- HONGKONG - MACAU -

KÜRZBERICHT

KOMPLETTBERICHT

- Kowloon, New Territories -

Landung um 8.15 Uhr auf dem Flughafen Chek Lap Kok auf der Insel Lantau, Transfer zum Hotel Kowloon auf der gleichnamigen Halbinsel, Einchecken, kurze Erholung

Spaziergang am Peninsula-Hotel vorbei zur Uferpromenade in Kowloon: kleiner Park am Hong Kong Museum of Arts, Cultural Centre, berühmter Clock Tower, Star-Ferry Terminal, Blick auf die Skyline auf der Hongkong-Insel. Danach Rückkehr ins Hotel

Spaziergang durch die Nathan Road in Kowloon und dann zum Endbahnhof der Kowloon-Canton Railway (KCR) in Hung Hom

Fahrt mit der KCR-Bahn von Hung Hom nach Shatin:

Besichtigung des Po Fook Hill bzw. der Po Fook Ancestry Halls (Ahnenhallen)

Besichtigung des Tempels der 10.000 Buddhas

Abends Bummel auf der Nathan Road und den benachbarten Straßen

- Hong Kong Island, Kowloon -

Halbtägige geführte Rundreise durch die Hongkong Insel. Dabei Fahrt durch das Zentrum, entlang der Nord- und Südküste und Besichtigung von:

Victoria Peak mit toller Aussicht auf die Skyline von Hongkong

Repulse Bay an der Südküste mit dem Tin Hau Tempel und einem Strand

Aberdeen: Fischmarkt, Hafenrundfahrt mit einem Sampan

Besichtigung einer Schmuck-Manufaktur

Fahrt mit der MTR-Bahn von Kowloon zur Station Diamond Hill und Besichtigung des Chi Lin Nonenklosters

Fahrt mit der MTR-Bahn nach Wong Tai Sin und dort Besichtigung des beliebtesten und lebhaftesten Tempels Hongkongs

Rückfahrt mit MTR bis Yau Ma Tei, von hier Gang durch die Nathan Road und Nachbarstraßen bis zum Hotel, unterwegs Besichtigung des Kowloon Parks

Abends Spaziergang auf der Uferpromenade von Kowloon

- Lantau Island, Hong Kong Island -

Überfahrt mit Star Ferry Fähre von Kowloon nach Hong Kong Island und von dort mit einer weiteren Fähre nach Lantau Island (Ort Mui Wo)

Busfahrt zum Dorf Tai O im Westen der Insel

Besichtigung des Dorfes Tai O (mehrere kleine Tempel, eine Pagode, Pfahlbauten)

Busfahrt von Tai O nach Ngong Ping

In Ngong Ping Besichtigung des buddistischen Po Lin Klosterkomplexes und der gigantischen bronzenen Buddhastatue

Rückfahrt mit dem Bus nach Mui Wo, Spaziergang am Strand

Rückfahrt mit einer Fähre zur Hong Kong Insel

Auf der Hong Kong Insel Spaziergang durch Central, dann zur Hollywood Road und dort Besichtigung des Man Mo Tempels (ältester Tempel in HK)

Gang entlang der Hollywood Road nach SoHo und anschließend Fahrt mit dem Escalator (längste Rolltreppe der Welt) Richtung Star Ferry Pier in Central

Rückfahrt mit Star Ferry nach Kowloon

- Macau -

Ganztägiger organisierter Ausflug nach Macau:

Überfahrt mit einer Fähre von Kowloon nach Macau, Ein- und Ausreiseformalitäten (Paßkontrollen) in den Terminals in Hongkong und Macau

Fahrt mit einem Reisebus zum Südzipfel der Insel. Dort Besichtigung des A-Ma Tempels (ältester Tempel von Macau)

Busfahrt Richtung Norden, tlw. entlang der Südost-Küste. Ein Zwischenstopp in der Nähe des neuen Fernsehturms mit Blick auf die Skyline von Macau sowie an der Statue von Göttin der Barmherzigkeit, Kun Iam

Im Norden der Halbinsel Besichtigung des Grenzübergangs nach China mit dem Portas do Cerco Tor. Besuch eines Souvenirladens

Mittagsessen in einem Hotel im Norden der Halbinsel

Besichtigung des alten Forts Monte Fort auf einem Hügel im Zentrum Macaus (Kanonen, Panoramablick auf die Altstadt)

Abstieg zur berühmten Fassade der Hl. Paulus Kathedrale (Wahrzeichen der Stadt). Freizeit, Spaziergang durch die Gassen im Zentrum

Fahrt zum berühmten Hotel Lisboa mit einem Spielcassino. Kurzer Aufenthalt im Cassino und Gelegenheit zum Spielen

Rückfahrt mit einer Fähre nach Kowloon

Abends Bummel durch die Straßen von Kowloon

- Hong Kong Island -

Überfahrt mit Star Ferry von Kowloon nach Wan Chai (Hong Kong Island)

Besichtigung des Kongreßzentrums (Hong Kong Convention & Exhibition Centre), des Hyatt-Hotels und Central Plaza Hochhauses

Gang zum Times Square, Besuch des Handelzentrums

Fahrt mit der Tram (Straßenbahn) von Causeway Bay im Osten nach Kennedy Town im Westen der Stadt

Rückfahrt mit der Tram bis zum Western Market, dann Spaziergang zum Man Mo Tempel

Gang über die Hollywood Road zum Escalator, Fahrt zum Central Market

weiter zu Fuß zum HSBC-Hochhaus und zur St. Johns Kathedrale (Besichtigung)

Besuch des Bank of China Towers, Auffahrt in die 43. Etage (Aussichtsplattform)

Gang zur Anfangsstation der Peak Tram, Fahrt zum Victoria Peak, Spaziergang am Peak, Besuch der Aussichtsplattform auf dem Peak Tower und von dort nächtlicher Blick auf die erleuchtete Skyline

Rückfahrt nach Kowloon mit Star Ferry

Spaziergang entlang der Nathan Road bis zum Nachtmarkt an der Temple Street

- New Territories, Kowloon -

Gang zu Fuß vom Hotel über die Uferpromenade zum KCR-Bahnhof in Hung Hom

Fahrt mit der KCR-Bahn vom Hung Hom nach Fanling in New Territories

in Fanling Besichtigung des taoistischen Tempels Fung Ying Sin Koon

Rückfahrt mit der KCR-Bahn zur Station Kowloon Tong in New Territories

Besichtigung der riesigen Einkaufzentrums Festival Walk Plaza an der KCR-Station

Weiterer Gang zu Fuß über die Tat chea Road bis zum Fa Hui Park

Besichtigung des Vogelmarktes (Bird Garden) am Fa Hui Park und des benachbarten Blumenmarktes

Weiter zu Fuß ins Stadtviertel Mongkok, Gang durch zahlreiche Straßenmärkte (u.a. Fischmarkt, Ladies Market) bis zur Nathan Road

Bummel durch die Nathan Road und Abstecher zum Jade-Markt (Kansu Street) und Rückkehr ins Hotel

- Hong Kong Island -

Überfahrt mit Star Ferry von Kowloon nach Central

Fahrt mit Escalator (Rolltreppe) bis zum Ende (am Berghang)

Besuch des Zoologischen und Botanischen Gartens

Besuch des Hong Kong Parks: viarium (künstlicher überdachter Dschungel), Konservatorium, 30 m hoher Aussichtsturm, Tai Chi Park, Flagstaff House mit dem Teemuseum

Einkaufszentrum am Pacific Place

Pause im Park Harcourt Garden

Rückfahrt mit Star Ferry nach Kowloon

Auschecken aus dem Hotel, Transfer zum Flughafen auf der Lantau-Insel,
um 23.55 Uhr Abflug nach Deutschland

1. Tag:

- Kowloon Halbinsel, New Territories -
Shatin: Po Fook Hill, Tempel der 10.000 Buddhas

Nach meine längste Tour in meine Karriere, meinen « Millennium-Tour » der anfing am 16 Juni 1999, um frühzeitig zu enden am 11 September 2001, durch den Terroristenattentat, habe ich einen bisschen persönlichen Urlaub nötig. Nicht das ich keine Freude in meine Tour hatte, aber wirklich nicht al zu viel pausen und schließlich auch noch einige schwere schmerzhafte Probleme in mein Privatleben. Nach dies alles, muss ich wirklich meine Gedanken andern. Wir sind Anfang Dezember 2001.

