie für die sichere Fahrt und das gute Essen. Nach der Ankunft am Flughafen stellen wir uns am Ende einer langen Warteschlange an, denn wir sind schon relativ spät angekommen und andere Reisegruppen, die nach Deutschland zurückkehren, sind auch schon da. Es dauert also eine Weile, bis ich einchecken kann. Der Abflug ist auch etwas verspätet. Der vollbesetzte LTU-Airbus A330-200 hebt in die Luft um 8.25 Uhr Ortszeit ab. Leider habe ich keinen Fensterplatz. Der Anzeige auf den Bildschirmen entnehme ich, daß wir u.a. über Angola (Luanda), Kongo (Kinshasa), Tschad, Libyen (Tripolis) und die Mittelmeerinsel Sizilien fliegen. Um 18.55 Uhr Ortszeit landen wir in München. Nach der Erledigung der Einreiseformalitäten fahre ich mit der S-Bahn ins Zentrum. Erst um 22.40 Uhr habe ich einen Nachtzug nach Köln, wo auch mein Auto steht. Während der langen nächtlichen Fahrt lasse ich nochmals die zahlreichen Eindrücke dieser sehr spannenden Rundreise in meinem Gedächtnis Revue passieren.

REIZEN-D

SHOW-TOUR