Um 8:15 Uhr landen wir in Hongkong auf dem riesigen neuen Flughafen Chek Lap Kok auf der Insel Lantau. Der 11stündige Nachtflug mit dem Jumbo der Cathay Pacific (Boeing 747-400) war sehr angenehm, so daß ich es gar nicht weiß, wann die Zeit vergangen ist. Die netten Stewardessen servierten sehr gutes Essen, und für die Unterhaltung sorgten die in jedem Sitz eingebauten Monitore mit mehreren Video-, Audio- und Spielkanälen. Hier konnte man auch die ganze Zeit unsere Flugroute beobachten. Nach dem Start in Frankfurt um 14:15 Uhr flogen wir u.a. an Warschau und Moskau vorbei, über das Ural-Gebirge, Kasachstan, China und am östlichen Rande des Himalaya-Gebirges (die Strecke betrug laut der Monitoranzeige 9163 km). In der Nacht gab es in der Selbstbedienungsbar verschiedene Snacks (belegte Brötchen, Chips, Erdnüsse etc.) und Getränke, die man in beliebigen Mengen erhalten konnte. Den größten Teil des Fluges habe ich aber im Schlaf verbracht. Die Abfertigung am Schalter und Abholung des Gepäcks erfolgen sehr schnell. In der Halle werden wir schon von 3 (!) Vertretern der örtlichen Reiseagentur erwartet - ein deutsch sprechender Betreuer, ein weiterer Chinese, der uns gleich zum Hotel begleiten wird und ein Fahrer, der uns fährt. Und wir sind nur zu zweit - meine Freundin Alexandra, mit dem ich diese Reise mache, und ich. Nach der Klärung aller Fragen und Erledigung restlicher Formalitäten mit dem deutsch sprechenden Chinesen, gehen wir dann mit dem anderen Chinesen zum auf uns wartenden Van und fahren ins Hotel. Das Wetter ist nicht besonders gut - es ist neblig und der Himmel ist wolkenverhangen. Ich bin enttäuscht, denn ich habe um diese Jahreszeit eigentlich ein schönes Wetter erwartet. Wir fahren unter anderem über die riesige 2,2 km lange Tsing Ma Brücke (weltweit längste Straßen- und Bahn-Hängebrücke), die die Insel Lantau mit dem Festland verbindet. Gegen 10.00 Uhr erreichen wir unser Hotel Kowloon, an der Südspitze der gleichnamigen Halbinsel, direkt hinten der berühmten Peninsula Hotel (beide gehören zur gleichen Hotelgruppe) und direkt an der Haupteinkaufsstraße Nathan Road gelegen. Trotz der frühen Stunde können wir sofort unser Zimmer beziehen (an der Rezeption müssen wir vorher eine Kaution von 200,- DM hinterlassen, was in Hongkongs Hotels wohl üblich ist). Nach der langen Reise machen wir dort zunächst eine kurze Erholungspause, die wir zum Duschen, Erfrischen, Auspacken und Abschicken einiger E-Mails nutzen - im Zimmer haben wir ein Terminal mit freiem Internetzugang und einer für das Zimmer personifizierten E-Mail-Adresse (auch beim ausgeschalteten Rechner zeigt eine leuchtende Diode am zentralen Steuerpult am Bett, ob neue E-Mails eingegangen sind - einfach toll). Aber schon gegen 11:30 Uhr machen wir uns auf den Weg, gespannt auf die ersten Eindrucke von Hongkong. Draußen ist es ca. 20 Grad warm, aber ziemlich neblig. Von unserem Hotel aus sind es bis zur Uferpromenade an der Südspitze der Kowloon-Halbinsel nur wenige Minuten Fußweg am Peninsula-Hotel  vorbei und dann durch einen kleinen Park am Hong Kong Museum of Arts. Der erste Blick auf die berühmte Skyline auf der Insel Hongkong ist faszinierend,  obwohl die Sichtverhältnisse nicht besonders gut sind und der Victoria-Peak teilweise im Nebel verschwindet. Entlang der Promenade gehen wir dann am HK Museum of Arts und Cultural Centre vorbei zum Star-Ferry Terminal (Anlegestation der Fähren zur Hongkong-Insel) und zum berühmten Clock Tower, einem der Wahrzeichen von Hongkong.  Dieser 44 m hohe Uhrenturm gehörte einmal zum 1975 abgebrochenem Bahnhof der Kowloon-Canton Railway (KCR).  Er scheint auch ein beliebtes Objekt bei den Einheimischen zu sein, denn wir sehen mehrere Hochzeitspaare, die sich vor dieser Kulisse fotografieren lassen.  Nach diesem kurzen Ausflug kehren wir zurück ins Hotel, wechseln dort das Geld und begeben uns anschließend ins Gewühl der Nathan Road. Sie gilt als das Shoppingparadies Hongkongs. Es herrscht hier ein reger Verkehr, besonders auf den recht schmalen Bürgersteigen. An manchen Stellen gibt es fast kein Durchkommen, dazu wird man fast an jeder Straßenecke angesprochen, ob man z.B. sich einen Anzug nähen lassen möchte (habe selbst 3 Maasanzuge machen lassen und mitgebracht) oder eine gefälschte Rolex kaufen will (hatte schon ein original). Nach einigen Minuten Fußweg sehen wir einen nicht so überfüllten McDonald´s (die gibt es hier fast jede paar Hundert Meter, viele sind rund um die Uhr geöffnet und meistens ganz voll) gegenüber dem Kowloon Park und entschließen uns, hier eine Mittagspause anzulegen. Tatsächlich sind hier die Preise noch bezahlbar im Gegenteil zu horrenden Preisen in normalen Restaurants. Neben unzähligen McDonald´s gibt es in Hongkong viele KFC´s, aber nur überraschend wenige Pizza Hut´s (sind auch deutlich teurer) und außerdem zahlreiche lokale, chinesische Fastfood-Restaurants. Nach dem Essen und kurzer Erholung biegen wir in die Austin Road ab, und nach weiteren etwa 15 Min. erreichen wir den neuen Hauptbahnhof der Kowloon-Canton Railway (KCR) in Hung Hom. Es ist ein großes klotziges Gebäude, das ziemlich abweisend wirkt. Unterwegs sehe ich die ersten Bambusgerüste an einem Hochhaus und wundere mich über die abenteuerliche Konstruktion. Die Bambusstäbe sind miteinander nur mit einem Kunststoffband verbunden. Wie bleibt bloß diese Konstruktion stabil? Später stelle ich fest, daß der Bambus das einzige Material zum Gerüstbau in Hongkong ist, und die Höhe solcher Konstruktionen fast keine Grenzen kennt. Die Konstruktionen selbst, mit ihren vielen Stützen, Zwischenstreben etc., wirken auf mich ziemlich chaotisch und wenig vertrauenswürdig. Das Wetter bessert sich langsam, die Wolken werden durchlässiger, ab und zu kommt sogar die Sonne zwischen den Wolken zum Vorschein. Von Hung Hom wollen wir mit KCR nach Shatin fahren, um dort den bekannten Tempel der 10.000 Buddhas zu besichtigen. Die Fahrkarten kann man ganz bequem in Automaten kaufen, die am Eingang zu den Bahnsteigen stehen. Dort wird einfach ein Knopf mit dem Namen der Zielstation gedrückt, daraufhin erscheint der Betrag, den man bezahlen muß, und nach dem Bezahlen (Restgeld wird ausgegeben) wird ein kreditkartenförmiger Fahrschein herausgeworfen. Wir kaufen Einzelfahrscheine zur Station Shatin, die 5,50 HK$ kosten (bei Wechselkurs im Hotel 1 DM = 3,30 HK$). Die Fahrkarte muß man dann an einer Zugangsschranke zum Bahnsteig in einen Schlitz hineinschieben, erst dann kann man durchgehen. Wichtig ist es, daß man die entwertete Fahrkarte mitnimmt, denn an der Zielstation muß man die gleiche Prozedur wiederholen, damit man den Bahnhof verlassen kann. Dabei zieht ein Kasten an der Ausgangsschranke die Fahrkarte in einen Schlitz wieder ein und behält sie. Außerdem gibt es noch Mehrfahrtkarten, die sog. Octopus-Karten, die mit einem bestimmten Betrag aufgeladen sind und wiederaufgeladen werden können. Da wir aber nicht wissen, wie häufig wir die KCR bzw. die U-Bahn nutzen werden, kaufen wir immer nur die unwesentlich teureren Einzelfahrscheine. Die Wagen der KCR-Bahn sind sehr schön, modern, sauber und die Fahrt damit ist sehr angenehm. Es gibt nur eine Bahnstrecke und die Wagen fahren alle paar Minuten. Gegen 14.30 Uhr sitzen auch wir im Zug. Nach etwa 16 Min. Fahrt durch einige Wohnsiedlungen (überall nur Hochhäuser) und eine ländliche Gegend erreichen wir die Station Shatin in den östlichen New Territories. Vom nördlichen Eingang des Bahnhofs sieht man schon halb links auf einem Hang die ziegelrote Pagode des Tempels der 10.000 Buddhas und etwas unterhalb eine weitere weiße Pagode. Der Weg führt links vom Eingang, an den Bushaltestellen und an einer kleinen alten Siedlung (nur einige kleine Häuser) - Pan Tau Village - vorbei bis zur Kreuzung mit der Pai Tau Street, in die man links abbiegen muß (hier steht auch ein Wegweiser zum Tempel). An der Ecke befindet sich ein großes Grand Central Plaza Gebäude, das u.a. die IKEA beherbergt.  Am Ende dieser Straße befindet sich eine, auf einem steilen Hang gelegene, Anlage mit dem Namen Po Fook Hill bzw. Po Fook Ancestry Halls (Ahnenhallen), die wir besichtigen. Unten befindet sich ein hübsch angelegter kleiner Park mit einem Teich, in dem sich mehrere Schildkröten in der Sonne wärmen  (in der Zwischenzeit ist die Sonne herausgekommen), und mit einem Pavillon in dem die Figur einer verehrten Göttin steht.  Nach oben, zu der weißen Pagode und zu den Ahnenhallen gelangt man über mehrere überdachte Rolltreppen, bzw. über eine kleine Bahn, die auf Schienen an einem Seil hochgezogen wird. Erstaunlich, wie viel Aufwand man betrieben hat, um nach oben bequem gelangen zu können - das ist eben Hongkong. Hier oben befinden sich ein kleiner Tempel und zahlreiche Ahnenhallen, die terrassenförmig auf mehreren Ebenen symmetrisch um die weiße Pagode angeordnet sind.   In jeder der Ahnenhallen findet man zahlreiche kleine Nischen, teilweise noch leer (man kann sie schon vorher mieten oder kaufen), teilweise beinhalten sie bereits Urnen mit der Asche Verstorbener. Diese Nischen sind jeweils durch eine weiße Tafel mit einem Foto und dem Namen des Verstorbenen sowie weiteren Texten abgeschlossen. In der Anlage sollen künftig bis zu 40.000 Urnen aufbewahrt werden können. Der Ahnenkult hat in Hongkong eine große Bedeutung. Wir sehen hier viele Besucher, die vor den Hallen Räucherstäbchen anzünden und Opfergaben - vor allem Obst - für die Verstorbenen bringen. In einer der Hallen wird gerade eine Zeremonie von buddhistischen Mönchen und der Familie eines Verstorbenen abgehalten, in der Nachbarhalle sehen wir auch einen christlichen Priester bei einer Zeremonie. Wir gelangen bis zum oberen Ende der Anlage (am Ende jedes kleinen Stichweges auf jeder Terrasse befindet sich ein großer Ofen), aber nirgendwo läßt sich ein Durchgang zum noch höher am Hang gelegenen Tempel der 10.000 Buddhas finden. Wir gehen also zurück nach unten, aber auch hier ist kein anderer Weg zu finden. Da fällt mir ein, daß in der Nähe des Bahnhofs eine Karte mit Wanderwegen in der Gegend ausgehängt war - wir gehen also zurück zum Bahnhof. Alexandra will zurück nach Kowloon fahren, um sich nach der langen Flugreise zu erholen, und ich versuche nochmals den Weg zum Tempel zu finden. So gehe ich gegen 15.45 Uhr vom Bahnhof wieder los und entsprechend der Karte komme ich dann wieder zum Fuß des Hanges, wo sich der Eingang zum Po Fook Anlage befindet. Aber ich sehe immer noch keinen weiteren möglichen Weg nach oben an der Anlage vorbei. Erst nach einem längeren Herumirren finde ich den versteckten Zugang. Um zu ihm zu gelangen, muß man von der Pan Tau Straße in die letzte Stichstraße vor dem Po Hook Hill nach rechts abbiegen, und am Ende dieser Straße befindet sich links ein schmaler Weg zwischen den letzten Häusern und einigen Gartenanlagen. Der schmale Fußweg führt durch ein kleines Wäldchen und an einigen Gärten vorbei über ca. 430 Treppen nach oben, auf den Hang von Pai Tau Tsuen. Entlang der Treppen sind unzählige lebensgroße bronzenfarbene und goldene Gipsfiguren  aus buddhistischen Mythen angeordnet, die teilweise sehr skurril aussehen. Der ca. 20minütige Aufstieg an diesen Figuren vorbei macht auf mich einen großen Eindruck. Oben angekommen betrete ich einen kleinen Platz, um den mehrere Bauwerke der Tempelanlage angeordnet sind. Dies ist die untere Terrasse der ca. 8 ha großen Anlage mit 5 Tempeln, zwei Pavillons, einer Halle und einer Pagode. Das Kloster wurde 1951 von dem Mönch Yuet Kai gegründet und der Bau fertiggestellt im Jahr meiner Geburt, 1957. Der Tempel der 10.000 Buddhas befindet sich in einem schlichten, gar nicht nach einem Tempel aussehenden Gebäude im Norden des Platzes. Im Tempelgebäude sind in zahlreichen Wandnischen ca. 12800 kleine Buddha-Figuren aufgestellt, die die großen Buddha-Statuen auf dem Hauptaltar sowie weitere Götterstatuen auf den Nebenaltären umgeben. Als ich die Gebetshalle betrete, zelebrieren gerade zwei Mönche eine Andacht. Sonst ist es im Tempel und auf dem Vorplatz fast leer. Nach der Andacht bekomme ich von den Mönchen als Souvenir einen Teller mit dem Abbild des Klostergründers. Vor dem Tempelgebäude befindet sich ein Pavillon mit den Statuen von Vitasoka sowie Kwun Yam.    Auf der gegenüberliegenden Platzseite steht eine filigrane, neunstöckige, ziegelsteinfarbene Pagode, an der in kleinen Nischen auch mehrere kleine Buddha-Figuren angeordnet sind.  An den beiden langen Seiten des Platzes stehen unter Überdachungen farbenfrohe Figuren der 18 Luohan, der wichtigsten Schüler Buddhas, sowie die Begleittiere von Weisen aus der chinesischen Mythologie: Manjusri (großer Hund) und Samantabhadra (Elefant). Das ganze Ensemble sieht zwar ziemlich kitschig aus, aber es gefällt mir trotzdem. Ich verbringe hier ca. eine halbe Stunde. Zwischenzeitlich verziehen sich die Wolken immer mehr und insbesondere die Pagode und die goldenen Figuren erstrahlen im Licht der tiefstehenden Sonne. Auf dem Rückweg mache ich noch einen Abstecher hinauf, auf die zweite, höher gelegene Terrasse der Tempelanlage, erreichbar über einige weitere Treppen. Hier befinden sich noch vier andere, einfache Tempelgebäude; in einem davon soll ein Schrein mit dem einbalsamierten Tempelgründer aufgestellt sein. Leider sind alle Gebäude verschlossen und das ganze Gelände ist eine einzige Baustelle. Von hier oben hat man jedoch zwischen den Bäumen und Bambusbüschen einen schönen Ausblick auf die Pagoden des 10.000 Buddha-Tempels und der Po Fook Anlage, sowie auf die Hochhäuser von Shatin vor der spektakulären Gebirgskulisse im Hintergrund. Gegen 17.00 Uhr bin ich zurück am Bahnhof von Shatin und nehme die nächste KCR-Bahn nach Hung Hom, die alle paar Minuten fährt. Vom Hauptbahnhof aus gehe ich zu Fuß über mehrere Fußgängerbrücken und Fußgängerzonen bis zur Uferpromenade und dann entlang derer bis zum Cultural Centre. Die unterwegs schon zahlreich leuchtenden Weihnachtsdekorationen und die strahlende Skyline der HongkongInsel sind beeindruckend. Mein Hotel erreiche ich gegen 18.00 Uhr. Nach zwei Stunden Erholung und einer heißen Dusche bin ich wieder frisch und wir gehen zusammen zum KFC essen. Anschließend bummeln wir in nächtlicher Atmosphäre durch die überfüllte Nathan Road sowie die Nachbarstraßen und versorgen uns unterwegs in einem Markt mit einigen Lebensmitteln und Getränken. Dann gehen wir noch zur Uferpromenade und genießen lange den tollen Ausblick auf die im Lichtenmeer versunkene Skyline der Insel Hongkongauf dem gegenüberliegenden Ufer. Zurück im Hotel sind wir gegen 21.30 Uhr.

New Territories - Shatin, Hallen des Po Fook Hills - HONGKONG

New Territories - Shatin, 10.000 Buddhas Tempel, die 9stöckige Pagode - HONGKONG

2. Tag:

- Hong Kong Island, Kowloon -
Hong Kong: Victoria Peak, Repulse Bay, Aberdeen; Kowloon: Chi Lin Nonenkloster, Wong Tai

Für den heutigen Tag haben wir bereits in Deutschland eine halbtägige, deutsprachige Rundfahrt auf der Insel Hongkong gebucht. Der Morgen begrüßt uns mit einem sonnigen Wetter, strahlend blauen Himmel und Temperaturen bis zu 27 Grad. Gegen 8.30 Uhr werden wir am Hotel mit einem Kleinbus abgeholt. Insgesamt nehmen 6 Deutsche und 2 Spanier an der Rundfahrt teil. Die Insel Hongkong erreichen wir über einen Tunnel, der die Halbinsel Kowloon mit der Causeway Bay verbindet. Der Weg führt uns zuerst an dem neuen Kongreßzentrum (Hong Kong Convention & Exhibition Centre) vorbei ins Geschäftszentrum in Central. Wir passieren viele bekannte Hochhäuser, z.B. das von Sir Norman Foster entworfene futuristische Bankgebäude der HSBC-Bank (gebaut wie aus Lego-Steinen, es kann jederzeit abmontiert und woanders aufgebaut werden), aber auch ältere Gebäude, wie das Parlamentsgebäude. Dann fahren wir nach Osten, durch ältere Stadtteile, und über eine Serpentinenstraße bergauf, zum 395 m hohen Aussichtspunkt am Viktoria Peak. Unterwegs sehen wir einen gerade fertiggestellten neuen Wolkenkratzer an einem steilen Hang, dessen Grundriß so klein ist, daß auf eine Etage wohl nur eine sehr kleine Wohnung paßt (dabei gilt in Hongkong eine Wohnungsgröße von ca. 16 qm als ganz normal für eine Familie, wie wir hören). Der sehr nette und höfliche Reiseführer erzählt uns viele Daten und Fakten, aber auch alles andere, was interessant und wissenswert ist, um Hongkong besser zu verstehen. So erfahren wir beispielsweise etwas über den Royal Hong Kong Golf Club, in dem der Eintritt ca. 1,5 Mio. HK$ kostet, die jährlichen Mitgliedsbeiträge einige hunderttausend. Trotzdessen wartet man ca. 2 Jahre auf einen freien Platz und braucht dazu auch noch eine Empfehlung von zwei aktuellen Mitgliedern. Den Victoria Peak erreichen wir gegen 9.45 Uhr und haben etwa eine halbe Stunde Freizeit.  Hier oben, etwas unterhalb des Gipfels, befinden sich mehrere Einkaufsläden, Restaurants und Cafés. An hübschen Wasserspielen vorbei, erreicht man eine 1997 eingeweihte, riesengroße und avantgardistisch aussehende Einkaufsgalerie Peak Galleria, auf deren Dach sich eine große Aussichtsterrasse befindet. Wir gehen jedoch an der Peak Galleria und an der Endstation der Peak Tram (im Galeriegebäude) rechts vorbei, in die Straße Findley Rd. Hier befindet sich eine weitere Aussichtsterrasse, und von dem Weg selbst kann man auch die Ausblicke auf die Skyline aus verschiedenen Perspektiven genießen.   Die weltberühmte Aussicht ist wirklich überwältigend - Hunderte von dicht gedrängten Wolkenkratzern im Central unter uns, die Bucht und der Hafen mit zahlreichen Schiffen, Booten und Fähren, dahinter die Spitze von Kowloon  und die Berge am Horizont. Und das herrliche sonnige Wetter mit einem lau wehenden Lüftchen vervollkommnen noch den Eindruck. Kurz bevor wir uns zur Abfahrt wieder treffen, werfe ich vom Parkplatz an der Peak Galleria noch einen Blick auf die Südküste der Insel und das Südchinesische Meer mit der Nachbarinsel Lamma am Horizont.  Unsere Rundfahrt geht dann weiter. An einigen in grün versteckten Villen von Hongkongs Milliardären vorbei, fahren wir dann an die Südküste der Insel, zur Bucht Repulse Bay. Sie gilt als eine der schönsten Hongkongs, mit einem langen Sandstrand. Den Strand erreichen wir über das Tempelgelände des kleinen Tempels des Klubs der Lebensretter für die Schutzgöttin Tin Hau. Auf dem Tempelgelände und am Strand befinden sich viele sehr bunte und kitschig wirkende Figuren und Statuen von Tieren, Göttern und Fabelwesen.  Am Eingang zur Haupthalle des Tempels, die zum Meer und zu einer kleinen Promenade ausgerichtet ist, dominieren zwei mehrere Meter hohe Statuen: von Tin Hau (Göttin der Fischer und Seefahrer)  sowie von Kwun Yum (Göttin der Barmherzigkeit).  Und auch ein dickbäuchiger Buddha mit einem Geldsack auf den Knien darf nicht fehlen.  Wer mit einem Geldstück in die Sacköffnung trifft, wird angeblich reich.  Der feinkörnige schöne Strand, der angeblich sonst immer überlaufen ist, ist heute trotz des schönen Wetters fast menschenleer  - nur zwei Sonnenhungrige entdecke ich hier liegen.  Vielleicht ist dies jahreszeitbedingt - wir haben ja bald Weihnachten. Im Meer vor der Bucht sieht man eine Reihe von Bojen, an denen Hai-Schutznetze verankert sind. Sicherlich eine sinnvolle Maßnahme, denn gerade noch vor zwei Monaten wurden hier Haie gesichtet. Hinter dem Strand und den Umkleideräumen sowie Restaurants stehen an einem Hang mehrere Hochhäuser, eins davon sehr bekannt.  Dies ist das Appartementhaus mit einem Loch in der Mitte, dem sog. "Drachenfenster". Einer Sage nach, lebt in dem Berg dahinter (wie in jedem Berg nach der chinesischen Mythologie) ein Drache, der jeden Morgen im Meer baden möchte. Deshalb braucht er diese "Dracheneinflugschneise", sonst würde er das Haus zerstören.  Die glaubwürdigere, profane Erklärung der Bauweise ist, daß ohne den Durchlaß für die hier oft wütenden Taifune, das Haus beschädigt werden könnte. Aber die Legende verkauft sich gut, und die Wohnungen am Repulse Bay zählen zu den exklusivsten - die Wohnungsmiete beträgt hier angeblich 70.000,- HK$ pro Monat, ein Jahr im Voraus zahlbar. Gegen 11.10 Uhr geht unsere Rundfahrt weiter - Richtung Westen, nach Aberdeen, zum früheren Fischerdorf, in dem die Fischer auf ihren Hausbooten lebten. Heute jedoch wohnen die meisten schon in den überall stehenden Hochhäusern.  Auch die vorgelagerte kleine Insel Apleichau wurde durch die größte Hochhaussiedlung des Südens ziemlich verunstaltet.  Der Ort wird auch Klein-Hongkong genannt, denn in dem geschützten Hafen zwischen beiden Inseln bauten früher die Chinesen Schiffe aus wohlriechendem Kampferholz. Dies brachte dem Ort den Namen "Duftender Hafen", also Hong Kong. In Aberdeen angekommen, gehen wir am Fischgroßmarkt vorbei zum Hafen. Auf dem direkt an der Uferpromenade gelegenen Markt werden noch Reste des nächtlichen Fischfangs verkauft, u.a. auch einige kleine Haie oder Schnecken. Im Hafen besteigen wir ein Sampan-Boot und starten zu einer halbstündigen fakultativen Rundfahrt durch die Bucht (Kosten: 50,- HK$).  Wir fahren zunächst Richtung Osten entlang der Küste, an der zahlreiche Hochhäuser die Blicke anziehen. Im Wasser herrscht ein reger Verkehr - mehrere Fischerboote, Sampans und Schnellbote fahren an uns vorbei. Hinter der Brücke, die Aberdeen mit der kleinen Insel Apleichau verbindet, erreichen wir den Yachthafen des benachbarten Aberdeen Marina Clubs, in dem das eine oder andere millionenteure Boot vor Anker liegt. Hier ist auch eins der berühmten mehrstöckigen Restaurantschiffe verankert, das Jumbo Floating Restaurant. Die Frontfassade sieht zwar bunt dekoriert und verlockend aus, aber als wir an der Rückseite vorbei fahren, und die schmutzige "Küchenseite" sehen, ändern sich unsere Vorstellungen von der Essensqualität in dem Restaurant. Auch unser Reiseführer bestätigt, daß dort der Service schlecht, das Essen überteuert und lieblos zubereitet sei. Auf dem Rückweg zur Anlegestelle fahren wir durch die "schwimmende Dschunkenstadt", oder das was von der einstigen Bootsiedlung am Wasser noch geblieben ist. Auf einigen der Hausboote sehen wir aber noch die sog. Boat-People, die dort gerade kochen oder anderen Tätigkeiten nachgehen. Gegen 12.15 Uhr ist unsere Hafenrundfahrt zu Ende und wir fahren ins Zentrum, wo wir als letzten Programmpunkt noch eine Schmuck-Manufaktur besichtigen, in der vor allem Perlen verarbeitet werden. Gegen 13.15 Uhr kehren wir ins Hotel zurück. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel mache ich mich 15 Minuten später wieder auf den Weg - zunächst Richtung Uferpromenade. Ich nutze das schöne Wetter und mache dort einige Fotos von der Skyline der HongkongInsel.  Dann gehe ich zur U-Bahn-Station Tsim Sha Tsui an der Nathan Road, in der Nähe unseres Hotels, und fahre mit der MTR-Bahn (Mass Transit Railway ) einmal umsteigend bis zur Station Diamond Hill im Nordosten Kowloons. Die ca. 15minütige Fahrt mit der bequemen U-Bahn kostet 7,50 HK$.  Hier will ich die im Jahre 2000 neurestaurierte Klosteranlage des Nonnenklosters Chi Lin aus den 30er Jahren besichtigen.  Leider gibt es in dem großen Bahnhofsgebäude in Diamond Hill keinen Wegweiser zum Kloster, und ich wähle zunächst die falsche Richtung. Bald befinde ich mich inmitten einer großen Hochhaussiedlung durch die mehrere Schnellstraßen kreuzen und nichts weist auf die Klosternähe hin. Ich gehe also zum Bahnhof zurück und frage dort einen Polizisten nach dem Weg. Es ist ganz simpel, ich hätte vom Haupteingang in die andere Richtung - nach links - gehen sollen, und dann nochmals nach links, um das Bahnhofsgebäude herum, bis zu einer Kreuzung. Von hier aus sieht man fast schon die Anlage, und hier sind sogar Hinweisschilder angebracht. Das Kloster liegt also nicht einmal 5 Minuten Fußweg von der MTR-Station, am nördlichen Ende der Chi Lin Drive.  Der Eintritt ist frei. Die ganze Klosteranlage ist symmetrisch erbaut, und die Gebetshallen sowie andere Gebäude sehen ziemlich untypisch für buddhistische Tempel aus - alle sind nämlich im dunkelbraunen Farbton gehalten.  Die Innenbesichtigung der Gebetshallen ist für Nichtbuddhisten leider nicht möglich, genauso wie das Fotografieren der Buddha-Statuen - die überall sitzenden Nonnen achten sorgfältig darauf. In den Innenhöfen mit kleinen Teichen  und schönen Bonsai-Bäumchen herrscht eine fast absolute Ruhe und Stille - es sind hier kaum Besucher vorhanden. Man kann in dieser Atmosphäre von der Hektik der Großstadt richtig entspannen und nimmt gar nicht wahr, daß rundherum mehrere Hochhäuser stehen. Auch der kleine Garten des Tempels ist sehenswert.  Ich könnte hier noch mehr Zeit verbringen, habe heute aber noch etwas anderes vor, also mache ich mich gegen 15.15 Uhr auf den Weg zurück. In der Nähe der U-Bahn-Station Jordan, an der Kreuzung der Austin und Nathan Roads, erreiche ich den großen Kowloon Park, der 1989 auf einem ehemaligen britischen Armee-Areal aufwendig umgestaltet wurde. Der Park erstreckt sich über eine große Fläche zwischen der Nathan Road und den riesigen Einkaufszentren von Harbour City und Ocean Centre am Hafen, wo die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe ihre ersten Einkäufe machen. Neben vielen anderen Attraktionen sehe ich in dem Park ein großes Schwimmbad, Rosengärten, chinesische Pavillons, ein Aviarium mit Papageien und anderen exotischen Vögeln sowie einen schönen Flamingoteich. Hier kann ich mich auf einer Bank nach dem hektischen Tag etwas ausruhen. Den Park verlasse ich über eine Treppe neben der Jamia Moschee und gehe am Hotel vorbei noch zur Uferpromenade, um in der schönen Abenddämmerung einige Blicke (auch mit der Kamera) auf die gegenüberliegende Skyline  zu werfen sowie ein paar Postkarten zu kaufen. Gegen ca. 18.30 Uhr bin ich dann endlich im Hotel. Eine Stunde später gehe ich gemeinsam mit Alexandra nach Kowloon um etwas zu essen, und wir verbringen danach noch einige Zeit an der Waterfront Promenade, wo zahlreiche Touristen - wie auch wir - den einzigartigen Blick auf die weihnachtlich bunt erleuchtete HongkongIsland genießen. Zurück im Hotel sind wir gegen 21.00 Uhr.

Hong Kong Island - Blick von Victoria Peak auf die Skyline von Hongkong (Richtung Nordosten). Im Hintergrund die Halbinsel Kowloon und New Territories - HONGKONG

Kowloon - Diamond Hill, Chi Lin Nonnery: ein Teich im Innenhof und die Haupthalle des Klosters - HONGKONG

3. Tag:

- Lantau Island, Hong Kong Island -
Lantau: Dorf Tai O, Po Lin Kloster mit sitzendem Bronzebuddha in Ngong Ping; Hong Kong: Man Mo Tempel

Ich stehe bereits um 6.30 Uhr auf, denn heute will ich zur Insel Lantau fahren, der größten Insel Hongkongs. Zunächst muß ich aber zur HongkongInsel, denn nur von dort aus gibt es Verbindungen nach Lantau. Von unserem Hotel zum Star Ferry Pier an der Spitze Kowloons (in Tsim Sha Tsui), in der Nähe des Clock Towers sind es nur wenige Minuten.  Von dort pendeln in kurzen Zeitabständen (in der Hauptverkehrszeit alle 5 Minuten) die legendären Star Ferry Boote nach Wanchai und nach Central District auf der gegenüberliegenden Insel. Diese weiß-grünen Doppeldecker-Fährboote, deren Geschichte bis ins Jahr 1870 zurück geht, sind ein Wahrzeichen der Stadt und zählen zu den größten touristischen Attraktionen, weil sie einzigartige Fotomotive bieten  - abgesehen von deren Bedeutung als die schnellste Verkehrsverbindung zwischen der Insel und dem Festland. Die Überfahrt nach Central dauert nur ca. 7 Minuten und bietet wunderschöne Perspektiven auf die Skyline Hongkongs. Zudem ist sie spotbillig - nur 2,20 HK$ in der 1. Klasse (2. Klasse - unten - kostet 1,70 HK$). Das Fahrgeld muß beim Eingang zum Pier, mit den sehr schlichten Warteräumen, passend in die Drehkreuzautomaten eingeworfen werden. Wer kein Kleingeld hat, kann auch am Schalter zahlen. Bei den Mengen von Passagieren, die hier täglich verkehren (eine Fähre nimmt über 500 Passagiere) ist dies eine sehr praktische Lösung. 
Auch ich komme sehr schnell klar mit diesem Ablauf und kurz nach 8.00 Uhr bin ich schon auf der anderen Seite, am Pier 7 in Central, von wo die größeren und moderneren Fähren u.a. nach Lantau verkehren. Hier muß ich ein wenig auf die nächste Fähre warten, die um 8.30 Uhr zum Ort Mui Wo in der Bucht Silvermine Bay auf Lantau fährt. Der Morgen ist neblig und bewölkt, aber gegen 9.00 Uhr beginnt die Wolkendecke aufzureißen und bald darauf kommt die Sonne heraus. Die Fahrt mit einer gewöhnlichen Fähre (ordinary ferry) kostet 10.50 HK$, dauert ca. 50 Minuten und ist ziemlich unspektakulär. Zunächst fahren wir entlang der nordwestlichen Küste der HongkongInsel mit ihren Hochhäusern,  dann an einigen kleinen Inseln vorbei. Das Einzige, was mir auffällt, ist der rege Schiffs- und Bootsverkehr auf dem Wasser. Um 9.20 Uhr erreiche ich mein erstes Etappenziel.   Dann geht es weiter, und zwar zum Dorf Tai O auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite der Insel. Direkt an der Anlegestelle in Mui Wo befindet sich ein Busbahnhof, von dem ein Linienbus nach Tai O fährt (Buslinie Nr. 1). Die nächste Verbindung ist schon in 10 Minuten. Ich stelle mich also direkt in die Warteschlange, die sich schon an dem entsprechenden Stand bildet. Der Fahrpreis - 10,80 HK$ - muß passend in eine Box direkt im Bus eingeworfen werden. Der Busfahrer wechselt dabei kein Geld! Wir fahren durch Pui O und einige weitere kleine Ortschaften - die Insel ist überhaupt nur schwach besiedelt. Nur ca. 20.000 Einwohner leben hier, obwohl Lantau doppelt so groß ist, wie Hong Kong. Direkt hinter Mui Wo führt die Straße auf die ersten Hügel hinauf, die typisch für Lantau sind. Ab Pui O fahren wir durch den Süden der Insel, teilweise parallel zur Küste mit einigen einsamen Stränden, bis zum Stausee Shek Pik, der auch die Insel Hongkongmit Trinkwasser versorgt. Hier macht der Busfahrer einen kleinen Abstecher bis zum nahgelegenen Gefängnis, wo einige Frauen aussteigen wollen. Hinter dem Stausee geht es in nordwestlicher Richtung den Berg hinauf zu einem Pass und schließlich in die fruchtbare Ebene von Tai O. Der gesamte Weg führt durch eine üppige tropische Vegetation, die Landschaft ist sehr grün, und ich sehe viele mir unbekannte Pflanzen.
Im Dorf Tai O kommt der Bus um 10.20 Uhr an. Die Bushaltestelle befindet sich fast an der Küste, in der Nähe eines großen Parkplatzes. Das Dorf, in dem die Tanka-Volksgruppe lebt, wirkt auf mich im ersten Moment wie ausgestorben - kaum Leute zu sehen, keine Autos, absolute Ruhe und Stille. Ein paar Schritte von der Haltestelle entfernt, sehe ich an der kleinen Bucht eine große Tafel mit einem gemalten Plan des Dorfes und eingezeichneten Sehenswürdigkeiten. Dieser Plan ist für mich aber nicht allzu hilfreich, deswegen gehe ich zunächst Richtung Zentrum in eine kleine Einkaufstraße. Fast überall hier wird nur getrockneter Fisch sowie andere Meeresfrüchte verkauft.  Dann gelange ich zum Rand des Dorfes und gehe weiter nach Nordosten, bis zu einer Reihe von Dorfhäusern, zwischen einem Hang und einem kleinen Fluß gelegen. Zwischen den Häusern befindet sich ein kleiner Dorftempel. Eine alte Chinesin, die gerade vorbei geht, ist sichtlich unzufrieden, daß ich sie zufällig zusammen mit dem Tempel fotografiere.  
Von hier aus sehe ich in westlicher Richtung hinter einigen kleinen Feldern eine rote Pagode, die ich als nächstes Ziel wähle.   Sie gehört zu einem an einem Hang gelegenen, etwas größeren Tempel und Kloster. Auch hier ist es absolut leer und ich überlege zunächst, ob ich das Gelände einfach so betreten darf. Vor dem Tempelgebäude liegen auf einigen schlichten Tischen verschiedene Opfergaben.  Als ich den Gebetsaal betrete, sehe ich endlich ein menschliches Gesicht - eine einheimische Frau, die im Nebenraum fernsieht und wahrscheinlich auch den Tempel bewacht. Sie erschreckt sich, als sie mich sieht. Nicht verwunderlich, denn hierhin verirrt sich sonst kaum jemand. Dann gehe ich noch einige Stufen hoch zu der höher am Hang gelegenen filigranen Pagode   und anschließend wandere ich durch die Felder zurück zum Zentrum von Tai O.
Ich gelange wieder zu meinem Ausgangspunkt, und jetzt gehe ich Richtung Marktplatz. Um dorthin zu kommen, geht man über eine kleine Brücke eines Kanals, der die Hauptinsel von der kleinen vorgelagerten Insel Fu Shan trennt. Von der Brücke aus sieht man sehr schön die zahlreichen Stelzenhäuser, die aus dem Schlamm herausragen und in denen hier noch viele Familien wohnen. Hier herrscht auch schon etwas mehr Leben - einige Sampane fahren gerade unter der Brücke durch.  Zum Marktplatz führt eine schmale Straße. Auch dort sind außer dem Gemüse vor allem getrocknete Fische im Angebot. Und überall im Dorf sieht man in die Sonne zum trocknen ausgelegte verschiedene Fischarten. Am Dorfplatz liegt der kleine Kwan Ti Tempel, erbaut während der Ming-Dynastie, der dem Gott des Krieges und der Rechtschaffenheit gewidmet ist. In den drei dunklen und rauchgeschwärzten Räumen sind einige Holzfiguren zu erkennen, vor denen geopfert wird. Die Luft ist vom Rauch der Räucherstäbchen gesättigt. Eine Wächterin des Tempels verlangt von mir unnachgiebig einen Geldbetrag für das Fotografieren des Innenraums  und ich muß nachgeben, denn sie fängt fast schon an zu schreien.
Vom Tempel aus führt nach links eine kleine Straße über eine weitere Kanalbrücke in eine der Stelzenhaussiedlungen aus Holz und Blech hinein. Da gerade Mittagszeit ist, sehe ich von dem schmalen Weg aus viele Frauen in oder vor ihren Häusern. Sie sind jetzt alle mit dem Kochen beschäftigt. Manch eine Familie sitzt auch schon um den Esstisch vor dem Haus versammelt. Viele Haustüren sind offen, das Leben spielt sich größtenteils draußen ab, und ich fühle mich hier ein wenig wie ein Eindringling, der die Ruhe und die Intimsphäre der Einheimischen stört. Auf dem Weg zurück zum Marktplatz treffe ich einen weiteren Touristen (inzwischen habe ich aber auch geführte europäische Gruppen gesehen) - einen polnischen Arzt, der nach Abschluß seiner mehrwöchigen Individualreise durch Indochina an einem Ärztekongreß in Hongkong teilnimmt und heute einen Kongreßtag schwänzt. Er begleitet mich dann bis zur Rückkehr auf die HongkongInsel. Wir gehen jetzt gemeinsam vom Dorfplatz in die andere Richtung, an einem weiteren kleinen Tempel vorbei, bis zur westlichen Spitze der kleinen vorgelagerten Insel Fu Shan  (die eigentlich mit der großen Lantau Insel eine Einheit bildet - den sie trennenden Kanal merkt man kaum). Von hier aus hat man einen guten Blick auf die Bucht, das Dorf Tai O und die Berghügel dahinter sowie auf die nordwestliche Spitze der Insel (Old Man Rock). Inzwischen ziehen immer mehr Wolken auf. 
Wir gehen zurück zur Bushaltestelle, denn um 13.00 Uhr fährt ein Bus nach Ngong Ping (Linie Nr. 21, Kosten: 6,30 HK$), wo sich das Kloster Po Lin mit der gigantischen bronzenen Buddhastatue befindet. Die Überfahrt dauert ca. 10 Minuten - zunächst über die gleiche Straße zurück und dann ab der Talsperre Shek Pik nach Norden in die Berge hinein bis zur Hochebene von Ngong Ping. Wir steigen direkt am Tempel aus, dem meistbesuchten Ort der Insel.  Der Po Lin Tempel wurde 1927 erbaut. Seine Hauptattraktion - der schon vom Weiten zu sehende größte sitzende Buddha der Welt - wurde auf einem Hügel außerhalb des Klosters im Jahre 1993 eingeweiht. Die Statue sieht wirklich imposant aus, und auch wir, ähnlich wie die zahlreichen anderen Besucher, richten zuerst dorthin unsere Schritte. Der Zugang zu der Figur ist aber nicht kostenlos - die geschäftstüchtigen Mönche kassieren hier so richtig ab: der normale Eintritt kostet 26,- HK$, mit einer Essensmarke - 60,- HK$, und mit einem Extra-Essen - 100,- HK$. Die Figur selbst erreicht man über 260 Stufen, die steil hinauf führen.  Der auf einem Lotosbett sitzende Buddha ist 23 m hoch, die Statue steht auf einem 10 m hohen Steinsockel, in dem sich der Speiseraum sowie eine Ausstellung über den Lebensweg Buddhas und eine wertvolle Holzstatue des Bodhisattvas Khsitigarbha befinden. An beiden Seiten des Sockels sind Statuen von verschiedenen Göttinnen angeordnet, die ihre Hände nach oben ausstrecken. Viele chinesische Besucher versuchen dorthin mit ihren Münzen zu treffen, was wahrscheinlich das Glück bringen sollte. Von oben aus hat man einen schönen Überblick über die Umgebung  mit dem Klosterkomplex unten, dem höchsten Berg Lantaus (Lantau Peak, 934 m) und dem Stausee Shek Pik im Süden.  Leider verdecken die immer dichteren Wolken teilweise die Fernsicht und nehmen den Farben der Umgebung auch die Brillianz.
Nach der ausführlichen Besichtigung der Statue gehen wir zum Kloster, der in seiner Struktur der traditionellen Anordnung von chinesischen buddhistischen Tempeln folgt. Die auf einer Achse liegenden Hallen haben typisch chinesische Dächer mit hochgezogenen Ecken. In der ersten Halle sitzt der dickbäuchige, lachende Buddha Milefo umgeben von den vier Himmelskönigen. In der erhöhten Haupthalle, von der aus man einen schönen Blick in die Umgebung hat, stehen drei typische Buddhastatuen - Versinnbildlichung der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.
Der nächste Bus Richtung Mui Wo - die Buslinie Nr. 1 - fährt um 15.00 Uhr ab. Diesmal kommt ein klimatisierter Bus, deshalb müssen wir für die Fahrt auch mehr bezahlen - 16,- HK$. Auf dem gleichen Wege wie vormittags, bis zum Stausee und dann entlang der Südküste, gelangen wir zurück. Da zur Abfahrt der nächsten Fähre nach Hongkongnoch eine halbe Stunde Zeit verbleibt, spaziere ich noch ein wenig über den mit der Anlegestelle benachbarten menschenleeren Strand in der Silvermine Bay.  Auch die Fähre kostet jetzt mehr - 16,- HK$ - denn es ist ein Express-Boot. Die Überfahrt dauert auch nur 30 Minuten und um 16.40 Uhr bin ich in Central zurück. 
Da ich heute noch nicht genug habe, spaziere ich über die Straßen in Central District: zunächst zum architektonisch interessanten Bankgebäude der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC, bis heute das teuerste Bauwerk der Stadt), dann an den benachbarten Bankhochhäusern (u.a. Bank of China und der Park Chater Garten) und weiter Richtung Westen entlang der Queen's Road. Nach einiger Zeit erreiche ich die West Queen's Road, und von dort aus komme ich über eine Querstraße zur parallel verlaufenden Hollywood Road. Hier fühlt man sich, wie in die Vergangenheit einer chinesischen Großstadt zurückversetzt. An dieser Straße befinden sich unzählige kleine Antiquitäten-Geschäfte.  Man kann hier wohl alles finden, was man sucht, aber längst nicht alle angebotenen Waren sind echt. Von der westlichen Seite erreiche ich den an der Kreuzung von Hollywood Road und Ladder Street gelegenen ältesten Tempel Hongkongs.
Der daoistische Man Mo Tempel wurde bereits 1842 von einem bekehrten berüchtigten Piraten gestiftet. Der Tempel ist zwei Göttern geweiht: dem Man Cheong (Gott der Beamten und Literaten, mit einem Pinsel in der Hand) und dem Kwan Kung bzw. Mo (Gott des Krieges, dem u.a. Polizisten, Pfandleiher und Antiquitätenhändler huldigen). Die Figuren beider Götter befinden sich auf dem mittleren Altar in der Haupthalle. An den Seitenaltären stehen die Figuren von Bao Gong (Gott der Gerechtigkeit) und Shing Wong (ein Stadtgott). Außerdem sind in dem Raum die Statuen der zehn Himmelskönige zu finden. Von der Decke des Tempels hängen große Räucherspiralen, deren Aufgabe es ist, die Botschaften und Gebete der Gläubigen tagelang zu den Göttern zu transportieren.  Der Wunsch sowie der Spendername sind auf roten Zetteln aufgeschrieben, die in der Mitte der glimmernden Spiralen baumeln.  Der sehr dunkle Tempelraum ist vom Rauch und Duft der Räucherspiralen und -stäbchen ausgefüllt, und dadurch entsteht hier eine besondere Atmosphäre. Ich verbringe im Tempel ziemlich viel Zeit, und die Wächter warten schon, denn der Tempel wird abends für Besucher geschlossen.
Anschließend gehe ich weiter entlang der Hollywood Road nach Osten hin bis zum Hillside Escalator, der die Straße durchquert. Diese mit 800 m längste Rolltreppe der Welt führt den Hang hinunter bis zum Central Market an der Queen's Road und befördert täglich angeblich ca. 30.000 Passagiere. Vom Central Market geht es wieder an den Bankhochhäusern zur Star Ferry Pier in Central und mit der Fähre zurück nach Kowloon. Jetzt hat man während der Überfahrt einen tollen Blick auf die leuchtende Skyline. Zurück im Hotel bin ich gegen 18.45 Uhr. Abends gehen wir noch etwas essen und bummeln anschließend durch die Straßen um die Nathan Road.

Lantau Island - Landschaft am Rande des Dorfes Tai O, hinten eine Tempelanlage - HONGKONG

Lantau Island - Pagode an einem Tempel am Rande des Dorfes Tai O - HONGKONG

Lantau Island - bronzene Buddha-Statue im Klosterkomplex Po Lin - HONGKONG

4. Tag:

- Macau -
A-Ma Tempel, Tor Portas do Cerco, Monte Fort, Fassade der Hl. Paulus Kathedrale, Hotel Lisboa mit Spielcassino

Heute geht es nach Macau, zur ehemaligen Kolonie Portugals. Diese Reise mit einem englischsprachigen Führer haben wir ebenfalls bereits in Deutschland gebucht. Leider ist das Wetter heute sehr bescheiden: es ist diesig und stark bewölkt. Um 8.50 Uhr werden wir vom Hotel mit einem Taxi abgeholt und zum nur wenige Minuten entfernten Fährenterminal in Tsim Sha Tsui gebracht, von dem die Boote nach Macau verkehren. Hier bekommen wir von dem Reisebüromitarbeiter, der uns im Hotel abgeholt hat, alle nötigen Unterlagen und einige kleine Aufkleber als Erkennungsmarken für alle Teilnehmer der Gruppe. Er selbst fährt mit uns nicht mit, in Macau werden wir von einem anderen Reiseleiter abgeholt.
Die Fähre legt um 10.00 Uhr ab. Vorher findet aber eine richtige Paßkontrolle statt, und wir bekommen Ausreisestempel in die Pässe, da wir jetzt Hongkong verlassen. Wir fahren mit einem modernen Tragflächenboot, dem sog. Jetfoil, der eine sehr bequeme Reisemöglichkeit bietet. Draußen regnet es zeitweise, es ist grau und neblig, so daß man aus den Fenstern des Jetfoils kaum etwas sehen kann. Im Bereich der Perlflußmündung ist der Wellengang außerdem so stark, daß manche Passagiere schnell eine Toilette aufsuchen müssen.
Um ca. 11.20 Uhr erreichen wir Macau.  Dann müssen wir die Einreiseformalitäten erledigen, bekommen ein Visum und nach weiteren 30 Minuten treffen wir uns endlich alle am Terminalausgang. Die örtliche Reiseführerin wartet schon auf uns. Unsere kleine Reisegruppe besteht insgesamt aus 9 Personen: außer uns beiden aus Deutschland sind noch 2 Franzosen und 5 Amerikaner dabei.
Zuerst fahren wir mit unserem Bus zur südlichen Spitze der Halbinsel. Die Fahrt geht über die breite Avenida da Amizade tlw. entlang der östlichen Küste, an dem berühmten Casino im Hotel Lisboa vorbei. Dann über die Rua da Praia Grande, an der sich im 17. und 18. Jh. die Büros und Warenhäuser der großen Handelsfirmen aufreihten. Hier passieren wir auch den rosafarbenen ehemaligen Gouverneurspalast, in dem sich heute der Sitz der Stadtregierung befindet. Schließlich fahren wir an einigen alten portugiesischen Villen im Botschaftsviertel vorbei, bevor wir den Platz Largo do Pagode da Barra im Südwesten erreichen. Von dem an der Küste gelegenen Platz aus hat man zur einen Seite einen Blick auf das chinesische Festland,  auf der anderen Seite befinden sich das Schifffahrtsmuseum und der A-Ma-Tempel, den wir besichtigen.
Dieser älteste Tempel von Macau aus dem späten 16. Jh. ist der Fischergöttin Tin Hau geweiht, die an dieser Stelle an Land gekommen sein soll.  Die schlichten aber schönen Bauten liegen auf mehreren Ebenen an einem von Bambushainen überzogenen Hang. Auch hier bestimmen die glimmernden Räucherstäbchen und -spiralen die stimmungsvolle Atmosphäre der Innenräume.   Direkt hinter dem Tempeleingang begegnet man der Göttin zum ersten Mal. Man kommt hier an einem Felsen vorbei, auf dem das Schiff der Tin Hau in bunten Farben gemalt ist.
Nach dem Tempelbesuch fahren wir über eine im Südosten der Halbinsel auf einem künstlichen Damm neu erbaute Straße Richtung Norden. Dieser Damm hat einen Teil der ursprünglichen Bucht abgetrennt. An der Südspitze passieren wir ein ins Meer hineinragendes Freundschaftsmonument, dann machen wir eine kurze Photopause in der Nähe des neuen Fernsehturms. Dieser im Jahre 2001 fertiggestellte, 338 m hohe Turm - Macau Tower - steht auf dem künstlichen Wall am kleinen See Lago Sai Van, der in der abgetrennten Bucht entstanden ist.   Von der neuen Straße genießen wir auch - leider bei getrübter Sicht - den Blick auf die Skyline von Macau im Osten mit dem berühmten Lisboa-Hotel und auf die sehr interessant konstruierte lange Brücke, die das Festland mit den vorgelagerten Inseln Taipa und Coloane verbindet.  Nach einer kurzen Fahrt legen wir einen weiteren kurzen Halt an der Avenida Dr. Sun Yat Sen an der Ostküste an. Hier steht auf einer kleinen Insel eine 20 m große bronzene Statue der Göttin der Barmherzigkeit, Kun Iam, die vor ca. 1,5 Jahren errichtet wurde. Das Gesicht der von einer portugiesischen Künstlerin entworfenen Statue erinnert an die Gottesmutter Maria. In dem sich darunter befindenden Gebäude, das die Form einer Lotusblüte besitzt, wurde ein ökumenisches Zentrum eingerichtet. Im weiteren Verlauf führt die Fahrt über einen Teil der Grand-Prix Autorennstrecke, wo bekannte Autorennen von Macau stattfinden, sowie an einem großen Wasserreservoir nördlich des Fähranlegers.
Kurz darauf erreichen wir den Grenzübergang nach China im äußersten Norden Macaus. Auf der Zufahrt stauen sich schon die chinesischen LKW's, die vor dem Grenzübergang auf die Abfertigung warten. An dieser engsten Stelle der Landzunge im Norden Macaus errichteten die Chinesen früher einen Wall. Nach einigen Zwischenfällen ließen die Portugiesen den Erdwall planieren und bauten 1870 eine Mauer mit einem Tor. Dieses Tor - Portas do Cerco - steht heute unter Denkmalschutz. Auf dem Weg zum Tor passieren wir einen Platz, an deren Seiten schöne Kachelmalereien mit alten Szenen aus Macau sowie mit Macaus Karten zu sehen sind. An beiden Seiten des Tores führen eingezäunte Wege zu den Grenzübergängen für Fußgänger. Wir können hier viele Chinesen beobachten, die nach Macau kommen und über die verglaste Zufahrt unter dem Torbogen einen Blick hinüber nach China werfen.
Anschließend besuchen wir einen Souvenirladen in der Nähe des Tores. Da ich hier nichts kaufen will, verlasse ich bald das Geschäft und spaziere etwas die Straße entlang. Was mir hier auffällt, sind die vielen Mofas und Fahrräder, die an der Straße geparkt sind - viel mehr als in Hongkong. Nachdem sich alle Mitreisenden die Souvenirs angeguckt oder damit hinreichend versorgt haben, fahren wir zu einem unweit gelegenen Hotel. Hier genießen wir ein chinesisches Mittagessen in Buffetform.  Gestärkt und etwas erholt fahren wir nach der Mittagspause ins Zentrum von Macau. Hier steht zunächst eine Besichtigung der Festung Monte Fort auf dem Programm. Auf einem Hügel erhöht gelegen, bietet das um 1622 erbaute Monte Fort einen schönen Blick auf die Stadt.  Früher war dies eine der Verteidigungsanlagen, die die Macanesen gegen die Holländer errichteten. In einer bekannten Schlacht haben die Stadtbewohner und Mönche am 24. Juni 1622 mit einem Kanonenschuss das Munitionslager der Holländer getroffen und sie dadurch zum Rückzug veranlaßt. Entlang der Fortmauer stehende Kanonen erinnern noch an dieses Ereignis,  und der Tag des Glückschusses ist heute ein Feiertag in Macau. In der letzten Zeit wurde die Festung zum Macau Museum umgebaut, in dem die abwechslungsreiche Geschichte Macaus veranschaulicht wird. Von dem Forthügel gehen wir zu Fuß herunter und erreichen bald das in der direkten Nachbarschaft gelegene Wahrzeichen der Stadt - die Fassade der Kirche des Hl. Paulus. Im 16. Jh. errichteten Jesuiten hier, auf einem kleinen Hügel, eine Kirche mit einem angeschlossenen Priesterseminar. Nach einem Brand 1601 wurde die Kirche durch einen prächtig mit Schnitzereien verzierten Holzbau ersetzt. Vor das Kirchenschiff wurde in den Jahren 1620-1627 eine Granitfassade voller christlicher und chinesischer Symbole platziert. Später, nach der Ausweisung der Jesuiten aus der Stadt, wurde der Bau durch die Militärs als eine Kaserne genutzt. 1835 brach in einer Küche ein Feuer aus, das den gesamten Holzbau vernichtete und nur die steinerne Fassade stehen ließ. Diese 18,3 m hohe und 19,3 m breite Fassade mit ihren reichen Verzierrungen macht auf mich einen großen Eindruck. Vor der Fassade befindet sich eine imposante Treppe, die vom Hügel hinab zur Fußgängerzone führt. Wir haben hier etwa 15 Min. Freizeit und spazieren über die engen Gassen Richtung Zentrum, mit dem dort gelegenen Leal Senato (Rathaus). Die Häuser mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften erinnern sehr stark an die portugiesische Architektur.  Rechtzeitig sind wir am vereinbarten Treffpunkt, unser Bus wartet auch schon. Aber unsere beiden französischen Reisegenossen (ein Vater mit seiner Tochter) fehlen noch. Wir warten mehrere Minuten, aber der Bus kann hier an der schmalen Straße nicht länger stehen bleiben und den Verkehr hindern. Deshalb fahren wir ohne die Franzosen weg, bis zu einer geeigneten Parkbucht, und unsere Reiseführerin begibt sich auf die Suche. Erst nach ca. einer halben Stunde kommen alle drei zum Bus zurück. Wie sich herausgestellt hat, haben die Franzosen die auf Englisch vereinbarte Treffzeit mißverstanden. Jetzt geraten wir etwas unter Zeitdruck, wollen aber doch noch zum berühmten Casino im Lisboa-Hotel.  Das Hotel gehört zwar nicht zu den besten in der Stadt, wohl aber zu den bekanntesten. Schon das Aussehen seiner runden Bauteile und vor allem der Dächer deutet darauf, was drinnen gespielt wird. Ich war schon im Casino Lisboa für meine Business am 08.06 und 09.06.1988, bei meiner « China-Mystery-Tour » und zwischen 11.09. und 20.09.2000, bei meiner « Millennium-Tour ». Bereits am Eingang müssen wir Kontrollschranken passieren und werden wie am Flughafen mit Detektoren auf Waffen durchsucht. Scheinbar gibt es ab und zu Besucher, die die Spielhallen mit Waffen betreten wollen. Zuerst gelangen wir in eine große Halle, wo an zahlreichen Tischen u.a. Roulette, Baccara, Black Jack sowie verschiedene chinesische Glücksspiele gespielt werden. Der Raum ist überfüllt. Bis vor kurzem kamen 70% der Besucher aus Japan, die jetzt aber wegen der Wirtschaftskrise ausbleiben. Dafür kommen umso mehr Besucher aus China. Ich bin überrascht, als ich die Chinesen an den Tischen sehe. Sie tragen überwiegend graue, unmodische Einheitssakkos, keine Krawatten und sehen bei Weitem nicht reich aus. Vielleicht ist es die Hoffnung, hier mit ein wenig Glück das große Geld machen zu können, die die einfachen Männer aus China an die Spieltische treibt. Dann gehen wir in den Raum rüber, wo sog. einarmige Banditen und andere Spielautomaten aufgestellt sind. Auch hier herrscht ein Hochbetrieb. Weitere Flure und Türen führen zu exklusiven Räumen, wo sich die sog. bessere Gesellschaft unbeobachtet zum Spielen und zu Gesprächen trifft. Ob auch die berüchtigten chinesischen Triaden hier ihren Treffpunkt haben?
Wir bleiben wegen der verspäteten Ankunft nur ca. 15-20 Min im Casino, denn schon gleich legt unsere Fähre nach Hongkong ab. Nach einer schnellen Erledigung der Grenzformalitäten beginnt um 16.30 Uhr die Rückfahrt. Auf dem Dach des Fährenterminals von Macau befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz für die, die es nach Hongkong eilig haben und sich den Flug auch leisten können. In 15 Minuten sind sie am Ziel. Wir brauchen dagegen 1,5 Stunden Zeit bis nach Kowloon. Hier angekommen bummeln wir noch ein bißchen durch das riesengroße mehrgeschossige Einkaufszentrum Harbour City direkt am Fährterminal. In dem Gebäudekomplex befinden sich ca. 700 Geschäfte und Boutiquen sowie ca. 50 Restaurants.  Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zu unserem Hotel, so daß wir auf den organisierten Transfer verzichten und zu Fuß hingehen. Dabei spazieren wir noch durch die uns bisher nicht bekannten Straßen westlich unseres Hotels. Hier befinden sich neben vielen Geschäften auch zahlreiche Kneipen und Restaurants. Nach einer etwa einstündigen Erholung im Hotelzimmer gehen wir gegen 20.00 Uhr wieder in die Stadt. Wir essen etwas in einem Schnellrestaurant und machen unsere schon fast traditionelle Runde über die nächtliche Nathan Road und Umgebung, diesmal bis zur Kreuzung mit der Jordan Street.

    Macau - die Außenwand einer Gebetshalle im A-Ma Tempel - MACAU               Macau - Fassade der Hl. Paulus Kathedrale (18,3 x 19,3 m) - MACAU

    Macau - das Tor  Portas do Cerco  am Grenzübergang nach China, rechts Kachelmalereien (alte Karte von Macau) - MACAU      

5. Tag:

- Hong Kong Island -
Kongreßzentrum, Times Square, Tram-Fahrt, Man Mo Tempel, St. Johns Kathedrale, Bank of China Tower, Victoria Peak

Gegen 9.00 Uhr suchen wir einen nahegelegenen McDonald´s auf um dort zu frühstücken. Schon jetzt ist es hier rappelvoll. Ganze chinesische Familien mit Omas und Kindern verspeisen in dem Schnellrestaurant ihr Frühstück. Nach dem Essen fahren wir mit der Star Ferry auf die HongkongInsel, diesmal zur Anlegestelle Wan Chai in der Nähe des imposanten Kongreßzentrums. Dorthin richten wir auch zunächst unsere Schritte. Das 1988 eröffnete Hong Kong Convention & Exhibition Centre (HKCEC) steht direkt am Wasser.  Schon wenige Jahre nach der Eröffnung war das Messe- und Kongreßzentrum zu klein, sodaß 1997 zusätzliche Hallen auf einer künstlichen Insel im Hafen entstanden sind. Insbesondere von der Promenade in Kowloon gesehen präsentiert sich die moderne Haupthalle sehr schön vor dem Hintergrund der Hongkonger Skyline.  Nach der Rückkehr der ehem. britischen Kolonie zu China wurde vor dem Hauptgebäude des HKCEC-Zentrums eine goldene Bauhinia-Skulptur  aufgestellt, die Hongkongs Wappenblume. Wir betreten das zur Wasserseite vollständig verglaste Hauptgebäude und wandern durch die Fluren und Etagen. Nicht alle Bereiche sind zugänglich, denn gerade findet dort wieder ein Kongreß statt. Im Infobereich der Halle bekommt man verschiedene kostenlose Stadtpläne der zentralen Stadtteile mit dreidimensional dargestellten wichtigsten Hochhäusern der Insel.
Hinter dem Kongreßzentrum befindet sich das noble Grand Hyatt Hotel, dessen stillvolle Eingangshalle wir kurz besichtigen. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zum modernen Bürohochhaus Central Plaza,  zwischen Harbour Rd. und Gloucester Rd. gelegen. Mit 374 m Höhe und 78 Geschossen ist es zur Zeit das höchste Gebäude in der Skyline von Hongkong.  Wir wollen auf die Aussichtsplattform herauffahren, die sich in der 46. Etage des Hochhauses befindet, leider das reichlich vorhandene Sicherheitspersonal läßt uns nicht durch. Nach den terroristischen Anschlägen in New York im vergangenen September werden zur Zeit keine Touristen zur Aussichtsetage durchgelassen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als sich in der weihnachtlich schön geschmückten Eingangshalle umzusehen.
Anschließend bummeln wir weiter durch das alte Wanchai Richtung Osten, überqueren die Hennessy Road - die Hauptverkehrsader zwischen Wanchai und Causeway Bay - und erreichen nach einiger Zeit das Times Square,  das größte Einkaufszentrum im Bezirk Causeway Bay.  Unterwegs sehen wir in dem ursprünglichen Teil von Wanchai meistens drei- bis fünfstöckige schmale Häuser mit kleinen Läden, Familienbetrieben und winzigen Wohnungen. Draußen hängen die großen Ventilatoren, die Wäsche und einiges mehr.  Im modernen Times Square Gebäude gibt es in den Fluren auf allen Etagen Terminals mit kostenlosem Internetzugang. Dank der eingebauten beweglichen Webcams kann man von hier aus auch E-Mails mit Bildern und sogar mit kleinen Videosequenzen verschicken. Auch wir nutzen die Gelegenheit und schicken an Daheimgebliebene einige Aufnahmen von uns. Dann bummeln wir noch durch das auch architektonisch interessante Einkaufszentrum und verlassen es schließlich Richtung Osten.
Über die Percival Street erreichen wir die Kreuzung mit der Hennessy Road, die östlich davon in die Yee Woo Street übergeht. Entlang dieser Straße verläuft auch die Hauptlinie der bekannten Straßenbahn. Auch wir wollen eine Fahrt mit dieser nostalgischen Tram unternehmen. Bereits seit 1904 rollt die Straßenbahn entlang der Nordküste der Insel Hongkong zwischen Kennedy Town im Westen und Shau Kei Wan im Osten. Die zahlreichen Straßenbahnen verkehren im Abstand von wenigen Minuten und befördern täglich bis zu 280.000 Passagiere. Gegen 13.00 Uhr erreichen wir eine Haltestelle an der Yee Woo Street in der Nähe der U-Bahn-Station Causeway Bay und schon bald kommt eine Tram Richtung Westen. Es sind immer zweistöckige, nostalgisch aussehende Einzelwaggons, die bunt mit diverser Werbung beklebt sind. Man steigt immer durch die hintere Tür ein, arbeitet sich während der Fahrt nach vorne durch und steigt durch die vordere Tür aus. Bezahlt wird erst beim Aussteigen (!), und zwar vorne beim Fahrer hängt ein Kasten, in den man das passende Fahrgeld einwirft. Und das Beste daran ist, daß die Fahrt immer 2,- HK$ kostet, unabhängig von der Strecke, die man gefahren ist.
Auch wir steigen hinten ein und gehen gleich über eine schmale Wendeltreppe nach oben. Die Bahn ist zur Mittagszeit mittelvoll (eine überfüllte haben wir vorher durchgelassen), aber schon bald bekommen wir zwei Sitzplätze ganz vorne, an der Stirnseite über dem Fahrer. Von hier aus kann man die Fahrtstrecke und das bunte Treiben auf den Straßen Hongkongs optimal beobachten.  Die Tram ist ein ideales Sightseeing-Mittel an der Nordküste. Zunächst geht die nicht allzu schnelle Fahrt über Wanchai zurück ins Zentrum: wir fahren hier durch die Hochhausschluchten an den bekannten Hochhäusern u.a. von Lippo Centre, Bank of China  und HSBC-Bank an der Queensway, an dem Chater Garden und am Legislative Council Gebäude (Parlament) im Herzen der Stadt vorbei. Dann taucht die Straßenbahn langsam entlang der Des Woeux Road in den westlichen Stadtteil ein, mit immer weniger protzigen Hochhäusern und dafür mit immer mehr älteren, enggebauten Wohn- und Geschäftshäusern, an denen wieder draußen die großen Klimaanlagen die Blicke anziehen. Hier ist noch das traditionelle alte China zu finden. Aber immer wieder gibt es dazwischen auch einzelne neue Hochhäuser. Am Western Market kurvt die Tram um das schöne Kolonialgebäude aus dem Jahr 1906 im viktorianischen Baustil, in dem sich früher eine große Markthalle befand. Heute befinden sich in dem aufwendig renovierten Gebäude zahlreiche Stoff-, Kunsthandwerk- und Souvenirläden sowie ein chinesisches Restaurant. Unsere Fahrt geht dann weiter über die Des Voux Road West im Bezirk Sai Ying Pun. Bald biegt die Bahnlinie scharf nach Norden und dann wieder nach Westen ab und uns eröffnen sich einige Blicke auf die Küstenlinie der Insel im Stadtteil Western. Die Straßenbahn wird immer leerer, wir nähern uns langsam der letzten Station in Kennedy Town. Hier befindet sich die riesige Schlafstadt der Insel, mit unzähligen tristen Wohnhochhäusern und ihren winzigen Wohnungen.
Nach ca. 50 Minuten Fahrt an der Endstation der Tram angekommen, verlassen wir als letzte den Waggon und gehen zum nur wenige Schritte entfernten Ufer. In der Nähe befinden sich mehrere alte Lagerhallen und andere alte Gebäude.  Ich spüre die neugierigen Blicke von wenigen Arbeitern, die hier gerade ihrer Arbeit nachgehen, und habe das Gefühl, daß sich nur wenige Touristen in diese Gegend verirren. Hier fühle ich mich nicht so sicher, wie sonst auf der Insel. Außerdem gibt es für mich wenig Interessantes zu sehen. Alexandra will hier aber nach interessanten Motiven für ihre Kunstfotos suchen. Wir trennen uns also und ich fahre mit der nächsten Bahn zurück zum Western Market. Hier steige ich aus und gehe weiter zu Fuß durch das alte Geschäftsviertel mit seinen vielen urigen und praktischen Läden. Ich orientiere mich nach Süden und komme dann zur Hollywood Road, Hongkongs Antiquitätenstraße.  Hier besichtige ich nochmals den alten Man-Mo-Tempel, den ich bereits vorgestern Abend besucht habe (Beschreibung siehe dort). Nach wie vor macht die Atmosphäre im Tempel einen großen Eindruck auf mich und ich verbringe hier wieder eine Weile.  Dann geht es weiter Richtung Osten. An den steilen und schmalen Querstraßen, die die Hollywood Road kreuzen, befinden sich häufig verschiedene Marktstände mit Obst und Lebensmitteln. Gegen Ende der Hollywood Road erreiche ich die Rolltreppe (Escalator), über die ich runter bis zum Central Market fahre.
Von dort aus geht es dann weiter Richtung Südosten entlang der Queens Road Central. Hinter dem HSBC-Gebäude entdecke ich einen schmalen Weg auf einen Hügel herauf.  Ich gehe einfach aus Neugier hin, anderen Leuten hinterher. Oben angekommen befinde ich mich in der kleinen Gartenanlage der St. John's Kathedrale.  Diese nicht allzu große Kathedrale steht hier oben im Schatten der sie umgebenden Hochhäuser,  und ich hätte sie hier nie vermutet. Die Kathedrale gilt als die wahrscheinlich älteste anglikanische Kirche in Ostasien (geweiht 1849).
Nach einer kurzen Besichtigung der ansonsten unspektakulären Kirche sowie einem Rundgang durch die Umgebung gehe ich zurück zum am Fuß des Hanges stehenden Gebäude der HSBC-Bank. Seine eigenwillige, von Sir. Norman Foster entworfene und der Brückenbauweise folgende Konstruktion aus Stahl und Glas ist einmalig. Alle Kabel und anderen technischen Einrichtungen wurden von Außen angebracht. Von dem offenen Durchgang unter dem Hochhaus führen Rolltreppen ins Innere, und es lohnt sich, hinauf zu fahren. In dem Großraumbüro in der ersten Etage befinden sich rund um einen gigantischen Lichtschacht unzählige Schalter, wo die Kunden ihre Anliegen erledigen können. Man kann hier ohne weiteres auch als Tourist durchspazieren.
Nachdem ich mich in diesem futuristischen Gebäude umgeschaut habe, erhole ich mich ein wenig im benachbarten kleinen Park - Chater Garden - unterhalb des Bank of China. Das 70-geschössige, 369 m hohe Bauwerk vom Architekten You Ming Pei war bis 1992 das höchste Gebäude in Asien.  Da heute Vormittag der Besuch der Panorama-Etage im Central Plaza Hochhaus nicht klappte, versuche ich jetzt die 43. Etage des Bank of China Towers zu erreichen, von wo auch ein Blick über die Stadt möglich ist.  Diesmal ist die Auffahrt zur Aussichtsetage problemlos möglich, jedoch der Ausblick ist nicht zu allen Seiten offen. Von dem Flur, den ich erreiche, kann man nur nach Osten und Norden ausschauen - nach Central  und zum Kowloon hin. 
Von der HSBC-Bank ist es nicht mehr weit zu meinem nächsten Ziel - zur Talstation der Peak Tram an der Garden Road, die sich unter einem Hochhaus befindet. Man muß vom Bankgebäude diese Straße nur ein Stückchen hochlaufen. Die berühmte Zahnradbahn wurde 1888 errichtet. In nur ca. 8 Minuten bringen die Wagen die Einheimischen und Touristen auf der 1,4 km langen Strecke (367 Höhenmeter) zum Ziel - zu dem modernen Peak Tower, in dem sich die Endstation befindet. Auf der gesamten Strecke verkehren nur 2 Wagen, die mit einem Stahlseil verbunden sind, sodaß der talwärts fahrende den anderen z.T. durch sein Gewicht hochzieht. Die Bahn fährt alle 10 bis 15 Minuten, trotzdem muß ich unten etwas länger warten, denn die Warteschlange ist groß. Die Fahrt hin und zurück kostet 30,- HK$. Bereits bei der Auffahrt bieten sich auf der rechten Seite schöne Aussichten. Oben bin ich gegen 17.00 Uhr.  Da ich bis zum Sonnenuntergang noch etwas Zeit habe, und ich die Aussichten beim Tageslicht bereits am Dienstag genossen habe, spaziere ich jetzt über verschiedene Wege am Peak. Kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit bin ich wieder an der Aussichtsterrasse vor dem Peak Tower. Inzwischen ist es hier ganz voll - viele Touristen haben bereits ihre Kameras auf Stativen aufgebaut und optimal positioniert.
Nach dem Sonnenuntergang bietet sich allen eine einmalige Aussicht - ein funkelndes Meer von bunten Lichtern erstrahlt die bebauten Gebiete in Kowloon und auf der HongkongInsel, die Bucht dazwischen und den Himmel darüber.  Durch die z.T. imposanten weihnachtlichen Neondekorationen an den Hochhäusern wird der Eindruck noch verstärkt. Es ist wirklich schwer, von hier wegzugehen. Ich besteige dann noch die Plattform auf dem Dach des Peak Tower, das wieder andere Perspektiven bietet als die Terrasse unten. Es wird langsam kühl und windig hier oben, und schweren Herzens mache ich mich gegen 19.00 Uhr mit der vollen Peak Tram auf den Weg nach unten. Von der Talstation gehe ich zu Fuß durch das nächtlich erleuchtete und mit Leben weiter pulsierende Zentrum zur Star Ferry Pier. Die Überfahrt mit der Fähre nach Kowloon bietet wie immer spektakuläre Ausblicke. In Kowloon angekommen, gehe ich entlang der Uferpromenade zum Hotel und mache vom Ufer aus noch einige Aufnahmen der Hongkonger Skyline "by night".   Zurück im Hotel bin ich gegen 20.00 Uhr. Alexandra wartet schon und gleich gehen wir gemeinsam etwas essen. Anschließend bummeln wir durch die Nathan Road bis zum berühmten Nachtmarkt an der Temple Street, die im Westen parallel zur Nathan Road zwischen Kansu Street und Jordan Road verläuft. Abends (ab ca. 18.00 Uhr) verwandelt sich die Straße in einen großen Markt im Freien. Hier kann man fast alles billig kaufen - z. B. Uhren, Textilien, Lederwaren, Elektronik, CDs - alles Markenerzeugnisse (natürlich meistens gefälscht). Man muß sich hier aber auch vor Taschendieben sehr in Schutz nehmen - zwischen den eng aufgebauten Ständen kann man manchmal kaum durchkommen, alle drängen sich auf engstem Raum. Ziemlich müde kehren wir ins Hotel gegen 23.00 Uhr zurück.

Hong Kong Island - Blick vom Kongreßzentrum HKCEC aus auf Admirality und die Skyline von Hongkong - HONGKONG

Hong Kong Island - Blick aus dem 43. Stockwerk des Bank of China Towers Richtung Nordwesten, hinten  The Center  Hochhaus, vorne unten das Parlamentsgebäude - HONGKONG

Hong Kong Island - nächtlicher Blick vom Victoria Peak auf die leuchtende Skyline von Hongkong - HONGKONG

6. Tag:

- New Territories, Kowloon -
Fanling: Fung Ying Sin Koon Tempel; Kowloon: Vogelmarkt, Blumenmarkt, Jademarkt, div. Straßenmärkte in Mongkok

Schon traditionell gehen wir gegen 8.30 Uhr zum benachbarten McDonald´s, um dort zu frühstücken. Heute möchte ich nach Fanling in die nördlichen New Territories fahren, um dort einen taoistischen Tempel zu besichtigen. Um 9.30 Uhr lege ich also los und gehe zu Fuß entlang der Uferpromenade zum KCR-Bahnhof in Hung Hom. Das Wetter ist heute leider nicht besonders einladend - es ist ziemlich bewölkt. Um 10.07 Uhr kommt die nächste KCR-Bahn, in die ich einsteige. Die Fahrt nach Fanling - die drittletzte Station vor der Grenze nach China dauert 33 Minuten und kostet 9,- HK$. Der Weg führt durch eine interessante hügelige Landschaft mit vielen exotischen Bäumen, wie z.B. Bananenbäumen, die in kleinen Gruppen immer wieder zu sehen sind. Teilweise führt die Bahnstrecke entlang der Küste einer großen Bucht im Osten der New Territories. In den Satellitenorten, die wir durchqueren, dominieren überall riesige, eng stehende Wohnhochhäuser.
Von der Station in Fanling sieht man schon im Westen den auf einem Hügel gelegenen Tempel, der das Ziel meines Ausfluges ist. Der 1929 von einem Mönch aus Guangzhou gegründete Fung Ying Sin Koon Tempel ist der größte taoistische Tempel in Hongkong.  Als ich nach ca. 5 Minuten Fußweg am Tempeleingang bin, fängt es an zu nieseln, so daß ich mit dem Rücksack, der Kamera und dem Regenschirm hantieren muß. Ich bin beeindruckt von der interessanten Architektur der Tempelanlage. Vor der prächtigen Haupthalle des Tempels, die über eine lange Treppe erreichbar ist, befindet sich ein großes schönes Tor. Viele Chinesen sind hier zum Besuch und zünden ihre Räucherstäbchen vor dem Tempel an.   Hinter der Haupthalle, höher am Hang, befindet sich eine lange gekachelte Mauer mit goldenem Wandgemälde, das die 72 Unsterblichen darstellen soll (Wall of Daode Jing).  Weiter hinten befinden sich mehrere Ahnenhallen mit kleinen Nischen, welche die Urnen mit Asche der Verstorbenen beinhalten. Auf den Abschlußplatten befinden sich meistens Fotos der Verstorbenen sowie kurze Texte auf chinesisch. Davor werden von den Angehörigen Opfergaben aufgestellt. Die Anlage befindet sich im Grünen, es gibt hier viele schöne Blumenbeete. Es blühen gerade auch die Bauhinia-Bäume, deren Blüten die Nationalblume Hongkongs ist.  Vom oberen Hang hat man über den Dächern des Tempels einen guten Ausblick auf die im Hintergrund dominierenden Hochhäuser von Fanling.  In einem der vielen Nebengebäude des Tempels bekommen die Gläubigen und auch andere Besucher ein vegetarisches Essen, das von den Mönchen vorbereitet wird. 
Ich habe aber noch keinen Hunger und gegen 12.00 Uhr gehe ich zurück zur KCR-Station. Inzwischen regnet es schon ziemlich stark. Das schlechte Wetter bleibt uns heute leider den ganzen Tag erhalten. Mit KCR fahre ich zurück, aber nur bis zur Station Kowloon Tong in den New Territories (7 Stationen), wo sich die KCR-Linie mit der MTR-Bahn kreuzt. Die Überfahrt kostet ebenso 9,- HK$. Von hier aus will ich zu Fuß zu unserem Hotel gehen. Direkt an der Bahnstation befindet sich ein riesiges Einkaufszentrum "Festival Walk Plaza" . Es überrascht mich sehr, denn ich sehe hier kein größeres Zentrum mit mehreren Wohnhochhäusern. Also warum gerade hier ein so großer Einkaufstempel? Ich bummele jedenfalls ein wenig durch das architektonisch schöne Gebäude mit seinen zahlreichen Geschäften und Restaurants, die tatsächlich gut besucht werden.
Vor dem Einkaufszentrum verläuft parallel zur KCR-Bahnlinie eine Hauptstraße - Tat Chee Road - und ich gehe sie entlang Richtung Süden. Es scheint hier eine vornehmere Gegend zu sein - die Häuser sind nicht so hoch und dicht gebaut wie sonst in Hongkong, meistens nur 4geschossig. Sogar einige Reihenhäuser umgeben von schönen grünen Gärten entdecke ich hier. Über diese Straße komme ich bis zu der weiten Anlage des Fa Hui Parks und zur Boundary Street, die schnurgerade in Ost-West Richtung verläuft und eine Grenze zwischen New Territories im Norden und Kowloon im Süden bildet. Es ist eine geschichtsträchtige Straße, denn bis zur Verpachtung der New Territories durch China an Hongkong im Jahre 1898 verlief hier die Grenze zwischen der britischen Halbinsel Kowloon und dem chinesischen Festland.
Jetzt gehe ich ca. 200 m über die Boundary Street nach Osten und kurz vor der Bahnbrücke biege durch ein Tor nach rechts in die schmale Yuen Po Street ab. Hier befindet sich der bekannte Vogelmarkt, wo sich chinesische Vogelexperten zum plaudern treffen und ihre Singvögel in kunstvollen Käfigen spazieren führen.  Vor allem ältere Männer treffen sich hier gerne und präsentieren ganz stolz ihre Lieblinge. Natürlich kann man hier neben verschiedensten laut zwitschernden Singvögeln auch schöne Käfige, Wasser- und Futterbehälter sowie trockenes und lebendes Vogelfutter (u.a. Spinnen und Würmer) kaufen.  Am anderen Ende de Yuen Po Street biege ich nach rechts zum Blumenmarkt (Flower Market) ab, der den ganzen Block zwischen den Straßen Prinze Edward Road West und Flower Market Road umfaßt.  In dem Straßenviereck befindet sich ein Blumengeschäft neben dem anderen. Und alle haben etwas Besonderes anzubieten - geschnittene Blumen oder Topfpflanzen aus der ganzen Welt, großartig dekorierte Sträuße oder kleinwüchsige Bonsai-Bäumchen.  Auch ich kann dem Blumen- und Pflanzenzauber nicht widerstehen und kaufe mir zwei filigrane Bonsais.
Nach dem optischen Genuß der farbenprächtigen Blumen gehe ich über die Prince Edward Road ein Stückchen weiter nach Westen hin und tauche dann bald in das Gewühl in den südlich davon liegenden Straßen des Stadtteils Mong Kok ein. Mong Kok gilt als das am dichtesten besiedelte Stadtgebiet der Welt. Das merkt man sofort auf den Straßen, die hier wie in einem Raster auf beiden Seiten der Hauptverkehrsader Nathan Road verlaufen. Besonders östlich der Nathan Road befinden sich in den etwas heruntergekommenen Hochhausschluchten unzählige traditionelle Märkte. Das Charakteristische dabei ist, daß sich jeweils mehrere Geschäfte und Straßenmärkte der gleichen Branche in einer Straße gruppieren. Und so gibt es z.B. den sehenswerten Goldfischmarkt in der Tung Choi Street. Die meisten Geschäfte sind an der Vorderfront offen und ziehen so die Blicke der Passanten an. Beide Wände der Geschäfte sind vollständig mit Aquarien bedeckt, in denen sich neben den Goldfischen zahlreiche andere exotische Zierfische tummeln. Meistens direkt an den Eingangstüren hängen bündelweise kleine Plastikbeutel mit etwas Wasser, in denen kleinere und größere Fische schwimmen. So werden sie auch von den Käufern nach Hause getragen. Man merkt, daß die Fische für Chinesen etwas Besonderes sind - gelten sie doch als Symbol des Überflusses - denn vor den Geschäften gibt es überall sehr viele Interessenten und Schaulustige. Außerdem werden in der Straße auch andere Tiere verkauft - z.B. Kaninchen, Schildkröten etc.
Am Anfang dieser Straße, wie auch in den Nachbarstraßen wird ein Markt abgehalten - hier kauft man frisches Gemüse, Obst  und andere Lebensmittel. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Imbisse und Stände, wo das chinesische Fastfood verkauft wird. Obwohl es immer noch regnet, ist hier wirklich eine Menge los - manchmal gibt es überhaupt kein Durchkommen mehr auf den Bürgersteigen. Man hat kaum eine Chance, den Menschenmassen auszuweichen, wenn man in die Gegenrichtung will. Also muß man sich einfach von der Masse in die vorgegebene Richtung tragen lassen.
Etwas abseits der so stark frequentierten Straße finde ich eine große Markthalle, in der auch verschiedene Lebensmittel - vor allem unterschiedlichste Fische und andere Meeresfrüchte,  aber auch Fleisch und Gemüse verkauft werden. Etwas weiter südlich ändert sich der Charakter der Geschäfte - es folgt der Elektronikmarkt mit diversen Elektronik- und Haushaltsgeräten. Noch weiter südlich liegt der bekannte sog. Ladie's Market.  Auf zahlreichen Ständen liegen hier vor allem Kleidung und Schuhe aus, aber auch Schmuck, Uhren und Haushaltsgeräte. In der Parallelstraße werden wiederum Sportartikel angeboten. An der Kreuzung mit Dundas Street angekommen, verlasse ich das Gewühl der Straßen von Mong Kok und biege zur Nathan Road ab. Auch hier herrscht sehr viel Betrieb. Dazu kommt noch der ununterbrochene Fluß von Autos und Bussen.
Der Gang über die Nathan Road, jetzt durch den Stadtteil Yau Ma Tei, ist also nicht weniger anstrengend; gut, daß es zumindest aufgehört hat zu regnen. Auf der Hauptstraße komme ich bis zur Kreuzung mit der Public Square Street, wo ich schon am vergangenen Dienstag den geschlossenen Tin Hau Tempel besuchen wollte. Etwas weiter westlich, zwischen dieser Straße und der Kansu Street befindet sich in einer großen Halle der Jade Market. Jade ist ein meist grünlicher traditioneller Schmuckstein, der in China sehr geschätzt wird. In dieser Halle gibt es wohl Hunderte kleine Stände mit unzähligen größeren und kleineren Erzeugnissen aus Jade: Schmuckstücke für Frauen und Männer, Amulette, fein geschnitzte Dekorationen, Rohlinge, geschliffene Steine und vieles mehr. Ich bin heute aber schon zu müde, um die kleinen und großen Schätze genau zu bewundern, also laufe ich durch die luftige Halle nur schnell durch.
Danach gehe ich über die Kansu Street und weiter über die Temple Street zur Nathan Road zurück. Dann geht es über den mir bereits bekannten Teil der Nathan Road zurück ins Hotel, wo ich gegen 17.00 Uhr ankomme. Das erste was ich hier nach dem anstrengenden Tag mache, ist eine ausgiebige Dusche und anschließend eine kurze Erholung. Um 19.00 Uhr gehen wir gemeinsam noch etwas essen, diesmal zum KFC. Auf den Straßen - vor allem auf der Nathan Road - ist heute wirklich was los. Ob es daran liegt, daß heute ein Samstag ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sind die Menschenmassen stellenweise so groß, daß man kaum durchkommen kann. Nach dem Essen gehen wir zügig wieder ins Hotel, denn heute noch wollen wir unsere Koffer packen, um vor der morgigen Abreise noch Zeit für einen weiteren Besuch der HongkongInsel zu haben.

    New Territories - Fanling, taoistischer Fung Ying Sin Koon Tempel, Innenraum - HONGKONG               Kowloon - Nathan Road, Häuser in der Nähe der Yau Ma Tei U-Bahn-Station (beim Sonnenuntergang) - HONGKONG

7. Tag:

- Hong Kong Island -
Escalator, Zoologischer und Botanischer Garten, Hong Kong Park, Pacific Place, Harcourt Garden

Auch unser letzter Tag in Hongkong beginnt gegen 8.30 Uhr mit einem Frühstück in unserem Stammrestaurant. Nach dem Essen kehren wir noch kurz ins Hotel zurück, aber schon wenige Minuten später geht es zu unserem letzten Trip auf die HongkongInsel. Wir nehmen den Umweg zum Star Ferry Terminal über die Uferpromenade, um nochmals die phantastische Aussicht auf die Insel zu genießen. Mit der Star Ferry setzen wir nach Central über, wo wir um ca. 10.00 Uhr ankommen. Zunächst gehe ich noch zum General Post Office, das sich direkt am Star Ferry Pier befindet. Ich muß dort noch einige Briefmarken für Postkarten kaufen. Auf Wunsch werden in dem Postamt die aufgegebenen Karten und Briefe mit einem Dauer-Sonderstempel entwertet. 
Nach Erledigung der Urlaubskorrespondenz gehen wir über die Connaught Road Central nach Westen Richtung Hang Seng Bankgebäude, wo der Aufgang zur Rolltreppe (Escalator) beginnt. Unterwegs sehen wir auf den Bürgersteigen, Plätzen und später auch in den Fußgängerbrücken und -überführungen sehr viele wohl philippinische Frauen und Mädchen. Sie sitzen zum Teil grüppchenweise auf Decken, Zeitungen oder Kartons, die auf dem Boden ausgebreitet sind, und schlafen dort bzw. essen ihr Frühstück. Zunächst haben wir keine Erklärung dafür, bis auf die Tatsache, daß heute ein Sonntag ist und vielleicht irgendwelche Veranstaltung stattfindet. Aber warum sind es gerade nur philippinisch aussehende Frauen, die hier überall sitzen? Und worauf warten sie in den Gruppen? Wie wir später erfahren, arbeiten sehr viele Frauen aus dieser Region in Hongkong als Kinderbetreuerinnen, Haushaltshilfen und Putzfrauen. Heute, am Sonntag, haben sie ihren freien Tag und scheinen, ihn gemeinsam verbringen zu wollen.
In der Nähe des Star Ferry Piers sehen wir auch wieder die philippinischen Frauen, die auf der Straße große Pakete verpacken und sie in dort stehende LKW's verladen. Ist also ein Sonntag der Tag, an dem sie ihre Pakete in die Heimat verschicken? Später sehen wir woanders eine sehr große Warteschlange - unzählige Philippinerinnen, die mit verschiedenen Formularen vor einem Gebäude stehen. Etwa ein Immigrationsbüro? Ist der heutige Tag also der Tag, an dem neue Gastarbeiterinnen aus Philippinen kommen und hier von den Bekannten erwartet werden? Bis zum Schluß unseres Aufenthaltes können wir den Grund für die heutige massive Präsenz der philippinischen Frauen im Stadtzentrum nicht herausfinden.
Vom Hang Seng Gebäude gehen wir über die Fußgängerbrücken und Passagen zum Central Market - auch hier campen die philippinischen Frauen - und kommen hier wieder zum Escalator. Mit der längsten Rolltreppe der Welt fahren wir bergauf bis zum Ende an der Conduit Road. Unterwegs muß man ab und zu die Rolltreppe wechseln und einige Schritte zu Fuß machen, aber ansonsten rollt man bequem herauf und kann von oben das Leben auf den Straßen beobachten. Manchmal verläuft die Rolltreppe durch sehr schmale Gassen und man guckt von dort den Bewohnern direkt in die Fenster.
Am Ende des Escalators oben am Hang ist es schon deutlich ruhiger, wir sind nicht mehr in dem quirligen Zentrum. Jetzt gehen wir Richtung Osten zum Zoologischen und Botanischen Garten, der nicht weit von hier entfernt ist. Dazu müssen wir aber noch einen verwirrenden Verkehrsknoten von mehreren Schnellstraßen durchqueren, die sich auf mehreren Ebenen hier an dem steilen Hang kreuzen. Es ist nicht ganz so einfach, aber bald finden wir den richtigen Weg unter den Betonbrücken, der uns zum Zoo führt. Der von uns gewählte westliche Eingang liegt wirklich unter und neben den auf Betonstelzen verlaufenden Straßen; von der anderen Seite begrenzen Hochhäuser das Gelände. Ich überlege, wie hier überhaupt noch irgendwelche Tiere leben können. Aber später wird das am Hang liegende Gelände breiter, und dort ist es auch sehr ruhig im Gegensatz zum Großstadttreiben drumherum.
Der Zoological und Botanical Garden wurde von den Briten, die hier wie in allen ihren Kolonien botanische Gärten zu Forschungszwecken anlegten, im Jahre 1871 eröffnet.  Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zu dem ursprünglich nur botanischen Garten noch Tiere dazu. Vor allem sind es hier verschiedene Vogelarten, die man bewundern kann. Außerdem gibt es nicht viele größere Tiere: einige Gorillas (einer blättert gerade in einer Zeitung, als wir vorbeigehen ;-)), und andere Affenarten, Reptilien, ein Jaguar und das war's fast schon. Viel interessanter sind die ca. 1000 exotischen Bäume und andere Pflanzen aus tropischen und subtropischen Gebieten, die sehr gut beschildert sind. Mir gefällt besonders gut der kleine Bambus-Garten mit verschiedensten Bambusarten, im Osten der Anlage, an der Garden Road gelegen. Der eher kleine Garten ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, was man am heutigen Sonntag gut merkt, zumal der Eintritt frei ist. Wir durchqueren das Gelände vom Westen nach Osten - im Zentrum befindet sich ein Denkmal der Königin Viktoria, etwas nordöstlich davon ein großer Platz mit einem schönen Wasserbrunnen.  Man könnte die Zeit in dieser Oase der Ruhe richtig genießen, leider ist der heutige Tag sehr stark bewölkt und die passende Stimmung kommt bei mir nicht so auf. Den Garten verlassen wir durch den östlichen Eingang an der Garden Road und gehen die Straße dann herunter bis zur Talstation der Peak Tream. Ein Stückchen weiter östlich davon beginnt das große Gelände des HongkongParks. Der erst 1991 auf einem ehemaligen Kasernengelände angelegte, 10 Hektar große Park ist die grüne Lunge von Central. Der Park ist in verschiedene Bereiche gegliedert und beherbergt viele Attraktionen. Auch hier sehen wir sehr viele Besucher und einige Hochzeitgesellschaften. Auf Anfrage von einige Freunde und bekannten, präsentiere ich einige Zaubertricks, zum Vergnügen von allen. Die jungen Hochzeitspaare lassen sich hier gerne vor verschiedenen Motiven fotografieren, auch an einem so trüben Tag wie heute. Wir bummeln durch die schön gestalteten Parkwege. Auch hier gibt es sehr viele exotische Palmen sowie andere Bäume und Pflanzen. Schöne Teiche  und ein Wasserfall runden das Bild ab. Die größte Attraktion hier, die wir natürlich auch besuchen, ist ein ca. 3000 qm großes Aviarium. Diese als tropischer Regenwald gestaltete Voliere mit mehr als 150 Vogelarten kann auf hochgelegenen Stegen begangen werden. Wären nicht die zahlreichen Besucher hier, könnte man wirklich den Eindruck haben, sich in einem malaysischen Regenwald zu befinden. Immer wieder entdeckt man in den Baumkronen der riesigen Palmen und anderer Bäume, auf den Baustämmen oder unten im dichten Gehölz bunte exotische Papageien oder andere Vögel. Ein großes Netz überspannt das ganze Gelände, und spezielle Schleusen an den Eingängen sorgen dafür, daß die Vögel nicht in die Freiheit gelangen. Besonders für die Kinder ist der Besuch hier ein Muß.
Auch diese Parkanlage durchqueren wir von Westen nach Osten  und verlassen sie durch den Ausgang an der Supreme Court Road. Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite stehen auf dem Pacific Place drei Hotelhochhäuser: Island Shangri-La, Conrad Int'l und Marriott. Zwischen diesen Hochhäusern erreichen wir das große Einkaufszentrum Pacific Place One - natürlich herrscht auch hier ein reger Betrieb. Auch der McDonald´s ist überfüllt - doch wir finden noch ein Plätzchen, um eine Kleinigkeit zu essen. Nach einem kleinen Bummel durch den Einkaufstempel  gehen wir zum Harcourt Garden, einer kleineren Parkanlage, die sich schräg gegenüber, auf der anderen Seite von Queensway Road befindet, unweit der U-Bahn Station Admirality.
Hier ist richtig was los: schon wieder entdecken wir die hier zahlreich versammelten und campierenden südostasiatischen Frauen. Diesmal feiern sie mit, denn an mehreren Stellen im Park stehen mehrere Frauen in Kreisen und singen bzw. tanzen zu laufender Musik. Uns wundert es nur, daß viele Frauen einheitlich weiß angezogen sind. Erst ein wenig später entdecken wir, daß hier eine religiöse Sekte - die Christus is Love Church - ein Fest feiert. Aber was der Anlaß dafür ist und warum schon wieder fast nur philippinische Frauen hier versammelt sind, können wir nicht erraten. Wir beobachten das ganze bunte Treiben eine Weile, dann trennen wir uns. Alexandra will noch ein paar Fotos machen und dann schon früher ins Hotel zurückfahren, ich möchte noch den letzten Tag in Hongkong genießen und noch etwas länger durch die Stadt bummeln.
Vom Harcourt Garden gehe ich nochmals zum HongkongPark zurück, wo ich das Teemuseum besichtigen will. Das Museum of Teaware befindet sich in dem zweistöckigen, weiß getünchten Flagstaff House von 1846, das in der Nordecke des Parks vor den großen Lippo-Zwilingstürmen steht.  In diesem im neogriechischen Still erbauten Gebäude befand sich früher die Residenz der Militärkommandeure. Heute wird hier die Geschichte und Kultur des Teetrinkens dokumentiert. Die interessante Ausstellung veranschaulicht das Thema mit Hilfe von zahlreichen Schautafeln, Krügen, Tassen, Kannen und anderem Zubehör aus verschiedenen Ländern und Epochen. Der Museumseintritt ist frei.
Nach der Besichtigung gehe ich weiter durch den Park, an dem architektonisch interessanten Conservatory-Gebäude, an einem Amphitheater, Gewächshäusern und einem Lehrpfad vorbei bis zu einem Tai-Chi Hof im Zentrum der Anlage. Direkt daneben befindet sich ein 30 m hoher Aussichtsturm, den ich über die 105 Stufen erklimme. Von oben hat man einen guten Ausblick auf den gesamten Park und auf die umgebenden Hochhäuser bis hin zum Victoria Peak. Anschließend mache ich noch einen Abstecher zum vorher schon besuchten Zoologischen und Botanischen Garten, um den noch verbleibenden Film zu Ende zu knipsen.   Dann geht es über die Garden Road herunter, an der St. John's Kathedrale vorbei zum HSBC-Hochhaus. Der gesamte Durchgang unter dem Gebäude ist voller Menschen - auch hier sitzen auf Decken und Papier ganze Gruppen südostasiatischer Frauen und picknicken. Ich gehe weiter und sehe, daß die Straßen im Zentrum um das Parlamentsgebäude für den Autoverkehr gesperrt sind. Stattdessen sind hier verschiedene Stände aufgebaut, um die sich Massen von Menschen bewegen. Den Plakaten entnehme ich, daß hier eine Art Volksfest der Organisation ACCA (Association of Chartered Certified Accountants) - Charity Fun Day 2001 - stattfindet. Leider ist es für mich schon zu spät, um mir das Ganze noch länger anzuschauen.
Mit der Star Ferry setze ich nach Kowloon über und genieße noch die letzte Fahrt und den tollen Panoramaausblick auf die Skyline. Um 16.15 Uhr bin ich wieder in unserem Hotel, mache mich noch frisch, packe die letzten Sachen ein und gegen 18.00 Uhr checken wir an der Rezeption aus. Jetzt warten wir auf unseren Transfer zum Flughafen, der sich leider verspätet. Wir haben schon Sorgen und Bedenken, ob man uns nicht vergessen hat, erfahren aber später, daß der Betreuer von der Reiseagentur im Hotel angerufen hat, er stecke im Stau und komme später. Gegen 20.00 Uhr ist es soweit, wir werden abgeholt und von Kowloon über die große Tsing Ma Brücke auf die Insel Lantau zum Internationalen Flughafen gebracht. Da der planmäßige Abflug aber erst um 23.55 Uhr stattfindet, bleibt uns Zeit genug, um durch den futuristischen der ich schon von meine andere reize in China kenne, (von meine « China-Mystery-tour » zwischen 29.04. und 22.07.1988 und meine « Millennium-Tour » zwischen 11.08. en 20.08.2000) um noch ein bisschen auf dem PS Terminal zu surfen. Der etwas verspätete Rückflug mit Cathay Pacific verläuft ruhig und angenehm, mit der bekannten guten Verpflegung und Betreuung durch die Crew, und in den frühen Morgenstunden landen wir im winterlichen, verregneten Frankfürt wieder. Nach der Feiertage fänge ich wieder mit verschiedene Galas in Deutschland an. Aber diesmal für meine Business. Ohne zu vergessen das ich ende Januar wieder nach hause in Rio gehe, für der zweiten Gebuhrtstag meine kleine Tochter Esmerala, am 26.01.2002.

Hong Kong Island - Blick vom Aussichtsturm im Hong Kong Park in westlicher Richtung auf die Skyline und Victoria Peak; rechts unter dem Hochhaus - die Anfangsstation der Peak Tram - HONGKONG

Star Ferry vor der Skyline der Hong Kong Island - HONGKONG

REIZEN-D

SHOW-TOUR